Schwangerschaftsabbruch bei Trisomie

Hallo Leute,

bei meiner Freundin und mir steht in einer Woche die Nachenfaltenuntersuchung an. Irgendwie is das komisch... wir haben jetzt beide schiss, dass da was uneindeutiges raus kommt... und die Wahrscheinlichkeit ist ja nichtmal so gering, weil das halt nur ein Screening ist :-(
Wir wissen auch, dass wenn da was komisches bei rum kommt, dass man dann immernocherstmal eine Fruchtwasseruntersuchung (o.Ä.) macht, um sicher zu gehen.
Wir sind dann aber schon in der 14. Woche und bis dahin darf man ja nur abtreiben.
Wisst ihr wie lange man im Diagnose-worst-case Trisomie abtreiben dürfte?

Nicht das wir hier falsch verstanden werden: Wir wollen dieses Kind unbedingt, aber ich glaube nicht, dass wir in unserer momentanen Lebenssituation mit einem behinderten Kind umgehen könnten. Und dann wäre es für alle beteiligten eine Qual.

LG Peter

ich hab mal was gelesen, dass du glaub ich bis zur 20. oder gar 25 woche eine abtreibung machen lassen kannst.. ich versteh euch da schon, denn wir haben uns auch gesagt, sollte vorab eine Dianose kommen, dass das kind behindert ist, hätten wir es wegmachen lassen, da wir damit absolut nicht klar gekommen wären..

ich drück euch die daumen.. wird bestimmt alles gut werden..

lg janine + keanu inside 29. ssw

hmmm... aber deshalb macht man doch die Nackenfalten Messung schon früher und nicht erst in der 14.SSW... oder #kratz

Hallo,
sorry aber ein Kind kann immer behindert auf die Welt kommen..es gibt für ncihts im Leben ne Garantie und eben auch nicht für ein gesundes Kind.. ich finde so eine Einstellung sehr sehr traurig..wieso hat ein Kind mit Trisomie kein Recht auf Leben? Macht man sich nicht vor der Schwangerschaft Gedanken ob man Verantwortung übernimmt??
Und ob behindert oder Gesund..das Herz schlägt bereits seit ein paar Wochen..ich wäre nie in dre Lage das beenden zu lassen..

ich habe 3 Jahre freiwillig in einer Behindertenwerkstatt gejobt.
Ich glaube ich weiß wovon ich spreche. Und es ist richtig, dass Behinderte Kinder einem sehr viel geben können, aber ich weiß, dass ich einem Behinderten Kind nicht das geben könnte was es braucht.
Und im Übrigen glaube ich, dass man sich sehr leicht spricht solange es einen nicht selbst betrifft.

woher soll cih wissen ob mein Kind gesund ist? ich bin selber Schwanger.. aber für mich ist klar auch wenn es behindert wäre.. ich könnte es nicht sterben lassen.. ich würde es einfach nicht übers Herz bringen..

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Hallo Peter!

Ich habe auch mal gehört und gelesen, dass ein Abbruch aus medizinischen Gründen auch später noch möglich ist.

Ihr müsst euch jedoch im Klaren sein, dass es nicht nur Trisomie 21 gibt, es gibt zahlreiche andere Behinderungen, die möglicherweise nicht erkannt werden können. Versteh mich nicht falsch, ich will euch keine Angst machen! Aber ihr werdet sehen, es wird sicher alles gut gehen!

Liebe Grüße
#sonne#sonne 17.SSW

Das ist ja noch grausamer wenn man das Kind shcon spürt und es dann noch im 6ten Monat abtreiben.. da wird mir ja schlecht.. sorry aber das ist ja wirklich ne ganz grausame Vorstellung...

Ich würd's ja auch nicht tun. Ich habe keine NF-Messung machen lassen, da ich auch ein Kind mit Trisomie zur Welt bringen würde.

Ich denke da gibt es schon irgendwo eine Grenze, 6. Monat ist sicherlich schon sehr sehr spät!

Hi Peter

es gibt da ein neues Gesetz - Du darfst bei einer entsprechenden sozialen Indikation bis zum Gewinn der Geburtswehen. Entscheidend hierfür ist die Frage, ob es der Mutter zuzumuten wäre, ein behindertes Kind zu bekommen. Wenn Du sagst Ihr könntet damit nicht umgehen, gilt das schon als ausreichend!

Aber ich muss gestehen, dass ich diese Gesetzeslage mehr als heftig finde. Insofern solltet ihr euch schon bemühen, das ganze so schnell wie möglich durchzuziehen. Auch dem Kind zu Liebe. Versteh mich nicht falsch - ich verurteile niemanden, der aus solchen Gründen abtreibt - aber in der 38. SSW (übertrieben gesagt) muss das nicht wirklich mehr sein... Ich hab da neulich einen Bericht über die sogenannten Survivors gelesen - also über Kinder, die ihre eigene Abtreibung überlebt haben - heftige Geschichte - ich geh nicht ins Detail.

