Ich will nicht, dass mein Mann mehr zuhause ist

Hallo ihr Lieben,

ich bin es gewohnt, dass mein Mann außerhalb arbeitet. Er ist immer zwei Wochen unterwegs, dann zwei bis vier Tage zuhause. Wenn er bei uns ist, freue ich mich. Aber - das klingt jetzt bestimmt gemein - ich finde es auch schön, zwischendurch mit unserem Kind alleine zu sein. Auch wenn ich meinen Mann liebe, genieße ich es, ihn nicht ständig um mich herum zu haben.

Ich bin momentan mit dem zweiten Kind schwanger. Und mein Mann sucht nach einem neuen Job, um nicht mehr so viel unterwegs zu sein.

Ich weiß, dass ich gemein klinge, aber ehrlich gesagt, habe ich Angst davor, dass unsere Beziehung dann nicht mehr funktioniert. Ich kann nicht mit ihm darüber reden, ohne ihn zu verletzen.

Und nun? Ich weiß nicht mehr weiter.

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Hallo

Vielleicht ist es mehr die evtl. bevorstehende Veränderung, die dich nachdenklich stimmt. Dein Mann denkt auf seiner Seite bestimmt, dass er bei bald 2 Kindern da sein sollte, um dich zu entlasten. Plane einfach jetzt schon, wie du die für dich nötige Distanz schaffen kannst. Mehr Hobbies mit/ohne Kinder zum Beispiel. Vielleicht kann er dann auch endlich was für sich tun, wenn er nicht stets so lange am Stück unterwegs ist.

Nimm Veränderungen an, ohne gleich innerlich Vorbehalte zu kreieren.

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Hallo! Ich weiß genau, was du meinst...ich kann die ja mal erklären, wie es bei uns ist. Mein Mann ist beruflich auch sehr viel unterwegs (gewesen). Circa 15 Jahre lang war er mindestens 50% der Arbeitszeit im Ausland unterwegs und ich in der zeit alleine mit unseren (irgendwann dann) vier Kindern. während ich es anfangs sehr anstrengend fand, ging es mir schnell wie dir: Ich habe mir meinen Alltag mit den Kindern eingerichtet, alles auch gut alleine geschafft und die Zeit eigentlich auch genossen. Denn es ist tatsächlich so. Man gewöhnt sich daran der Partner nicht täglich zu sehen.
Nun ist es aber so, dass viele das nicht nachvollziehen können, d.h. anfangs haben immer alle Freunde so mitleidig geschaut und es kamen ständig Kommentare wie: Mensch, dass du das aushältst", "ich könnte das nicht" etc und auch mein Mann hat immer unterschwellig gesagt oder zu spüren bekommen, dass er doch eigentlich öfter zu Hause sein sollte.
Geholfen hat uns da wirklich nur reden, reden, reden. denn auch mein Mann hätte seine Tätigkeit fast gegen einen "langweiligeren" Bürojob eingetauscht, weil er dacht, dass ich das so möchte. Erst als ich mich getraut und auch vor mir selbst eingestanden habe, dass die Situation für mich genauso passt und ich ihm das auch kommuniziert habe, ist er eigentlich ganz erleichtert. Wenn er jetzt unterwegs ist, dann ganz ohne schlechtes Gewissen und wenn er dann zu Hause ist, genießen wir die Zeit!
Also hab keine Angst und rede mit deinem Mann...vielleicht sucht er ja auch nur einen neuen Job, weil er sich von außen unter Druck gesetzt fühlt...
Viele liebe Grüße

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Danke für die Anregung. Ja, da muss ich mir wohl was überlegen.

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Also ich kann deine Gedankengänge komplett nachvollziehen. Es wird eine große Veränderung mit sich bringen, das sollte man einfach auch mal klar sehen und auch sagen können.

Gemein wäre es nur, wenn du kein Gespräch mit ihm suchst. Wie kommt er denn jetzt darauf euer Familienleben umzuwerfen? Wenn ihr da jetzt noch nicht großartig drüber gesprochen habt, dann kann es schlußendlich ja auch sein, das er es nur aus einem "falschem" Pflichtgefühl heraus machen will. Das wäre schade und hätte auch zusätzliches Konfliktpotenzial. Ist er schon länger in den Job unglücklich und will jetzt 2 Fliegen mit einer Klappe schlagen? Weiß er überhaupt, das du gut alleine klar kommst? Wie stellt er sich das denn alles vor?

