Ehe fortführen für das Kind?

Guten Abend, mein Mann und ich sind knapp zehn Jahre verheiratet und hatten immer eine sehr harmonische Ehe. Nun habe ich jedoch den Eindruck, dass wir uns immer weiter voneinander entfernen. Wir entwickeln uns in andere Richtungen, haben andere Wünsche und Vorstellungen von der Zukunft. Dazu kommt, dass ich ihn als Mensch sehr schätze aber nicht mehr liebe.
Nun wäre die Überlegung der Trennung doch wir haben ein gemeinsames noch junges Kind was wir beide über alles lieben. Für unser Kind würde eine Welt zusammenstürzen bei einer Trennung. So viel steht fest. Ich überlege also aus diesem Zweck meine Ehe fortzuführen. Mein Mann sagt nach wie vor er liebt mich und genießt unsere Familie. Natürlich habe ich ein schlechtes Gewissen ihm gegenüber. Aber ich meine, wenn er so wie es jetzt ist zufrieden ist. Dann ist doch alles gut aus seiner Sicht, oder? Eine Trennung würde bedeuten, das gemeinsame Haus zu verkaufen, ein Umzug, Unterhaltszahlungen etc. Also müsste das aus seiner Sicht doch auch das kleinere Übel sein oder?

Können Ehepartner freundschaftlich zusammenleben des Kindes wegen? Sind hier Frauen die nur deswegen beim Partner geblieben sind? Wie ist es euch damit ergangen?

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Das kannst nur du (und dein Mann) entscheiden. Möchte er denn die Ehe fortführen in dem Wissen, dass du ihn nicht liebst?

Ich persönlich könnte das nicht. Ich bin nicht nur Elternteil. Ich tue viel für mein Kind, aber jahrelang in einer Ehe sein nur für das Kind - nein danke. Ich hab auch nur dieses eine leben!

Allerdings würde ich erstmal probieren, mich wieder anzunähern, schauen, ob man romantische Gefühle wieder hervor holen kann. Ob es Kompromisse gibt. Wenn dies alles absolut nicht der Fall ist, würde ich mich trennen. Aber das ist eben nur meine persönliche Meinung, andere haben vielleicht andere Prioritäten.

Nur weil man getrennt ist, muss man nicht schlecht als Eltern funktionieren!

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Keiner von euch 3 hat einen Vorteil, wenn ihr zusammen bleibt.
Das Kind wird merken, dass etwas nicht stimmt. Ebenso dein Mann, wenn er es noch nicht weiß.
Und du, du verbaust dir auch die Chance auf ein neues Glück.

Trennt ihr euch hat jeder von euch beiden die Chance glücklich zu werden. Das wiederum spürt dann auch euer Kind.
Wenn ihr es schafft vernünftig miteinander umzugehen, bricht vielleicht im ersten Moment eine Welt für euer Kind zusammen, aber auf lange Sicht wird es besser.
Dem Kind eine heile Welt vorzugaukeln geht nicht gut.

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Dazu gibt es gerade einen tollen Artikel in der aktuellen Brigitte Mom!

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Was habt ihr denn getan, damit Eure Ehe wieder Schwung bekommt? Habt ihr Therapie oder Mediation genutzt?

Ich lese nur "es ist nicht mehr so wie vor 10 Jahren". Natürlich, nix ist mehr so wie vor 10 Jahren. Natürlich bedeutet eine Ehe Kompromisse einzugehen, von beiden Seiten. Ihr habt Euch mal was versprochen, ala in guten und in schlechten Tagen. Warum ist das hinfällig geworden? Ehe und Familie ist auch Arbeit, Arbeit an sich Selbst und an für alle gangbaren Kompromissen. Das oben klingt mir als wäre es Dir einfach nur zu anstrengend.

Ein altes Ehepaar wurde zu seiner Gnadenhochzeit gefragt, wie sie das geschafft haben. Die Antwort der beiden: Wir sind in Zeiten aufgewachsen, als man Dinge, die kaputt waren repariert hat und nicht weggeschmissen hat.

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Dein letzter Absatz ist zwar schön und romantisch, trifft aber nicht auf alle zu.
Heute haben Frauen die Möglichkeit sich zu trennen und müssen nicht mehr bei einem Mann ausharren, der sie schlecht behandelt oder wie im Fall der TE einfach keine Liebe mehr da ist.
Ich bin auch nicht dafür sich sofort zu trennen, aber wenn alles nicht mehr fruchtet, ist es wohl besser.

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Du schreibst, wenn alles nicht mehr fruchtet. Mein Problem ist, dass ich nicht lese, was hätte fruchten sollen, ich lese nicht, was probiert wurde um die Beziehung, die Ehe zu retten.