Hinzu kommt aber noch was (wiederum nicht wertend gemeint): Ich hätte mir eh schon sehr schwer mit einer Abtreibung (egal aus welchem Grund) getan - auch wenn es auch für uns uU Gründe geben kann, die uns zu einer solchen Entscheidung bewegt hätten. Aber seit ich die Kleine in meinem Bauch spüre, wär das Ganze für mich unmöglich gewesen - ich hätte es einfach nicht mehr gekonnt... Ein weiterer Grund dafür, dass ihr euch mit den Untersuchungen beeilt!

Ich drück EUch aber die Daumen, dass alles okay ist und Ihr EUch den restlichen Fragen gar nicht erst widmen müsst!

LG
Frauke (31+5)

Hallo Frauke,

das man Abtreiben kann bis zur Geburt hin wusste ich noch nicht. Aber ich frage mich wie das gehen soll. Ich meine wenn es in den ersten 12 Wochen gemacht wird oder von mir aus bis zur 20. hätte das kleine ja so gesehen alleine noch keine überlebenschance. Aber spätestens dann wenn die Lunge ausgebildet ist könnte es doch schon leben. Wie machen die das denn????
Hört sich blöd an und ist jetzt vielleicht etwas krass geschrieben aber leider aus eigener erfahrung weiss ich dass es normal (bis 12. SSW) abgesaugt wird. Wie soll das mit einem Geburtsreifen Kind gehen??
Ich glaube eher, dass es per Kaiserschnitt oder einleitung kommt aber dann lebt es doch rein theoretisch. Oh man. Darf gar nicht daran denken.
Das ist jetzt übrigens keine negative Antwort auf dein geschriebenes sondern sind so meine gedanken dazu.

Gruß Mona#blume

Hallo Mona,
bei meiner Schwägerin wurde in der 21.SSW schwerste behinderung festgestellt.
Sie hat es dann in der 22.SSW abgetrieben per saugglocke.
es gab da erstmal wehenfördernde Medizin und dann wurde es bei Vollnarkose geholt.

LG christiane

Hallo Peter,

ich hatte bei meiner Untersuchung bezüglich trisomie 21 schlechte Blutwerte und mir wurde deshalb zu einer Fruchtwasserunters. geraten die ich dann auch machen ließ. Alles in Ordnung gewesen, war nur stressbedingt.
Ich habe meinen FA aber gefragt wie es denn im Falle einer Erkrankung des Babys wäre mit einer Abtreibung, dennn die FU wird ja erst 15./16. Woche gemacht. Er sagte mir im Falle einer Downerkrankung des Babys könne man noch eine Abtreibung machen lassen wenn z.B. die derzeitige Lebenssituation sowiso nicht so schön wäre. In meinem Fall stand beispielsweise eine Trennung von meinem Mann kurz bevor und außerdem habe ich eine geistig behinderte Schwester für die ich irgendwann auch die Betreuung übernehmen werde. Da hätte dann sowas nicht gerade hineingepasst.

Ich drück euch die Daumen das alles gut ist, nur nicht so viel Streß vorher machen!!! #herzlich

LG Julia mit Leon 3 und #baby girl Jodi 33.ssw

Hallo Peter,

ich meine auch gehört zu haben dass man aus medizinischen Gründen einen Abruch auch noch nach der 14 SSW machen kann. Wir haben die NT Messung auch machen lassen, wussten aber das die Ergebnisse nur Schätzwerte sind und daher leider keine genauen Aussagen treffen können. Wir haben uns auch vorher Gedanken gemacht was wäre wenn?? Für uns war von vorne herein klar das wir das Kind auf jeden Fall bekommen möchte.
Wenn es bei euch anders ist finde ich das auch nicht schlimm, denn jeder muss für sich selber eine Entscheidung treffen und vor allem damit leben können.

ABER ihr werdet schon sehen es wird ganz bestimmt alles gut
#freu

Alles Liebe
Mirjam und die kleine Dame 32SSW

Hallo Peter,

mutig von dir hier so zu schreiben.Achtung es wird bestimmt scharf geschossen;-)

Die Fruchtwasseruntersuchung wird generell nicht eher als in der 14.Woche.Dann allerdings

würde ich an eurer Stelle einen sog."Fish-Test"machen lassen.Da habt ihr das Ergebnis

über die drei wichtigsten Trisomien noch am gleichen Tag und müsst nicht 2 Wochen auf

das Ergebnis warten und habt somit Zeit gespart.Kostet aber etwa 60 Euro.Falls euer Kind

behindert sein sollte,könnt ihr auch nach der üblichen Zeit abtreiben,denn Keiner wird

gezwungen ein behindertes Kind auszutragen.An eurer Stelle würde ich aber erstmal von

einem gesunden Kind ausgehen,oder gibt's Vorbelastungen in der Familie?Wird doch

bestimmt alles gut!!!

