Es kommt immer wieder hoch ...

Sehr geehrter Frau Weigert,

ich falle regelmäßig seit Jahren in ein Loch und bin wütend auf meinen Partner, obwohl ich mir immer wieder vornehme, mich anders zu verhalten. Zur Vorgeschichte:
Wir sind seit 11,5 Jahren ein Paar, nicht verheiratet, nennen uns aber auch Mann und Frau. Ich ging immer stillschweigend davon aus, dass wir eines Tages heiraten und Kinder bekommen, bis ich ihn nach 5 Jahren mal unverbindlich fragte, ob das mit dem Heiraten denn für uns auch etwas wäre (i.G. ein versteckter Antrag...). Nein, das käme für ihn nicht infrage, sowas bedeute ihm nichts. Ich war schockiert... Mittlerweile kann ich mich damit irgendwie abfinden, aber jede Hochzeit, die ich miterlebe, bei der wir fleißig gratulieren und uns mitfreuen, tut mir sehr sehr weh... Zweite Baustelle: ich habe seit 7 Jahren einen starken KiWu, zwei Jahre heimlich, weil ich mich geschämt habe dafür, dann habe ich ihm das gesagt. Vier Jahre hat er dazu einfach NICHTS gesagt. Ich habe viel geweint, war bulimisch, habe mehrfach versucht Schluss zu machen, aber ich wollte mit ihm Kinder und dann, wenn er das auch möchte, das war mir wichtig. Seit einem Jahr will er endlich auch! Wir sind dann etwas holprig in die Übungszyklen gegangen und es hat geklappt. Ich konnte mein Glück kaum fassen! Nun im Mai MA in der 9.SSW. Ich finde mich damit ab, dass seine Trauer nicht so ausgeprägt ist wie meine, nun will er auch ganz ambitioniert weiter machen und wirklich bald ein Kind - was mir Zuversicht schenken sollte.
Aber immer wieder kommt in mir die Angst hoch: es passiert genau, was ich ihm immer prophezeiht habe. Ich werde älter, das FG-Risiko steigt und ich habe so eine Angst, dass es nichts mehr wird ... Und dann der zutiefst destruktive Gedanke: er hat mir mein Leben zerstört!
Ich bin 34, habe studiert, einen Job, Freunde - eigentlich alles ok. Aber das wichtigste, die existenziellste Erfahrung des weiblichen Lebens wird mir vorenthalten. Damit komme ich nicht klar. Wie werde ich das los? So kann ich doch nicht zuversichtlich an die Sache rangehen? Wie kann ich verzeihen und hoffen?

Über einen kurzen Input würde ich mich sehr freuen!

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Liebe p.,

für die existenzielle Erfahrung, ein Kind zu bekommen, ist noch viel Zeit – also dranbleiben und weitermachen. Ich kenne so viele Frauen, die erst mit 40+ ein Baby bekommen haben, und das ist ja noch eine Weile hin. Und es ist doch toll, dass dein Freund nun auch ein Kind mit dir möchte.

Ich bin ja grundsätzlich immer ein Freund vom Reden … wenn du deinem Freund also Vorwürfe machst, dass er vier Jahre nichts dazu gesagt hat, dass er niemals heiraten möchte, frage ich mich: Warum hast du nie gefragt? Dass du jetzt Angst vor einer weiteren Fehlgeburt hast, ist nachvollziehbar, und ich möchte dir raten, mit deiner Frauenärztin darüber zu sprechen und dich mit anderen betroffenen Frauen dazu auszutauschen.Es ist wichtig zu trauern, und womöglich kannst du dich mit jemand anderem dazu besser austauschen als mit deinem Freund. Und vielleicht hilft es dir auch, die Angst besser in den Griff zu kriegen.

Liebe Grüße
Frauke

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