Nach Trennung Kind beim Vater - immernoch eine Seltenheit?

Hallo.
Ich würde gerne mal eure Meinungen bzw. Erfahrungen zu oben genanntem Thema hören.
Zur Erläuterung warum:

Mein Mann hat eine Tochter. Als er sich von seiner Ex getrennt hat, nahm sie die Tochter mit (zu ihrem neuen in eine Single Wohnung, die Tochter war zu dem Zeitpunkt 12). Er hat sie erstmal gewähren lassen, wollte vor der Tochter keinen Streit anfangen. Die Rahmenbedingungen bei ihrem Neuen waren nun nicht die Besten. Wie gesagt, lebten sie also nun zu dritt in einer Singlewohnung, das Mädchen hatte kein eigenes Zimmer, schlief mit ihrer Mutter in einem Bett (der Neue war unter der Woche auf Montage), am Wochenede schlief sie auf dem Sofa. Die Tochter äußerte schlussendlich den Wunsch , zurück zum Vater zu wollen. Es waren nicht nur die genannten Gründe, sie hatte auch noch andere Probleme mit ihrer Mutter. Mein Mann hatte natürlich nichts dagegen, nur die Mutter wollte das nicht (irgendwie verständlich). Mein Mann und auch die Tochter sprachen mehrmals die Wohnsituation an, ob diese nicht geändert werden kann. Vielleicht wird es ja besser, wenn die kleine einen Rückzugsort bekommt. Die Mutter hatte kein Einsehen.
Schlussendlich stand die Scheidung an und nach nochmaligem Wunsch der Tochter zu ihm ziehen zu wollen, beantragte er zusätzlich das Aufenthaltsbestimmungsrecht.
Das Jugendamt war bei ihm zu Hause, auch bei ihr (sie ließ sie das erste Mal jedoch nicht herein). Redete mit der Tochter.
Als dann die Gerichtsverhandlung war, trug das Jugendamt also vor, dass die Tochter (mittlerweile 14) zu ihrem Vater möchte.
Trotz all dieser Umstände, entschied der Richter sich, die endgültige Entscheidung noch einmal zu vertagen. Mein Mann wurde von ihm nicht gerade nett behandelt, die gegnerische Anwältin beschuldigte ihm Besitzdenken gegenüber der Tochter und griff ihn immer wieder an. Immer wieder versuchte er zu erklären, dass er nur das Beste für sie will und ihren Willen vertreten möchte.
Naja am Ende nach quasi 2 Jahren Kampf durfte sie natürlich zu ihm ziehen.

Ein Freund von uns muss gerade ähnliches erleben. Sein großer Sohn (13)wohnt schon bei ihm, auf eigenen Wunsch. Sein kleiner (9)möchte auch zu ihm, jedoch werden ihm immer wieder Steine in den Weg gelegt. Die Mutter lässt ihn oft sein Besuchsrecht nicht ausüben, obwohl der Sohn gerne zu ihm will. Auch die Ämter finden immer wieder fadenscheinige Gründe.

Ist es Zufall, dass ich nun gerade 2 Beispiele kenne? Oder ist es in der Gesellschaft wirklich immernoch nicht angekommen, dass Kinder genau so auch bei ihren Vätern leben können und dürfen?

Sorry, dass es so lang geworden ist😬

Die Gesellschaft sind in allererster Linie Mütter, die mit so einem Verhalten durchkommen durch Gesetze, die Vätern nicht dieselben Rechte einräumen. Es gibt durchaus Länder, in denen nach einer Trennung das Wechselmodell gelebt wird, da stellt sich die Frage gar nicht erst. Aber das wird wohl noch dauern, bis das hier ankommt.

Ich muss sagen, nach einer Trennung grundsätzlich das Wechselmodell anzustreben (da gibt es ja auch hier Stimmen dafür in der Politik) finde ich genauso schlecht wie Kinder standardmäßig bei der Mutter zu lassen. Es muss einfach geschaut werden was das beste für die Kinder ist, und zwar ergebnisoffen. Und das hängt doch letztlich immer von den individuellen Familienverhältnissen ab.

Für uns wäre das Wechselmodell eine Katastrophe gewesen. Die Kinder sind bei mir und alle sind damit zufrieden.