LG Alexandra(31.ssw,die auch eine Fruchtwasseruntersuchung gemacht hat)

Hallo Peter,
es ist wirklich so, dass man praktisch bis zur Geburt "abtreiben" kann, ich bin mir nicht ganz sicher ob das alles "offiziell" so läuft aber aus persönlicher Erfahrung weiss ich, dass die Ärzte es trotzdem machen würden.
Bei uns wurde vor fast 2 Jahren in der 32.SSW eine Trisomie 18 festgestellt, das bedeutet nicht lebensfähig und in diesem Fall hätten die Ärzte wenn wir zugestimmt hätten auch das Baby abgetrieben, das wollten wir aber nicht und unsere Tochter ist in der 34.Woche bei der Geburt gestorben.

Also ich kann Euch gut verstehen, aber versprecht euch nicht zuviel von dem Nackenscreening, denn es gibt wie schon gesagt nur Wahrscheinlichkeiten an, und ganz im Ernst eine Trisomie 21 ist eine der Harmlosesten Behinderungen, und selbst wenn keine Auffälligkeit rauskommt ganz ausschließen könnt ihr eine evtl.Behinderung trotzdem nicht.

Wir standen bei meiner 2.SS auch vor der Fragen was tun, und haben uns nach sehr langem Überlegen für eine Fruchtwasseruntersuchung entschieden.Und zum Glück war alles ok.Ich bin aber froh, dass ich bei meine 1.SS nichts hab machen lassen, denn ob ich mit der Entscheidung mein Kind abzutreiben fertig geworden wäre weiss ich nicht.

Alles ziemlich wirr oder? Ich kann meine Gedanken zu diesem Thema einfach noch immer nicht sortieren,
ich hoffe ich konnte dir trotzdem helfen.

Michaela

Hallo ich selber stand vor knapp 5 jahren vor der entscheidung bekommen oder nicht .ich wahr im 5monat als mir die ärzte mitteilten das ich toxoplasmose hätte und so mein kind schwer behindert sein würde ich rannte heulend aus dem zimmer.Man nannte mir die möglichkeiten eines abbruchs,doch der kam für mich nicht in frage klar ich hatte damals schon 3 kinder und das 4. sollte behindert sein ,nein das wollte ich nicht glauben.Meine Familie,tanten schwestern usw.... redeten auf mich ein und meinten breche die ss ab das schafst du nicht was willst du mit einem kranken kind na ja und was sonnst noch so geredet wurde.Ich hatte jedemennge untersuchungen im klinikum ,am 26.04.2002 kam meine süße auf die welt sooo winzig gerade mal 45cm groß betont sie kam nicht zu früh.Sie hatt einen etwas anderen knochenbau wie wir,sie ist klein wüchsig aber sowas von normal.ich meine man kann nie sagen in wie fern ein kind behindert ist ich würde niemals ein kind gehen lassen nur weil es behindert sein könnte.

Hallo, Peter!
Es gab ja schon einige Antworten.. Will nicht alles wiederholen.
Zu Mir: Habe eine gleichaltrige schwerbehinderte Cousine und habe mir viele Gedanken gemacht.
Eine Freundin erzählte mir dann, bei ihr wurde nach der Nackenfaltenmessung die Diagnose Down-Syndrom gestellt, sie hat sich nach Horror-Tagen gegen eine Abtreibung entschieden und ihr Sohn ist jetzt fast ein Jahr alt und kerngesund. Solche Geschichten, auch über andere Fehlbildungen, habe ich schon häufiger gehört.
Sie sagte mir: Mit einem behinderten Kind kann man lernen, umzugehen.
Ob man das nach einer Abtreibung kann, weiß man nicht.
Ich habe keinerlei weitere Untersuchungen machen lassen, ich könnte aber auch mit einem kranken Kind leben. Ich kenne ja meine Cousine#sonne.
Aber höchstwahrscheinlich wird das Ergebnis ok sein, also nicht vorschnell zu viele Sorgen machen.
Alles Gute, Kiki #ei 21 + 1

Wenn das Kind Down-Syndrom hat oder sonstwie einen unüblichen Chromosomensatz oder eine schwerere köprerliche Fehlbildung, kann man sich prinzipiell bis zum Einsetzen der natürlichen Eröffnungswehen Zeit lassen mit der Entscheidung zu einem Schwangerschaftsabbruch.

Nur: Die wenigsten ÄrztInnen wollen natürlich ein lebensfähiges Kind abtreiben und dazu vorher noch totspritzen, damit es nicht lebend geboren wird.

Und die wenigsten Eltern wollen die Entscheidung über dieses Verfahren treffen.

Es ist psychisch / emotional etwas anderes, wenn man einen Abbruch in dem Wissen vornimmt, dass das ein potentiell lebensfähiges Kind zum Zeitpunkt des Abbruchs noch nicht allein lebensfähig wäre. Daher der vermeintliche "Zeitdruck", aber vom Gesetz her ist eine Frist zum Abbruch aus medizinischer Indikation nicht vorgesehen. (mehr zum Thema: http://www.regenbogenzeiten.de/abbruch.html)

Wichtig ist, dass man sich ehrlich und umfassend damit beschäftigt, was man für sich selbst als tragbar einschätzt. Es ist eine Entscheidung, ein Kind mit Handicap anzunehmen oder auszutragen und in die Hände einer Pflege- oder sogar Adoptivfamilie zu geben. Es ist aber auch eine Entscheidung, dem Tod des eigenen Kindes zuzustimmen.