Da es ein anonymer Thread zum Wochenende war und es auf keine Fragen Antworten gibt, hab ich eh so meine Zweifel wegen der Authenzität...

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Das kann allein deshalb schon nicht gut gehen bei Euch, weil Dein Mann dich noch liebt und zufrieden ist und Du nicht. D.h. früher oder später wird DIR das nicht mehr reichen, lernst Du einen anderen Mann durch blöden Zufall kennen, der dein Herz wieder pochen lässt, und dann hast Du das beste Drama im Haus.

Arbeitet an Eurer Ehe und schaut, ob Deinerseits was zu retten noch ist, oder trenn Dich. Deinem Kind lebst Du so auch nichts Tolles vor, weil es so nur lernt, dass es im Leben richtig und wichtig ist, zu tun was man muss und nicht was man möchte. Möchtest Du dass Dein Kind später auch so eine Vernunftsehe führt? Wenn nein, dann leb ihm auch keine vor.

Wenn Ihr im Guten auseinander geht und nah beieinander wohnt, nur eben getrennt, leidet ein Kind auch nicht so furchtbar unter einer Trennung wie so viele glauben. Die die leiden sind meist die wo die Eltern im Krieg sich getrennt haben und kein gutes Verhältnis dem Kind zuliebe zustande kriegen. Ihr trennt Euch bestenfalls als Ehepaar, nicht als Elternpaar. Das kriegen aber viele leider nicht hin. Ich habe mich letztes Jahr getrennt und meine Kinder leiden null drunter, sie sehen ihren Papa regelmäßig und wir haben uns sauber getrennt. Den Kindern geht es besser als vor der Trennung, weil ich vorher unglücklich war. Eine unglückliche Mutter kann ihre Kinder aber nicht glücklich machen.

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Euer Kind spürt sowieso, dass etwas "nicht stimmt".
Im Zweifel bezieht euer Kind das auf sich selbst, zweifelt an sich selbst, hat Angst, dass die fehlende Liebe dem Kind gilt oder ihr euch wegen des Kindes nicht liebt.

Trennt ihr euch irgendwann doch, kann das bei der Basis zu Verlustängsten führen.

Als erstes solltet ihr als Erwachsene klar machen, was ihr braucht, wollt, euch gut tut.
Dann im nächsten Schritt, wie ihr das so gestalten könnt, dass es für euer Kind gut ist.

Trennung schafft z.B. auch Ordnung. Das Kind kann sich sicher sein: Mama und Papa lieben sich nicht mehr. Aber ich bin gewollt und geliebt. Streit oder schweigendes nicht mehr lieben gilt nur für die beiden untereinander, nicht für mich.

Wie ist das Haus aufgeteilt?
Könntet ihr euch vorstellen, daraus eine Art WG zu machen?
Eltern schlafen in verschiedenen Räumen? Abstand untereinander?
Allerdings glaube ich nicht, dass das funktionieren kann. Man wäre dann getrennt, aber doch nicht. Neuer Partner und so wäre schwierig.
Gibt es eine Wohnung innerhalb des Hauses oder getrennte Bäder, kann ich es mir schon eher vorstellen. So dass jeder seinen Bereich für sich hat.


Könntest du dir vorstellen: vorübergehend auszuziehen?
Abgesprochen für 2-3 Monate.
Zeit für dich. Zeit auf Abstand.
Wie fühlt sich das an?

Vermisst du ihn? Sehnst du dich nach ihm? Dann könntet ihr wieder zueinander finden, wenn er das dann auch noch möchte.

Atmest du auf, fühlst dich erleichtert, befreut, fühlst dich wohl, obwohl es eine kleinere Wohnung ist. Dann sagt dir dein Gefühl, wie es weiter geht.
Für euer Kind könntet ihr ja versuchen Wohnungen zu finden, die dann in der Nähe liegen. Bestenfalls so, dass euer Kind von sich aus zu Fuß hin und her gehen kann.

Auch Ferienwohnung, Hotel oder ähnliches für 1-2 Wochen können ein Anfang sein, um herauszufinden, was du brauchst.

"Nur" Abstand um sich zu vermissen, raus aus dem Trott zu kommen, um wieder offen zu sein für das Gute oder eben doch mehr und dauerhaft.

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Die Frage, die ich mir stelle, ist: Wie willst Du nach der Trennung weitermachen? Möchtest Du alleine Deinen Weg weitergehen oder bist Du auf der Suche nach der neuen großen Liebe? Wenn Du meinst, dass es woanders jemand gibt, der viel besser zu Dir passt, kann ich mir vorstellen, dass das etwas einfach gedacht ist. Ich erlebe gerade in meinem Umfeld getrennte Paare, die verzweifelt nach jemand neues suchen und nicht fündig werden.
Oder sollte es den neuen Partner geben, gibt es andere Hürden zu überwinden. Diese ganzen Patchworksituationen sind doch auch irgendwie Müll, die ganzen Probleme, die damit einhergehen. Werden die für Dein Kind leichter zu händeln sein?

