Emotionale Abhängigkeit - Was tun?

Ihr Lieben, ich kämpfe mich gerade aus alten Mustern bzw. ich entdecke die gerade mit dem Plan, mit destruktiven Verhaltensweisen Schluss zu machen.

Ich neige dazu, mich in Liebesbeziehungen selbst zu verlieren. Es ist nicht so, dass sich alles um den Partner drehen würde und ich kein eigenes Leben hätte, es ist eher so, dass ich bei Konflikten immer die Argumente des Gegenüber wichtiger finde als meine eigenen und mich dann genauso fertig mache wie der andere und bei unterschiedlichen Bedürfnissen in vorauseilendem Gehorsam meine zurückstelle.
Ich kriege es nicht hin, jemanden emotional in meine Nähe zu lassen und dennoch für mich selbst einzustehen. Und immer und immer wieder geraten Beziehungen dadurch in eine Schieflage und ich harre länger in Situationen aus, die mir nicht gut tun, als jeder Mensch ohne Macke das machen würde. Bisher ist meine einzige Strategie, innerlich emotional Abstand zu schaffen... (da habe ich tolle Strategien entwickelt), aber ich will ja eigentlich gar keinen Abstand, sondern ich will lieben und geliebt werden. Nur halt ohne Selbstaufgabe.

Hintergrund ist eine vermurkste Familiengeschichte, das wird mir langsam klar.

Die Frage für mich ist: was kann ich tun? Ich will das nicht mehr.

Ein Therapeut schlägt jetzt eine tiefenpsychologisch e Behandlung vor (ich dachte eher so an Verhaltenstherapie nach dem Motto: Mach das weg.). Außerdem suche ich nach guter Literatur. ("Wenn Frauen zu sehr lieben" hab ich mit Begeisterung gelesen) und nach Erfahrungsberichten von "Geheilten" und ganz konkreten Tipps, halt nach allem, was euch geholfen hat.

Ich bin sonst ganz normal, beruflich erfolgreich und in Freundschaften unauffällig... ich muss das immer betonen, weil ich es so schlimm finde, dass ich in Beziehungen offenbar einen veritablen Dachschaden habe.

Also: Her mit euren Tipps, gerne auch per PN.

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Ich geb dir mal drei Buchempfehlungen:

von Mark Manson: The subtle art of not giving a fuck und Everything is fucked.

sowie von Robert Sapolsky: Behave

Keine Ratgeberliteratur, aber eine gute Erklärung wie menschliches Verhalten entsteht. Wenn du das durch hast, brauchst du vielleicht gar keine Hilfe mehr sondern bist gerüstet um zu erkennen was deine Problematik ist.
Ansonsten ist wahrscheinlich Tiefenpsychologie tatsächlich der bessere weg, weil ja keine Verhaltensmuster sondern Kindheitsmuster aufgebrochen werden sollen. Die wenigsten Menschen sind allerdings fähig genug Reflexion aufzubringen um das zu schaffen.

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Danke schön.
Ich hoffe, dass ich genug Reflexionsvermögen besitze, um mich am eigenen Schopf aus dem Mustersumpf zu ziehen.

Ich halte eigentlich in der Hinsicht viel von mir... ;-)

Die Bücher schaue ich mir an!

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Hey - Dein Text könnte von mir sein #winke

Ich arbeite auch seit einiger Zeit daran und was mir wirklich sehr hilft, sind die Videos von Thomas Riccardi auf Youtube... Dort geht es echt ans Eingemachte und ich kämpfe mich gerade Stück für Stück aus meinem "Sumpf".

Manches ist wahnsinnig schwer, aber ich merke auch wie gut mir das tut...

LG

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Da schaue ich unbedingt rein.

Dir ganz viel Erfolg!!!!

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Eine tiefenpsychologische Behandlung wäre sicher hilfreich, wenn du alte Muster aufbrechen möchtest. Dazu gehört allerdings der Mut, sich Dingen zu stellen, die dich geprägt haben. Dinge, die unschön waren. Es kommt manches hoch, was gut vergraben wurde, aber nie verarbeitet. Wenn du dich allerdings da durch kämpfst, wirst du erleichtert und "frei" sein. Aber es wird erstmal ein harter Weg. Mit Hilfe eines guten Therapeuten gelingt dir das sicherlich gut.
Und Selbsterkenntnis ist der erste Weg zur Besserung.

Du stellst den Partner und seine Kritik an dich über dich selbst und deine Wünsche.
Aber, so komisch sich das anhört: DU solltest dir die wichtigste Person sein.
Danach kommt dein Partner. Denn DU bleibst immer bei dir, jeder andere Mensch kann dich verlassen. Sei grundsätzlich glücklich mit dir selbst und reiche dir aus zu deinem Glück.

DU solltest für deine Wünsche, Ziele und dich selbst einstehen. Denn du hast nur ein Leben und möchtest das doch weitestgehend so leben, wie du es dir vorgestellt hast. Außerdem sollte dein Partner dich nehmen, wie du bist. Weil du genau richtig so bist!

