Schwiegereltern - kein Kontakt erwünscht

Liebe Community,
Zu folgender Sache würde ich gerne eure unabhängige Meinung einholen:
Im Sommer diesen Jahres haben mein Mann und ich kirchlich geheiratet in seinem Heimatland und der Stadt, in der er aufgewachsen ist, und in der seine Eltern noch heute leben.
Während der Hochzeitsvorbereitungen habe ich mich viel über meine Schwiegereltern geärgert. Während wir versucht haben, aus der Ferne alles zu organisieren, war für sie einerseits nichts von dem, was wir ausgesucht hatten (Location, Menü, Ringe,...) gut genug, andererseits haben sie aber auch selbst keinen Finger gerührt, um irgendwie zu helfen, sondern nur kritisiert. Nichts war gut genug, und wenn wir sie um Ihre Meinung gefragt haben, haben sie immer nur das Teuerste vorgeschlagen. Zusätzliche Gäste, die weder ich noch mein Mann kennen, haben sie auch auf die Gästeliste gesetzt, da sie der Meinung waren, dass sie ja letztlich die Hochzeit ihres Sohnes ausrichten (??) und ihnen zusteht, einzuladen, wen sie möchten. Wir (ich) haben schließlich einen Kompromiss getroffen, und ihnen 15 „Freikarten“ zu Verfügung gestellt, aber auch das war ihnen nicht genug, und hat zu ewigen Diskussionen geführt. Einen Zuschuss zur Hochzeit haben wir von ihnen übrigens nicht bekommen (was wir aber auch nie verlangt hätten), ein Geschenk in irgendeiner Form aber auch nicht. Dass ich sehr viele Kompromisse eingegangen bin (Trauung in fremder Sprache, fremder Religion, Verzicht auf meine Großeltern, die sich einen Flug nicht mehr zugetraut haben, usw), hat sie dabei nicht interessiert.
All das hat mich zwar geärgert, aber nicht sonderlich überrascht, und ich habe meinen Ärger trotz des hochzeitsstresses runtergeschluckt.
Am Abend vor der Hochzeit kam es jedoch zur Eskalation: wir haben einen kleinen Empfang gegeben, um die Gäste zu begrüßen. Mit meinem Mann hatten wir vereinbart, bis maximal 0:00 zu bleiben, da wir am nächsten Tag ja schließlich für unsere Hochzeit fit sein wollten. Als ich dann kurz vor 12 aufbrechen wollte, haben meine Schwiegereltern angefangen zu lamentieren, man könne nicht so früh gehen, und was sollten denn die Gäste denken, und wir als Gastgeber hätten da zu bleiben.
Nach längerer Diskussion sind wir dann schließlich aufgebrochen, und alle zusammen ins Hotel zurück gefahren. Während der Fahrt, habe ich mich so sehr geärgert, dass mir die Tränen gekommen sind, und ich schließlich, als wir am Hotel angekommen waren, grußlos auf mein Zimmer gegangen bin. (Mein Mann und ich hatten aus „Tradition“ in der Nacht vor der Hochzeit getrennte Zimmer). Das wiederum hat meine Schwiegermutter so sehr beleidigt, dass sie meinem Mann gesagt hat, nun wolle sie nicht mehr zu unserer Hochzeit kommen. Mir war klar, dass das nur eine leere Drohung war, aber ich fand so eine Aussage v.a. gegenüber meinem Mann unmöglich, der ihr das tatsächlich glaubte.
Natürlich ist sie dann am nächsten Tag zu unserer Hochzeit erschienen, hat uns nach der Trauung aber weder gratuliert noch ein einziges Wort mit mir während der gesamten Hochzeit gewechselt. Irgendwann waren meine Schwiegereltern dann weg, ohne sich von mir zu verabschieden. Während der Hochzeit war ihr Verhalten auch unmöglich: z.B. habe ich mitbekommen, wie eine Freundin ihr angeboten hat, die Tischrede meines Vaters für sie zu übersetzen. Das hat sie abgelehnt, und gesagt, das interessiere sie nicht (ich habe für meinen Mann seine Sprache gelernt, aber mein Vater hat seine Rede natürlich auf deutsch gehalten).
Insgesamt alles sehr unerfreulich. Mich hat am meisten aufgeregt, dass sie uns dadurch die Hochzeit in gewisser Weise verdorben hat (auch wenn es sonst sehr schön war), weil sie sich nicht einmal für ein paar Stunden zusammen reißen und über ihren Schatten springen konnte, auch nicht ihrem Sohn zuliebe.
Am nächsten Tag haben wir das Gespräch gesucht, und wir sind zu meinen Schwiegereltern nach Hause gefahren (was mich viel Überwindung gekostet hat, aber ich wusste, dass es meinem Mann sehr wichtig war), meine Schwester hat uns begleitet. Meine Schwiegermutter hat dann meine Schwester und meinen Mann begrüßt, und mich ignoriert. Ich war so baff, dass ich in Tränen ausgebrochen bin, und das Haus verlassen musste.
Später hat mein Mann dann doch noch ein Treffen arrangiert (für das ich eigtl gar nicht mehr bereit war) und meine Schwiegereltern haben behauptet, das sei ja alles gar nicht so gemeint gewesen, und ich sei ja wie eine Tochter für sie. 😡
Das war mit alles viel zu viel und seither möchte ich eigentlich vorerst keinen Kontakt mehr und erstmal viel Abstand zu meinen Schwiegereltern, was an sich auch kein Problem wäre, da wir ja in einem anderen Land leben. Aber mein Mann leidet darunter, entschuldigt ihr Verhalten immer mit der anderen Kultur, und versucht andauernd mich dazu zu überreden, doch mit seinen Eltern zu telefonieren, sie zu besuchen usw.
Einerseits verstehe ich natürlich, dass er sich das wünscht, andererseits habe ich nicht das Gefühl, dafür bereit zu sein, und weiß nicht, ob ich es jemals wieder sein werde. Mein Mann findet meine Reaktion überzogen. Er gibt zwar zu, dass das Verhalten seiner Eltern vor bzw. auf unserer Hochzeit nicht in Ordnung war, aber für ihn sind es nunmal seine Eltern. Für mich ist momentan am schlimmsten, dass immer , wenn ich an unsere Hochzeit denke, ich auch an diesen ganzen Ärger denken muss, und dann erst recht keinen Kontakt suchen möchte.
Gerne würde ich nun von jemand unparteiischen hören, ob meine Reaktion tatsächlich ungerechtfertigt ist, und was ihr in dieser Situation machen würdet?
Vielen Dank für eure Antworten und sorry, dass der Text so lange geworden ist, aber es hat gut getan, sich mal alles von der Seele zu schreiben.