Mach Dich auf den Weg, schau, was Du hast, ob Du zufrieden bist in Deiner jetzigen Situation. Wirf das nicht alles weg. Nur, weil Du gerade nicht zufrieden bist, heißt es nicht, dass es nichts wert ist. Partnerschaft heißt nunmal Arbeit. Gerade in unserer heutigen Zeit wird uns ja gerne suggeriert, dass an jeder Ecke etwas besseres wartet. Und das halte ich für gefährlich.
Und auch wird ja gerne erzählt, dass man früher nicht alles wegschmiss. Das halte ich für Quatsch. Die Partnerschaften früher waren auch Mist, nur wurden sie aus wirtschaftlichen Gründen zusammengehalten oder weil es sich eben nicht gehörte, sich zu trennen.

Die Antwort auf Deine Frage kannst Du Dir nur selber geben. Ob der Weg der richtige ist, weiß Du leider erst hinterher.

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Super geschrieben und auf den Punkt gebracht#pro

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Wenn du ihn nicht mehr liebst, dann ist das so.
Ob sich Liebe wieder "reaktivieren" lässt, halte ich persönlich für fraglich. Meiner Erfahrung nach nein. Von daher, und das auch meiner Erfahrung nach, bringt es nichts mehr, an einer Beziehung festzuhalten. Das hat auch etwas Unfaires dem anderen gegenüber, der noch liebt. Dieser ist dann letztlich immer in einer unterlegenen Position aus Sehnsucht, Hoffen, Bangen.

Und daher bin ich wenn für Trennung mit einem sauberen Schnitt, auch mit entsprechender Distanz. Ich habe zu viele Nachtrennungsdramen erlebt, privat und beruflich, zu viele gescheiterte Modelle was eine platonische Beibehaltung der Ehe/Beziehung angeht... Dass das funktionieren kann, will ich gar nicht bestreiten, aber ich denke, das benötigt von beiden Seiten aus ein hohes Maß an emotionaler Zugewandtheit ohne den Wunsch nach einer wirklichen Paarbeziehung (bei euch nicht der Fall) und extrem viel Toleranz, spätestens dann, wenn eine neue Liebe ins Spiel kommt.

Scheinbar pragmatische Lösungen die auf vermeintlicher Vernunft basieren, hier z.B. bei euch, was das Finanzielle und die Bedingungen bzgl. Haus usw angehen, klammern das Emotionale extrem aus. Aber wir Menschen sind halt nicht nur kühle Strategen, sondern auch Gefühlswesen. Das sollte bei jeder Entscheidung berücksichtigt werden. Und Gefühle sind nicht immer mit dem Kopf zu besiegen, zumal unsere Emotionen uns ja auch oft einen anderen und nur scheinbar unpragmatischen Weg aufzueigen, wenn sie am Ende jedoch vielleicht sogar das sind, was man Vernunftsentscheidung nennt.

Lange Rede kurzer Sinn, darüber hinaus muss ein Kind nicht als Kleber hinhalten, finde ich. Selbst in getrennten Verhältnissen kann man es wunderbar schaffen, dass beide noch gute Eltern und im Leben des Kindes präsent sind. Ich kann es bezeugen. Obwohl schon lange vom Vater getrennt, gehört er immer noch zu meiner Familie und umgekehrt.

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Mal aus der Sicht eines betroffenen Kindes:

Bei meinen Eltern gab es dieselbe Problematik als mein jüngerer Bruder 3 Jahre alt war (ich fünf). Meine Eltern haben es durchgezogen. Auch ohne Drama. Es funktionierte.

Aber: Als meine Eltern sich trennten, war mein Bruder gerade mit der Ausbildung durch (21 Jahre). Als mein Vater uns eröffnete sich trennen zu wollen, sagten wir beide unabhängig voneinander, „Gott sei Dank, na endlich.“

Wir Kinder wären mit der Trennung gut klar gekommen, nach der Eingewöhnung.
Aber durch den Weg meiner Eltern haben beide 18 Jahre ohne Liebe vertan, ohne das es für uns Kinder einen Mehrwert hatte. Mein Bruder und ich haben durch Die Entscheidung meiner Eltern zwar keine „Schäden“ davon getragen, aber wir hätten unseren Eltern gewünscht, nicht soviel Zeit zum Lieben zu verschenken.

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