Wie geht ihr mit negativen Erinnerungen um?

HAllo zusammen,
vielleicht bin ich von Grund auf jemand, der das Glas immer lieber halb leer als halb voll sieht, dem negative Erinnerungen lang, lang im Gedächtnis bleiben.
Ich weiß, dass es einzig an mir liegt, daran zu arbeiten um den positiven, schönen Momenten mehr Gewicht zu verleihen.
Aber das fällt mir einfach schwer bzw. ich kann es überhaupt selbst nicht richtig nachvollziehen bzw. beschreiben, warum das so ist.
Ich bin etwas über 50 J. und hatte in meinem Leben einige Erlebnisse, Situationen, Erfahrungen, die ich einfach irgendwie durchstehen/durchlebn musste, ohne diese aktiv so verursacht zu haben.
Dabei hab ich auch manches durchlebt, wovon ich immer dachte "DAS passiert MIR nie".
(Mein Sohn drohte in Drogensucht abzustürzen, das waren für mich zweieinhalb furchtbare Jahre
meine Freundin hat Suizid begangen -es war vorhersehbar,
mein Mann hat mich betrogen-für ihn hätte ich meine Hand ins Feuer gelegt
....)

Ich denke aber, daß es ja viele gibt, die sehr Schlimmes durchstehen mussten, die dann aber trotzdem positiv und mit viel Lebensfreude/-lust nach vorne schauen (können).

In mir kreisen manche Erinnerungen immer wider - mir ist klar, ich kann ERlebtes nicht völlig ausblenden, aber ich möchte es so gerne einfach "wegstecken und nicht ständig wieder hervorholen".

War diesbezüglich auch bereits in psych. Beratung - dennoch liegt es ja an MIR, das Leben anders anzugehen.
Ich weiß, daß meine Kindheit mich da ein Stück weit geprägt hat (meine Mutter ist bis heute jemand, der nur schwarz sieht, immer das Schlimmste befürchtet....) - aber mit über 50 will ich mein Leben endlich in eine Richtung lenken, die mir guttut und nicht mehr die Kindheit dafür "verantwortlich" machen.

Ach, es ist einfach schwer. Kennt das jemand von euch. Habt ihr kleine "Tricks" für solche Stunden?
LG

1

Hallo,

ich habe keine echten Tipps. Ich denke aber, man ist irgendwie so, wie man eben ist. Sei es charakterlich bedingt oder eben aus schlechten Erfahrungen heraus. Ich bin im Grunde ein sehr positiver Mensch und grübele daher nur sehr selten. Mein Mann meint zu mir auch immer, dass ich ein Kopfmensch bin. Ich versuche daher alle Dinge logisch zu bearbeiten.

D.h. passiert etwas Schlimmes (Trauerfall/schwere Krankheit/sonstige Schicksalsschläge) versuche ich die Sache mit Vernunft zu lösen. Ich bin natürlich auch traurig, wenn jemand stirbt, der mir nahe stand und natürlich fließen dann auch ein paar Tränen. Aber, und ich kann das nicht recht erklären, schaltet sich dann relativ schnell der Kopf ein und sagt mir, dass die Situation nicht besser wird, wenn ich nun noch 3 Tage heule oder noch 2 Wochen über einen Fehler nachdenke. Und dann gehts mir auch meistens wieder schnell besser.

Auch diese Frage wäre etwas nicht passiert/wäre etwas anders ausgegangen, hätte ich in dem Moment anders reagiert, stelle ich mir nicht mehr. Ich habe für mich verinnerlicht, dass es sowas wie Schicksal gibt und dem kann man nicht entgehen. Es kommt alles wie es kommen soll. Auf manche Dinge könnte man natürlich verzichten und manchmal erkennt man den Sinn dahinter erst Jahre später.

Das beste Beispiel für eine positive Lebenseinstellung war meine Oma. 1925 geboren und den 2. Weltkrieg hautnah und in Farbe mitbekommen. Ihre eigene Mutter früh noch als Kind verloren, mit der Stiefmutter keinen wirklich guten Draht gehabt. Sie war live dabei als ihr Vater an einem Magendurchbruch gestorben ist. Während des Krieges zweimal evakuiert und einmal ausgebomt worden.

