Geburtstrauma, wen einweihen

Hallo ihr lieben..

Leider habe ich die Erfahrung gemacht, das eine Geburt nicht nur schön sein kann.
Meine Tochter ist jetzt 4 Monate alt und ich habe leider immer noch Heultage, weil ich damit einfach nicht abschließen kann. Außer meiner Hebammen, meinem Mann und 2 räumlich weit entfernten Freundinnen weiß bisher niemand davon.
Ich bin grade dabei mich in psychologische Behandlung zu begeben. Mir wurde bereits angeraten, weitere, mir nahestehenden Personen ins Vertrauen zu ziehen. Sollte eine Psychotherapie nötig sein, müsste ja ggf. jemand auf meine Tochter aufpassen, da mein Mann regulär arbeitet. Außerdem wäre es vermutlich der Heilung/ Besserung förderlich wenn ich lerne, darüber zu reden.. Da kommen eigentlich nur meine Mutter und Schwester in Frage, aber ich bringe es einfach nicht übers Herz es ihnen zu sagen..Meine Schwester hat selber erst vor 8 Wochen entbunden..
Ich weiß nicht genau wovor ich Angst habe, unser Verhältnis ist eigentlich sehr gut..Aber ich kriege kein Wort über die Lippen wenn ich es mir vornehme.

Habt ihr Menschen mit einbezogen? Wenn ja, wen? Wie habt ihr es ihnen gesagt und wie haben sie reagiert? Vielleicht helfen mir euren Erfahrungen irgendwie.

Vielen Dank

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Hast du denn ein gutes Vertrauensverhältnis zu deiner Mutter?
Wenn ja, würde ich es ihr erzählen.
Hat sie denn nicht schon so mal kurz nach der Entbindung gefragt, wie alles gelaufen ist?
Und wenn ja, was hast du geantwortet?

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Wir haben eigentlich ein sehr gutes Verhältnis. Direkt gefragt hat sie nie. Ich glaube aber auch, weil sie wahrscheinlich nicht aufdringlich sein wollte.. Ich wüsste aber auch nicht was ich geantwortet hätte.. Es fällt mir so schwer das in Worte zu fassen..

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Vielleicht hilft es, das Ganze erst mal in der Anonymität hier bei Urbia kurz zu schildern.
Möglicherweise weißt du dann, wie du das Thema tatsächlich und intensiver einer vertrauten Person näherbringen kannst?

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Hallo!
Ich denke jeder reagiert anders auf solche Erfahrungen.
Ich hatte eine schwere Präeklampsie mit Frühgeburt, heftigen Nachblutungen durch unvollständige Planzenta, unmittelbarer OP, Organversagen, Infektion und nebenbei den üblichen Geburtsverletzungen. Es ist so vieles schief gelaufen... Mir half reden, es immer wieder in Teilen Freundinnen zu erzählen und es "durchzuarbeiten" und so hinter mir zu lassen. Der 1. Geburtstag war trotzdem kein leichter Tag - neben Freude war da auch so viel Trauer und schwere Erinnerung. Bewusst haben wir den Abend nach der Kinderfeier tagsüber in Gesellschaft lieber Freunde verbracht um auch diesem Teil des Geburtserlebnisses Raum zu geben. Erst nach zwei Jahren hatte ich die Kraft den Krankenhausbericht anzufordern und zu lesen. Auch die 2. Geburt, die an entscheidenden Punkten ganz anders lief, hat zur Heilung beigetragen. Als ich den Verlauf der 1. Geburt vor einigen Wochen in der mittlerweile 2. Folgeschwangerschaft der Hebamme geschildert habe, war sie überrascht wie gefasst das war. Aber mittlerweile kann ich wirklich sagen "es liegt hinter mehr, es gehört zu uns dazu, aber es belastet nicht mehr". Ich hatte allerdings auch das Glück dass nichts unmittelbar spürbares oder einschränkendes zurückgeblieben ist. Höhere Risiken für Folgeerkrankungen und weitere Schwangerschaften und Geburten ja, aber das sind eben letztendlich doch abstrakte Zahlen...
Dieses Be- und Durcharbeiten wünsche ich Dir auch, auch wenn es Zeit brauchen wird!
Alles Liebe!

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Hallo,

Deine Gefühle kann ich absolut nachvollziehen. Ich habe leider bei der ersten Geburt auch eine traumatische Erfahrung machen müssen und bin nach neun Monaten zu einer Gesprächstherapie gegangen.
Darüber ganz offen geredet habe ich zu dieser Zeit nur mit zwei Hebammen und meinem Mann. Mir war es auch nicht möglich weitere Leute ins vertrauen zu ziehen. Das hat mich zu der Zeit einfach emotional überfordert.

Wir haben es so gelöst, dass ich die Termine bei der Psychologin so gelegt habe, dass es mit den Arbeitszeiten meines Mannes gepasst hat. Wenn das bei dir nicht machbar ist, dann wirst du dich wohl noch jemandem anvertrauen müssen. Vielleicht kannst du aber um Verständnis bitten, dass du keine weiteren Nachfragen möchtest und dir (z.b. deine Mutter) einfach vertrauen soll.

Mir hätte es damals nicht geholfen mit möglichst vielen Leuten zu reden, es war auch so schon schwer genug mein Problem klar genug zu formulieren. Statt Verständnis und Trost habe ich nämlich immer nur zu hören bekommen "ach, Hauptsache gesund!"
Das hat bei mir jeden Wunsch mich zu öffnen im Keim erstickt 🤷

Ich wünsche dir alsbald gute Besserung und natürlich trotzdem viel Spaß mit deiner kleinen Familie 😊

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Vielen Dank für eure ehrlichen und aufbauenden Worte..
Ich habe auch schon überlegt den geburtsbericht zu schreiben und hier zu veröffentlichen.. Allerdings muss ich schon weinen wenn ich anfange zu schreiben, und höre daher immer wieder auf..

Ich gucke mal wie es nach den nächsten 2 Terminen ist die ich nächste Woche habe, aber es hilft mir irgendwie auch schon wirklich zu wissen, dass man sowas auch irgendwann hinter sich lassen kann.

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Hey Liebe,

das Trauma der ERSTEN Geburt verdanke ich dem Vater meiner Tochter. Wie ein Partner hat er sich damals nicht verhalten.

Lange konnte ich gar nicht drüber sprechen. 2 Jahre hat es gedauert bis ich mich endlich trennen konnte. Und ich habe immer andere Gründe vorgeschoben .

Jetzt, fast 9 Jahre später, bekomme ich mein zweites Kind und so langsam habe ich angefangen es aufzuarbeiten. Lass dir die Zeit die du brauchst. 4 Monate sind nur 12 Wochen. Fühl dich feste gedrückt. Und nimm die Hilfe in Anspruch, die dir angeboten wird.

Alles Gute !

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Vielen Dank für deine Antwort und deine lieben Worte..

Ich weiß, das es vielleicht noch recht früh ist, aber ich hab auch einfach Angst den Punkt zu verpassen. Es gibt Tage da klappt alles ganz gut und dann ist da plötzlich wieder ein riesiges Loch und alles kreist bei bei mir nur noch darum tagelang.. Und dann will ich das einfach nur noch loswerden, dass das einfach "weg" ist.. Und ich habe wirklich wirklich Angst, dass das einfach nicht mehr weg geht..

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