Egal wie man sein Familienleben gestaltet, man sollte doch immer locker darüber reden können, ohne das dabei jemand verletzt wird oder einer beleidigt reagiert. Wenn das nicht mehr vernünftig geht, dann habt ihr ganz andere Probleme.

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Danke für deine Antwort. Eigentlich mag er seinen Job. Aber er meinte, dass er es "nicht richtig" fände, als Familienvater so viel unterwegs zu sein und dass er mehr Zeit mit uns verbringen will. Ich möchte ihn nicht kränken, indem ich sage, dass ich aber auch Zeit für mich brauche.

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Er hat das Bedürfnis nach mehr Familie, Du willst beim Alten bleiben. Sprecht miteinander!!!

Und glaub mir, mit zwei Kindern wirst Du sehr froh sein für helfende Hände. Die Anforderungen und die Arbeit ist im Alltag überhaupt nicht zu vergleichen mit einem Kind. #schwitz

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Eigentlich sollte man doch darüber reden können... Du sagst ihm ja nicht, dass du ihn nicht mehr leiden magst, sondern genau das Gegenteil - du liebst ihn. Aber du bist eben ein Mensch, der auch gut ohne seinen Partner auskommt und vielleicht auch gerne mal am Abend alleine ist.

Ich kann deinen Mann verstehen, dass er mehr zu Hause sein und mehr von seinen Kindern mitbekommen möchte. Allerdings kann ich auch dich verstehen, denn mir würde es genauso gehen.

Sollte er tatsächlich einen Job finden, der deutlich weniger oder gar keine Abwesenheiten mehr erfodert, werdet ihr wahrscheinlich dennoch nicht dauerhaft zusammen hocken. Vielleicht bietet sich euch beiden die Gelegenheit zur Ausübung eines Hobbys oder Treffen mit Familie und Freunden - ohne Partner.

Vielleicht gibt auch eure Wohnsituation eine Art Hobbyzimmer her, sodass sich immer eine Rückzugsmöglichkeit ergibt.

Es würde anfangs sicherlich rumpeln und ihr müsst euch neu einspielen. Du müsstest lernen, nicht an deinen eingefahrenen Abläufe und Strukturen festzuhalten und ihn in euer Leben zu lassen. Das wäre sicherlich schwer, ist aber machbar und vermutlich reine Gewohnheit.

Und man kann ja trotzdem sehr viele Sachen getrennt unternehmen.

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Danke für deine Antwort. Unser Haus ist sehr klein, hat nur ein Kinderzimmer. Aber es stimmt schon. Wir werden nicht ständig aufeinander hocken.

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Ich kann dich sehr gut verstehen. Du hast deine Abläufe und merkst die Unruhe, die rein kommt, wenn dein Mann zwischendurch zu Hause ist. Das macht dir natürlich Angst.

Ich kann dir aber sagen, dass es nur eine Phase am Anfang ist. Wenn er wieder regelmässig zu Hause ist, dann müsst ihr euch innerhalb eures Familienlebens einmal neu positionieren. Das heisst es wird eine neue Aufgabenverteilung geben. Wenn dies statt gefunden hat und ihr wieder einen Rhythmus gefunden habt, dann möchtest du die Anwesenheit deines Mannes gar nicht mehr her geben.

So ging es jetzt mir und meinem Partner. Wir sind beide sehr viel unterwegs. Häufig in verschiedenen Richtungen. Durch Corona haben wir dort plötzlich eine Vollbremsung gemacht. Plötzlich - von einem Tag auf den anderen, waren wir beide regelmässig daheim. Und schlimmer noch, wir haben nicht mehr 150% gearbeitet, sondern nur noch max. 50%. Es hat ein/zwei Wochen gedauert, dann hatten wir unseren Rhythmus. Jetzt ging es wieder zurück in den normalen Wahnsinn. Unterwegs und 150% arbeiten. Auch hier brauchen wir jetzt wieder ein paar Wochen um diesen neuen Rhythmus wieder auf zu nehmen.

