erstes Gespräch mit JA ein wenig verwirrt

HAllo ihr,

wir hatten heute unser erstes Gespräch beim Jugendamt. Jetzt bin ich etwas verwirrt. Eine Freundin die dort arbeitet sagte mir wie dringend Pflegefamilien gesucht werden. Es wurden uns heute gesagt, dass es vor kommt das Familien keine Kinder in Pflege bekommen. Wurden gefragt: Was wäre wenn es bei uns so wäre? Die erste Zeit mit einem Pflegekind sei sehr hart, bis die Beziehung aufgebaut ist.
Ich hatte so gar nicht den Eindruck als wollte man uns unser Vorhaben schmackhaft machen.
Ist das immer so?
Ich bin 40 Heilpädagogin, mein Mann 47 Computermann, tolle 8 Jahre alte Tochter, netter Hund.
Ich glaube einfach, dass ein Pflegekind richtig gut zu uns und in unser Familiensystem passt.
Bin jetzt etwas verunsichert. Soll das so sein, damit ich mir nochmal klar werde, was wir da vorhaben?
Eigentlich hatten wir schon den Termin für Seminarstart, nun betreut meine Freundin das Seminar die dort arbeitet. Ist schon verständlich, dass das dann leider nicht geht. Wir bekamen dann gesagt, ja nächste Gruppe? Kann Anfang nächsten Jahres sein, aber auch ende des Jahres, weiß man nie. Will man so unsere Geduld auf die Probe stellen?
Bin echt verwirrt#kratz sonst gab es keine Überraschungen alles so wie ich es schon in Büchern gelesen habe.
Wir haben natürlich schon vieles durchdacht und besprochen.
Ich kann mir die Zusammenarbeit gut vorstellen und bin so motiviert.
Was sind da so eure Erfahrungen? Ist das häufiger so, dass Paare nicht allzu freudig begrüßt werden um die Dringlichkeit mit der sie gebraucht werden nicht so nach außen zu tragen. Es ist einfach auch durch Zeitung und Medien so bekannt, Sogar die Werbung wurde entsprechend in Hannover wurde angepasst. Motto:auch so sehen Pflegeeltern aus
haz.de/Hannover/Fotostrecken-H…-Pflegeeltern-aus#chart=3
wir sind eine Mischung aus Bild 5 und 6
Heißt das trotzdem: schön das sich dafür interessieren Pflegeeltern zu werden?

liebe grüße, Sabrina

Mal ein Gedankenspiel:

Stell dir vor, man hätte euch bei dem ersten Termin erleichtert und freudig empfangen, hätte euch ohne langes Kennenlernen sofort als ideale Pflegeeltern empfunden und würde euch ohne Federlesens in das nächste freie Seminar stecken, das zufällig diesen Samstag und Sonntag ist. Schwupp, alles toll, im Seminar klingt die Pflege bombig, ihr seht kaum Risiken, das JA findet euch klasse, und übernächste Woche Mittwoch präsentiert man euch schon euer Pflegekind, weil sich außer euch so lange keiner mehr beworben hat. Ihr seid voller Vorfreude und Aufregung und könnt es kaum fassen, dass das so schnell geht, überlegt sogar überschwänglich, ob ein zweites Kind vielleicht auch noch reinpasst, könnt vor Hibbeligkeit keinen klaren Gedanken fassen …

Und dann kommt ein Kind, auf das ihr euch nicht vorbereitet habt.

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Mir ist schon klar, dass ihr nicht naiv und unvorbereitet in die Sache geht, dein Text liest sich sehr reflektiert. Aber ich glaube, dass das JA mit purer Absicht ein wenig Tempo und Adrenalin aus der Sache nimmt. Ihr seid freudig und aufgeregt über euren Entschluss, ein Kind aufzunehmen, und jetzt kommt das JA erstmal mit einem Kübel Eiswasser, um euren Kopf zu kühlen. Aus meiner Sicht ist das das Veranwortungsvollste, was das JA machen kann.

Eine 100%-Garantie auf ein Pflegekind kann euch blind machen. Das JA will aber sicher keine euphorische, allzu selbstsichere Kandidaten, sondern Partner, mit denen es langjährig und stabil arbeiten will. Und diese Stabilität bedeutet sicher auch, Frust, Ungewissheit, Hadern zu ertragen. Denn was kann euch eine Pflegschaft im schlimmsten Fall bescheren? Frust, Ungewissheit und Hadern.

Ich würde es als Feuertaufe und Teil der Bewerbung sehen. Lasst euch darauf ein, bleibt cool und signalisiert, dass euch auch diese Aussichten und Widrigkeiten nicht abschrecken - vermutlich will das JA genau das von euch sehen. Auch wenn ihr euch für ideale Kandidaten haltet - das JA muss das ja erst mal für sich rausfinden. Und lieber verprellt es 50 Bewerber mit diesem Vorhaben, die am Ende vielleicht mit dem Kind überfordert wären. Denn es wartet auf die 3 idealen Paare, die unbeeindruckt durch das stürmische Bewerbungsverfahren segeln, nach einem Jahr den durchnässten Friesennerz ausschütteln und souverän und wetterfest ein für sie passendes Kind aufnehmen können.

