Sich entscheiden: Geburtshaus, Krankenhaus, Hausgeburt

Ich finde es so schwer, sich zu entscheiden, welcher geburtort jetzt der richtige für einen selbst ist. Komischerweise ist fast alle Eltern mit denen ich spreche nahezu 100% von dem Ort, wo entbunden wurde überzeugt. Die Hausgeburtler schwören auf Hausgeburt, die einen auf dieses Krankenhaus, die anderen auf das Geburtshaus. Wie soll man denn da seinen eigenen Weg finden. mir gehts es momentan so, daß ich schwer Schiss vor den Schmerzen habe und mir daher vorstellen könnte eine PDA zu verlangen. Dann denke ich wieder: Mensch, das haben so viele Frauen auf der Welt schon allein geschafft, warum traust du dir das nicht zu. Krankenhaus ist auch irgendwie trotz allen Maßnahmen ziemlich steril...

Etwas Ratlos. Was macht ihr?

Grüße von elise, 21. SSW

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Ich gehe ins Geburtshaus.

Ich habe genauso gedacht wie Du und wolte mir eine PDA für den Notfall offen halten. Das war für mich klar wie Kloß... (blödes Sprichwort). Ich bin dann also nur noch proforma zum Infoabend ins Krankenhaus (das einzige in unserem Ort). Aber der Eindruck dort war mehr als schlecht. Warum konkret spielt keine Rolle, ich war jedenfalls hinterher total mißtrauisch und mir überhaupt nicht mehr sicher, ob es das Richtige ist.

Ich habe mich dann entschlossen, mir das Geburtshaus anzusehen. Das hatte bis dahin für mich immer einen Öko-Alternativ-Esotherik-Tatsch, der mir unheimlich war. Aber ich dachte, dass man sich das ja wenigstens mal ansehen könnte. Da ich schon recht spät dran war (30. SSW) konnte ich froh sein, noch einen Termin bekommen zu haben.

Nach dem ersten Gespräch mit der Hebamme dort war ich mir sicher, dass das doch was für mich ist. Ich fühlte mich einfach ernst genommen und gut aufgehoben und die kleinen Bedenken bezüglich Sicherheit waren auch schnell ausgeräumt, als ich erfuhr, dass es dort auch einige medizinische Notfall-Maßnahmen gibt, wenn wirklich etwas schief geht.

Lange Rede, kurzer Sinn: Ich bin der Meinung, dass ein so intimes Erlebnis wie eine Geburt, wo ich mich nicht körperlich sondern auch seelisch entblöße, in einer Umgebung stattfinden sollte, wo ich mich auch wirklich fallen lassen kann. Dabei zählt weniger das Aussehen der Räume (auch, aber ist für mich nicht am Wichtigsten), sondern einfach der Gesamteindruck.

Du solltest dich fragen, was für dich konkret am Wichtigsten ist. Und dann solltest Du dir das Krankenhaus und das Geburtshaus ansehen und vielleicht dort auch mal über eine Hausgeburt sprechen. Und dann solltest Du das tun, was dein Bauchgefühl dir sagt.

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Zunächst mal: Wie stark Du die Schmerzen bei der Geburt empfindest, hängt ganz arg von Dir selber ab! Wenn Du Angst vor Wehenschmerzen hast, dann werden die Schmerzen schnell unerträglich für Dich sein. Wenn Du den Schmerz als etwas Positives, Gutes (er bringt Dich Deinem Kind näher!) und Natürliches empfindest, sind auch die stärksten Schmerzen gut zu ertragen. In letzterem Fall brauchst Du auch sicher keine PDA.

Wähle den Ort, an dem DU Dich am Wohlsten fühlst. Setze Dich zu Hause auf die Couch und stelle Dir vor, Du würdest hier ein Kind zur Welt bringen. Wie fühlst Du Dich dabei? Fühlst Du Dich geborgen oder kommen Dir Bilder, was alles schief gehen könnte?

Besichtige das Geburtshaus. Wie findest Du die Hebammen dort? Setze Dich ins Geburtszimmer und stelle Dir auch hier vor, wie es wäre.

Besichtige die Kreißsäle verschiedener Kliniken. Da man bei Klinikführungen eher "durchgeschleust" wird, stelle Dir im Nachhinein vor, wie Du dort entbindest.

Merkst Du Unterschiede? Hast Du an dem einen oder anderen Ort mehr oder weniger Angst, fühlst Dich mehr oder weniger wohl?

