Sie verließ ihn und ist stocksauer

Hallo,
ich hätte gerne mal die ein oder andere Meinung zu folgendem Sachverhalt.
Ich (48w, seit sechs Jahren geschieden, zwei Kinder) bin seit 8 Monaten
mit meinem neuen Partner zusammen. Es passt so gut, dass es schon nicht mehr auszuhalten ist ;-).
Er selbst (50) hat vier Kinder (26,24,18,13) und war dreißig Jahre mit seiner Frau zusammen. Aus seiner Sicht eine gute Ehe. Eine krisenähnliche Situation zeichnete
sich ihrerseits ca. ein Jahr lang ab, ohne Krisengespräche o.ä.
Sie zog dann unerwartet, 6 Monate später nur mit einer Tasche, aus zu ihren Eltern und nahm den 13jährigen mit. Heute (2,5 Jahre später) ist klar, dass sie zu dem Zeitpunkt schon männlichen Kontakt hatte, mit dem sie heute eine Beziehung führt.
Nach ihrem Auszug gab es keine Gespräche Ihrerseits mit dem Vater über die Zukunft. Themen wie Scheidung, was mit den drei älteren Kindern passiert, Umgangsrecht des Jüngsten etc. - nichts hat sie angesprochen, bzw. auf keine Nachricht von ihm reagiert.
Er war kurzzeitig völlig am Boden und auch depressiv.
Als ich ihn kennenlernte, wusste er gerade mal vier Monate von der Existenz des anderen Mannes. Sie hat es bis zum Schluss geleugnet. Warum??

Kurzum:
Wir sind glücklich. Seine Kinder sind super nett und auch meine verstehen sich mit allen.
Seine beiden Ältesten sprachen ein Jahr nicht mit der Mutter, weil sie ihre Art und Weise der Trennung missbilligte und wollen auch keinen Kontakt zu ihrem Partner. Sie nähern sich jetzt langsam wieder an. Das ist gut so und wird auch vom Vater nicht verhindert.

Jetzt zu meiner eigentlichen Frage:
Sie reagiert zunehmend aggressiv auf ihn. Sie zerrt ihn ständig vor Gericht wegen Dingen, die so nichtig sind, dass man sie leicht per Mail klären könnte. Stattdessen kommen immer häufig unschöne Kommentare über WA oder per Mail und zu guter Letzt hat sie den Sommerurlaub, welchen wir gemeinsam im Patchwork verbringen wollten und worauf sich der Jüngste (also auch ihr Kind!) wahnsinnig freute kommentarlos verweigert. Sie schrieb nur, Zitat: "Ich sage dir, wie das läuft!" und drohte gleichzeitig, wenn er das Kind deswegen aufbringen würde, würde er sie mal so richtig kennenlernen.
Er hat jetzt einen Termin beim Jugendamt um sich Hilfe zum Umgangsrecht zu holen. Möglichst ohne das Kind gerichtlich vorführen zu müssen.


Sie hat ihren Mann und ihre drei Kinder verlassen. Sie lebt in Beziehung mit dem Mann, für den sie ging.

Ihr Mann ist nach einem Jahr jetzt wieder glücklich und möchte "eigentlich nur" mit ihr die Scheidung und Vermögensverhältnisse klären und ein einvernehmliches Umgangsrecht für den Jüngsten mit ihr hinbekommen.
Warum reagiert sie so aggressiv?
Ich merke, wie es ihn zunehmend belastet und auch mir ist überhaupt nicht klar, was sie umtreibt.

Hat das jemand das schon einmal erlebt? Wie sollte er ihr begegnen? Kooperativ, bestimmt, verständnisvoll?

Was auch immer sie so wütend auf ihn macht. Sie instrumentalisiert die Kinder und das geht gar nicht. Ich weiß wovon ich rede, meine Scheidung war auch kein Spaziergang, aber wenigstens das haben wir irgendwie hinbekommen.

Danke für Eure Antworten.

VG
A.

1

Falls Du hoffst, durch Verständnis ihrer Gefühle irgendwelche Handlungen verhindern zu können, dann muss ich Dich enttäuschen. Sie scheint einfach Krieg zu wollen und zieht das eiskalt auf dem Rücken des Kindes durch.

Gründe können sein: Eifersucht, auf Euer Glück oder auf das gute Verhältnis zu den Kindern. Wut auf sich selbst, weil sie inzwischen kapiert hat, welchen Menschen sie in den Wind geschossen hat. Neid auf Euch, weil sie nicht mehr glücklich mit ihrem Partner ist. Unerfüllte Erwartungen, wie beispielsweise die nichterfüllte Hoffnung, ihr Ex könne nie mehr eine Frau finden, mit der er glücklich wird oder gar glücklicher als mit ihr. Psychische Probleme, beispielsweise Depressionen oder Narzissmus.

