Kind will beim Vater wohnen, Vater hat alle Mittel aber will nicht - Und jetzt??

Ich habe folgendes Problem..

Mein Sohn kommt in die Pubertät und in ein Alter in dem er einen fast ungezügelten Drang nach seinem Vater hat.

Vor einem Jahr äußerte er das erste Mal zu seinem Vater ziehen zu wollen.. Mein Sohn liebt mich abgöttisch und wir haben einen sehr guten Draht zueinander, dh. er redet mit mir über so ziemlich alles offen.. Aber der männliche Part bin ich nunmal nicht und das geht ihm immens ab. Sogar so sehr, dass er täglich unzufriedener wird.

Ich habe den Wunsch meines Sohnes hingenommen, da ich es verstehen kann und auch nicht verkehrt finde den Vater mal Vater sein zu lassen und ihn daraufhin mit meinem Sohn gemeinsam angerufen und ihm die Situation erklärt.. Er wollte unseren Sohn allerdings nicht zu sich nehmen, nicht mal nur vorübergehend, was unserem Sohn gut zugesetzt hat.

Es sei dazu gesagt, dass der Kindsvater seit der Trennung, noch während meiner Schwangerschaft mit unserem Sohn sein Leben auf meinem Rücken aufgebaut hat indem er mich hat alles machen lassen. Die ersten Jahre wollte er gar keine Besuchszeiten.. Die darauffolgenden übernahm seine Mutter diese jahrelang und er wohnte ihnen mal bei und mal nicht. Seit ein paar Jahren erst funktioniert es ganz gut, dh. er übernimmt die Besuchszeiten selbst. Allerdings auch nur alle 2 Wochen von Fr auf So und nach wie vor weder Feiertage, Ferien oder sonstige Tage zwischendrin.. Unseren Sohn hatte mein Ex also in fast 12 Jahren nicht einmal länger als zwei Nächte gehabt.

Er lebt einen relativ enormen Luxus, lässt sämtliche Eigentümer jedoch auf seine Freundin schreiben, so dass er keinen Unterhalt zahlen muss. Allerdings geht er drei verschiedenen Arbeitsstellen nach (weiß ich sowohl von meinem Sohn als auch einem anderen Familienmitglied) so dass er über all die Jahre eine Menge schwarz verdient hat. Er wohnt des Weiteren in einem Einfamilienhaus (ich seit der Trennung immer noch in einer Sozialwhg). Ihm geht es also sehr gut. Über diese finanziellen Dinge geht es mir aber hier nicht.. Viel mehr will ich damit sagen, dass er alle Mittel hätte.. Viel Platz, genügend Geld, eine Partnerin, familiäre Unterstützung (die ich auch nicht habe.. Bin komplett allein).

Dieses Jahr mit Corona war, so völlig allein und mit dem steigenden Vaterkomplex meines Sohnes welcher schon nahezu in eine Depression überging für mich wirklich grenzwertig. Es täte mir nach etwa 12 Jahren sicherlich mehr als gut mich auch wieder ins Leben zu finden und wieder (RICHTIG) arbeiten zu gehen und uns auch etwas aufzubauen.. So werde ich es die nächsten Jahre auch nicht schaffen, allem voran da ich verständlicherweise auch schon an Burn Out leide nach all der Zeit zu Hause mit Kindern (wir haben noch eine etwas ältere Tochter die aber schon länger nicht mehr häufig zu ihm geht da ihr der Draht zu ihrem Vater fehlte), Haushalt, Arbeit, Schule..

Meine grundsätzliche Frage wäre, was das Jugendamt oder Familiengericht in so Fällen macht wenn die Mutter eine Auszeit braucht, der Vater seine Freiheit aber nicht hergeben will? Es kann doch nicht sein, dass das Kind ins Heim käme sollte ich sagen, dass ich nicht mehr kann und er weiterhin verweigert obwohl er alle Mittel hätte. Lässt sich das Jugendamt / Familiengericht das einfach bieten von dem Vater der ja nicht gezwungen werden kann oder versuchen die schon durch Gespräche etc. ihn dazu zu bewegen seinen Sohn auch mal länger, wenn auch nur für 2 Wochen oder 2 Monate zu nehmen oder bspw. von Anfang an das Wechselmodell einzuführen? Nicht falsch verstehen.. Ich gebe mein Kind nicht ins Heim.. Ich will nur wissen was passiert wenn ich nicht mehr kann oder das Kind einfach zum Vater will und hier deswegen alles den Bach unter geht obwohl der Vater wiegesagt alle Mittel hätte.

Vielen Danke fürs Lesen!