Schreib eine Liste mit den Vor- und Nachteilen einer Klinik-, Geburtshaus- oder Hausgeburt auf. Vielleicht merkst Du schon beim Aufschreiben, dass Du eher zum einen oder anderen tendierst.

Erfahrungsberichte anderer sind gut und schön, doch jeder Mensch und jede Geburt ist unterschiedlich. Ich glaube, niemand kann sich vorstellen, woanders entbunden zu haben als an dem Ort, an dem man letzten Endes gelandet ist - einfach aus dem Grund, dass eine Geburt ein so intensives Erlebnis ist, dass keine Vorstellungskraft vermag, sich das anders vorzustellen. Aber das heißt nicht, dass man an einem anderen Ort nicht genauso gut hätte entbinden können. Ich glaube nicht, dass es nur den einen "richtigen" Ort für einen gibt!

Selber habe ich im Geburtshaus entbunden und fand die Geburt sehr schön. Aber genausogut hätte ich zu Hause entbinden können, da wäre es wahrscheinlich nicht viel anders gewesen. Klinik ist für mich jetzt nichts, aber wenn es aus medizinischer Sicht hätte sein müssen, dann wäre vermutlich und trotz allem auch dort die Geburt für mich ein unglaubliches, unbeschreibliches Erlebnis geworden. Einfach, weil Geburten Wunder sind.

Wünsche Dir alles Gute,
LG Steffi

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hallo,

ich habe meine Tochter im Geburtshaus geboren.

Meine persönlichen Gründe dafür:

- die Hebi war mir von Anfang an sehr sympatisch und war nicht sone extreme "öko-hexen-esoterik-lange-haare-ich-wasch-mich-nicht trulla"

-die Atmosphäre war ruhig und intim dort, aber nicht aufdringlich "gemütlich". will sagen: schön, aber nicht zuviel plüsch

-die fachliche Kompetenz und Ausstattung (hebi hatte ne 3 jährige Akupunktur-ausbildung (nicht bloss wochenend-seminar), es gab unterwasser-ctg, gebärhocker, ball usw. ) hat mich angetan
- keine routine arbeiten wie im krankenhaus (aufnahmefragebogen, krankenkassenkarte vorlegen beim atmen, zugang legen, rasur des intimbereichs, nichts essen dürfen, schichtwechsel der hebis und ärzte)

- plan b in der westentasche: das krankenhaus war schräg gegenüber (für den notfall)

Der Gedanke, dass ich die Schmerzen nicht aushalten würde, ist mir nie gekommen, ich habe immer auf mich und meine natürliche weibliche Gebärfähigkeit vertrait. Ich wollte gebären, AKTIV! ICh wollte weder "in den Wehen liegen" noch "entbunden werden" oder sagen müssen "ich bekam einen kaiserschnitt". Das ist alles Passiv.

Ich konnte im Geburtshaus tun und lasen, was ich will, hab mordsmässig viel getrunken, schokoriegel gegessen, wollte zwischendurch immer wieder zur toilette (bei den übergangswehen hat meine hebi mich nicht mehr gelassen, denn 1 minute später war Marie da)...

Schief gegangen ist auch einiges, aber nix dramatisches: zb kommt zur eigentlichen geburt im geburtshaus noch ne 2. hebi dazu... damit sich eine um die mama und eine ums kind kümmern kann... tja aber ich war so schnell (meine hebi meinte wie eine, die ihr drittes kind bekommt), dass die 2. hebi einfach zu spät kam.... die konnte nur noch gratulieren...

meine hebi wollte mich auch noch wegen der schmerzen in die wanne stecken... die wanne war noch nicht voll, da war Marie schon da.

ansonsten war alles prima, das lustigste war unter der geburt mein stabiler blutdruck: als ich ankam: 120/80, nac der geburt gleicher wert...

sprich mit deinem fa darüber, wie er einer haus oder geburtshaus geburt gegenüber steht... wenn dein kind zb falsch liegt, dann fällt das eh flach. ist aber alles ok, spricht medizinisch nix dagegen.

das einzige, was du tun musst, ist das gebären auch zuzulassen.

Alles Gute

Luise

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Heute abend ist Infoabend im Geburtshaus... :D da werde ich mal vorbeischauen!
Danke! elise

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Hallo Elise,

da hast du vollkommen recht.