Alles Gute! #winke

Das hört sich sehr logisch an;-)
vielen dank, dass du dir die Zeit genommen hast!

Guten Morgen,

das ist durchaus ein gängiges Vorgehen. Das Leben mit Pflegekindern erfordert ein hohes Maß an Geduld und man muss auch eine Menge aushalten können (Reaktionen des Kindes, der leiblichen Eltern, Reaktionen von der Umwelt an nicht "normgerechtes" Verhalten der uns anvertrauten Kinder). Das wird durchaus vom Jugendamt schon mal "angetestet". Wie wichtig ist es Euch, was haltet ihr aus. Im Rahmen unseres Vorbereitungsseminares wurden mir von der betreuenden Psychologin sehr kritische Fragen "an den Kopf geworfen". Wie ich uns in unserer Konstellation mit unseren Kindern es überhaupt in Erwägung ziehen könnte, noch ein Kind aufzunehmen. Wie ich mir das mit unseren Haustieren denn praktisch vorstellen würde, ein kleines Kind aufzunehmen. Ob ich denn nicht schon genug zu tun hätte. Ich konnte ihr ehrlich antworten, dass ich ihre Bedenken verstehe, wir uns das Ganze aber wirklich gut überlegt haben und konnte ihr auch einige praktische Beispiele nennen.

Auch wenn Pflegeeltern dringend gesucht werden ist es sehr wichtig, dass diese die Situation dann auch "aushalten" können. Gerade wenn es leibliche Kinder in der Familie gibt. Es gibt nichts Schlimmeres, als wenn ein Pflegekind seine Familie wieder verlassen muss. "Hauptsache unter und besser wie im Kinderheim" trifft bei Pflegekindern nicht zu.

Wenn es für Euch das Richtige ist, haltet an Eurem Vorhaben fest und besucht dann halt den übernächsten Kurs. Genießt Eure Zeit zu dritt, Eurer Kind hat noch ein wenig Zeit. Versuch die Wartezeit positiv anzugehen.

Liebe Grüße
Delenn

Vielen Dank für die Rückmeldung! Ich hatte mir noch keine Gedanken gemacht wie festgestellt werden kann, ob Familien, Paare das Nötige Rüstzeug Geduld, Durchhaltevermögen, Humor,...mitbringen.
Das was ihr mir schreibt macht Sinn und hilft mir.
Für mich ist in meiner Arbeit eine Herzliche Willkommenskultur, Wertschätzung, Stärkenorientiertes denken und handeln ganz selbstverständlich. Da hat mich das Gespräch gestern wirklich verwundert.
Ich bin immer wieder froh, dass der Austausch mit Menschen auf diesem Wege möglich ist.
Wirklich vielen Dank, dass wird mir bei unseren weiteren Schritten sehr helfen!

als Heilpädagogik könntet ihr auch auch über eine Erziehungsstelle informieren. Vielleicht wäre es für auch eine alternative.

Das ist völlig normal! Lass dich nicht verunsichern. Natürlich werden Pflegeeltern gesucht, aber das Jugendamt ist auch verantwortlich, dass es dann passt. Es ist und wird immer ein Geduldspiel bleiben nicht nur im berweber Prozess. Zu warten ist das was ich als erstes lernen musste. Bei unserem ersten Gespräch wurden wir gleich gefragt, was wir tun würden, wenn sich eine Behinderung rausstellt, oder dass es viele Kinder gibt die einen total eingedrückten Kopf haben. Die Seminare waren nicht weniger "schrecklich" was die "Gefahren, Risiken" etc betrifft. Bedenke immer, es ist ein Amt. Meistens überlastet und sie werden sicher auch viel mit Menschen konfrontiert sein, die einfach nur unkompliziert ein Kind wollen und sich nicht mit der Thematik auseinander gesetzt haben, die nur rosa rot sehen. Wir haben damals 3 Jahre gewartet bis PK zu uns kam. Die Zeit war lang, teilweise schwierig aber auch enorm hilfreich und lehrreich. Möchtest du den Weg weiter gehen? Dann einfach durchhalten... Nutze die Zeit. Auch wenn es jetzt lang erscheint.

hallo.

ich denke es ist normal das eher "kritisch" hinterfragt wird als potentielle pflegeeltern freudig zu empfangen.
wichtig ist auch alles negative zu hören.
viele sind dann schon weg....die, die trotzdem der Überzeugung sind das es der richtige weg ist.... sind die Pflegeeltern von morgen.

wir hatten übrigens nie ein Seminar. Es müssen mind. 5 Paare zusammen kommen und das war hier über längeren zeittaum nicht der fall.

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