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Ich muss noch dazu sagen, dass ich seit einem Jahr im Wohnzimmer direkt neben der Küche und unter der offenen Treppe schlafe (ohne Tür, dh. null Privatsphäre..) da ich den Kindern auf Grund ihres Alters ein eigenes Zimmer ermöglichen wollte.. Wir haben nämlich nur 2,5 Zimmer. Aber das ist eigentlich auch keine Lösung für die nächsten 6-10 Jahre.. Wenn alles gut funktionieren würde, wäre es was anderes.. Aber mit zwei pubertierenden Kids.. Eine schon etwas länger, der andere heuer angefangen und ständig unzufrieden weil er zum Vater will.. Wozu soll ich dann so leben wenn der Vater hätte genügend Zimmer hat. Wenigstens im Wechselmodell.

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"Unseren Sohn hatte mein Ex also in fast 12 Jahren nicht einmal länger als zwei Nächte gehabt. "

Würde es dem Sohn denn wirklich gut tun, wenn der Vater gezwungen werden würde ihn zu nehmen?
Euer Sohn spürt ja die Ablehnung schon seit Jahren. Was ihn wohl immer wieder hoffen lässt, dass der Vater ihn doch irgendwann liebt.
Nur wird der Vater das nicht tun. Schon gar nicht unter Zwang.

Würde der Sohn beim Vater wohnen und der Vater liebt ihn nicht, spürt er das tagtäglich noch mehr.


Gibt es andere Verwandte, die den männlichen Part übernehmen können?
Männliche Bezugspersonen im Umfeld?
Verwandte, Freundeskreis, Sport, Jugendgruppen (Feuerwehr, Pfadfinder, ....)
Bezugspersonen müssen nicht automatisch verwandt sen.

Das andere: wenn du Angst hast, dass du bald nicht mehr kannst.
Unter 12 Jahren kannst du dein Kind als Begleitperson mitnehmen zur Reha oder ähnliches.
Ab 12 Jahren nicht mehr.

Gibt es Freunde oder Verwandte, wo er unterkommen könnte?
Entweder für eine Oasenauszeit von einer Woche
oder länger , wenn du in eine Reha fährst.

Bei Mutter-Kind-Kur kann der Sohn mit. Im Normalfall bis 12 Jahre. Bis 14 Jahre je nach Krankenkasse, einfacherenalls als Therapiekind.

Welche Oasen kannst du dir selbst schaffen?
Im Alltag?

Statt Heim gibt es auch Wohngruppen für Jugendliche. Ob diese auch als vorübergehende Pflege sein können, z.B. falls du ins KH musst, weiß ich nicht. Das kannst du beim Jugendamt erfragen. Auch ob er in der Zeit in eine Bereitschaftspflege käme.

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Ich denke es wäre so oder so nicht verkehrt. Wenn es nicht klappt hat mein Sohn wieder eine ganz andere Einstellung zu seinem. aktuellen zu Hause und auch mein Ex hätte mal eine ganz andere Einstellung zu mir.

Ich denke ganz ist auch nicht unbedingt richtig, allerdings wäre das Wechselmodell, wie ich immer öfter finde eine gute Alternative um wenigstens ein bisschen auszugleichen. Unsere Tochter wäre nach wie vor ganz bei mir.

Und leider habe ich wirklich absolut niemanden der einspringen oder mithelfen könnte/würde. Sowas hat sich in all den Jahren nie ergeben. Ich bin es schon gewohnt. Ich kenne es nicht anders und komme auch ganz gut klar, nur geht es und immer schlechter, allg. während es dem Vater immer besser geht nicht wenigstens eine zeitlang gewillt ist seinen Sohn zu sich zunehmen um ihn glücklich zu machen und einfach mal zu zeigen wies bei Papa ablaufen würde.. Und vielleicht schaut dann alles besser aus.

Sonst wollen Väter immer mehr als sie kriegen:( Ich denke das Wechselmodell wäre einfach das richtige in unserem Fall. Zumindest wäre es ein Versuch wert wenn unser Sohn das gerne ausprobieren würde.

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"Ich denke es wäre so oder so nicht verkehrt. Wenn es nicht klappt hat mein Sohn wieder eine ganz andere Einstellung zu seinem. aktuellen zu Hause und auch mein Ex hätte mal eine ganz andere Einstellung zu mir."

Daran würde ich mich nicht allzu sehr klammern.
Für wahrscheinlicher würde ich es einschätzen, dass er seinen Frust dann erst recht zu Hause ablädt. Da kann er ja. Da wird er geliebt, auch wenn er Mist baut.

