Freust du dich schon recht?

Heute kam ich in eine ziemlich peinliche Situation. Ich bin morgen den letzten Tag in der Arbeit, dann noch 2 Wochen Urlaub, dann Mutterschutz. Im Moment bin ich noch ziemlich krank, hoffe aber auf Besserung. Schwangerschaftsmäßig geht's mir 1a. Es ist unser 2. Kind und natürlich ein absolutes Wunschkind, was aber nicht heißen soll, dass ich nur mit unserem Sohn allein unglücklich gewesen wäre. Ein 2. war für mich ein Wunsch, aber kein "Muss".

Nun sag ich heut zu ner Kollegin irgendwas in etwa: "Puh, jetzt noch morgen und dann erstmal runterkommen, nächste Woche möchte ich mich ausruhen und schauen, dass es mir besser geht und dann fahren wir ja endlich nach Italien. Hoffentlich wird das Wetter richtig schön, dass wir baden können und so." #bla halt eben. Sie dann so: "Na, jetzt ist es ja nicht mehr lang. Freust du dich schon recht drauf." Ich so: "Auf Italien? Ja, voll! Kanns gar nicht mehr erwarten." Betretenes Schweigen. Sie so: "Ich meinte aufs Baby." Ich so: "Ähm, ja, äh, keine Ahnung. Schon." Noch mehr Schweigen.

Na prima! Jetzt steh ich da wie die letzte Rabenmutter. Aber ich konnte auch beim 1. Kind schon keine Verbindung herstellen zwischen dem Zustand "schwanger", den ich nie als Belastung empfand und den ich eigentlich immer genossen habe (die Kindsbewegungen, das Zunehmen am Bauch, ...) und dem Kind, das man dann tatsächlich im Arm hält. Ich genieße im Moment noch mein Leben ohne Kleinkind (der Große ist 6 und schon recht selbständig und unkompliziert und auch mal gern bei den Großeltern oder er nimmt halt auch überall - Urlaub, normales Weggehen, etc. - problemlos teil), ich schlafe mich aus, ich gehe (moderat, logisch) weg, ich habe mich in der Arbeit bis zuletzt voll engagiert, ... - kurz ich bin einfach ein ganz normaler selbstbestimmter Mensch. Und mit Baby wird das erstmal wieder vorbei sein, zumindest für ne Zeit. Ist ja auch egal, dafür hat man dann ja das Baby. Aber für mich ist es jetzt nicht so, dass ich täglich rückwärts zähle und es nicht mehr erwarten kann. Wenn es da ist, kann ich mich immer noch genug dran freuen.

Och Mann, ich komm mir so blöd vor, schäme mich irgendwie meiner Gefühle. Ich fühl mich voll überfordert von der Erwartungshaltung, dass ich nur noch mit rosa Herzchen in den Augen rumrennen soll und kein anderes Thema kennen als das Baby. Ich liebe meinen Sohn (in der 1. SS hatte ich das gleiche Gefühl wie jetzt), ich möchte ihn natürlich überhaupt nicht missen, ich kümmere mich um ihn, schiebe ihn nicht ab und sonst auch nichts, ich liebe ihn wirklich absolut. Aber mein Leben kennt auch noch andere Erfüllungen als das Kind oder eben dann das Baby. Nach der Geburt ging es damals übrigens weiter: Jeder erwartete, dass ich von nun ab 24 h am Tag möglichst Körperkontakt zum Baby halten solle und es NIE ablegen dürfe (war in so ner scheiß stillfreundlichen Klinik) und so. Und ich dacht mir: "Um Gottes Willen, die ganze Verantwortung!" und war gottfroh, wenn mein Mann mal ne halbe Stunde in die Wiege guckte und ich derweil in Ruhe duschen konnte. Ich hatte daran echt zu knabbern - daran, dass ich diese "Erwartung" nicht erfüllen konnte. Ich hatte echt Angst, mein Kind nicht genug zu lieben - und jetzt geht das wieder los!

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Also wie soll ich sagen, ich selbst werde ja zum ersten mal Mama, aber mir geht es manchmal auch so. Mein Umfeld erwartet es jetzt nicht so, aber dennoch habe ich das Gefühl, dass man als werdende Mutter oder schon Mama ein bestimmtes Muster an den Tag legen muss. Auch die Vorfreude z.B. Ich freue mich schon, hab aber ebend auch Schiss und fühle mich manchmal auch überfordert. Das sagt einem halt vorher keiner! Ich bin jetzt in der 22. Woche und denke manchmal, dass das alles viel zu schnell geht lol
Es kann nicht immer alles happy sein, von daher finde ich deine Reaktion (Urlaub ist grad nunmal aktueller für dich) echt nicht abnormal.

LG Nicole

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Hallo,

ganz ehrlich?

Ich musste gerade bisschen schmunzeln. Ich habe beim Lesen auch an den Urlaub gedacht! Also ich hätte wohl genauso geantwortet! Finde ich jetzt aber nicht schlimm.

Ich bin auch aktuell mit Nummer zwei schwanger und es ist einfach so, dass die Schwangerschaft so nebenher läuft. Ist ja schon ein Kind da, manche arbeiten noch, dann der Haushalt usw.
Ich fand beim Ersten Kind war irgendwie ein cut. Da gab es dann vor der Schwangerschaft und die Schwangerschaft. Alles andere rückte irgendwie in dem Hintergrund und verblasste bisschen.

Beim zweiten jetzt ist das gar nicht möglich sich da so wie beim ersten Kind zu fokussieren.

Ich denke, dass es ganz normal ist und ich habe auch noch nicht realisiert, dass wir bald ein Neugeborenes hier haben. Das ist für mich irgendwie immer noch total unrealistisch. Das war bei meiner Tochter aber auch schon! Ich kapier das immer erst so richtig mit der Geburt, wenn es real wird und dann bin taucht direkt in der Situation drin. Vorher aber ist es für mich auch schwer das zu realisieren.