Es ist immer von zentraler Bedeutung, ob man pränataldiagnostische Untersuchungen vornehmen lässt, weil man (verständlicher Weise) hören möchten, dass alles in Ordnung ist mit dem Baby, aber dabei die Möglichkeit, dass etwas nicht in Ordnung ist, nicht an sich heranlassen will. Oder ob man sich im Klaren darüber ist, dass immer nach Besonderheiten gesucht wird, die prinzipiell auch beim eigenen Kind auftreten können. Dies kann bedeuten, dass man im schlimmsten Fall in die Lage versetzt wird, über ein Weiterleben oder über den Tod des eigenen Babys entscheiden zu müssen. Und das in den meisten Fällen mit mehr als dürftigem Wissen über die festgestellte Behinderung. Es gehört auch dazu, sich mit den Besonderheiten näher zu befassen, auf die man sein Kind testen lässt. So kann man wissen, warum man sich wie entscheidet.

Naja, wie immer ist es jedem selbst überlassen, was er tut oder lässt und jeder muss tatsächlich selbst wissen, welche Entscheidungen er für sich als langfristig tragfähig einschätzt und welche nicht.

Liebe Grüße
Sabine

Vielleicht interessant zum Thema „Vorher Gedanken machen“?


„Schon lange bevor ich schwanger wurde, habe ich mich mit dem Gedanken an ein behindertes Kind auseinander gesetzt. ... Unser ungeborenes Kind hatte eine Wassereinlagerung am Hinterkopf und Hals. ... Drei Wochen vergingen, bis sich der schlimme Verdacht bestätigte. Drei Wochen, in denen ich meinen Bauch nicht mehr berühren konnte. Ich wusste: Ich kann nicht ausprobieren, ob ich mit dieser Behinderung zurechtkomme. Wenn das Kind da ist, muss ich es können. ... Wir haben nein gesagt. Der Abbruch fand in der 15. Woche unter Vollnarkose statt, so früh, dass ich das Kind nicht gebären musste. Unseren Entschluss habe ich bis heute nie in Zweifel gezogen. Ich habe nicht aus einem vagen Gefühl heraus entschieden, sondern wir waren uns sicher, dass wir das nicht schaffen würden.“ (Adelheit, 34, Abbruch in der 15. Schwangerschaftswoche, zitiert aus der „Eltern“-Zeitschrift, 01/1997, Seite 137)


„Ich wollte die Fruchtwasseruntersuchung, weil ich mir ein Leben mit einem behinderten Kind nicht zutraute und mich endlich in Sicherheit wissen wollte. Dass das Ergebnis tatsächlich auf eine Behinderung hinweisen konnte – diesen Gedanken schob ich beiseite. Down-Syndrom. Diese Feststellung traf mich wie ein Schlag. Einen Tag Bedenkzeit. Ich war zu keinem klaren Gedanken fähig. In der 19. Woche brachte ich bei vollen Bewusstsein das tote Kind zur Welt. ... Nie hätte ich gedacht, dass mich ein Abbruch so mitnehmen würde. Dass ich nicht verrückt geworden bin, liegt nur daran, dass ich mir von Anfang an gesagt hatte: Kein behindertes Kind! Aber eine durchdachte Entscheidung habe ich nicht getroffen. Hätte ich mich früher mit dem Gedanken an ein behindertes Kind auseinander gesetzt, wäre mir klarer geworden, wovor ich mich fürchtete und warum ich mich gegen das Kind entscheide. So musste ich mir im Nachhinein in mehreren Sitzungen mit einer Therapeutin klarmachen, warum es für mich nur diese Lösung gab“ (Verena, 42, Abbruch in der 19. Schwangerschaftswoche, zitiert aus der „Eltern“-Zeitschrift, 01/1997, Seite 136 bis 137)