Hautnah zu erfahren, dass er vom Vater nicht gewollt wird, kann noch sehr viel mehr verletzen.
Seine Hoffnungen die er jetzt hat, würden dann zerschlagen.


Dass der Ex seine Meinung ändert, kann ich mir auch nicht vorstellen. Außer noch mehr Wut, noch mehr Druckmittel.
"Die Alte halst mir das Balg auf, weil sie überfordert ist". Er ist das arme Opfer, der jetzt muss, keine Lust hat.

Glaubst du allen erstes er würde anfangen sein Kind zu lieben, nur weil er sich zwangsweise drum kümmern muss?

Diesem Irrglauben lagen schon einige Frauen auf, die meinten "wenn das Baby mal da ist, wird er sich schon kümmern". Nur dass euer Baby schon Pubertär ist.


"Ich denke ganz ist auch nicht unbedingt richtig, allerdings wäre das Wechselmodell, wie ich immer öfter finde eine gute Alternative um wenigstens ein bisschen auszugleichen. "

Für dich vielleicht.
Für den Vater?
Was aus gleichen? Gerechtigkeit?
Er wird es vermutlich als ungerecht empfinden. Kann er ja.
Gefahr: wenn er es am Sohn auslässt!


Ich bin auch alleinerziehend.
Allerdings habe ich daraus gelernt, nicht zu warten "bis sich was ergibt", sondern aktiv nach Möglichkeiten zu suchen.
Pro Familia hat mir damals echt gute Tipps gegeben.
So bekomme ich zuverlässige !!! Hilfe, mein Kind hat zuverlässige !!!! Bezugspersonen !!! und der Vater ..... hat kein Interesse.


"nur geht es und immer schlechter, allg. während es dem Vater immer besser geht nicht wenigstens eine zeitlang gewillt ist seinen Sohn zu sich zunehmen um ihn glücklich zu machen und einfach mal zu zeigen wies bei Papa ablaufen würde.. Und vielleicht schaut dann alles besser aus."

Es gibt viele Menschen, denen es besser geht.
Ich orientiere mich an denen, denen es mit Kind (alleinerziehend) besser geht. Frage sie, was sie machen, wie sie es machen, lerne daraus und nutze, was uns gut tut.

Das andere sind Tagträumereien.
Ja, es gibt Väter, die für ihr Kind sorgen und zeigen wie man toller Vater sein kann.
Es gibt aber auch Väter, die zeigen wo der Prügel hängt.

Mal im ernst: wenn er es bis jetzt nicht gezeigt hat, warum sollte er jetzt damit anfangen. Liebe kann man nicht erzwingen.

"Sonst wollen Väter immer mehr als sie kriegen:( Ich denke das Wechselmodell wäre einfach das richtige in unserem Fall. Zumindest wäre es ein Versuch wert wenn unser Sohn das gerne ausprobieren würde. "

Nicht alle. Und manche Väter wollen es auch nur, um der Mutter eines reinzuwürgen.
Wobei es auch Mütter gibt, die es den Vätern reinwürgen wollen.

Wechselmodell funktioniert nur, wenn beide Eltern an einem Strang ziehen.

So ist Tagträumerei.
Einzig versuchen würde ich mit ihm drüber zu reden.
Wenn er ablehnt, wirst du es nicht erzwingen können.

Ich halte mich inzwischen an Menschen, die zuverlässig sind und gut tun.
Nicht nach Stereotyp Schema F : aber der müsste doch ....... das sind meine Nerven, die es kostet.
Selbst wenn er Wechselmodell machen würde, wäre er dann zuverlässig? Oder schleicht er es wieder aus, in dem er euren Sohn stehen lässt / alternativ alles in die Hand nimmt und erzählt: die Mutter bekommt es nicht, deswegen muss er ran.

Tolle Väter gibt es.
Die warten aber nicht 12 Jahre und legen einen Schalter um!

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Hallo Zwickmühleundnu,

unabhängig davon, wie man das Verhalten des Vaters einstuft, wird das Jugendamt nicht auf den Vater einreden, seinen Sohn zu sich zu nehmen und das Familiengericht wird den Vater ebenfalls nicht zwingen, seinen Sohn bei sich aufzunehmen, da dies nicht dem Kindeswohl entsprechen würde. Versetze dich bitte einmal in die Lage deines Sohnes. Wie wird er sich wohl fühlen, bei jemandem zu leben, bei dem er nicht erwünscht ist? Wie wird sich der Vater seinem Sohn gegenüber verhalten? Das Ergebnis würde voraussichtlich unter psychische Misshandlung fallen.