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Kultur hin oder her, aber das ist an Dreistigkeit kaum zu überbieten.
Und am Ende noch der verlogene Satz, du wärst wie eine Tochter für sie.
Nö, da wäre mein Stolz viel zu groß um Familie vorzuheucheln.

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Nicht das ich dich nicht verstehen kann, aber es ist eine andere Kultur und das wusstest du vorher, da kommt man mit falschen Kompromissen und Dickkopf nicht weiter.
Dein Mann scheint dich wahnsinnig zu lieben, vielleicht solltest du für ihn noch einmal alles überdenken.

...und lernen wie man lächelnd diplomatisch und mit ner fetten Portion Gelassenheit auch viel erreichen kann ;-)

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Und er wusste nicht vorher, dass er in eine andere Kultur einheiratet, in der man auch Schwiegertöchtern gegenüber Anstand zeigt?

Die TE scheint ihrem Mann sehr zu lieben, sonst hätte sie das ganze gar nicht so weit ertragen.

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Hallo. Mich würde zu gern der Kulturkreis interessieren.

2 Religionen aber kirchlich verheiratet?
Meinst Du evangelisch u. katholisch? Oder wie geht das sonst? Orthodox fiele mir noch ein.
Hat nix mit Deiner Frage zu tun, ich persönlich gebe Dir Recht. Sie benahmen sich unterirdisch.
Aber je nach Kulturkreis dürfen Eltern Alles tun und die Kinder stehen trotzdem zu ihnen weil Blut dicker als Wasser ist.

Ich bin selbst verheiratet mit einem Mann aus anderer Kultur, Sprache. Aber ich habe sehr liebe Schwiegerfamilie und ich bin selbst nicht Deutsche wie sie im Buche steht. Ich finde den Querschlag aus beiden Kulturen gut, ich nehme alles Gute aus Beiden mit.