„Rein theoretisch stand für mich immer fest: Ich würde niemals ein Kind abtreiben, auch kein behindertes. ... Ich brauch mein Tabu: Damit alle ganz genau wissen, dass mein Kind gesund ist, willigte ich in eine Fruchtwasseruntersuchung ein. ... Von diesem Augenblick an traf ich alle Entscheidungen gegen meine Gefühle. Ich heulte beim Vorgespräch („Ich brauche das nicht, weil ich nicht abtreibe!“), ich heulte, während das Fruchtwasser über die Nadel abgesaugt wurde („Das Kind bleibt immer mein Kind!“). Die Ärzte und Schwestern sagten, ich würde Sicherheit bekommen. Sicherheit! Das klingt so, als ob die Amniozentese eine Vorbeugemaßnahme wäre. 14 Tage später stand fest, dass mein Kind mit Sicherheit behindert sein würde. Trisomie 21, Down-Syndrom. Svens Nein war eindeutig. Ich sollte entscheiden. ... Ich bekam Angst: Ich hatte noch zwei Kinder. Könnte ich ihnen weiterhin gerecht werden? Meine Ärztin und der Genetiker warnten mich, daran zu denken. Und an die möglichen Spätfolgen der Behinderung, Operationen, Therapien. Ein Wochenende zur Entscheidung. Ich suchte einen Anwalt für das Kind. Jemand sollte es beschützen, weil ich das nicht mehr konnte. Ich rief im Keller hockend den Pastor an (die Kinder sollten nichts mitbekommen). Wählte die Nummer einer Selbsthilfegruppe für Eltern behinderter Kinder. Keiner da. Als ob es so sein sollte. In der 20. Woche sagte ich meinem Kind, dass ich es nicht mehr beschützen könne. ... Wehenmittel wurden mir über einen Ballon in die Gebärmutter geblasen. Kreislaufzusammenbruch, Schocklage, Infusionen, Blasenkatheter, Schmerzen, Schmerzmittel, Zittern, Valium, zwölf Stunden. Ich hielt mich nur an einem Gedanken fest: „Ich tu` das ganz allein für meine Familie!“ Die Austreibung blieb meinem Bewusstsein erspart, weil ich nach dem Blasensprung eine Vollnarkose bekam. Es war ein Junge. Sven sah ihn, ihm wurde bewusst, dass er ein Mensch war. Ich sah ihn am nächsten Morgen in einer Plastikdose. Winzig. Wie ein Prinz von einem anderen Stern. Unser Sohn. Noch im Krankenhaus bekam ich einen Milcheinschuss und eine Brustentzündung. Wir durften unseren Sohn beerdigen. ... Er hat einen Namen und einen Grabstein. Wir besuchen ihn oft. Ich habe getan, was ich nie wollte. Monatelang ertrug ich keine Dunkelheit. Meine Entscheidung gegen das Kind empfand ich als Schwärze und Dunkelheit. Ich schlief bei voller Beleuchtung – wenn ich schlief. Trauer konnte ich mir nicht erlauben. Schließlich hatte mir nicht irgendein Schicksal mein Kind genommen. Ich hatte es mir genommen. In mir war nur Schuld. ... Kategorien wie gut/schlecht oder gesund/krank wurden mir zuwider. Ich war ständig krank. Sven stand zu seiner Entscheidung, obwohl ihn der Blick auf unseren Sohn erschüttert hatte: „Es gibt kein Zurück“, sagte er. Aber er ist es, der oft zum Friedhof fährt und das Kindergrab pflegt. Es war falsch, dass ich nicht zu meinen Gefühlen gestanden habe. Ganz sicher hatte das mit meiner schlechten Verfassung zu dieser Zeit zu tun. Und damit, dass mich diese Untersuchung überrumpelt hatte. Ich habe viel zu spät drüber nachgedacht, was eine Amniozentese bedeutet. Dass man – bevor man sich dazu entscheidet – beide Möglichkeiten bedenken muss: Das Kind kann gesund, es kann aber auch krank sein! Ich wünschte, ich hätte mir Zeit genommen, mich mit dem Gedanken an eine Behinderung auseinander zu setzen, darüber zu lesen, vielleicht mit betroffenen Eltern zu sprechen. Aber ich dachte nur daran, eine Bestätigung zu bekommen, dass mein Kind gesund ist. Kira hat alles mitbekommen. Es muss sie sehr gekränkt haben. Sie wollte diesen Bruder. Sie hatte mir vor der Abbruch ein Buch über ein Kind mit einer behinderten Schwester hingelegt. Kira war der Anwalt des Ungeborenen, nach dem ich mich gesehnt hatte. Ich habe es damals nicht gesehen. Jetzt, drei Jahre später, bin ich wieder in der 21. Woche. Kira hat sich lange nicht gefreut.. Sie wartet, ob dieses Kind bleibt. Erst in den letzten Tagen hat sie ein kleines bisschen Freunde gezeigt. Wahrscheinlich, weil mein Bauch weiterwächst. (Lena, 39, Abbruch in der 20. Schwangerschaftswoche, zitiert aus der „Eltern“-Zeitschrift, 01/1997, Seite 134 bis 136)