Bei Trennungskindern ist es nicht ungewöhnlich, dass sie irgendwann den Wunsch äußern, beim anderen Elternteil leben zu wollen. Bei diesem kennen sie den Alltag nicht, es gibt dadurch weniger Stresssituationen und man erlebt mit dem Besuchs-Elternteil eher die schönen Dinge. Häufig scheitert dann ein Umzug, weil die Vorstellung dann eben doch eine andere war als die Realität ist - spätestens wenn auch dort der Alltag eintritt.

Du beschreibst, dass es manchmal schwierig mit deinem Sohn ist und siehst die Lösung darin, ihn zu seinem Vater zu geben. Verstehe mich bitte nicht falsch, aber auch hier solltest du dich fragen, wie sich dein Sohn dabei fühlt. Sein Vater will ihn nicht, seine Mutter will ihn nicht... Ich übertreibe etwas, aber es ist durchaus möglich, dass das bei ihm ankommt.

Wie wäre es mit einer neutralen, außenstehenden Person, bei der du dir Unterstützung suchst? Es gibt ja z.B. Erziehungsberatungsstellen oder Hilfen, die das Jugendamt anbietet. Vielleicht wäre das auch für deinen Sohn eine gute Unterstützung, um mit dem ablehnende Verhalten seines Vaters umzugehen zu lernen.

Alles Gute für dich und deine Familie! 🌷

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Hallo
Er wird ihn nicht nehmen damit mußt du dich abfinden.

Warum suchst du euch keine größere Wohnung?
Pro Kind bekommst du ca 300 €Unterhaltsvorschuß plus Kindergeld sind 1000€.

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Ich glaube auch, dass das Problem eher das ist, dass dein Sohn beim Vater keinen Alltag kennt. Wochenendspaßdaddy scheint verlockend, gerade in der Pubertät, einen Umzug würde das Kind also durchaus auf den Boden der Tatsachen holen.

Ich finde die Einstellung des Vaters durchaus fragwürdig, keine Frage, aber niemand wird gezwungen. Auch du nicht. Wenn du nicht mehr kannst, würde es eine Pflegestelle werden, nehme ich an.
Klar, würde das Jugendamt an den Vater herantreten, aber mehr auch nicht.

Ich fände ein Wechselmodell bei euch auch gut, zumindest als ersten Schritt, aber der Herr Papa hat sich in seinem Leben eingerichtet. Das ist sehr schade.

Wenn du dein Kind diesbezüglich nicht mehr allein auffangen kannst, wäre vielleicht eine psychologische Betreuung ratsam. Sowohl für dein Kind, also auch für dich, um in eurem Leben zurecht zu kommen, ohne das jemand Schaden nimmt.

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Ich frage mich ehrlich gesagt, woher die große Sehnsucht des Sohnes nach dem Vater, die offenbar fast bis in eine Depression ging, kommt - zumal wenn ihr so ein gutes Verhältnis habt. Vielleicht ist hier dein Gefühl der Überlastung und des nicht mehr Könnens entscheidender? Ich kann das gut verstehen, weil es allein einfach mega hart ist - aber das löst du nicht dadurch, dass ein Gericht einen umgangsunwilligen Vater zum Wechselmodell verdonnert, sondern indem du schaust, wie du dich in deinen Strukturen entlasten und mehr Hilfe bekommen kannst.

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Hallo,

ich finde ganz toll, was du leistet. Und du hast schon so viel geschafft, dein Sohn ist immerhin schon 12, nicht erst 4.

Ich verstehe, dass du erschöpft bist. Wie gestaltet sich dein Leben, wenn du in einer Sozialwohnung lebst? Gehst du sehr viel arbeiten für wenig Geld? Oder gar nicht? Falls du mehr arbeiten willst: Dein Sohn kann auch mal alleine bleiben. Ich bin so aufgewachsen, dass alle Eltern Vollzeit gearbeitet haben und Kinder ab der 5. Klasse von 14 bis 17 Uhr alleine klar gekommen sind.

Das ist natürlich extrem, aber es zeigt, dass es 12jährige hinbekommen können. Ich fand es sogar toll, die intensive Familienzeit von 17 bis 20 Uhr hat völlig gereicht. Aber Jungs sind da wohl anders, Mädchen sind oft weiter.

Und was deine Auszeiten betrifft: Mit 12 sind Kinder doch auch oft bei Freunden, dein Sohn (wenn auch selten) ab und zu beim Vater. Ist deine Tochter nicht manchmal auch bei Freunden? Wir organisieren das ganz gezielt. Wenn meine Tochter bei Freunden ist (z.B. an einem Freitag von 16 bis 20 Uhr), dann versuche ich, meinen Sohn entsprechend zu lenken. Dann habe ich 4 Stunden Zeit für mich.

LG

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