Wer hat denn jetzt was von Sonderfällen gesagt? Natürlich ist es total sinnvoll, das Wechselmodell als Grundlage herzunehmen und trotzdem individuelle Lösungen zu finden. Ein Vater, der ganzwöchig auf Montage ist, kann das wohl auch kaum umsetzen. Ebenso wenig, wie ein desinteressierter Vater das tun würde. Eine alkoholkranke Mutter sollte ebenfalls nicht eine Woche mit den Kindern alleine gelassen werden. Oder wenn sie gegen den Vater arbeitet, weil sie ihn loswerden will. Hier fehlen ja wohl ganz deutlich weitere Maßnehmen, die auch sinnvoll umgesetzt werden können.

Von Zwang zum Wechselmodell und entgegen des Kindeswohls zu entscheiden hatte ich sicher nicht gemeint. Auch in Ländern, in denen das Wechselmodell Standard ist, gibt es doch zahlreiche individuelle andere Modelle. Da geht halt auch nicht sofort jede Frau automatisch davon aus, dass ihr "die Kinder weggenommen werden".

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Ich glaub die Gesellschaft hat es noch nicht verstanden 🤷‍♀️ man kann nur hoffen, dass sich das bald ändert und vor allem, dass Kinder mehr Gehör bekommen.

Ich denke ja es ist sehr selten, ich kenne nur 2 Männer wo das so ist. Ich finde man sollte an die Kinder denken was wollen sie, was tut ihnen gut. Ich bin gespannt wie es bei uns läuft aber wenn mein Sohn irgendwann zum Vater ziehen will würde ich schweren Herzens zustimmen.

Hallo.
Ich kann mir das schon vorstellen..bei uns ist es nämlich so, dass meine große Tochter momentan in der Woche bei ihren Vater wohnt, am Wochenende ist sie bei mir. Dies hat sich im Laufe der Jahre einfach so ergeben, da sie dort bessere Verbindungen zur Schule etc hat, und eigentlich sind alle so zufrieden. Vorher hatten wir einige Jahre auch klassisches wechselmodell, mit einer woche hier, einer Woche da. Im Moment gefällt es meiner Tochter so am besten, aber sie weiß auch, dass sie es jederzeit wieder ändern kann.
Wie gesagt, eigentlich sind so alle zufrieden...aber, wenn ich Leuten erzählte, dass meine Tochter beim Vater ist, werde ich schon manchmal angeschaut, als hätte ich sonst was verbrochen.
Und es kommen auch Kommentare, ob da nicht irgendwas vorgefallen wäre, oder so schöne Sachen, wie ein Kind gehört zur Mutter.
Das nervt echt, und zeigt mir jedesmal wie rückständig unsere Gesellschaft noch ist.
Ich hoffe, das ändert sich über die nächsten Jahre noch, denn für mich ist es auch ganz klar eine kindswohl Entscheidung.
Lg

Es ist oft einfach eine Frage des Geldes und Aufwands.

Ich kenne einige alleinerziehende Väter
bzw. Kinder die bei den Vätern leben.

Auch Elternzeitväter, die gerne diesen Part übernehmen.
Die Familien laufen super. Für eine Trennung steht allerdings schon fest, dass die Kinder beim TZ arbeitenden Vater bleiben.

Warum? Weil er die Hauptbezugsperson ist. In einer Familie ist in der Krise die Mutter ausgezogen und hat bewusst die Kinder in ihrem gewohnten Umfeld gelassen, wissend, dass der Vater sich sehr gut kümmert.



Schwierig - und da ist es egal ob Mann/Frau - die treibende Kraft ist:

wenn es auf dem Rücken der Kinder ausgetragen wird.

Einige Mütter haben durch das Neue Gesetz (das ich durchaus begrüße) das Problem, dass die Väter Umgangsrecht bekommen, obwohl es den Kindern offensichtlich schadet.
Es fehlt Personal für betreuten Umgang, Personal für Termine beim Jugendamt.

Pauschal: Vater hat Recht, Kind muss hin.

Umgekehrt kenne ich Väter, die um Umgang kämpfen, aber trotz des neuen Gesetzes an der Mutter scheitern.

Auch hier fehlt Personal beim Jugendamt, bei betreutem Umgang, bei Stellen, die das begutachten könnten.


Um mit sehr wenig Personal sehr vielen zu "helfen", werden Abstriche gemacht und auf auschale Faktoren geprüft.

- wo wohnt das Kind bisher
- wer ist bisher die Hauptbezugsperson.

Was so war, wird auch so bleiben.

Eine Änderung macht Aufwand, kostet Geld, müsste erst geprüft werden.