Natürlich übt man auch Selbstkritik. Aber dieser Punkt scheint bei dir zu stark ausgeprägt, wenn du so handelst, wie du oben beschreibst. Du zweifelst zu sehr an dir.
Hast du aber gar nicht nötig. Fehler macht jeder Mensch, deshalb sind wir Menschen.

Du kannst, auch wenn du dich selbst liebst, dir sehr viel wert bist und für deine Überzeugungen einstehst, deinen Partner trotzdem ganz nah an dich heranlassen.
Es ist nicht nötig dich innerlich abzukapseln. Du darfst nur nie vergessen, wer du bist.
Über Kritik von Anderen, wichtigen Menschen, denkt man nach, natürlich reflektiert man auch, ob sie recht haben könnten.
Aber niemals solltest du dich so von außen beeinflussen lassen, dass du an dir selbst zweifelst und dich für andere verbiegst.
Ein Partner, der an deiner Seite sein möchte, muss dich so nehmen, wie du bist. Mit all deinen Ecken und Kanten. Du bist Kompromissbereit, aber zweifelst nicht an dir.
Kein Mensch auf der Welt hat das Recht, dich umzuerziehen, denn du bist gut so, wie du bist.

Stehe für dich ein, sei dir selbst viel wert und nehme dich selbst an, wie du bist.
Wenn alle Stricke reißen, bist du immer noch für dich da. Du brauchst niemanden, um glücklich zu sein. Ein Partner rundet dein Glück lediglich ab.

DU bist gut so wie du bist und bist NICHT abhängig vom Urteil anderer Menschen.
Falls es keine Einigung bei Meinungsverschiedenheiten gibt, gilt: " Du hast deine Meinung, ich habe meine."
Und wenn jemand dich grundsätzlich ändern will, dann passt derjenige eben nicht zu dir.

Wenn du das verinnerlicht hast, dann kannst du Jemanden ganz nah an dich heranlassen und wirst dich trotzdem nicht verlieren.


P.S du wirst, trotz Therapie, immer wieder in alte Muster verfallen. Aber dann sei trotzdem nicht zu hart zu dir und nehme auch das an. Denn so bist du halt. Dann ruderst du wieder zurück, wenn du merkst, dass dir das nicht guttut.
Die Frage sollte für dich immer sein: "Passt der Partner zu mir und meinen Bedürfnissen?" Falls "nein" ist er nicht der Richtige.
Und nicht, wie jetzt: " Passen ich und meine Bedürfnisse zu meinem Partner?"
Falls "nein" muss ich mich verbiegen, dass es passt.
Das macht dich auf Dauer unglücklich und deinen Partner im übrigen auch. Denn das hält kein Mensch durch. Jeder ist, wie er ist.

Und denke daran: wir haben alle unser Päckchen, das wir mit uns herumtragen. Du bist nicht alleine.

Alles Gute #klee

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Das Problem ist, dass ich das vom Verstand alles weiß. Und der kehrt ja auch nach Konflikten zurück.
Aber wehe, ich gerate in Bedrängnis, zack, Verlassensängste, Schuld, Scham, Selbstzweifel...

Das führt auch für den Partner zu grotesken Situationen und totaler Verunsicherung. Ich sag, was ich will, dann hält der Partner dagegen, ich knicke vollumfänglich ein und schlüpfe un mein Büßergewand, entschuldige mich für meine eigene Meinung, die ja falsch ist, krieche in Popos und komme da jedes Mal geschwächter wieder raus...
Dann kommt mein Verstand wieder, ich ärgere mich über mich, und fange dann an erneut zu schießen und meine Position zu verteidigen.... Partner hält dagegen... da capo al fine. Das ist so scheiße und demütigend.

Ich muss lernen, das anders zu machen.

Danke für deine Worte.

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Weißt du, was mir immer geholfen hat?

Ich habe, nachdem mir das bewusst wurde, in Streitsituationen, all meinen Mut zusammen genommen und die "Hopp oder Top" - Variante für mich gewählt:
Ich dachte ganz fest: Wenn er mich wirklich liebt, dann wird er nicht gehen, nur weil ich in diesem Fall eine andere Meinung habe. Wenn er mich verlässt, nur weil ich in diesem Punkt anders denke, dann hat er mich nicht verdient!

Ich blieb dadurch fest auf meinem Standpunkt. Aber frage mich nicht...ich hatte trotzdem voll "Schiss". Aber ich zog das durch.Knickte nicht mehr ein.
Immer wenn dieses Gefühl des Nachgeben-müssen wieder kam, dachte ich: wenn er mich wirklich liebt, wird er nicht gehen.
Es war ein innerliches Ringen mit mir selbst.

Hört sich jetzt bestimmt komisch an...aber es fiel mir von Mal zu Mal leichter bei meiner Meinung zu bleiben.
Auch, weil ich die Reaktion meines Partners sah. Plötzlich diskutierten wir auf Augenhöhe.
Plötzlich konnte ich auch meine Ansichten durchsetzen, wurden meine Bedürfnisse wahrgenommen.