Diese Änderungen im Leben funktionieren gut, auch wenn man es sich nicht vorstellen kann, weil man mit der aktuellen Situation doch sehr zufrieden ist. Diese ganzen Änderungen gehen aber nicht gut, wenn man nicht ehrlich zueinander ist. Das wichtigste in einer Beziehung ist reden, reden und reden. Ehrlich miteinander reden.

Erzähle ihm deine Ängste. Höre dir an, was er zu sagen hat. Besprecht, wie ein gemeinsames Leben aussehen kann. Welche Aufgabe könnte ehr dir abnehmen? Was kannst du mit deiner neuen Freizeit machen? Mal euch euer Leben aus, wie es in dieser neue Situation und mit dem zweiten Kind sein kann. Sage ihm wovor du Angst hast. Wenn ihr das macht, dann werdet ihr einen Weg finden, wie ihr die neue gemeinsame Zeit geniessen könnt.

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Danke für deine Antwort. Unruhe beschreibt es gut. Ich hoffe, dass wir uns auch schnell einspielen können.

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Ich finde es immer kurios zu lesen, dass man den Mann, den man angeblich liebt, nicht bei sich haben will...widerspricht sich irgendwie. Schatz ich liebe dich, aber dich jeden Tag sehen müssen...nein darauf habe ich nun wirklich keine Lust. Sehnsucht nach dir? Hm nö. Ich kümmere mich lieber ums Kind. Dich muss ich nur alle paar Wochen mal sehen.

Seltsame Welt

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Menschen sind unterschiedlich. Ich vermisse in deinem Post Verständnis dafür. Man kann Sehnsucht haben UND Freiheit wollen. Man kann sich zutiefst lieben UND das nicht jeden Tag zum Ausdruck bringen wollen.

Ich persönlich kann Menschen die "Schatz" sagen übrigens wenig abgewinnen (wie wenig individuell ist das denn bitte) und Pärchen die Tag ein Tag aus aufeinander kleben übrigens auch nicht.

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Also ich habe Freiheiten obwohl mein Partner täglich hier ist...wie das bei fast jedem Paar auch so ist bzw beim Großteil. Warum soll man keine Freiheiten haben? Ich bin eingeschränkter, wenn mein Partner nicht da ist, weil ich dann immer für die Kinder da sein muss und logischerweise nicht einfach mal schnell kurz was machen kann außerhalb.

Es soll Menschen geben, die ihren Partner den sie lieben schnell vermissen und gern bei sich haben und bei der Familie. Finde es traurig es schön zu finden, wenn das Kind den Vater nicht um sich hat und man fast wie ein dauer Single lebt. Den Partner nur 4 bis 8 Tage im Monat zu sehen und das toll zu finden...naja was soll ich da denken..

Meine Ansicht von Liebe und Familienzusammenhalt ist eine andere

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Hallo Madita,

auch von mir Verständnis: ich bin es auch gewohnt, unseren Familienalltag ohne Mann zu leben. Mein Mann arbeitet sehr lange.
Unser Alltag ist deswegen so, wie ich es gerne möchte, ich entscheide das allermeiste inzwischen alleine. Das finde ich tatsächlich auch recht bequem. Mein Mann hingegen ist manchmal sauer, er würde gerne mehr mit entscheiden. Nur finde ich wenn er keine Aufgaben übernimmt, hat er nicht das Recht, mir zu diktieren, wie ich mich organisiere.

Hätte ich die Situation von Dir, also dass er plötzlich mehr da wäre - puh ich glaub ich dürfte ihm das nicht so sagen. Nach einigen Homeoffice-Tagen coronabedingt , sagte er ziemlich frustriert zu mir, es wäre total egal ob er da ist oder nicht. Es läuft eh so wie sonst auch. Stimmt ja auch.
Sollte er an seinen Arbeitszeiten deutlich etwas ändern, müsste er auch im Familienalltag viel mehr übernehmen. Über das Mehr an Freizeit würde ich mich auch freuen.

Liebe Grüsse und versuche es positiv zu sehen!

