Opa gestorben, nun kommen alle mit Ansprüchen

Hallo,

nun muss ich doch mal was schreiben, was mich wahnsinnig bedrückt.

Fange ich vorne an, damit man meine Situation besser versteht:

Ich bin bei meinen Großeltern aufgewachsen, weil meine Mutter damals in Vollzeit beschäftigt war und es keine Nachmittagsbetreuung für mich gab.

Meine Großeltern waren mehr meine Eltern. Mein Opa war wie ein Vater für mich. Mein leiblicher Vater hat sich nie gekümmert (frühe Scheidung). Nun gut, so viel dazu.

Irgendwann war ich dann aus dem Haus, gründete eine eigene Familie (habe 2 Kinder). Ich besuchte so oft es mir möglich war meine Großeltern. Sie waren verdammt stolz auf ihr erstes Urenkelchen von mir. Da ich die jüngste Enkelin bin, gab es natürlich schon vorher andere Urenkel, zu denen meinen Großeltern aber der Kontakt verwehrt wurde. Hier muss ich nun weiter ausholen, ich hoffe, dass das nichts ausmacht. Die Tochter der erstgeborenen Tochter meiner Großeltern war schwer alkoholkrank, ihre Kinder lebten bei ihrer Oma, also der Tochter meiner Großeltern. Die einzigen, die sich um meine Cousine kümmerten waren meine Großeltern. Wie es ihnen möglich war, besuchten sie mit mir meine Cousine. Sie hatte den Willen mit ihrer Krankheit Schluß zu machen. Sie beendete die Kur und konnte wieder nach Hause. Zu Hause dann das Desaster, ihre eigenen Eltern verwehrten ihr die Kinder. Sie verfiel maßlos dem Alkohol und starb (mit Mitte 30!!) Ihre Eltern gaben meinen Großeltern die Schuld am Tod und sagten meiner Oma wörtlich "ihr seid für uns gestorben" Meiner Oma brach es das Herz. Ende von diesem Lied war, dass sich meine Tante mit Hilfe der Kinder (Waisenrente, Kindergeld usw usw usw) ein schickes Einfamilienhaus gebaut hat und damit auch vor meinen Großeltern prahlte!! Mein Opa versuchte immer und immer wieder Kontakt zu seinen 3 Urenkeln aufzunehmen, doch es kam nie etwas zurück. Wir vermuten, dass die Kinder die Briefe niemals gesehen haben. So viel dazu. Mittlerweile besteht seit ca. 15 Jahren kein Kontakt mehr, außer eben vergebliche Versuche meines Opas.

Mein Bruder sagte sich auch vor einigen Jahren der Familie los. Er lernte eine Frau aus Finnland kennen. Sie konnte kaum ein Wort Deutsch. Meine Großeltern, vielmehr mein Opa, kümmerte sich um alle erdenklichen Behördengänge für die Frau, besorgte ihr ein Studienplatz, Lehrgänge für die deutsche Sprache usw. usw. Gedankt wurde es ihm nie. Sie, wie sagt man?, schleimte sich kräftig bei meinen Großeltern ein. Sie zischte mich sogar höhnisch an, was ich hier wolle (war zu Besuch bei Oma und Opa). Zuletzt sah ich meinen Bruder auf meiner Hochzeit im Mai 2002. Seit dem nicht ein einziges Lebenszeichen von ihm. Meine Großeltern wieder zutiefst darüber bestürzt, dass die Familie immer mehr auseinanderbricht. Umso mehr die Freude über die Geburt meiner Tochter im September 2002.

Im Jahr 2005 war ich wieder schwanger, unser Sohn sollte im Juli 2005 geboren werden. Nach einigen Rückschlägen meiner Oma (Herzinfarkt 2000, Sprunggelenkbruch 2003, von da an immer mehr abgebaut) verstarb sie im April 2005. Sie wollte so gerne noch ihren Urenkel Lukas kennenlernen, hat es aber nicht mehr geschafft. Zuletzt streichelte sie meinen Bauch mit den Worten "ich habe gespürt wie Lukas sich bewegt"

Von da an war mein Opa allein. Natürlich besuchten wir ihn so oft es ging!!! Meine ältere Tochter Laura erinnert sich noch heute an ihre Uroma, obwohl sie erst knapp 3 war damals. Ihre UrOma ist ihr Stern am Himmel.

