Probleme mit meinem Mann

Liebe Frauke Meyer,

mein Text wird etwas länger, damit sie die Zusammenhänge verstehen können, deshalb bedanke mich schon mal im Voraus fürs Durchlesen.:-)

Mein Mann und ich sind seit 10 Jahren ein Paar (seit 3 Jahren verheiratet) und haben eine kleine Tochter (1 ½ J.) Die letzten Jahre waren sehr schwer...

Ich erkrankte vor einigen Jahren an Depressionen und Angststörungen. Mein Mann musste in dieser Zeit sehr viel übernehmen und sicherlich auch viel mit mir durchstehen. Nach einer Therapie ging es mir besser, ich musste beruflich aber auf Teilzeit wechseln, weil ich einfach nicht mehr so belastbar war.

Irgendwann wünschten wir uns ein Kind, doch ich wurde einfach nicht schwanger. Mein Mann war dann immer so angespannt, dass er seine Errektion beim Sex nicht mehr halten konnte. Das hat ihn sichtlich mitgenommen, da er sich vermutlich in seiner Männlichkeit herabgesetzt fühlte.
Deshalb versuchten wir es lange mit der "Bechermethode", aber es klappte trotzdem nicht.

Wir ließen uns untersuchen und peu a peu ereilten uns immer mehr Rückschläge (sehr schlechtes Spermiogramm bei meinem Mann, ausgeprägte Endometriose bei mir usw.). Irgendwann wurde uns gesagt, dass uns nur mit einer ICSI die Chance auf Nachwuchs bleibt.

Diese erfolglose Kinderwunschzeit, war für uns sehr zermürbend. Es kam nun auch öfter mal zu Meinungsverschiedenheiten (z.B. weil ich nicht verstehen konnte, dass mein Mann für unseren Kinderwunsch nicht das Rauchen aufgeben konnte und einiges mehr).

Dann wurde ich durch eine ICSI schwanger und verlor unser "Baby" im 3. Monat. Wir waren so traurig und voller Angst, da der Weg zu dieser Schwangerschaft schon so beschwerlich war und wir nicht wussten, ob es überhaupt nochmals klappen würde.

Kurz nach dieser Fehlgeburt hatte ich große Probleme in meinem Job durch einen Kollegen, der mich für seinen eigenen Vorteil, an den Pranger stellte. (Kurz gesagt.)
Durch den ständigen psychischen Druck in der Firma und durch die vorangegangene Fehlgeburt, rutschte ich wieder in eine depressive Phase.

Nach Absprache mit meinem Mann, kündigte ich schließlich meine Anstellung.
Mein Mann hat ein eigenes Unternehmen und stellte mich zum gleichen Gehalt an, damit ich weiterhin versichert bin etc. Ich empfand das als großen Luxus und war sehr dankbar für diese Möglichkeit.

Und dann passierte es: Ich wurde (durch einen erneuten ICSI-Versuch) wieder schwanger und das Baby blieb.#herzlich

Eine wirkliche Beschäftigung hatte ich während meiner Schwangerschaft bei meinem Mann in der Firma nie. Es gab eher Zukunftsvisionen, welche Sparte ich später mal in seiner Firma betreuuen könnte, wenn unser Kind mal in die Kita kommt.

In der Schwangerschaft war ich also viel zuhause und mir fiel zum ersten Mal auf, wie spät mein Mann Abends nachhause kommt. (Selten vor 20 Uhr, oft auch erst später.)
Grund: Mein Mann hat seit jeher die Angewohnheit, nach der Arbeit noch in eine Bar zu gehen und sich dort mit Freunden auf ein Feierabendgetränk zu treffen.

Das ist mir vorher nie negativ aufgestoßen, da ich in meiner alten Anstellung oft Überstunden machte und Abends eher froh war, wenn ich dann noch eine Stunde meine Ruhe hatte.
Doch nun hatte ich Bedenken, wie das wohl sein wird, wenn unser Kind auf der Welt ist...

Die Geburt unseres Kindes war leider sehr traumatisch (es ging um Leben und Tod) und mein Mann bricht jetzt, 1 ½ Jahre später, immer noch in Tränen aus, wenn er davon spricht. :-(

Direkt nach der Geburt musste mein Mann dann auch noch plötzlich ins Krankenhaus und operiert werden. Er hatte danach noch monatelang gesundheitliche Probleme mit Schmerzen.

Ich selbst, fiel nach der Geburt in eine postnatale Depression und wurde -Gott sei Dank- sehr schnell professionell behandelt, da mein alter Psychotherapeut mir direkt einen Therapieplatz einräumte. Dennoch dauerte es einige Monate, bis es mir wieder besser ging.

Unser Baby war ein Schreibaby (laut Hebamme vermutlich ein Geburtstrauma). Zusammen mit den Beschwerden meines Mannes und meinen Depressionen war das erste Babyjahr wirklich unbeschreiblich kräftezerend, auch für unsere Partnerschaft.