Solange sich (getrennte) Partner auf der Elternebende im Sinne des Kindes einigen können: prima. Dann braucht es auch kein Gericht.
Da reicht die bürokratische Ummeldung.


Gefährlich wird es, wenn einer der Erwachsenen auf dem Rücken des Kindes etwas durchsetzen will, was gegen das Kind gerichtet ist, obwohl er/sie eigentlich nur den anderen Erwachsenen treffen will.

Da SOLLTE genauer geprüft werden, wird es oft aber nicht. Zu viele Fälle auf zu wenig Zeit.

Also werden die bestehenden Faktoren genommen. Was ist der schnellste Weg?
Leider!
Was ist der beste weg für's Kind, wäre sinnvoller.

Huhu,

und genau zu deinen Beispielen habe ich die passenden Gegenbeispiele, da sind die Männer einfach zu ihrer Neuen gezogen und haben sich Null interessiert, was aus den Kindern wird.
Das scheint mir auch öfter zu passieren als das Frauen einfach ihre Familie verlassen, zumindest höre ich davon deutlich öfter (Umfeld / Nachrichten etc).

Ich denke es ist einfach schwierig immer die richtige Entscheidung zu treffen, wo die Kinder leben sollen. Der Richter sieht doch nur eine Momentaufnahme vor Gericht, hört Gutachter, ggf die Kinder.
Aber genug Männer ziehen auch nach einer Trennung wirklich die Sache durch von wegen: du willst mich nicht mehr, na dann nehme ich dir die Kinder …
Davor müssen Kinder und Mütter geschützt werden, da es eben auch nicht dem Kindeswohl dient.


Davor wird erwartet, dass die Frau beruflich zurück tritt, Elternzeit nimmt etc.
Ich kenne ehrlich kaum Männer, die Elternzeit nahmen - warum?
Mindestens 2 Monate können sie abrufen, die die Frau ehe nicht nehmen kann (nur wenn beide nehmen, kann man 14 Monate Basiselterngeld beziehen)!

Die Gesellschaft ist noch lange nicht soweit,
- Elternzeit macht größtenteils die Frau
- in Vorstellungsgesprächen wird die Frau gefragt, wie sie das macht mit der Kinderbetreuung
- jungen Frauen werden Jobs verwehrt, weil sie ja schwanger werden könnten
- Frauen verdienen für die gleiche Arbeit weniger
- Wickeltische stehen immer im Damenklo, wenn es keinen extra Raum gibt
- bei Elternsprechtagen in Kita / Schulen sitzen zu 90% Frauen
- Krabbelgruppen und Co: 90% Frauen
- usw.


Vorranging sollten sich Väter also grundsätzlich von Anfang an mehr einbringen um das gesellschaftliche Bild zu wandeln.

Das kenne ich so nicht.
Hab andere Erfahrungen gemacht, Elternabende sind hier nicht Frauenlastig, ich verdiene genauso viel wie meine männlichen Kollegen, es gibt Tarifverträge die einzuhalten sind
Elternzeit wird bei fast allen aufgeteilt und zwar nicht zu Lasten der Mutter, was hier häufig ist , sind halbes Jahr er, halbes Jahr sie.
Nach Kinderbetreuung wird hier niemand gefragt.
Junge Frauen kommen meist nach ein paar Monaten zurück in den Job, fast alle Vollzeit oder fast Vollzeit.
Und weil das so ist, haben sie keinerlei berufliche Nachteile.
Frauen werden ja nicht unbedingt in diese Rolle gezwungen, viele wollen das genau so oder nehmen es in Kauf.

Na das ist doch wunderbar, wenn es in deinem Umfeld funktioniert.
Damit hast du wohl eine tolle Wohngegend erwischt - leider ist es aber nicht unbedingt an jeder Ecke Deutschlands so.

Es gibt Statistiken, die meine Aussagen zu Elternzeit / Gehalt etc belegen.

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Wenn das alles nicht zeitgemäß ist, warum liest man dann hier immernoch, das nur die Mütter beruflich zurück stecken wenn die kinderplanung ansteht? Warum liest man ständig das Väter zwar Elternzeit nehmen, diese Zeit aber völlig fehlinterpretieren da lieber Urlaub gemacht und ausgeruht, statt die Zeit mit dem Kind genutzt wird?! Warum liest man immernoch ständig das Mütter zu Hause bleiben wenn die Kinder wegen Krankheit nicht in Schule oder Kindergarten gehen können ?! Warum machen das selten bis nie die Väter?
Liest du auch in den anderen Foren hier? Da sind all diese Dinge regelmäßig nachzulesen!