Und weißt Du was sie gesagt hat, wenn man sie danach gefragt hat, wie sie den Krieg erlebt hat? Sie sagte immer, ach eigentlich war es auch eine schöne Zeit. Wir hatten nichts aber wir haben und Faschingskostüme aus Gardinen genäht. Wir haben immer mit vielen Leuten zusammen gesessen und Spaß gehabt usw.

Ich finde daran kann sehen, dass es letztendlich wirklich an einem selbst liegt, was man aus einer Situation macht. Man kann sich grämen aber macht es die Sache dann wirklich besser?

LG
Tiffy

3

Ich danke dir. Du hast das sehr schön beschrieben und in vielem recht.
Ich bin ja i-wie schon auch ein rationeller Mensch. Z. B. weiß ich, daß ich manche Sachen nicht hätte aufhalten können.
Das Schlimme für mich ist eigentlich, wenn die Erinnerungen manchmal wieder so mit voller Breitseite hochkommen. Da reichen manchmal kleine, ähnliche Situationen, Gegebenheiten zum "antriggern" und in mir kommt dann so vieles wieder hoch und meine Gedanken drehen sich dann stundenlang um das was war und ich sowieso nicht mehr ändern kann - aber ja irgendwie durchgestanden, aufgearbeitet habe....

Eine Freundin hat mir mal erklärt, daß Vergangenheit für sie etwas ist, was vorbei ist, worüber sie nicht mehr viel nachdenkt und woran sie auch nicht mehr viele Gedanken verschwendet.
Da bin ich leider ganz anders....
LG

4

Vielleicht solltest Du es mal Ablenkung versuchen? Ich könnte mir vorstellen, dass diese "schlimmen" Gedanken immer dann kommen, wenn man zur Ruhe kommt. Im täglichen Treiben hat man ja selten Zeit über Gott und die Welt zu sinnieren ;-)

Vielleicht hilft es Dir, wenn Du dann etwas tust. Keine Ahnung, vielleicht malen, stricken, backen halt was immer Dir in dem Moment Spaß macht und Dich von dem Grübeln ablenkt und was man halt mal eben schnell machen kann.

Oder gönne Dir in solchen Trigger-Momenten vielleicht ein Stück Kuchen/Schokolade/Eis oder was immer Du gerne magst, damit die Erinnerung mit was "Gutem" assoziiert wird. Versteh mich nicht falsch, der Tod eines Menschen kann man nie gut finden aber ich würde mir in solchen Trigger-Situationen halt selbst was gutes gönnen um positiv aus dem Moment hinauszugehen.

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hallo , lass uns mal mit unseren halbleeren Gläsern anstossen#glas
ich knabber auch immer noch an Sachen , die teilweise 50 Jahre her sind. sie verfolgen mich einfach immer in Gedanken.
in psychologischer Behandlung war ich auch jahrelang , hat aber nicht wirklich was verbessert.:-(
auch geb ich mir seit 10 Jahren die Schuld am Tod meines Mannes , weil es auf meiner 50. Geburtstagsfeier passierte (Sekundentod)
Probleme meiner Kinder belasten mich oft mehr , als sie selber. sie sagen mir immer ,"mach dir keinen Kopf drum" , aber ich male mir in Gedanken immer das Schlimmste aus.

also Tipps kann ich dir leider keine geben , aber du bist nicht alleine damit;-)

#winke

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Ich danke dir.
Ja, das kenne ich sehr wohl, daß ich mir mehr Kopf über eine Sache mache, als z.B. meine Kinder, wenn es sie direkt betrifft.
Glaube, ein Stück weit ist man in jungen Jahren doch auch unbeschwerter und das ist durchaus gut so.
Andererseits mag ich es ehrlich gesagt auch nicht, wenn meine Mutter sich soviele Sorgen im Zusammenhang mit mir "ausmalt"....

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Hallo, auch ich kann Deine Empfindungen nachvollziehen. Bin ähnlich gestrickt.

Ich glaube auch einfach, dass dieses eine Typfrage ist. Meine Mutter ist auch so, ihre ganzen negativen Erlebnisse sind in ihrem Kopf eingebrannt und werden regelmäßig hervorgeholt.

Und ich glaube, dass dieses ständige Hervorholen und sich mit diesen Erlebnissen zu beschäftigen, vielleicht ein Schlüssel sein kann.

