Hat unsere Ehe noch eine Chance?

Hallo,

ich versuche mich kurz zu halten.

Mein Mann und ich sind seit 16 Jahren verheiratet, wir haben zusammen fünf Kinder.

Letztes Jahr im Februar hatten wir eine ziemliche Ehekrise. es kam heraus, dass er seit 30 Jahren Pornosüchtig war und sich seine Gedanken nur noch um andere Frauen drehten. Er hatte nie etwas mit einer anderen Frau gehabt, doch meinte er, wenn sich in letzter Zeit die Gelegenheit geboten hätte, hätte er sie genutzt. Ich hatte zu der Zeit schon seit längerem bemerkt, dass er ständig nach anderen Frauen schaut, und ich mochte nicht einmal mehr mit ihm Essen gehen, da es mir davor graute, dass er wieder nur nach anderen Frauen giert. Um Missverständnissen vorzubeugen, mir ist klar, dass Männer mehr oder weniger die oft anderen Frauen hinterschauen, und damit habe ich auch überhaupt kein Problem. doch in seinem Fall war es sehr extrem. man konnte förmlich merken, wie in seinem Kopf ein Schalter umgelegt wurde und er gar nicht mehr merkte, wie gierig er nach Frauen mit gewissen Rundungen blickte.

Nach einem emotionalen Gespräch letztes Jahr im Februar nun, bei dem er mich um Vergebung bat und ich ihm vergab, konnte er von heute auf morgen mit dem Anschauen von Pornos aufhören, was ich als echtes Wunder betrachte. Seit 1,5 Jahren hat er sich kein einziges Mal einen angeschaut, und das glaube ich auch, wenn er es mir sagt.

In diesem Punkt sind wir also ein ganzes Stück vorangekommen was unsere Ehe und unser Sexualleben betrifft.

Nun ist es jedoch so, dass er immer noch sehr oft anderen Frauen hinterherschaut. Er meinte heute bei einem Gespräch, dass er dann gerne mit diesen Frauen ins Bett möchte. Er will diese Gedanken allerdings nicht und er hasst es, wie er sagt, weil er weiß, dass er eine tolle Familie hat. Aber es sei einfach sehr schwer, dieses Denken abzulegen. Ich vermute mal, dass in seinem Gehirn durch den langen Porno-Konsum noch irgendwelche Gedankenmuster sind, die sich nicht so einfach durchbrechen lassen.

Mich verletzt es jedenfalls total, und ich weiß nicht, wie ich damit umgehen soll. Soll ich ihm den Rücken stärken, und sein Verhalten als Krankheit ansehen?
Oder mich sogar trennen?
Wer weiß, ob sich sein Verhalten jemals ändern wird? Ich würde mir immer als die Hässliche vorkommen, deren Mann ständig nach anderen Frauen glotzt. Auch wenn wir im Alltag und in der Kindererziehung ein super Team sind und uns lieben, so hängt doch sein " Problem" wie ein Schatten über allem und lässt mich nie so richtig 100% ig glücklich sein.
Ich weiß nicht, ob ihr meine Situation verstehen könnt, ich könnte noch viel mehr schreiben. Aber das würde den Rahmen sprengen.
Vielleicht hat die ein oder andere ja einen Tipp für mich. Das würde mich total freuen.

LG
Lebenslicht

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Du hast das 30 Jahre nicht bemerkt?!

..."Seit 1,5 Jahren hat er sich kein einziges Mal einen angeschaut, und das glaube ich auch, wenn er es mir sagt."
Das täte ich nicht, Du hast es ja auch vorher nicht bemerkt.

..."Er meinte heute bei einem Gespräch, dass er dann gerne mit diesen Frauen ins Bett möchte."
Immerhin ehrlich, aber harter Tobak. Klar hat jeder irgendwann mal den Gedanken, wie es mit diesem oder jenem wohl wäre, aber diese Ausprägung bei ihm ist wirklich zu viel.

Ich wäre so nicht glücklich und würde so auch nicht weitermachen.

Meine letzte Chance, die ich ihm einräumen würde, wäre eine Therapie, möglicherweise sogar eine für ihn und eine gemeinsame Paartherapie.
Sollte er sich darauf nicht einlassen würde ich das beenden, weil ich keine Lust hätte, ständig nur vorgeführt zu werden und mir wie ein Notnagel vorzukommen.