Ich denke was Dir hauptsächlich fehlt ist das klare Statement Deines Mannes zu Dir, dass er ausdrücklich das Fehlverhalten bemängelt und zu Dir steht und den Eltern das zeigt.

Mein Mann z.b.hebt mich immer in den Himmel, seine Familie redet nur löblich von mir und ich bin gewiss nicht perfekt, in jeder Ehe gibt es Streit usw. Aber nie hätte er je ein Wort verloren darüber.

Er ist wie eine Wand, selbst würde jemand den Ansatz wagen, mich zu "beschießen", er ist da und schützt durch die Wand!

Ich zb habe meine Familie abgeschossen, weil sie sich unmöglich benommen haben und etwas behaupten, was so schier unmöglich und krank ist und das beträfe meinen Mann, den sie seit 20 Jahren kemnen müssten. Da bin ich loyal, ich stehe zu ihm. Da musste ich gehen. Selbst wuerden sie es zurücknehmen, würde das nie mehr werden, allein schon so was zu denken ist krank. Zumal mein Mann ein top Mensch ist und das sieht ein Blinder.

...
Zu Euch, ich wäre über so ein kindisches Verhalten sehr gekränkt. Ich würde nur noch Hallo und Tschüss sagen. Die wären erstmal gestorben für mich. Deinem Mann solltest Du seine Familie lassen.

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Ortodox? Griechen oder ähnliches.

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Ich würde sie auch sehr lange Zeit nicht mehr sehen wollen, bis sie sich nicht entschuldigt hätte. Denn das ist wirklich fällig.

Deinen Mann kann ich insofern verstehen, dass er seine Eltern selten sieht und deshalb unbedingt möchte, dass Harmonie herrscht, aber er sollte mit seinen Eltern reden und ihnen sagen, dass sie auf dich zukommen sollen, dass sie sich nicht gut verhalten haben.

Was mir zu denken gibt: ihr seid frisch verheiratet und dein Mann fährt am nächsten und übernächsten Tag nach der Hochzeit direkt zu seinen Eltern? Hättet ihr nicht da ein wenige Flitterwochen machen sollen, also ganz unter euch sein sollen?

Dennoch scheint dich dein Mann sehr zu lieben und ich würde ihm zuliebe einlenken. Jedoch sollte seine Mutter das auch tun bei eurem nächsten Treffen.

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Die Mutter hat bei mehrern Treffen, Gesprächs- und Vermittlungsversuchen keinerlei Einsicht gezeigt, wie kommst du auf die Idee, dass sie es bei Versuch XY täte?

Mein Ex Mann kam aus Sizilien, ich weiss leider zu genau wovon ich rede......

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Die Hoffnung stirbt zuletzt. Ein (weiteren) Versuch ist es auf jeden Fall wert.

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Das mit dem "anderen Kulturkreis" ist keine Einbahnstrasse. In unserem Kulturkreis gilt (theoretisch) Wertschätzung und Respekt in beide Richtungen, nicht nur von der jungen zur älteren Generation.
In unserem Kulturkreis gilt (theoretisch) Entscheidungsautonomie spätestens ab Volljährigkeit.

Ich in deiner Situation würde den Kontakt gänzlich einstellen. Mit mir hat niemand so umzugehen, schon gar nicht ohne spätere Einsicht/Entschuldigung. Das habe ich so aus "meinem Kulturkreis"/in meiner Herkunftsfamilie gelernt und so gebe ich es an meine Kinder weiter.

Dein Mann und du, ihr beide wusstet, dass es Spannungen/Herausforderungen geben kann bei einer Verbindung aus gänzlich unterschiedlichen Herkunftsfamilien. Damit umzugehen gehört, dass nicht einer sich verbiegen/anpassen muss bis zur Selbstaufgabe, sondern dass beide sich primär auf ihre neue gemeinsame Kernfamilie fokussieren müssen.

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Mir wäre bereits viel früher der Kragen geplatzt - und zwar nicht nur bei deiner Schwiegermutter, sondern auch bei deinem Mann, der, anstatt zu dir zu stehen, seinen Eltern alles durchgehen lässt, über deinen Kopf hinweg irgendwelche Treffen arrangiert und dir sogar noch vorwirft, du würdest übertreiben. Er verhält sich wie ein Muttersöhnchen.