Ich stell mir das so vor: indem man immer wieder an diese Erlebnisse denkt, bleiben sie klar im Gedächtnis haften und werden immer wieder „aufgefrischt“. Das bedeutet für mich, das Gehirn hat keine Chance, diese Erlebnisse verblassen zu lassen. Sie werden ja niemals verschwinden, unsere Erinnerungen. Aber wir müssen zulassen, dass sie in den Hintergrund treten und überlagert werden.

Weißt Du, ich hatte mal eine Depression, war auch in psychologischer Behandlung. Mein damals behandelnder Arzt hatte mir etwas Wunderbares mit auf dem Weg gegeben: ich sollte mir diese Episode im Leben wie ein Buch im Bücherregal vorstellen. Das Buch steht im Regal, hin und wieder holst Du es hervor und schaust es Dir an. Und dann stellst Du es wieder zurück. Und dort steht es dann (und kann einstauben - Zusatz von mir).

Vielleicht kannst Du das als Ansatz nehmen. Du möchtest Dich ja von Deinen negativen Erlebnis-Gedanken lösen. Jedesmal, wenn es Dich wieder überfällt, sagst Du Dir: Ja, das ist in meinem Leben passiert, das war Mist, aber es gehört zu mir. Aber es ist jetzt nicht mehr wichtig.


Und dann suchst Du Dir ne schöne Beschäftigung. Bei mir hilft immer die Natur, frische Luft oder Wald ist noch besser. Bewegung an frischer Luft ist für mich immer wunderbar.

Ich sag mir manchmal sogar, ich hab jetzt keine Lust darüber nachzudenken.

Aber ich kann Dich wirklich verstehen. Manchmal überkommen mich nachts Gedanken, die überrollen mich und leider finde ich den Weg da nicht raus. Auch nicht mit gezielter Atmung oder so. Da stelle ich mir dann wieder vor, dass gerade wieder Halligalli in meinem Kopf los ist. Das kann ich nicht stoppen, nervt mich auch, irgendwann schlafe ich aber ein.

Du siehst, Du bist nicht alleine. Und ich bin sowieso son Typ, der permanent nachdenkt. Aber ich versuche einfach, positive Dinge in mein Leben zu holen, so dass ich darüber nachdenken kann.

Zur Zeit lese ich gerade das Buch: „Die Macht Ihres Unterbewusstseins“ von Dr. Josef Murphy. Da steht zB drin, dass man sein Problem nicht benennen soll. Man soll es abschneiden wie einen alten morschen Ast von einem Baum. Naja, ob das so leicht ist, wage ich zu bezweifeln. Aber irgendwas kann ich mir da schon rausziehen.

Entschuldige bitte meinen langen Text. Vielleicht hilft Dir aber der eine oder andere Gedanke weiter. Ich wünsch Dir jedenfalls, dass es Dir gelingen wird, deine negativen Erlebnisse mehr in den Hintergrund zu entlassen. Liebe Grüße

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Ich danke dir für deine Zeilen.
Es tut gut, zu wissen, daß manch Andere ähnlich ticken -
Was die schöne Beschäftigung in der Natur betrifft, da bin ich ganz bei dir - da gehts mir fast genauso. Mit meinem Hund spazieren zu gehen, das ist meist Freude pur.

Ich war auch eine gewisse Zeit in psych. Beratung. Mir hat man damals empfohlen, solch negative Ergebnisse (die ja wirklich wie ein Buch ständig wieder hervorgeholt und "durchgeschaut" werden) in sich zu verpacken und in eine Ecke zu stellen, wo sie einfach sein dürfen, ohne ständig darüber zu stolpern und sie wieder zu öffnen.
Und mit meiner Ärztin hab ich mal darüber gesprochen, daß ich mir eben ständig soviele Sorgen mache, um meine Kinder, um meine alternden Eltern.... usw.
Sie hat mir damals etwas gesagt, was mir da schon ziemlich geholfen hat, als ich ihr halt erklärte, daß ich nachts einfach nicht mehr schlafen könne, wenn mein Sohn mit dem Moped noch nicht zu Hause ist, obwohl er eigentlich da sein sollte: "Meist passiert überaupt nichts, außer daß er sich halt einfach verspätet. Man macht sich da soviele Gedanken, was alles Schlimmes passieren könne, male sich aus, was sein könne - aber wenn dann wirklich etwas passiert, dann ist bzw. kommt es ganz anders, als man überhaupt dachte - und dann ist es an der Zeit, sich Gedanken darüber zu machen, wie es nun weitergeht".