13. SSW: „...Wir freuten uns darauf, unser Kind ausgiebig zu sehen. Der Arzt schallte unser Kind sehr lange, ungefähr 40 min und sagte dabei nicht viel. ... Als ich mich wieder anzog, fing er schon an, uns die Ergebnisse zu erläuterten. Ich hatte noch nicht einmal meine Schuhe angezogen, hörte ich schon, dass bei unserem Kind viele Auffälligkeiten zusammenkommen, die jedes für sich auch bei einem normalen Kind vorkommen könnten, aber in dieser Häufung auf eine Chromosomenanomalie hindeuten. Als er mit seinen Erklärungen fort fuhr, musste mein Mann sich hinlegen, sonst wäre er umgekippt. ... Ich konnte nicht mehr denken. Wie sollte ich jetzt eine Entscheidung treffen, wie es weitergeht? Ich konnte seine Erläuterung zu Chorionzottenbiopsie und Fruchtwasseranalyse in dem Moment nicht verstehen, weil ich einfach wie unter Schock stand. Und mein Mann lag mit Kreislaufproblemen auf der Liege. Ich wollte nur noch heim. Nach ein paar Sätzen hin und her, meinte ich schließlich, ich wolle mir einen Termin zur Fruchtwasseruntersuchung geben lassen. Aufgrund der Schwangerschaftswoche konnte sie erst in ca. 2 Wochen gemacht werden. ... Ein Abbruch kam für uns eigentlich nicht in Frage. Will ich dann überhaupt wissen, was mit meinen Kind ist? Ist das Wissen oder Nichtwissen besser für mich? Ich entschied mich für die Analyse. ... Der Eingriff war schnell vorbei. ... In ein paar Tagen sollte ich das Ergebnis des Schnelltests bekommen. Schon am nächsten Tag rief mich der Arzt vormittags an, als ich alleine zu Hause war: "Ihr Kind hat Triploidie, ein dreifacher Chromosomensatz, 69 anstatt 46 Chromosomen, nicht lebensfähig." ... In ein paar Tagen hatten wir bei diesem Arzt wieder einen Termin zum Beratungsgespräch. Ich hatte große Angst davor, dass uns der Arzt Richtung Abbruch drängen würde und kein Verständnis aufbringen würde, wenn wir uns für das Kind entscheiden wollten. Allein schon solche Sätze wie "Der normale Weg wäre in einem solchen Fall, die Schwangerschaft zu beenden" wollte ich nicht hören. Für mich war es nicht einfach eine Schwangerschaft. Für uns beide war es unser Kind, das wir sehr liebten. Es war unser Kirean. Der Kleine hatte bereits seinen Namen. ... Als wir Ende der 29. SSW erfahren hatten, dass sein Herz schlägt, beschlossen wir, am Beginn der 30. SSW ein kleines Fest zu feiern. Mein Mann nannte es "Happy Pregnant Day". Mein Mann und ich feierten mit einem bunt verzierten Kuchen. ... Ein paar Tage darauf, in der Mitte der 30. SSW erfuhren wir dann, dass das Herz unseres Sohnes nicht mehr schlägt. ... Es war nicht so schlimm, wie ich gedacht hatte, ihn tot im Bauch zu haben, auf die Welt zu bringen und ihn anzusehen. Es war schlimm, ihn gehen zu lassen. ... Auch habe ich gemerkt, dass man in der Situation oft anders ist, als man denkt und dass man mehr innere Kraft entwickelt, als man von sich vielleicht glaubte. Einige sagten zu uns: "Wir bewundern euch, wie ihr das macht." Nicht selten sagte ich dann: "Du kannst nicht sagen, wie du in der Situation wärst. Du wirst mehr Kraft haben, als du denkst." ... Der Weg kostete mich Durchhaltevermögen, Kraft und Mut. Aber als ich meinen Sohn im Krankenhaus bei uns im Zimmer hatte, sagte ich zu unseren Verwandten: "Ich würde es wieder so machen." (N.N.: Unser Kirean. http://www.leona-ev.de/berichte/kieran.html)


„... Beim zweiten Arztbesuch wurde am Ultraschall eine Nackentransparenz am oberen Grenzwert festgestellt. Mein Arzt hatte sehr darauf gedrängt eine zusätzliche Untersuchung, zum Beispiel ein biologisches Verfahren oder die Fruchtwasseruntersuchung im Krankenhaus durchführen zu lassen ... Aber beim nächsten Arztbesuch wurde ich sehr eindringlich darauf hingewiesen, doch eine Fruchtwasseruntersuchung vornehmen zu lassen. ... Wir sind so verblieben, dass ich mich noch einmal anderweitig bezüglich einer Zusatzuntersuchung erkundigen wollte. Ich war verunsichert und fing an, andere Mütter zu befragen. Fast alle hatten mir zu einer Untersuchung geraten. Wenn etwas nicht stimmen würde, könnte man es ja immer noch weg machen lassen. Auch mein Mann hat mich auf diese Konsequenz hingewiesen, die wir dann tragen müssten, falls etwas nicht in Ordnung wäre. Sonst bräuchte man diese Untersuchung auch nicht vorzunehmen. Etwas Angst hatte ich schon. Aber den Gedanken, dass mit meinem Kind etwas nicht stimmen könnte, verdrängte ich. ... Mit einiger Verzögerung, aus Angst dem Kind zu schaden, habe ich die Untersuchung doch gemacht. Ich war bereits in der 17. Schwangerschaftswoche. Fast zwei Tage habe ich danach liegen müssen, weil die Fruchtblase verletzt war. ... Der Arzt war ganz aufgeregt am Telefon und meinte: „Nun sehen Sie, jetzt haben wir es. Ein negativer Befund. Trisomie 21. Ein geistig behindertes Kind. ...“ Mit leicht verweinten Augen betraten ich und mein Mann das Krankenhaus. ... Ich hatte Angst und mir war kalt. Als ich die ersten Tabletten genommen hatte, wusste ich, es gibt kein Zurück mehr. Das Todesurteil war gesprochen. Ich hatte die Tabletten geschluckt. ... Morgens hatte ich in kurzen Abständen regelmäßige Wehen gespürt. ... Die Fruchtblase war geplatzt. Alles war blutverschmiert. Mein Mann rief sogleich die Krankenschwester. Sie holte eine silberne Schale und legte sie mir unter das Gesäß. Im Sitzen sollte ich dann kräftig pressen. Sie drücke mir dabei auf den Bauch. Plötzlich flutschte das Kind in die Schale. Sie hatte meinen Mann gebeten, nicht hinzusehen. ... Bevor sie es bringen sollte, wollte ich mir vorher die Mappe mit dem Foto ansehen. ... Vorsichtig nahm ich die Mappe in die Hand, öffnete sie langsam und musste schlucken. Ich sah ein schönes Kind, halb bedeckt mit geschlossenen Augen auf der Seite liegen. ... Die Schwester brachte uns jetzt Lysander, bedeckt mit einer Stoffserviette. ... Vorsichtig schauten wir hin und sahen ein kleines göttliches Geschöpf da liegen. ... Mir tat alles so unendlich leid. Mir kullerten nur so die Tränen herunter. ... Da lag es nun, unser heiliges Kind. Was habe ich nur getan. ... Am Anfang ging es gut. Ich dachte, es ist zu schaffen, darüber hinwegzukommen. Aber dann kann der Einbruch...“ (Marianne Neeb: Lysander - Grenzerfahrung einer Mutter, S. 3ff.)