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Hi,
selbstverständlich ist er ein Muttersöhnchen. In anderen Kulturkreisen als unseren zählt eine Frau nur, wenn sie einen Sohn zur Welt gebracht hat, der die "Ehre" verdeitigt und zwar nicht nur die "Ehre" der Familie sondern auch und im Besonderen die der Mutter. Hat sie einen Sohn, ist die Mutter in der Hierarchie ganz oben, dem Sohn ist sie heilig und er hört auf ihr Kommando. Tochter und Schwiegertochter zählen nicht, erst, wenn diese selbst wieder Söhne in die Welt gesetzt haben, sind sie keine Menschen zweiter Wahl mehr.

Und das ist einfach so, weil es so ist. Es gehört für jeden Sohn (und Tochter) Mut dazu, diese Familienhierarchien aufzubrechen. In der Regel gelingt das nicht. Sie sind einfach ganz anders erzogen worden und sich widersetzen heißt die Familie zu beleidigen bzw. unehrenhaft zu sein.

Diese Strukturen sind nunmal vorhanden und es dauert Generationen (!!), sie in aufgeklärtere, für Frauen gerechtere Lebensweisen umzustrukturieren. Dem steht aber oftmals die Religion und auch die Engstirnigkeit der "ich habe einen Sohn, jetzt bin ich respektiert und habe etwas zu sagen"-Frauen entgegen.

Wenn man bedenkt, wie lange es selbst in unserem Kulturkreis gedauert hat, bis die Frauen nicht mehr als Anhängsel des Mannes gegolten haben und er die Verfügungsmacht über sie hatte, seufz. Bzw. wir sind mit dieser Entwicklung immer noch nicht wirklich bei echter Gleichberechtigung angelangt. Es zählt auch bei uns der "Stammhalter" noch - wenn es auch abgestritten wird - mehr als die Tochter. Wie blödsinnig das ist, merkt man spätestens wenn die Frau dem Mann ein Kuckuckskind untergeschoben hatte früher... .

Nun ja, lange Rede kurzer Sinn: es wird sich auch mit Gesprächen usw. nichts ändern. Oberflächlich ja, aber in der inneren Überzeugung dieser Menschen nicht. Erst die TE kann diesen Kreis durchbrechen, bei ihren eigenen Kindern.

VG
Gael

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Du Arme!

Ich hätte auch geheult. Dass du das überhaupt solang durchgehalten hast, trotz Kloß im Hals.

Die Mutter meines Mannes ist auch so verbohrt und engstirnig. Ich bin in seiner Familie auch kein vollwertiges Mitglied und werde es sicher auch nicht mehr werden. Ich weiß also ganz genau, wie du dich fühlst.

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Familie kann man sich leider nicht aussuchen. Für Dich nicht leicht, für Deinen Mann auch nicht, der sich da auch bestimmt zwischen den Stühlen fühlt. Obwohl ich nicht herauslese, dass er jetzt nicht zu Dir gestanden hätte.

Vermutlich ist den Eltern nichts gut genug, die künftige Schwiegertochter auch nicht. Gibt's überall. Kann man nur lernen, drüber zu stehen.

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Sowas hört man soooo oft.
Ich kenne es, von den Eltern meines Vaters und deren Verhalten meiner Mutter gegenüber, ich kenne ich aus meiner vorherigen Beziehung und auch so ist es leider keine Seltenheit.

Die meisten sagen immer, man soll es hinnehmen, einfach der Liebe wegen.

Bullshit. Du hast dich am meisten zu lieben und natürlich sollte man nicht einfach so seinem Partner vor den Kopf stoßen, aber bei den Dingen die du schreibst, musst du da überhaupt kein schlechtes Gewissen haben. Dich belasten diese Leute, also darfst du dich auch voll von diesen entfernen.

Dein Mann muss auf der anderen Seite seinem Kummer Luft machen. Man kann nicht alles mit Tradition oder Religion oder sonst was rechtfertigen. Die haben dich mies behandelt und Punkt. Das sollte dein Mann denen klar machen und dann bist wenn überhaupt du die jenige, die Bedingungen aufstellt, wenn du überhaupt an Kontakt interessiert bist.