Scheidung...ich habe es angesprochen

Guten Morgen,

mein Mann und ich sind seit fünf Jahren verheiratet und leben als Patchworkfamilie. Meine Tochter war noch kein Jahr alt, als ich mich von ihrem leiblichen Vater trennte. Als sie dann 1 Jahr und sieben Monate alt war, lernten wir meinen Mann kennen...Mittlerweile haben wir auch einen gemeinsamen Sohn, der 20 Monate alt ist.

Wir hatten in der letzten Zeit wirklich schreckliche Phasen, mit sehr viel Streit. Mittlerweile kommen wir aus den schlechten Phasen nicht mehr heraus.
Mein Mann war als Kind kurzzeitig in einem Heim, dann in einer Pflegefamilie. Mit knapp 16 stand er komplett auf eigenen Beinen. Als Kind wurde bei ihm ADHS diagnostiziert. Therapiert wurde er nicht. Ich lasse diesen Punkte eigentlich ungerne mit einfließen. Ich möchte dem nicht so viel Raum bieten...ist ganz schwer zu beschreiben. Im Grunde ist es aber so, dass viele Dinge, die sein Leben und ADS betreffen, mit in unser Leben fließen und es erschweren. Eine Therapie ist für meinen Mann ein No Go. Auch nicht mit mir zusammen.

Aber da zu einer Trennung ja auch immer zwei gehören: Ich bin völlig erschöpft und weiß weder vor noch zurück. Ich bin unzufrieden mit meinem Job (halbtags), absolut entnervt vom ganzen kontrollieren, an alles denken, alles organisieren und auffangen müssen. Was die Familie betrifft, trage ich (fast) alles alleine. Ich gehe mittlerweile wegen Kleinigkeiten in die Luft, da vieles überhaupt keine Anerkennung oder Wert hat und da Gespräche, die diese Dinge ausmachen, überhaupt nicht stattfinden können.

Auszeiten in dem Sinne gibt es nicht. Ich gehe bis 19.30 / 20 Uhr arbeiten, beginne nun, um meine Möglichkeiten etwas zu erweitern, den Führerschein zu machen. Eine Betreuung für vormittags ist noch in weiter Ferne. Und selbst wenn man dann mal eine Stunde über den Tag an einem Samstag am PC sitzt und nach einem Familienurlaub schaut und mein Mann sich um die Kids kümmern soll/kann/darf, muss ich mich hinterher rechtfertigen.
Momentan befindet sich mein Mann in einer Ausbildung, welche er sehr gut meistert aber natürlich auch eine ordentliche Herausforderung bedeutet! Wenn Arbeiten anstehen setzen wir uns zusammen und lernen dafür. Ich guck dann auch, dass Oma und Opa die Kids nehmen oder ich die beiden dann öfter mal mit zur Arbeit nehme.
Mir ist auch wichtig ihm zu ermöglichen, dass er sonntags Zeit für sich, seine Freunde und seinen Sport hat. (Dies soll keine Belobigung sein dafür, was ich alles für meinen Mann mache und er nicht für mich! Mir ist einfach bewusst, dass er mit seiner Ausbildung einen Meilenstein in seinem Leben setzt)
Mein Mann und meine Tochter geraten ständig, eigentlich täglich, in Streit. Wobei ich sagen muss, mein Mann ist der der schimpft und meine Tochter die, die weint.
...trotzdem denke ich, dass die früheren Lebensumstände dazu führen, dass mein Mann nun einmal nur gelernt hat, für sich Sorge zu tragen. Empathie ist nur wenig vorhanden. Ich denke auch, das Leben als Familie hat er sich einfach anders ausgemalt.

Heute Morgen sind wir wegen einer Kleinigkeit in Streit geraten. Mich hat das sehr sehr traurig gemacht. Nachdem ich meinte mich gesammelt zu haben, nahm ich meinen Mann in den Arm, sagte, dass ich ihn wirklich liebe, er sich aber bitte Gedanken machen sollte, ob er sich nicht besser scheiden lassen möchte. Mit meiner Fassung war es dann leider auch vorbei. Mein Mann fragte nur, was der Scheiß soll und verschwand nach einem Kuss auf die Stirn.