Genau so konnte ich auch Nähe zulassen.
Ich habe ebenso Verlassensängste, wie du. Konnte viele Jahre Nähe nicht zulassen, hatte eine Schutzmauer um mich gebaut.
Wenn jemand ganz nah an dir dran ist und tief in deinem Herzen, dann tut es unsagbar weh, wenn dieser Mensch dich verlässt. Das hatte ich gelernt.
Deshalb baute ich diese starke Mauer und fuhr gut damit. Ich wurde nicht mehr verletzt. Allerdings konnte ich auch nicht so tiefe Liebe leben. Denn ab einem bestimmten Punkt war Schluss. Da machte ich dann zu.
Ich lernte dann einen Mann kennen, der es mir wert war. Ich wollte ihm auch diese tiefe Liebe geben, die er mir gab.
Deshalb sagte ich mir: ich bin mutig. Ich lasse es zu. Wenn er mich wirklich liebt, dann wird er mich nicht verlassen.Wahre Liebe geht nicht. Und wenn es doch eines Tages so sein sollte, dann war es diese wunderschöne tiefe Zeit wert.

Dieses "Wenn er mich wirklich liebt, wird er bleiben" war mein Mantra.
Ich hatte es immer im Kopf und handelte meinen Wünschen und Bedürfnissen entsprechend.
Und die Reaktionen meines Partners waren anders, als die, die ich als abgespeichert Muster im Kopf hatte. Es war so heilsam! Ich fühlte mich total erleichtert und frei.

Das dauerte einige Zeit, um die Muster auszuschalten. Manchmal verfalle ich heute noch in alte Muster. Aber dann kann ich auch schnell wieder umschalten.

Wenn du bereit bist, an dir zu arbeiten. Wenn du selbst bemerkt hast, dass dein Handeln dir nicht guttut, dann ist das der erste Schritt in die richtige Richtung.
Man schränkt sich selbst ein. Weil man in der Kindheit traumatisierte wurde. Und das darf man nicht zulassen.

Kämpfe dich da raus!
Ich habe ein paar Beiträge von dir hier gelesen. Ich denke, du bist eine starke Frau.
Du schaffst das, wenn du es wirklich willst.

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ich würde da definitiv tiefenpsychologisch herangehen, wenn ich "vermurkste familiengeschichte" höre, ergibt verhaltentherapie für mich gar keinen sinn :-)

ansonsten kann ich zum thema "unbewusstes erkennt unbewusstes irrtumslos" dieses buch sehr empfehlen:
https://www.buch7.de/produkt/wie-die-liebe-anfaengt-michael-lukas-moelle/1021087197?ean=9783644028616

auch die anderen bücher von dem autor gehen sehr in die richtung (finde die titel manchmal unpassend, aber es geht um unterbewusstsein und liebe in bezug auf tiefenpsychologie).

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Ja, da bist du nicht alleine mit.
Ich habe ein paar Therapien hinter mir, allerdings am Ende dann weniger zu diesem Topic. Irgendwie habe ich selbst die Kurve gekriegt. Allerdings, muss ich schon sagen, waren die ganzen vorherigen Therapien sicher hilfreich dabei, zu lernen, sich auch mal selbst aus der Scheiße rauszuziehen und hinzugucken, wo genau eigentlich das Problem ist und was zu tun gilt, um es zu lösen.

Mir half ganz konkret: Wenn's immer der gleiche Mist ist und du in Hoffnungslosigkeit versinkst, dann versuch verflucht nochmals was Neues!

Wenn du mehr wissen willst, dann schreib mich ruhig an.

(P.S.: Und, gönn dir den ein oder anderen Dachschaden. Nobody's perfect)

Alles Gute!

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Ich bin ein großer Fan diverser Dachschäden. Normal kann ja jeder. Bloß dieser eine meiner vielen "Verhaltensoriginalitäten", der macht mich ganz schön unglücklich manchmal. Und da halte ich es mit den Ton, Steine, Scherben: macht kaputt, was euch kaputt macht.

Der muss weg. Koste es was es wolle!!! Dein Angebot nehme ich gerne an... ich lese dich so gerne. :-)

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Bei mir war es ähnlich und mit half Robin Norwoods Buch "Frauen, die zu sehr lieben".

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Wenn eine vermurkste Familiengeschichte der Hintergrund ist, dann heißt das, dass das bei dir sehr tief sitzende Verhaltensweisen sind. Daher weiß dein Verstand zwar, was richtig wäre, du tust am Ende aber etwas anderes. Da kann dir nur eine tiefenpsychologische Therapie helfen.

Mir geht es änhlich wie dir und ich strebe eine tiefenpsychogische Psychotherapie an.
Hilfreich finde ich das Buch "When pleasing you is killing me" von Les Carter. Aber das hilft nur an der Oberfläche. Ich arbeite mit einem Psychologen zusammen und der sagt oft "Das ist nur ein Pflaster auf der Haut, aber die Verletzung sitzt viel weiter unten."

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Den Buchtitel finde ich super.
Und ich finde es ja selbst für mich unbegreiflich, dass ich meine genau zu wissen, warum ich so bin und was falsch läuft, und ich dennoch immer wieder das Gleiche mache...

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