LG, katzz

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Erstmal vielen Dank für deine Antwort!

Also, es fing bei ihm mit den Pornos wohl mit ca 13/14 Jahren an. Ich war 22 und er 27 als wir geheiratet haben. Die ersten Jahre unserer Ehe habe ich wirklich nichts bemerkt, doch die letzten Jahre dann kam mir einiges schon komisch vor. Jetzt im Nachhinein schäme ich mich dafür, wie ich so dumm und naiv sein konnte, das nicht zu bemerken.

Ja, ich fühle mich ehrlich gesagt auch sehr unglücklich nach seiner heutigen Aussage, dass er mit diesen Frauen ins Bett möchte. Es geht ja nicht um ab und zu, sondern täglich.

Ich glaube, wir lieben uns noch und 16 Jahre Ehe schweißen einen ganz schön zusammen, wir haben viel zusammen erlebt. Auch viele schöne Dinge. Wir haben 5 wunderbare Söhne, aber ich bin im Grunde genommen tot unglücklich. Vielleicht mag die ein oder andere denken, es gibt schlimmeres als das und ja, das stimmt absolut. Trotzdem frage ich mich, ob ich nicht das Recht habe glücklich in meiner Ehe zu sein? Manchmal denke ich, dass ich alleine besser dran bin. Auch wenn das sicher kein Zuckerschlecken wird mit 5 Kindern und Vollzeit Arbeit.

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Ich hasse den Satz "es gibt schlimmeres" - ja, ich glaube, dass es eigentlich immer etwas noch schlimmeres gibt.

ABER deswegen sind doch die eigene Gefühle nicht weniger wert. Wenn du unglücklich bist mit der aktuellen Situation, dann muss sich was ändern.
Ja, es wäre schlimmer, wenn er die bereits fremdgegangen wäre. Oder vieles andere wäre auch schlimmer. Eine schlimme Krankheit usw.
Aber deswegen musst du ja nun nicht auf einmal glücklich sein mit der Situation.

Dich nervt es und es muss sich was ändern. So einfach ist das.

Schau, was für dich möglich ist. Eine Therapie für ihn, eine Paartherapie vielleicht. Und wenn dir nichts einfällt oder es trotz das ihr dran arbeitet nicht besser wird, dann vielleicht eine Scheidung.

Ich würde niemals bei jemanden bleiben mit dem ich unglücklich bin - egal was für Gründe das sind. Man kann versuchen dran zu arbeiten und ich bin immer dafür, dass man erstmal versuchen sollten etwas kaputtes zu reparieren. Aber wenn es sich als irreparabel rausstellt, dann muss es eben weg.

Liebe Grüße 🍀

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Wäre es eine Option die Ehe zu öffnen? Also dass jeder von euch außereheliche Erfahrungen machen darf? 16 Jahre sind eine lange Zeit und da kann es schon passieren, dass man mal Lust auf andere Sexpartner hat.
Ansonsten bleibt denke ich nur die Trennung, da er das wahrscheinlich nicht auf Dauer abstellen können wird.

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Dir auch vielen Dank!
Eine offene Ehe kommt für uns nicht in Frage, da wir beide gläubig sind.

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Dann geht ja auch eine Trennung bzw. Scheidung nicht, oder?

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Hallo.

Leider kenne ich deine Situatuion nur zu gut. Ich selbst war jahrelang mit einem Sexsüchtigen zusammen. Ich könnte darüber ewig lang schreiben.
Ich möchte much aber kurz fassen und im Prinzip lässt es alles auch in wenigen Sätzen zusammen fassen:

Ohne gezielte Therapie ändert sich NICHTS.

Überlege, ob du damit leben kannst, dass er JEDES weibliche Wesen bewertet, mit dir vergleicht, sie in Gedanken auszieht usw... denn ihr werdet überall auf Frauen treffen. Immèr.
Willst du für den Rest deines Lebens wirklich ständig hoffen, dass sich für ihn keine Gelegenheit zum Fremdgehen ergibt?

Lass ihn gehen. Du hast besseres verdient.

Alles Gute für dich!