Ich hatte versucht, dies abwenden zu können, um auch meiner Tochter einen "erneuten" Bruch ersparen zu können. Aber mein Mann und ich finden einfach nicht mehr zusammen. Ich weiß auch nicht, was ich sonst machen könnte.

1

Ich möchte dir nicht zu nahe treten aber für mich hört sich das nicht nach Familie an.

Du und deine Kinder sind Familie und dein Mann ist eher Dekoration.

Natürlich ist es bemerkenswert, dass dein Mann nochmal eine Ausbildung macht aber wieso kümmerst DU dich darum, dass er trotzdem möglichst viel Freizeit hat???

Familie ist anstrengend und ich spreche aus Erfahrung, ich hatte auch nochmal eine Ausbildung gemacht trotz Kind und mein damaliger Mann war auf Montage. Ich war immer alleine und es hat keiner gefragt wie ich das schaffe.

Ich habe mich nach 20 Jahren Beziehung getrennt und ich bereue es nicht, weil ich auch einen Mann hattte, der einfach nur anwesend war.

Ich denke, du bist mit deiner Kraft am Ende aber nicht wegen deinem Job oder wegen deiner Kinder sondern weil du dich viel zu sehr um deinen Mann kümmerst. Hör auf damit, du bleibst sonst auf der Strecke und gehst daran zu Grunde.

Setze ihm die Pistole auf die Brust, entweder er gehört zur Familie und bringt sich mit ein oder soll sein Singleleben leben, denn das macht er momentan.

2

Hallo du, ich kenn das Leben mit einem ADHS Mann auch,. Bei ihm wurde es jedoch erst vor etwas mehr als 2 Jahren diagnostiziert. Manchmal ist das Leben einfach ziemlich scheiße wenn man einen ADHS Mann hat. Sie können für viele Verhaltensweisen nichts. Trotzdem gehen wir Partner oft unter. Manche ADHSler sind egoistische Ar....l.... weil sie einfach nicht verstehen das sie anders ind. Ich hab es jetzt sehr hart ausgedrückt aber sie verstehen oft die Probleme nicht. Oder sie wollen nicht wahr haben das sie eben eines haben und anders sind. Wir müssen schon irgendwie lernen damit umzugehen wenn wir sojemanden als Partner haben. Das weiß ich auch aber schön und leicht ist es nicht immer.

Dann wird mal als Depp hingestellt und ist nicht mal schuld. DAs hab ich alles schon durch. Inzwischen läuft es gut weil mein Mann seine Medis nimmt und auch schon in Therapie gewesen ist. Aber die lief weniger auf ADHS hinaus weil seine Therapeutin meinte er könnte das gar nicht haben. Was aber sonst das wußte sie auch nicht. Glaub mir aber wenn er seine Medis nicht nimmt dann merkst du das!
Liebe Grüße von
Ichkenndasauch

3

Oh ja, das kenne ich auch #schwitz Bei meinem Ex war die Diagnose auch ADHS und mit Alkohol und Drogen hat er sich unbewusst versucht selbst zu medikamentieren....

Ich bin nach 11 Jahren gegangen, denn sein Verhalten war nicht mehr zu ertragen. Er hat zwar eine Therapie gemacht, hat aber Medis total abgelehnt. Wir waren nach kurzer Zeit nach der Therapie wieder am gleichen Punkt wie vorher inklusive Alkohol und Drogen.

Meine kids haben mittlerweile den Kontakt zu ihm vollkommen abgebrochen, denn als er dann alleine gelebt hat und ich nicht mehr ausgleichen konnte, ist alles nur noch schlimmer geworden. Ich kann aber endlich wieder durchatmen. Ich weiss nun, dass ich alleine bin und alles selber machen muss. Im Prinzip habe ich einfach ein Kleinkind weniger...

4

Du hörst dich an, wie jemand mit einem beginnenden Helfersyndrom.