„Ja, das ist bei uns zeitlich damals sehr unglücklich gelaufen, ... der Anruf von meiner Frauenärztin, dass der Triple-Test auffällig gewesen wäre und sie mir doch deshalb eine Fruchtwasseruntersuchung sehr empfehlen würde. ... Ich bin dann auch hin und war irgendwie völlig durch den Wind ... . Also ich saß da und hätte jeden Moment losheulen können, wusste aber nicht genau warum. ... Und dann war ich also bei der drin zu diesem Gespräch und das dauerte vielleicht fünf Minuten oder so. ... So ungefähr. Das war dann dieses Aufklärungsgespräch, was halt vor der Fruchtwasseruntersuchung gemacht werden muss. ... Das heißt, ich war also ganz allein in der Wohnung, als um acht Uhr das Telefon klingelte: ´Guten Tag, Praxis für Pränataldiagnostik, Becker, ich wollte Ihnen nur sagen, wir haben bei Ihnen eine Trisomie 21 festgestellt`. ... Und ich habe dann irgendwie aufgelegt und hab nur gedacht, ´wir lieben Dich doch` und fing an zu weinen. ... Und als nun diese Diagnose da war, da waren wir erst mal völlig geplättet, also so richtig so ... Ja, es wird einem eigentlich der Boden unter den Füßen weggezogen , in dem Moment. ... Na ja, dann haben wir erst bei meiner Ärztin angerufen und haben einen Termin ausgemacht und sind dann da hin. ... Und ja, das war also, wie ich finde, ´ne sehr einseitige Beratung in Anführungsstrichen. ... Mein Mann sagte immer, ehm, ´ja, das ist doch alles kein Grund, ein Kind zu töten`. ... ´Das ist doch immer noch ein Mensch`. Ja, und auf meine Nachfrage, ´welches Geschlecht` halt: ´habe ich jetzt gar nicht mehr nachgeguckt`, so! ... Hmh, jedenfalls war dieses Gespräch für mich nicht wirklich eine Beratung. Ich kann nicht sagen, dass es irgendeine Hilfe gewesen wäre, in irgendeine Richtung – gar nicht. ... Wir waren nur völlig durcheinander. Ich wusste gar nicht mehr, was ich denken sollte. ... Und, ja also, dann saß ich jetzt zwei Wochen, ich hatte mir halt zwei Wochen als Frist gesetzt bis zur 23. Woche. ... Und ich saß hier im Prinzip zwei Wochen nur ´rum und hab geheult. Ich war nicht in der Lage, irgendwie zu denken oder so. ... Und dann, eines Nachmittags, ... habe ich so gedacht, so irgendwas musst du jetzt tun, so geht das nicht weiter, weil du drehst dich hier im Kreis. Hab` dann zu meinem Mann gesagt, ´so, ich rufe morgen in der in der Klinik an und mach` einen Termin.` Und als es dann darum ging, ehm ,in die Klinik / also ich bin echt zusammengebrochen. Ich habe nur noch geheult da, und dann sagte die Ärztin schon, ´also, wir haben hier viele Frauen, die weinen, aber die haben sich entschieden und sind dann mir diesem Thema durch und trauern. Aber bei Ihnen ist das nicht so ein Weinen, sondern ich sehe, dass Sie mit Ihrer Entscheidung gar nicht richtig durch sind. Wollen Sie nicht noch mal wieder nach Hause gehen? ... Also ich sehe Ihnen an, Sie haben Ihre Entscheidung nicht getroffen und wenn Sie das hier jetzt durchziehen wollen müssen Sie sich das Prostaglandin selbst legen. Ich gebe das Ihnen gerne in die Hand, aber ich werde es Ihnen nicht legen.` ... Und dann fing ich noch mal an mit meinem Mann zu reden ... . Und dann war irgendwo bei mir, irgendwo als Antwort ´... so schlimm kann ein Leben nicht sein, dass der Tod besser ist.` ... So, jedenfalls nicht mit Down-Syndrom. Es mag Krankheiten geben, wo das der Fall ist, aber nicht mit der Diagnose. Und ja, da merkte ich dann langsam, dass ich nicht da war, weil ich das wollte, sondern weil ich dachte, was wird halt von mir erwartet, von allen anderen außer meinem Mann. Das war so der Druck der Familie und ´behindertes Kind, das kannst du uns doch nicht antun`, so, solche Sachen. ... Und dann habe ich dieses Ding [Einwilligungserklärung für den Schwangerschaftsabbruch] zerrissen und gesagt, ´komm Schatz lass` uns gehen, lass` uns nach Hause gehen.` ... Denn entweder ich wäre in einem halben Jahr in der Klapse gelandet oder ich hätte ein Suizidversuch unternommen. Ich wäre definitiv mit der Entscheidung nie wieder glücklich geworden. Das weiß ich. ... Ne, da im Krankenhaus, da war auf einmal alles sonnenklar. ... Und da habe ich gedacht ´ja, so schlimm wie das, was passiert, wenn ich mein ungeborenes Kind töte, kann das Leben mit ihm nicht sein`, so. Und es ist nicht nur nicht schlimmer, es ist sogar wunderschön. So im Nachhinein jetzt. Aber der Entscheidungsprozess war halt wirklich, ´ich kann mein Kind nicht töten. Das kann ich nicht, geht nicht, das bring` ich nicht.`“ (Interviewausschnitte Frau Clemens, in: Marion Baldus: Von der Diagnose zur Entscheidung, 2006, S. 80-99)