Mach dir da keinen Kopf! Das hat überhaupt nichts mit einer Rabenmutter zu tun und muss dir nicht peinlich sein.

Manche Leute verwundert es irgendwie, wenn Schwangere nicht nur auf die Schwangerschaft fixiert sind. Glaube viele denken, dass es dann nichts anderes mehr gibt und sind dann erstaunt, dass es nicht so ist. ; )

LG

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Dann bin ich wohl auch eine Rabenmutter. Ich fühle ähnlich wie du, ist jetz die 3. Ss und ich bin überhaupt nicht gerne schwanger. Da geht's ja schon mal los..

Nach Italien möchte ich auch noch, und zwar bevor das Baby kommt, mit 2 unter 2 macht man das dann nicht mehr so einfach mal ;-)

Auf jeden Fall denke ich nicht 24 h daran wie sehr ich mich aufs baby freue, in Gegenteil, ich habe großen Respekt vor der Verantwortung und viel bammel davor wie ich das schaffen werde mit 2 kleinen! Da steht die Freude erst mal hinten an...
Ich finde du siehst das alles sehr realistisch!!!

Das man sich dann freut wenns da ist, is ja logisch oder ;-)

Alles gute und einen schönen Urlaub!!!

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Also bitte, was ist das auch für eine Frage: "Freust du dich schon?"?!

Wie kann man eine werdende Mütter so etwas fragen, sicher freut sie sich... Nimms mir nicht übel, aber hier hat meiner Meinung nach deine Kollegin einen an der Waffel... Ich würde es als unverschämt empfinden wenn mich jemand sowas fragt, genauso wie die Frage: "war es geplant?", PLEASEEEE....

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"(war in so ner scheiß stillfreundlichen Klinik)" - Hahahaaaa, musste gerade so lachen... Weil ich bei der ersten Geburt auch in so einem KH war. Ich weiß noch, wie ich nach mehr als 26 Stunden Wehen mit meinem neugeborenen Sohn dann aufs Zimmer geschoben wurde und die Schwester nach dem Anziehen des Säuglings mich gefragt hatte, ob sie ihn mir wieder auf die Brust legen sollte. Ich hätte da am liebsten gesagt "Wissen Sie was? Nehmen Sie ihn mit und legen Sie ihn zum Schlafen woanders hin, ich bin fix und fertig". Also sagte ich zu ihr "Ne, legen Sie ihn bitte neben mir ins Beistellbett". Sie völlig emphatisch "Oh je, dann wird er aber weinen, wenn er jetzt nicht mehr ganz nah bei seiner Mama ist..." Ich sag Dir: ich fühlte mich wie die allerschlechteste neugewordene Mama auf der ganzen Welt.
Und danach hab ich einen Affenzirkus da mitgemacht, weil mein Sohn (unter 3 kg) zu schwach war, um anständig an meiner Brust zu trinken. Ich war eine Woche in der Klinik, nicht weil ich nen KS hatte (hab spontan entbunden), sondern weil man den Jungen auf Teufel komm raus versucht hat, zum Stillen zu bewegen. Ende vom Lied war ein schreiendes Baby, sobald es meine Brust erblickte. Bin dann mit Leihpumpe nach Hause und habe das Abpumpen erfolgreich 7 Monate lang praktiziert.
Soviel zum stillfreundlichen Krankenhaus...

Und ansonsten kann ich Dich auch total verstehen. Seit mein Sohn ein Jahr ist, bin ich wieder arbeiten gegangen und mein Sohn in die U3 (auch da habe ich so einige dumme Sprüche von anderen Müttern bekommen, nie aus der Familie, die stand immer hinter unserer Entscheidung). Habe sogar vor 2 Jahren den Job gewechselt, weil ich nicht mehr glücklich war in meinem alten Job (auch das hat nicht jeder verstanden, weil mit Kind sollte man sich ja nur auf das Kindeswohl konzentrieren, nicht um sein eigenes). Mein Sohn ist jetzt 4 und ich zum zweiten Mal schwanger. Und ich bin jetzt genauso "gerne" schwanger wie bei Kind 1. Ich finde es auch total abstrakt (obwohl man ja alles schon mal erlebt hat), dass das Wesen in meinem Bauch in gut 8 Wochen in meinen Armen liegen soll. Ich freue mich auf meinen zweiten Sohn, ich weiß, dass ich ihn genauso lieben werde wie meinen ersten Sohn. Aber ich finde, wenn man sich selber als Frau "vergisst", dann wird es umso schwieriger, je größer die Kinder werden und sie sich hier und da abnabeln. Kinder brauchen in erster Linie Liebe und Eltern, die mit sich selbst im Reinen sind. Das heißt nicht, dass man selbst eine schlechte Mutter ist. Eine Arbeitskollegin mit 2 Söhnen hat mal zu mir gesagt "Ich finde, es muss auch diese Mütter geben, die ganz viel Zeit haben und sich dann in Schule und Kiga engagieren mit Basteln usw., aber die sollen mich doch bitte in Ruhe lassen, ich lasse sie doch auch in Ruhe". So sehe ich das auch, Leben und Leben lassen, jede(r) muss sein für sich selbst passendes (Familien)Konzept finden und damit glücklich sein.

Schönen Urlaub! Ich gehe seit gestern nicht mehr arbeiten und finde auch das total herrlich ;-)

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Sag mal, bist du mein "zweites Ich" #rofl? Die Geschichte mit dem "ja nicht ins Beistellbett" und auch die Gefühle dazu - genauso gings mir! Bin schon froh, dass es mehr "von uns" gibt.

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