PS: Mein Ex hat nachdem es einmal richtig "Ärger" gab auch von heute auf morgen komlpett auf Pornos verzichtet. Es geht. Nur leider reicht das eben nicht.

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Vielen Dank für deine Antwort und deinen Erfahrungsbericht!

Genau vor dem, was du schreibst, fürchte ich mich:

<<Überlege, ob du damit leben kannst, dass er JEDES weibliche Wesen bewertet, mit dir vergleicht, sie in Gedanken auszieht usw... denn ihr werdet überall auf Frauen treffen. Immèr.
Willst du für den Rest deines Lebens wirklich ständig hoffen, dass sich für ihn keine Gelegenheit zum Fremdgehen ergibt?>>

Ja, so wird es wohl mein Leben lang sein. Jede Frau wird gescannt werden.

Diese Wahrheit ist so traurig.
Ich will meinen Kindern aber auch nicht eine glückliche Kindheit nehmen. Die hätten sie im Falle einer Scheidung nicht mehr.
Vielleicht muss es so sein. 😕

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Ich kam auch nicht von ihm los. Als ich mal wieder am Rande der Verzweiflung war, trennte ich mich. Wenige Zeit später wollte ich es noch einmal versuchen. Aber er zog die Trennung durch. Zum Glück! Ich trauerte eun halbes Jahr sehr stark um die Beziehung. Dann lernte ich meinen jetzigen Freund kennen. Er ist nicht Sexsüchtig. Und endlich lebe ich wieder in einer Beziehung ohne Angst, kreisende Gedanken, tiefer Traurigkeit und ewigen Befürchtungen.

Eine Trennung lohnt sich. Für dich. Für deine Kinder. Sie brauchen eine fröhliche, gelassene, angstfreie Mutter.

Mein Ex hatte übrigens kurz nach mir eine Neue und zieht jetzt das gleiche Programm mit ihr durch. Er gibt sich noch mehr Mühe, damit sie nichts davon bemerkt. Er hat sich null geändert.

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Vielleicht sollte sich dein Mann professionelle Unterstützung suchen, wenn es auch ihm wichtig ist?!
Eine Gesprächstherapie zum Beispeil würde eventuelle mal der Ursache auf den Grund gehen…

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Denn auch diese Art von Sucht sollte tiefgründig bearbeitet werden, um herauszufinden, warum es überhaupt so weit gekommen ist bzw. wie man dem entgegenwirken kann.

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Ich denke, du solltest mit einem Spezialisten reden. Kannst ja mal beim Hausarzt anfangen, einen Therapeuten fragen und eventuell gibt es bei euch im Kreis auch jemanden, der für Suchtkranke und Suchtprävention zuständig ist und Kontakte vermitteln kann.

Ich würde wissen wollen, ob sich was ändern kann, wie dieser Weg aussehen kann oder ob man das wie das Zittern eines Alkoholikers als Nebenwirkung der Pornosucht akzeptieren muss und es sich nicht mehr ändert.

Danach kannst du deine Entscheidung besser treffen.

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Ich würde ihn zur Therapie schicken.
Er sieht Frauen offenbar nur als Objekte und mir wäre das todespeinlich vor diesen Frauen, wenn er sie so angafft. Vermutlich sind über den enormen Pornokonsum 1-2 Stellschrauben in seiner Psyche erkrankt. Normal ist dieses Verhalten nicht und ohne Hilfe wird es sich vermutlich nicht ändern. Er muss erst einmal lernen, Frauen auf Augenhöhe und als Menschen und nicht nur als Fickobjekte zu sehen. Das würde mich auch extrem stören. Er braucht Hilfe, und ich denke professionelle Hilfe.

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Ich würde euch dazu raten, einen guten spezialisierten Seelsorger mit ins Boot zu nehmen. Ihr könnt euch z.B. bei wuestenstrom oder Team F beraten lassen. Bei so tief verwurzelten, langdauernden Prägungen kommt man nur mit gutem Willen nicht raus.

Alles Gute!

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Ich denke, du hast die Wahl zwischen zwei Wegen:
Entweder du ziehst den Schlusstrich und ihr trennt euch.

Oder ihr probiert eine Therapie. Er eine in Bezug auf sein Begehren und seine Sucht und ihr gemeinsam eine, um in eurer Partnerschaft wieder eine Vertrauensbasis zu schaffen.

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