Mein Opa baute stetig ab, wir machten uns große Sorgen, doch er beteuerte immer es würde im gut gehen. Meine Schwester und ich waren die einzigen, die sich um ihn gekümmert haben. Meine Schwester lebt in Italien aber kam so oft es ihr nur möglich war nach Deutschland. Meine Kinder hielten ihren Uropa ordentlich auf Trab.

Weihnachten war er bei uns, wir verbrachten ein wunderschönes Fest. Alles schien in Ordnung. Dann im Januar diesen Jahres ging es ihm gar nicht gut. Ich fuhr spät abends noch zu ihm. Er war zwischendurch immer weggetreten. Ich rief seine Hausärztin an, die auch sofort kam. Er hatte einen Blutzuckerspiegel von ca. 500-600. Das Gerät konnte es nicht mehr anzeigen. Sofort ins Krankenhaus. Er wurde aufgenommen und als er dann auf die Intensivstation kam, fuhr ich nach Hause, ich musste Opa versprechen am nächsten Tag wieder zu kommen. Natürlich war ich da!!

Es ging ihm bald ein wenig besser. Er wurde auf "Herz und Nieren" geprüft, was auch gut war. Allerdings ein Schock für uns. Der Arzt sagte mir, er wisse gar nicht, wo er anfangen solle. Ich hatte Angst, mir ging es schlecht, hatte Schweißausbrüche. Die Diagnose: Krebs im Endstadium (Magenkrebs, der in die Leber streute. Die Leber war voller Metastasen) Der Arzt gab ihm noch höchstens 1 Monat, eher weniger. Eine Frage, wie lange die Leber noch arbeitet. Opa wurde immer gelber, ein Anzeichen, dass die Leber immer mehr nachlässt.

Meine Schwester war nun auch aus Italien gekommen. Wir waren jeden Tag bei ihm, anfangs auch noch die Kinder. Nach einer Woche Krankenhaus wurde Opa entlassen. Er wollte nach Hause. Meine Schwester und ich haben ihn gepflegt. Wer sich mit dem Thema Pflege schon einmal auseinandergesetzt hat, weiß was das heißt. Opa baute immer mehr ab, das Morphium gab ihm Schmerzfreiheit machte ihn aber auch zunehmend müder. Die ersten Tage zu Hause war er glücklich, er spielte soweit es ihm möglich war mit den Kindern. Meine Große schmuste ganz oft mit ihm, sie liebt ihren UrOpa abgöttisch. Irgendwann ging dann gar nichts mehr. Er bewegte sich nicht mehr von selbst, ihm fehlte die Kraft. Er verweigerte Nahrung und Getränke, hatte keine Kraft mehr die Augen zu öffnen, er erkannte uns kaum noch, fragte 10 Mal "..(Name).....bist du es?"

Es war eine harte Zeit, trotzdem musste ich stark sein. Ich zwang mich, stark zu sein. Dann kam der Tag, an dem wir nicht mehr stark waren, ich griff zum Telefon und rief einen Pflegeservice an und schilderte die Situation und dass wir am Ende unserer Kräfte sind. Sie kamen 5 Minuten später. Nach einer Untersuchung lobten sie uns, wie super wir Opa gepflegt hätten. Keine Wundlagerung oder dergleichen......ein kleiner Trost. Sie warnten uns aber auch direkt vorsichtig, dass es nicht mehr lange dauert. Mein Opa flehte Gott an, ihn endlich zu sich zu holen. Er wollte nicht mehr........
Der des Pflegedienstes war auch dabei. Er versuchte Opa aufzurichten, Opas Augen drehten sofort nach hinten und er sackte in sich zusammen. Er legte ihn sofort zurück aufs Bett und da kam er wieder zu sich. Man sagte uns, dass sein Kreislauf im Keller sei und alle körperlichen Anzeichen auf Aufgabe stehen (ich sag es jetz mal mit meinen Worten). Die Pfleger kamen am Abend nochmal und wollten am nächsten Morgen wieder kommen.