Solange all das immernoch selbstverständlich ist, sollte es nicht zur Debatte stehen wo Kinder im Fall der Trennung bleiben. Nämlich bei dem Elternteil der auch zu Zeiten der Beziehung alle Aufgaben übernimmt! Warum sollen Frauen jahrelang zum Wohle der Kindererziehung zurück stecken und im Falle der Trennung dann die große arschkarte ziehen?

Und woher haben all die Väter die früher nie Zeit hatten Kind-krank-Tage oder intensive Elternzeit zu beantragen plötzlich die Zeit ??

Und nein ich bin nicht getrennt und spreche nicht aus Erfahrung wie mir sicher gleich unterstellt wird . ich habe diese „böse Mütter“ und „arme arme Väter“ Hackerei einfach so unendlich satt .

Immer diese ach so schrecklichen Mütter und Frauen und diese großen Fleißigen Männer diese Helden 🙄

Ich muss dir zustimmen. Auch keinen ich keinen einzigen Mann im gesamten Bekanntenkreis, der länger als 2 Monate Elternzeit nehmen wollte (wenn überhaupt) oder der die Kinder im Fall einer Trennung bei sich haben möchte.

Ein ganz krasses Beispiel, unsere Nachbarn haben sich dieses Jahr getrennt, dem Sohn (14) wurde vom Vater eine saftige Taschengeld Erhöhung angeboten falls er mit der Mutter auszieht. Zu meinem Freund meinte der Mann nur: wenn ich mich schon scheiden lasse, dann will ich auch meine Ruhe haben und machen können was ich will.

Davon kann ich auch ein Lied singen.

Mein Sohn wohnt seit der Trennung bei seinem Papa. Er wollte das so. Für mich war es schwer, bzw ist es immer noch, aber was das schlimmste dran war/ist: als Mama muss man sich immer und überall rechtfertigen warum man ein Kind beim Papa lässt. Man wird als Rabenmutter hingestellt und schräg angeschaut.
Eine Trennung ist für die Kinder ja sowieso nie leicht aber warum kann man dann nicht die Bedürfnisse des Kindes über seine eigenen stellen.

Aber was ich mir anhören musste war damals echt nicht schön.

Er ist unheimlich gerne bei uns und insgeheim wünsche ich mir immer noch das er irgendwann mal zu uns ziehen möchte. Er weiß das er jederzeit seinen Paltz bei uns hat und er mit allem zu mir kommen kann.

Liebe Grüße

Davon kann ich auch ein Lied singen. Erst in meinem Job. Wie kann es sein, dass eine Mutter als Beraterin arbeitet und teilweise über Wochen nicht zu Hause ist. Bei Männern fragt nie einer nach.

Später bei der Trennung haben sich viele Freunde von mir abgewandt, weil ich die Kinder in ihrem Zuhause, bei ihrem Papa, bei ihren Freunden, in ihrem Kindergarten - in ihrem gewohnten Umfeld gelassen habe. Und ich habe ja meine Kinder nicht verlassen - ich wohne nur nicht mehr bei ihnen. Und auch das war nicht völlig neu für sie. Schon als sie noch nicht mal 1 Jahr waren, waren sie es gewöhnt, dass Papa immer da ist und Mama häufig nur am Wochenende. Warum sollte ich sie da raus reissen - nur weil ich die Mama bin und sie geboren habe. Der Papa hat damals in der Trennung ganz viel Mitleid erfahren, was er doch für eine furchtbare Ex-Frau hat, die ihn mit den Kindern allein lässt.

Zum Glück haben wir die Entscheidung völlig einvernehmlich getroffen und konnten uns so der Front aus "Hass" und "Mitleid" gemeinsam entgegen stellen. Für die Kinder und auch für uns Eltern war und ist es die richtige Entscheidung. Ich würde den Weg heute noch einmal ganz genauso gehen.

Sollten sich meine Kinder irgendwann dafür entscheiden, dass sie bei mir leben wollen, dann werden wir einen Weg finden. Aber diesen Weg werden wir erst gehen wenn sie das wirklich wollen und sich der Konsequenzen dieser Entscheidung bewusst sind. Sie sollen dann bewusst die Entscheidung für sich treffen ihr gewohntes Umfeld zu verlassen. Sollten sie den Wunsch nie haben, dann ist das für mich auch okay. Ich kann trotzdem immer für sie da sein, ohne das ich mit ihnen unter einem Dach wohne.

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