Und jetzt? ;-)

2

Wie witch schon schreibt, die Gründe können vielfältig sein. Letzten Endes macht es auch keinen großen Unterschied, such Dir eine Schublade und schieb's da rein.
Und dann kümmert Euch um Euch selbst im positiven Sinne.
Anwalt, Jugendamt, gegenhalten und Scheidung durchziehen so schnell als möglich. Das wird eh eine 1-2 Jahre Hängepartie. Rechnet mit dem Schlimmsten, denn es wird vermutlich so kommen. Nicht ums Prinzip kämpfen (macht sie ja vermutlich sowieso), sondern immer so pragmatisch wie möglich.

Wenn jemand verletzt ist, dann kann das mit Ratio nicht mehr ge- und erklärt werden. Da agieren sich dann Ihre alten Muster aus. Ihr seid nicht Ihre Therapeutin. Das kann nur sie selbst klären, selbst wenn Ihr es verstehen oder sehen könntet, könntet Ihr vermutlich so gut wie keinen Einfluss darauf nehmen.

3

Es klingt ein bisschen so, als könnte sie ihrem Ex-Mann nur schwer verzeihen, was sie ihm angetan hat -- das Trennungsgebaren geschlechtsreifer Großstädter ist manchmal nicht weniger merkwürdig als ihr Paarungsverhalten.

4

Hallo!

Was für eine "nette" Frau. Leider werden euch Gründe wenig helfen, aber wenn ich ins Blaue hinein raten sollte: vielleicht gibt sie ihm die Schuld, dass ihr ganzes Leben nicht so verlaufen ist, wie sie es sich eigentlich erhofft hatte. Früh und viele Kinder statt Karriere, Reisen, Abenteuer. Und einen netten, aber langweiligen Mann, von dem sie das Gefühl hatte, dass er sie ausbremst und an ihren Plänen hindert.

Egal, worum es geht, sie hat ganz offensichtlich vor, euch so oft es nur geht, das Leben schwer zu machen. Ob es den Kindern damit gut geht ist ihr auch egal, schließlich sind die ja auch mit "Schuld" an dem, was sie als verkorkstes leben empfindet, ohne Kinder hätte sie schon viel früher gehen können und ihre Träume verwirklichen. Ob sie das nun wirklich getan hätte, oder ob ihr das gemütliche, sichere Leben mit dem freundlichen, zuverlässigen Mann damals nicht sowieso ganz recht war, steht auf einem anderen Blatt. Aber im Moment ist einfach jeder an ihrem Unglück schuld, außer ihr selbst.

Wenn es ginge, wäre es vermutlich das Beste, zu versuchen, auch das Sorgerecht für den jüngsten zu bekommen, um ihn aus der Schusslinie zu holen. Ich glaube nicht, dass das irgendwie friedlich zu lösen ist, dafür ist da viel zu viel aufgestaute Wut.

Du kannst eigentlich nur ihm helfen: wahrscheinlich ist er gar nicht schuld, sondern sie hatte einfach von Anfang an andere Vorstellungen, und statt das zu erkennen und sich zu trennen, hat sie sich entschieden, mit ihm einen Haufen Kinder zu bekommen und ein ganz gewöhnliches Familienleben zu leben. Sie hätte eben damals die Reißleine ziehen müssen, wenn sie andere Träume hatte. Hat sie aber nicht, und dafür gibt sie womöglich jetzt ihm die Schuld.

Hat meine Mutter auch eine Zeit bei meinem Vater gemacht, dabei hat sie sich ja von sich aus für ihn entschieden, es gab da keinen Zwang. Wenn sie meint, deswegen was verpasst zu haben, ist das ihr eigenes Problem.

5

Ich bin in einer ganz ähnlichen Situation. Sie hat ihn verlassen und seitdem er mich kennengelernt hat, ist es Terror pur. Mal wird der Umgang untersagt, wenn Sie gerade jemanden hat, wird das Kind auch gerne zu uns geschoben und sie taucht ab.
Beschimpfmails, dann verweigert Sie wieder jeglichen Kontakt oder nur per Brief...und, und, und...
Ich habe es aufgegeben, nach dem warum zu fragen.
Es wird auch nicht besser.
Man kann sich nur ein dickes Fell zulegen und versuchen, das Kind so gut es geht aus der Schusslinie zu ziehen.
Höflich aber bestimmt Paroli bieten und Anwalt und JA einschalten.

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Vielleicht sieht sie nun Dinge, die er mit Dir macht, die sie sich eigentlich immer von ihm gewünscht hätte? Ob sie dies nicht kommuniziert hat, er Winke mit dem Brückenpfeiler übersehen hat oder ihr das schlichtweg seither gar nicht bewusst war, sei mal dahin gestellt.

Ich war auch zb erstaunt, als mein Ex, den ich 10 Jahre lang zum Skilaufen überreden wollte, im ersten Winter mit meiner Nachfolgerin zum Skilaufen fuhr (und seitdem begeisterter Skifahrer ist!)... erst war ich sauer - heute sage ich mir, es ging halt aus irgendwelchen Gründen in unserer Konstellation nicht (war nicht der einzige Punkt). Schade, aber schön, dass er jetzt jemanden hat, der ihm den "Zugang" verschaffen konnte. Ich hätte natürlich auch den Rest meines Lebens sauer sein können "warum mit ihr, und nicht mit mir..."

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