Am nächsten Morgen in der früh "rief" mein Opa die Worte "Ja, jetzt endlich....." Er schlief ein.

Was ich mit meiner Schwester durchlebt habe, ist das schrecklichste, was man nur erleben kann. Klar, es war auch eine schöne Zeit, die letzte Zeit mit meinem Opa. Wir haben ihm alles erfüllt, was er sich wünschte. Wir haben versucht es ihm so schön wie möglich zu machen.

So, nun kommen die zu Anfang erwähnten Verwandten ins Spiel.

Mein Opa war noch nicht einmal beerdigt, rief meine Tante an und wolle ihren Pflichtteil, schließlich habe sie sich als Tochter auch was verdient.......... Da fehlen mir die Worte. Wo war sie die letzt 15 Jahre, wo doch ihre Eltern für sie schon vor 15 Jahren gestorben sind???????????? Sie will nun eine Kopie des Testamentes und Bilder von Oma.

Mein Bruder mailte mich an und verlangte die Kopie des Testamentes um zu schauen, was Opa sich so gedacht hat.............Auch hier fehlen mir die Worte.

Was soll das??? Ich habe den beiden gesagt, sie sollen sich einen Notar suchen, der für sie die Testamentseröffnung beantragt. Von mir kriegen sie nichts, weil ich nichts habe. Das Testament ist beim Amtsgericht hinterlegt. Im Testament sind sie übrigens (logischerweise) nicht berücksichtigt, nachdem was sie sich geleistet haben doch verständlich oder?!

Mein Opa würde sich im Grab herumdrehen. Jetzt kommen die Aasgeier angeflogen. Ist das noch normal? Die haben sich nie gekümmert, haben nicht das durchgemacht, was meine Schwester und ich durchgemacht haben.

Meine Tochter ist am Boden zerstört, sie hat bitterliche Tränen um ihren Tik-Tak-Opa geweint, hat immer und immer wieder gesagt

"warum mein Opa, warum mein Opa, ich liebe meinen Opa, mein Opa darf nicht gehen"

Meine Tochter ist 5 Jahre jung. Da sie so sehr an Uroma hing und auch nachhakte, haben wir ihr erklärt, dass Uroma ein Stern am Himmel ist. Auch bei Opa fragte sie nach. Meine Schwester war auch nachts bei Opa am Sterbebett. Ich konnte ja nun nicht nachts dableiben (meine Kinder). Als meine Schwester dann schon die 2. Nacht bei uns schlief, fragte meine Tochter warum Opa eigentlich allein sein kann, wenn die Tante hier ist......
Da war der Zeitpunkt gekommen, ich musste es ihr sagen. Ich wollte sie nicht anlügen. Also erklärte ich ihr den Stern am Himmel. Mehr musste ich gar nicht sagen, sie wußte Bescheid und brach in Tränen aus...... Es tat sooo weh.........

Warum werden wir mit gierigen Verwandten, die nichts besseres zu tun haben als uns das Leben schwer zu machen, so bestraft. Können die nicht nachvollziehen, wie es mir geht?

Ich musste die Wohnung ausräumen, in der ich aufgewachsen bin, musste da einen Schlußstrich machen, wo ich meine Kindheit verbracht habe. Ich habe den ganzen Papierkram, Behördengänge, Rechnungen über Rechnungen. Bis heute sind noch nicht alle bezahlt, weil nicht einmal die Lebensversicherung gezahlt hat. Das Bestattungsunternehmen wartet auf Geld. Mein Opa ist am 21.02. verstorben und es ist so gut wie noch nichts bezahlt, weil die Versicherung nicht zahlt. Und dann muss ich mich mit meinen habgierigen Verwandten rumschlagen.:-[

Ich kann das nicht mehr, ich will einfach nur meine Ruhe und will auch endlich richtig trauern können. Es tut mir so weh.#heul

Vielen Dank fürs Lesen
Natti

1

Hallo Natti,

leider: Es ist normal. Ich erlebe gerade ähnliches. Der "alte Mann" ist noch nicht einmal beerdigt, da stellen Verwandte (die sagen: "Ich kenne diesen Mann nicht") Ansprüche...