Einerseits beklagst du, dass es keine auszeiten gibt und du bis abends arbeitest, ohne Kinderbetreuung vormitags bist usw.

Andererseits kümmerst du dich um deinen Mann, wie um ein 3. Kind.

<<<Wenn Arbeiten anstehen setzen wir uns zusammen und lernen dafür. Ich guck dann auch, dass Oma und Opa die Kids nehmen oder ich die beiden dann öfter mal mit zur Arbeit nehme.

Warum tust du das nicht für dich? Gib die Kinder zu Oma und Opa und nimm dir eine Auszeit. Geh' aus, wenn dein Mann lernen muss und komm' entspannt und zufrieden wieder. Du wirst doch nicht die ganze Zeit neben ihm sitzen müssen, wenn er lernt, oder?

Im Grunde machst du mit ihm gemeinsame Sche. Du betüddelst ihn und behandelst ihn wie ein Kind. Du suchst 'Entschuldigungen für sein Verhalten. Seien es seine früheren Lebensumständer oder seine jetzige Erkrankung. Wer kann mit Bestimmtheit sagen, warum dein Mann so ist, wie er ist. . Dabei vergisst du dich. Er ist für sich selbst verantwortlich. Das musst du lernen. Wenn dir an eurer Ehe noch etwas liegt, musst das so formulieren. Er soll sich unbedingt professionelle Hilfe holen sonst bist du weg. zudem ist evtl. eine Paartherapie sinnvoll. Immer alle Schwirigkeiten auf eine Erkrankung zu schieben (und damit bei nur einem Partner abzuladen) halte ich für realitätsfern. Ihr könnt sicher gemeinsam an euer Ehe arbeiten, wenn ihr wirklich wollt.

so oder so.... viel Glück

5

Hallo!

"Mein Mann war als Kind kurzzeitig in einem Heim, dann in einer Pflegefamilie. Mit knapp 16 stand er komplett auf eigenen Beinen. Als Kind wurde bei ihm ADHS diagnostiziert."
War das denn schlimm für ihn? Wenn ja sollte er eine Therapie machen.

"Im Grunde ist es aber so, dass viele Dinge, die sein Leben und ADS betreffen, mit in unser Leben fließen und es erschweren."
Sicher erschwert einem das Leben, aber das hast du doch vorher gewusst oder nicht? Es gibt Menschen die haben etwas mehr Päckchen auf dem Rücken zu tragen. Deren Leben ist noch einmal um einiges schwieriger. Wer weis wie sich dein Mann damit fühlt?!

Ehrlich gesagt, verstehe ich dein Problem mit dem Streiten nicht. Worüber streitet ihr denn? Warum Hilft er dir nicht bei alltäglichen Dingen?

"Aber da zu einer Trennung ja auch immer zwei gehören: Ich bin völlig erschöpft und weiß weder vor noch zurück. Ich bin unzufrieden mit meinem Job (halbtags), absolut entnervt vom ganzen kontrollieren, an alles denken, alles organisieren und auffangen müssen."
Dann such dir einen neuen Job, der dir besser gefällt. Sag etwas wenn es dich nervt. Und wenn du meinst du explodierst, dann schreibt es zuvor auf ein Blatt.

Gruß

6

"... ob er sich nicht besser scheiden lassen möchte." #augen

Und was möchtest du???

Arschlochdasein hat jetzt also einen Namen: ADHS ??? Hab ich wieder was neues dazu gelernt.

An einer Beziehung müssen BEIDE arbeiten und nicht nur du, dazu gehört auch eine Therapie zu machen wenn es nötig ist, zum Wohle der Familie!

Sicher weiß er von seinen Symptomen und nutzt das eventuell aus. Du kannst nicht alles auffangen und du mußt dich auch nicht rechtfertigen. Wenn er mit seinem Leben nicht klar kommt ist das sein Problem. Natürlich kannst du ihm helfen, aber er muß selbst auch was tun! Vielleicht erkennt er das, wenn du endlich dein Helfersyndrom ablegst.

Du bist immer für ihn da, er kann seine "Krankheit" ausleben und alles ist paletti!

LG