Ich habe im Mai 2005 unseren Sohn zu Hause bekommen und eine schöne Geburt kann ich mir nicht vorstellen. Wäre ich ins Krankenhaus gegangen, dann hätte ich mir wohl auch Schmerzmittel geben lassen, aber zu Hause habe ich mich so wohl gefühlt und FREI!! Wenn ich nackt laufen wollte, weil mir heiß war, dann habe ich mich ausgezogen ohne, daß mich 1000 Leute (übertrieben - ich weiß) sehen und wenn ich in einem anderen Raum wollte oder 8x hintereinander duschen wollte, dann habe ich das gemacht. Soviel Bewegungsfreiraum hätte ich im Krankenhaus nicht gehabt und das hätte mich, glaube ich, sehr eingeschränkt.

Was für mich auch sehr wichtig war und ist, daß es natürlich bleibt ohne das man gleich irgendwelche Hilfsmittel braucht, wenn man den Kreißsaal zulange blockiert und die Ärzte schon nervös werden, weil da noch andere Schwanger sind. Meine Hebi hat mir da einige Geschichten aus ihrer Krankenhaus erzählt bevor sie sich als Hausgeburtshebamme Selbstständig gemacht hat.

Meine Hebi hat uns nach der Entbindung, die sehr schnell ging und ohne Komplikationen und Geburtsverletzungen verlief, da sie eine sehr gute Damm-Vorsorge bei mir während der Geburt getroffen hat, ca. 2 Stunden alleine gelassen ohne gleich das Baby zu wiegen, zu vermessen etc. Das war sehr schön und so privat und mein Mann hat super klasse der Hebi Unterstützung gegeben, da er ja auch in seinen eigenen 4 Wänden war und somit super gut auf Trapp gehalten wurde.

Gehe doch einfach mal zu Infoabenden in Krankenhaus, ins Geburtshaus und erkundige dich bei Hausgeburtshebammen.

Für mich kommt nur noch Hausgeburt in Frage, alleine auch schon wegen der guten Vorsorgeuntersuchungen, die ich ab der 20. SSW nur noch von meiner Hebi hab machen lassen. Krankenhaus wirklich nur im äußersten Notfall !!

LG

Julia + Connor 10.05.05

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Hi!
Das kannst Du am besten entscheiden wenn Du DIr GH, KH anschaust und mal bei ner Hausgeburt-Hebamme vorstellig wirst.
Alles hat Vo- und Nachteile.
Das man im KH routinemäßig rasiert wird und nix essen darf ist abslouter Blödsinn. Genauso muß man keine Aufnahmefornmalitäten unter Wehen machen wenn man sich vorher anmeldet.
Bei uns gibts zum Beispiel kein richtiges GH, diese Entscheidung ist einem also schonmal abgenommen. Genauso gibts wenige Hausgeburtshebammen. Um die solltest Du Dich schleunigst bemühen. In manchen Regionen gibt es nur 1 KH und wenn das ne Katastrophe ist bleiben ja nur noch 2 Möglichkeiten
Im KH kannst DU ambulant entbinden, ein GH oder die Haushebamme bringt Dich im otfall rechtzeitig ins KH.
Häng Dich ans Telefon, mach Termine und schau Dir alles ohne Vorurteile an. Mach Dir klar was Dir wichtig ist und entscheide in Ruhe.
Viel Glück,
Hermiene

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Hallo ihr Lieben,
ich war gestern im Geburtshaus. Davor habe ich mir schon zwei Krankenhäuser angeschaut, das eine ist so ein bisschen "kuscheliger" das andere ist technisch exzellent ausgerüstet. Und ich muß sagen: das Geburtshaus hat mir super gefallen. Es ist ein bisschen entfernt von unserem Wohnort, so um die 20 km, und im November kann es ja auch schon mal schneien. Aber ich bin echt noch ein bisschen am überlegen, weil wenn ich irgendwann von den Schmerzen die Nase voll haben sollte - was mache ich dann? Ich muß mal rausfinden, ob ich mutig genug bin. Aber toll ist es da auf jeden Fall und nicht so esoterisch wie erwartet. Meine Eltern werden davon auch nicht begeistert sein, schätze ich. Es beschäftigt mich schon ziemlich, ich hab sogar davon geträumt (das war bei den KH nicht so).

Ich bin gespannt, wie ich mich entscheiden werde.

Danke für Eure Antworten!

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