Rechnungen müssen im Übrigen auch anteilmäßig von den Pflichtteilsberechtigten gezahlt werden. Mach doch einfach eine Aufstellung der Kosten, die bisher entstanden sind und teile sie durch 4 (hab ich richtig gezählt?). Schicke ihnen das und dann ist bestimmt erstmal Ruhe.

Liebe Grüße
Anja

2

Hallo Anja,

vielen Dank für Deine Antwort. Du hast Recht.

Wer Ansprüche stellt, muss sich dann auch an den Kosten beteiligen. Ein Erbe besteht ja nunmal nicht nur aus Guthaben!!

Wenn die nun keine Ruhe geben, kriegen sie eine Aufstellung von mir..............

Danke Dir nochmal

Lieben Gruß#herzlich
Natti

3

Oh ha.....

ich kann verstehen was in Dir vorgeht. Man möchte die Zeit anhalten um zu trauern und zu verarbeiten doch nicht nur die Ämter und sonstige Aufgaben (Wohnungsauflösung, Bestattungsunternehmen, Papierkram) lassen einem die Zeit dazu, nein, dann auf einmal kommen sämtliche Verwandten an und stellen Ansprüche.

Ich bin auch bei meinen Grosseltern aufgewachsen. Meine Mutter verstarb ein halbes Jahr nach meiner Geburt. Die restlichen 3 Kinder haben seit Jahren bereits keine Kontakt mehr zu meinen Grosseltern wegen irgendwelchen Streitereien. Ja eigentlich wegen harmlosen Dingen.
Mein Opa starb vor 3 Jahren an Lungenkrebs. Er fragte nach seinen Kindern. (Ich die Enkelin hatte sie über seinen Zustand informiert) Er wollte sie nochmal sehen.
Aber es kam keiner. Ich war da an dem Tag als er starb.

Es war schlimm für mich, Oma Trost geben und die eigene Trauer - wohin damit.
Die Kinder die sich jahrelang nicht kümmerten kritisierten nun das Verhalten der Oma, warum Opa so beerdigt wurde usw.

Ganz ehrlich:
"Sie sollen sich in Grund und Boden schämen!" Sie sollen ersticken an ihrem herzlosen und Egoistischen Verhalten. Sie haben nicht da gesessen und gesehen wie er sich gequält hat, ja wie er qualvoll erstickt ist.

Das was Du jetzt erlebst steht mir noch bevor. Meine Oma hat Krebs, der zwar langsam, aber stetig voranschreitet. Und wenn es dann soweit ist, hoffe ich das mir genug Zeit bleibt die Dinge zu regeln ohne Verwandten die nichts besseres zu tun haben als nach dem Pflichtteil fragen.

Ich wünsche Dir ganz viel Kraft das durchzustehen!

Alles alles liebe für Dich! Kannst stolz auf Dich sein. DU hast Dir nichts vorzuwerfen!


#kerze Grüsse Sabine

4

Hallo Sabine,

ich danke Dir für Deine lieben Zeilen. Auch ich wünsche Dir viel Kraft und ebenso Kraft für Deine Oma.

Versuche ihr alle Wünsche zu erfüllen und ihr das durch Krebs geplagtes Leben so lebenswert zu machen, wie es nur geht.

Mein Opa wollte so gerne noch gemeinsam mit meinen Kindern einen Ausflug machen. Er hat es nicht mehr geschafft, die Zeit blieb ihm einfach nicht.


Alles Liebe
Natti

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