Immer nur die Eltern und dabei totunglücklich -sorry lang!

Hallo,
gerne hätte ich gewusst wie ich meinem Freund helfen kann?
Wir sind seit knapp 5 Jahren ein Paar und beide nicht unbelastet in die Beziehung gekommen. Bei mir nach 1x1Jahr und 1x3,5 Jahren sexuellem Missbrauch in der Kindheit und Jugend ist natürlich einiges schief was Beziehungen angeht.
Mein Freund ist meine 2. Beziehung ohne den Mist davor. Ich hatte 2x eine Traumatherapie und bin von Anfang an mit offenen Karten in die Beziehung gegangen. Natürlich ganz "Makenfrei" bin ich nicht. Ich achte sehr auf Vertrauen und Zeiten einhalten ist mir wichtig. Gelegentlich habe ich mit vielen Menschen Probleme und in Schwimmhallen.
Mein Pratner ist 20 Jahre älter als ich und hatte vor mir und seinem 42. Lebensjahr keine Freundin. Er wohnte im Elternhaus was er selbst gebaut hat (3 Wohneinheiten) mit seinen Eltern. Sein Vater ist der leibliche wo er kein gutes Verhältnis hat, als er 6 Jahre war ist er über die Mauer abgehauen und erst nach deren Öffnung zurückgekommen, zudem nennt er seinen Sohn lebenslang einen Versager. Die nicht leibliche Mutter leidet vor allem seit die Großeltern (ihre Eltern) vor 15 und 10 Jahren gestorben sind an Angststörungen und Phobien sowie Zwängen (z.B. alles abschließen zu müssen). Sie schreit ständig rum und setzt meinen Freund psychisch unter Druck, vermutlich schon seit er mit 1,5 Jahren zu ihr gekommen ist.
Das Thema Sex steht bei mir nicht an 1. Stelle und wenn fällt es mir schwer mich darauf einzulassen. Mein Partner ignoriert das Thema seit jetzt Monaten und auch vorher kam nie die Iniziative von alleine. Er schaut weder Pornos noch hat Zeit für eine andere Freundin. Es ist sehr merkwürdig, kenne ich so auch gar nicht.

Weiter zu unserer Geschichte: 2017 hat nach einem Zusammenziehversuch ins Elternhaus mein "Schwiegervater" mich in einem diabetischen Anfall hart verprügelt... mit Polizei und Anzeige sind wir ausgezogen und hatten 1 Jahr kein Kontakt. Währenddessen hat mein Freund 4x sich den Oberschenkelmuskel abgerissen und lag 4x 6 Wochen im Bett, 1 Jahr krankgeschrieben. Mein Freund wurde depressiv und ich habe ihm in Absprache mit seinem Hausarzt 2 Katzen besorgt, was wirklich geholfen hat.
Nun besteht seit 2018 nach Krebsdiagnose des Vaters wieder nur von ihm Elternkontakt und er fährt regelmäßig 2-4x die Woche nachmittags und am Wochenende ins 1,5km weg liegende Elternhaus ohne mich. Natürlich gibt es einen riesigen Garten, Mutter fast blind, Vater schwer krank... mein Freund macht da faktisch alles, weil er auch noch Handwerker ist. Tendenziell wird es immer mehr.
Dazu der 40-50h Job auf Baustellen, obwohl er mit Rücken und beiden Knien angeschlagen ist.
Gerade jetzt im November und um Weihnachten (geht wahrscheinlich vielen so) geht es ihm super schlecht. Er ist häufig in Gedanken, wirkt unglücklich, zieht sich viel zurück und legt sich Termine bewusst um wenig Zeit mit mir zu verbringen.
Als ob das alles nicht reicht bin ich nach 1 medizinisch notwendigen Abtreibung und 2 Fehlgeburten mit Wunschkind endlich über die 12. Woche hinaus schwanger gesund und alles bestens. Mein Freund freut sich gar nicht, kann es nicht annehmen und scheint nur noch mehr zu leiden seit er es weiß. Ich bin Physiotherapeutin und helfe ihm schon wo es geht mit körperlichen Problemen. Haushalt macht er gerne, aber ich nehme ihm Arbeit ab wo es geht, versuche ihm den Rücken freizuhalten und regelmäßig Gespräche zu führen. Bei einer Psychologin war er 25h, hat ihm auch geholfen, aber mehr wollte er nicht.
Unsere Beziehung leidet und ich bin zusehends sauer, dass ich nach Arbeit und Eltern mit dem "Krümel" an letzter Stelle stehe. Bei jedem Streit fühlt er sich wie mit seiner Mutter in einer Konfliktsituation als Flashback und ich führe einen Monolog ohne Antwort auf Fragen oder Ideen zu erhalten. Mit meinem Papa als Mediator geht es manchmal ganz gut, aber auch nicht immer und das ist keine Dauerlösung. Ich liebe ihn sehr und ich weiß genau er mich auch, aber so ist es gerade schrecklich.
Was kann ich tun um ihm zu helfen? Oder wie kann ich mein Verhalten ändern? Über Ratschläge wäre ich dankbar.

Liebe M.,

dafür, dass Sie beide ein recht ordentliches „Päckchen“ zu tragen haben, finde ich, dass Sie sich beide sehr umeinander bemühen und das gut machen. Sie versuchen, ihm den Rücken freizuhalten, weil er sich bei seinen Eltern aufreibt, er akzeptiert Ihre „Macken“. Aus dem, was ich lese, denke ich, dass es Ihnen im Moment sehr helfen könnte, wenn Sie sich einmal die Woche Zeit nähmen, um eine Stunde miteinander über Sie beide zu sprechen (sprechen, nicht streiten). Vielleicht bei einer Tasse Tee oder zum Abendbrot.

Denn es gibt immer Sachen, die einem in der Beziehung nicht so gut gefallen. Entscheidend ist, dass sie auf den Tisch kommen – und zwar ohne den Druck, dass sie sich dann SOFORT ändern müssen, sondern mit dem Ziel, das Thema (oder mehrere Themen) anzusprechen und sich einem Kompromiss zu nähern. Denn es scheint, dass Sie beide alles füreinander tun, was in Ihrer Macht liegt. Vielleicht schaffen Sie das auch, was die Schwangerschaft, Ihr zukünftiges gemeinsames Kind angeht. Denn auch er hat sich ja für das Kind entschieden. Und ist offensichtlich trotzdem überfordert mit der Situation, was sich sicher mit seiner nicht ganz einfachen Kindheit erklären ließe.

Aber es ist wichtig für das Baby, dass es sich willkommen fühlt, und es ist wichtig, dass Sie sich in der Schwangerschaft nicht ganz allein fühlen. Um sich auf das Leben zu dritt entspannt vorzubereiten, könnten Sie sich bei Pro familia beraten lassen. Und wenn er nicht mitkommen möchte, holen Sie sich dort allein Tipps und lassen sich begleiten. Bleiben Sie offen und im Kontakt mit ihm und sagen Sie ihm, wie Sie sich im Moment fühlen. Sorgen Sie für sich selbst!

Alles Liebe
Frauke

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