Mann hat Burnout? Und ich bin schwanger...

Liebe Frau Meyer,

ich bin aktuell in der 19. Woche schwanger, es wird unser erstes Kind und hat uns bereits durch eine Kinderwunschbehandlung viele Nerven gekostet. In der Zeit sind wir auch umgezogen und mein Mann hat seinen Job gewechselt.

Im neuen Job ist er sehr gefordert, fühlt sich stark unter Druck und kann nicht mehr abschalten, schläft dementsprechend schlecht und ist - auch wenn er das meist erst im Nachhinein merkt - EXTREM gereizt. Es ist klar, er muss da weg. Allerdings ist seine Lösung immer der Rückzug in Ablenkung. Er sucht nicht nach neuen Jobs und selbst wenn er was findet, bewirbt er sich nicht oder traut sich nicht zum Vorstellungsgespräch.

Meist bekomme ich seine Launen ab. Ich kann damit umgehen, aber es macht mich fertig, mir das Szenario weiter anzusehen. Er ist auch inzwischen gesundheitlich angeschlagen (Migräne, Panikattacken), aber zum Arzt kriege ich ihn nicht. Wir reden kaum noch, Sex ist eh kein Thema mehr (wegen der Schwangerschaft, dann hat er zugenommen und fühlt sich nicht attraktiv, Stress) und keiner fühlt sich vom anderen verstanden.

Ich weiß einfach nicht, wie ich an ihn rankommen soll. Ich mache ja schon deutlich, dass ich ihm nur helfen will. Von mir aus soll er ins Blaue hinein kündigen. Das wird er aber wegen seines Gewissens vermutlich nicht tun und auch ich bin mir nicht 100%ig sicher, ob er dann wirklich aktiv nach einer neuen Anstellung suchen würde.

Ohne seine Hilfe weiß ich nicht, ob ich Geburt und 1. Baby schaffe. Aber mit einem Mann, der gerade ein emotionales Wrack ist, macht es kaum einen Unterschied. Unser Baby soll im Juli kommen. Also ist noch Zeit, wenn auch nicht viel. Was würden Sie uns raten?

Vielen Dank und Gruß,
Malou

1

Liebe m.,

auf deinen Mann kannst du nicht zählen.

Burnout, Panikattacken, Überforderung ... und dann noch Vater zu werden, das muss überwältigende Ängste in ihm auslösen. Und offensichtlich ist er im Moment noch in dem Zustand, in dem er Angst vor seiner Angst hat. Denn er kann sich nicht eingestehen, dass er Hilfe braucht. Wenn er sich nicht dazu bewegen lässt, sich Unterstützung (in Form einer Beratung oder Therapie) zu holen, kannst du das nicht ändern.

Was du aber machen kannst, ist: Sorge für dich. Und für euer Baby. Hol du dir therapeutische Unterstützung – vielleicht fragst du mal bei deiner Gynäkologin, ob sie dir eine Beratungsstelle oder eine Psychologin empfehlen kann. Denn dein Mann ist überfordert, und somit wird er für euch wahrscheinlich nicht da sein können. Und deine Angst davor, die Geburt und die erste Zeit mit dem Baby allein durchzustehen, ist verständlich. Gibt es Freunde oder jemanden aus deiner Familie, der/die dich unterstützen kann?

Also: Hol dir professionelle Hilfe und bau dir ein Netzwerk auf, auf das du ab Juli zurückgreifen kannst. Vielleicht bedeutet das für deinen Mann schon mal eine Entlastung, wenn er merkt, dass du wenigstens für dich (und das Kind) sorgen kannst und er so eine „Baustelle“ weniger hat.

Lieben Gruß
Frauke

2

Vielen Dank für Ihre Antwort, vermutlich haben Sie recht und das Thema Vater-werden stresst ihn noch zusätzlich. Ich werde mich um mich und das Baby mit ausreichender Unterstützung kümmern.

Liebe Grüße,
Malou

Top Diskussionen anzeigen