„Vor drei Jahren habe ich mich für einen Abbruch meiner ersten und bis heute einzigen Schwangerschaft nach der Diagnose Down-Syndrom (also Trisomie 21) entschieden. Weil ich zu viel Fruchtwasser hatte, wurde eine Entlastungspunktion gemacht und weil es sich da anbot, haben ich und mein Mann dann eine Untersuchung machen lassen. Die Diagnose kam zwei Wochen später und wir fielen in ein abgrundtiefes Loch. Ich war in der 20. Woche. Die Ärztin hat gleich zu einem Abbruchtermin gemacht und ich habe mich drauf eingelassen. Keine drei Tage nach der Diagnose habe ich meine Tochter tot geboren und sie im Krankenhaus gelassen. Mein Mann war die ganze Zeit bei mir und hat mit mir geweint. Es war grausam. Aber noch schlimmer war die Zeit danach. Der Bauch plötzlich leer. Nach 20 Wochen der Vorfreude. Keine Tritte mehr. Nichts mehr. Nur Leere. Unsagbar. Das Tief dauerte Wochen. Monate. Mein Mann war schneller wieder auf dem Damm, aber ich ging in eine Therapie. Dort konnte ich sprechen, aber ich merkte auch schnell, dass ich immer mehr in eine Richtung gehen wollte: Ich hatte im Schock der Diagnose nicht einmal versucht, mich mit Down-Syndrom zu beschäftigen und einfach nur gedacht: NEIN, BEHINDERT WILL ICH DAS KIND NICHT!!!!!!!!! WEG, WEG, WEG!!!!!!!!!! Am 30.1. ist mein Baby drei Jahre tot. Inzwischen habe ich den Mut gefunden, das Down-Syndrom an mich rankommen zu lassen. Und ich weiß, es war falsch, meine Tochter gehen zu lassen. Wir hätten mit ihr leben können und sie hätte leben können. Glücklich. Stattdessen leben wir mit dem Schatten eines toten Kindes. Für immer. Hätte ich es nur geschafft, mich damals mit der Diagnose zu beschäftigen. Hätte ich nur eine Ärztin gehabt, die mir Informationen gegeben hätte. Hätte, hätte, hätte. Es scheint der einfachere Weg zu sein. Weg und gut ist. Aber für mich ist es nicht wieder gut geworden. Mein Kind ist tot und ich wollte es so. Meine Tochter wäre behindert gewesen, ja. Aber ich habe viele Erfahrungen von Eltern gelesen (http://www.regenbogenzeiten.de/LinksErfahrungsberichte.html) und bin heute sicher: Das Leben mit unserer Tochter wäre 1000000000000 Mal besser gewesen als das Leben ohne sie. Ich würde alles dafür geben, nochmal vor der Entscheidung zu stehen - und mich anders entscheiden zu können. Sie würde jetzt in den Kindergarten gehen können.... Wer immer vor der Entscheidung steht: Lasst euch Zeit und informiert euch. Ihr habt nur diese eine Chance. Wenn die Medikamente erst verabreicht sind, ist es zu spät... Sternchen, es tut mir leid. Trotz allem, deine Mama.... (aus: http://www.maximilianprojekt.de / Forum / Verlust eines Kindes während der Schwangerschaft / Beitrag „Down-Syndrom“ vom 27.01.2007)

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