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Ich kann dir da leider nicht helfen. Ich verstehe nämlich nicht, wie man seinen Partner als "Eindringling" sehen kann. Eigentlich sollte man in einer glücklichen Beziehung ein Team bilden und sich gemeinsam um die eigenen Kinder kümmern und nicht lieber allein sein wollen bzw den Partner von 31 Tagen nur höchstens 8 Tage sehen wollen...
Die Kinder finden es bestimmt auch besser, wenn man ein geregeltes Familienleben hat und Mama und Papa immer für einen da sein können und nicht nur alle paar Wochen. Für viele Kinder ist es schon nicht schön den Papa nur 1x kurz am Tag sehen zu können. Und du möchtest sogar lieber, dass eure Kinder den Papa nicht täglich sehen können. Verstehe ich nicht.

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Ich kann das auch nachvollziehen.
Es ist eine große Umstellung. Man hat seinen Rhythmus und seine Routine, die in der Regel gut funktioniert. Ich bin auch gerne mal alleine und kann teils auch nicht nachvollziehen, wie man in Stress gerät, nur weil der Partner nicht Punkt 17:00 Uhr zu Hause aufschlägt. Es muss einfach passen und zwar für beide. Es trennen sich Paare nicht nur wegen räumlicher Distanz. Ganz im Gegenteil.
Mein Mann ist seit 2 Jahren im Homeoffice. Riesige Umstellung nach 18 Jahren (teils Wochenendbeziehung, viele Reisen und immer lange Arbeitszeiten).
Ja, er ist jetzt oft eine Unterstützung, aber trotzdem nie wirklich kalkulierbar, da er trotzdem sehr viel arbeitet.
Nachteil: Meine Erwartungshaltung ist gestiegen und meine Routine durcheinander.

Ich genieße insbesondere jetzt die Zeiten, wenn er mal 1-2 Tage unterwegs ist und die Kinder idealerweise auch Schule haben. Und dann noch ein ruhiger Abend zu Hause - alleine. 👍 Ich bin durchaus ein Familienmensch und geselliger Typ, aber alles richtig dosiert.
Schön, dass er jetzt mehr vom Familienunternehmen erlebt, aber es war und ist eine Umstellung für alle.
In wenigen Tagen sind wir 20 Jahre verheiratet auch ohne 24/7.
Ich kann Dich verstehen. 😉

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Hallo meine Liebe,
du hast zwar schon viele Antworten bekommen, aber ich möchte dennoch meinen Senf dazugeben.
Ich habe im Schichtdienst gearbeitet und bin seit April schwanger komplett Zuhause. Das war eine echte Umstellung für meinen Mann, weil er plötzlich keinen Abend oder einen Sonntag mal für sich hatte, ich war einfach immer da. Andererseits habe ich den ganzen Tag zuhause auf ihn "gewartet", ich hatte ja sonst kaum Kontakt zu anderen Menschen, die sind ja alle arbeiten bzw wegen Corona hat man auch seine Kontakte eingeschränkt. Er hat mir dann auch gesagt, dass er mal seine Zeit für sich braucht. Im ersten Moment war ich vor den Kopf gestoßen, aber wenn man sich mal in sein Gegenüber hinein versetzt, ist es doch total verständlich. Inzwischen lege ich mir dann Erledigungen oder Besuche bei meinen Eltern auch öfter mal auf den Abend, sodass ich dann nicht immer da bin. Man muss einfach echt reden und neue Gewohnheiten finden. Ich verstehe, dass dein Mann dann erstmal verletzt ist, aber wenn er sich in dich hinein versetzt, wird er die Situation sicher verstehen.

Anderes Beispiel sind meine Eltern. Meine Mutter konnte nie viel damit anfangen, wenn mein Vater zuhause war. Wenn er z.B. Urlaub hatte, war sie immer "froh", wenn die Arbeit wieder los ging. Klingt jetzt fieser als es ist. Jedenfalls ist er inzwischen arbeitsunfähig und war zuerst immer öfter krankgeschrieben und ist nun seit gut zwei Jahren ganz Zuhause. Sie kommt damit tatsächlich kaum klar, es gibt viel Stress und Streit. Damit wollte ich dir nur mal den Denkanstoß geben, dass dein Mann ja auch nicht bis zu seinem Tod arbeiten wird und ihr im Alter eben vermutlich auch sehr viel mehr Zeit miteinander verbringen werdet, früher oder später musst du dich also so oder so damit auseinander setzen.

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