Sex gab es schon lange nicht mehr und auch sonst glich es einer Berg- und Talfahrt.
Einerseits war mein Mann mit dem Baby sehr liebevoll und bemüht mich zu entlasten.
Andererseits kristallisieren sich nun auch Schattenseiten heraus:

In seiner Firma gibt es momentan einen Umbruch (Mitarbeiterwechsel etc.) und mein Mann ist wirklich sehr im Stress - verständlich.
Um nach der Arbeit wieder "runterzufahren", geht er nun jeden Werktag, nach der Arbeit, in diese Bar. Das stört mich sehr, schließlich wartet seine Familie zuhause auf ihn.
Wir hatten vereinbart, dass er wenigstens um 19 Uhr zuhause ist, doch auch das schafft er fast nie. Auch, wenn es meist nur 10 min zu spät sind, ärgert mich das sehr.

Zusätzlich ist mir aufgefallen, dass sein Alkoholkonsum bedenklich angestiegen ist.
Er trinkt in dieser Bar jeden Tag 1-2 Weißweinschorle und zuhause noch Wein oder Bier zum Abendessen. Am späten Abend kommt meist noch ein Cuba Libre oder dergleichen dazu. Das ist definitiv zu viel.

Ich habe ihn auf den Alkohol angesprochen und ihn gebeten, ein bisschen auf die Menge zu achten. Er hat genickt und das "Gespräch" genervt abgewürgt.
Geändert hat sich nichts.
Für mich war es wie ein Schlag ins Gesicht, als er sich gleich am nächsten Abend völlig selbstverständlich wieder einen Cuba Libre mixte.

Als er kürzlich Abends 20 min zu spät nachhause kam, stieg wieder diese Wut in mir hoch, dass er einfach nicht pünktich zum Abendessen zuhause sein kann.
Er schrieb zwar vorher eine liebe WhatsApp, dass es etwas später wird, trotzem fühlte es sich für mich nicht richtig an.

Ich sagte ihm in einem ruhigen Ton, dass er doch bitte pünktlich heim kommen soll, weil es mir sonst schlecht damit geht. Zuerst sagte er "Ja." und nickte verständig. Doch eine Sekunde später legte sich in ihm ein Schalter um, und er wurde sehr wütent über meine Bitte. Ich wisse schließlich, dass er diesen "Puffer" zwischen Berufs- ind Privatleben gerade dringend benötige. Und ich habe nicht mit dem Finger auf ihn zu zeigen (das meinte er im übertragenen Sinne). Als er das sagte, zeigte er aber im wahrsten Sinne des Wortes mit dem Finger auf mich und wurde energisch, was sich für mich ganz schlimm anfühlte.

Wir hatten uns dann wieder vertragen (ich ging auf ihn zu), aber es beschäftigt mich immer noch.

Ansonsten ist er aber ein guter Mensch und beschäftigt sich jeden Tag (besonders am Wochenende) sehr ausgiebig und liebevoll mit unserer Tochter.
Ich merke auch, dass er sich besonders viel Mühe gibt, mit uns als Familie ein schönes Wochenende zu verbringen (er macht Frühstück, kocht, geht mit uns spazieren etc.).

Wie kann ich die Probleme mit ihm bewältigen?
Ich selbst habe irgendwie den Fokus verloren.

Liebe Grüße

1

Liebe B.,

du und dein Mann, ihr habt eine sehr schwierige Zeit hinter euch, und für deinen Mann ist es noch immer nicht vorbei, da er im Moment im Job eine weitere Umbruchsituation erlebt. Alles in allem hört es sich aber so an, als ob ihr sehr eng miteinander seid und es auch überhaupt nicht infrage steht, ob ihr zusammen sein wollt. Dass du trotzdem unglück darüber bist, dass er seinen Kummer lieber mit Freunden und Alkohol bewältigt, statt sich Kraft aus seiner Familie zu holen, ist verständlich. Der Alkohol scheint ein Ventil für ihn zu sein, und er sollte ein Augenmerk darauf haben, dass es nicht überhand nimmt. Aber bevor du dich ständig darüber ärgerst, könnte ich mir vorstellen, dass es gut sein könnte, dass du guckst, was du für dich tun kannst. Vielleicht macht ihr einen oder zwei Abende in der Woche aus, an denen du mal ausgehen kannst. Das verschiebt schon mal das System. Und wenn du nicht in eine Bar gehen möchtest, dann vielleicht ein Treffen mit einer Freundin, Sauna, Sport. Das wird den Fokus von ihm wegnehmen und ihn gleichzeitig mehr in die Verantwortung ziehen, denn auch wenn er mehr arbeitet, kann das Kind ja nicht zu hundert Prozent deine Verantwortung sein. Und dann möchte ich euch auch empfehlen, euch einen Babysitter zu suchen und öfter mal wieder gemeinsam etwas zu unternehmen. Das Wichtigste ist jedoch, denke ich, dass du guckst, was du – außer seiner Unterstützung – brauchst. Und dass du das einforderst und in deinem Alltag einrichtest.

Entschuldige, dass ich mich so spät gemeldet habe, aber ich hoffe, es hilft dir noch. Ich freue mich auf deine Rückmeldung.

Herzliche Grüße
Frauke

Top Diskussionen anzeigen