Trotzdem muss ich dir in dem einen Punkt zustimmen - die Gedanken, die einen Nachts überkommen sind oftmals so heftig, daß man da oft kaum einen Weg raus findet. Wobei doch sagen muss, es ist besser geworden.
Richtig viele schlaflose und auch tränenreiche Nächte, die mich manchmal fast wahnsinnig machten, hatte ich zu der Zeit, als mein jüngster Sohn immer wieder mit Drogen zu tun hatte - das war eine unbeschreiblich schlimme Zeit, die Gottseidank gut durchgestanden ist. Aber energieraubend war es auf alle Fälle und ein Stück weit, ist mir da etwas von meiner "Lebenskraft" abhanden gekommen...

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mir halfen/helfen verschiedene Strategien

- akute Phasen, wo ich handeln muss; die akut vorhanden sind
Ungewissheit wie es weitergeht

Nachts mir ein Matra sagen: ich brauche Kraft, ich möchte Kraft; ich konzentriere mich darauf jetzt Kraft zu tanken.
Ausgeschlafen kann ich das Problem angehen

Das hilft nicht viel, aber lässt mich die Nacht überstehen und dann bin zwar auch gerädert, aber nicht so extrem geflasht


- aufschreiben
das festhalten ist für mich das loslassen. es ist ja noch da. Ich KANN es lesen, wenn ich dafür bereit bin. Es ist nicht weg. Aber ich muss mich nicht mitten in der Nacht damit befassen.
Ich muss nicht das Problem lösen, das ich nachts nicht lösen kann!

zu beiden Strategien:

nachts bin ich oft hilflos. dunkel, allein, kein Telefon
Tagsüber erscheint vieles nur noch halb so schlimm, weil
-> ich abgelenkt bin
-> telefonieren könnte
-> mich informieren kann
-> mich um Unterstützung bemühen kann

Nachts kann ich nichts tun, nichts ändern.

Wenn ich es aufschreibe, nehme ich mich ernst, nehme das Problem ernst.
Ich weiß, wenn ich es aufgesschrieben habe, kann ich es tagsüber ansehen und dann lösungsorientiert daran arbeiten.

Nachts ist das lösungsorientierte ausgeschaltet. Die besten Lösungen führen zu nichts, weil ich sie nicht sofort umsetzen kann. :-(



- positives zulassen
positives mir gönnen
gerade WEIL ich viel Mist erlebt habe, gestehe ich mir zu, glücklich zu sein

gerade WEIL ich viel Mist erlebt habe, gestehe ich mir zu, "das bisschen gute" zu zu gestehen und mich daran zu erfreuen. Wenn es schon sonst nicht so viel Gutes gibt, dann koste ich das wenige umso mehr aus. Wie einen Eisbecher, den ich bis auf den letzten Tropfen ausschlecke.

- abends vor dem Einschlafen gehe ich die GUTEN Dinge durch.
Jeden Tag bewusst das Glück sehen.
Nicht das große Glück, sondern die kleinen Dinge. Und wenn das Glas fast leer ist, so betrachte ich den Tropfen darin und freue mich, dass dieser Tropfen da ist.


- abschwören vom Perfektionismus.

Das Glas muss nicht voll sein, es muss auch nicht halb voll sein, auch nciht halb leer.
Wenn der EINE Tropfen darin mir Freude bereitet, dann darf ich das zu lassen.

Ist doch egal, wenn es voller sein könnte oder wenn es im Leben besser sein könnte.
Gerade weil es so fast leer ist, ist dieser eine Tropfen etwas besonderes.


Wenn noch weitere Tropfen dazu kommen, wertschätze ich jeden einzelnen. So füllt sich das Glas.
Es muss nie voll werden, es muss auch nie halb voll werden. Jeder einzelne individuelle Tropfen hat seinen Platz. Jeder Glücksmoment darf sein.


- und ich wollte einer früheren Kindheitsbezugsperson eins auswischen.
Alles war negativ und musste negativ sein.
Das hat mich so sehr runtergezogen, dass ich (mir selbst beweisen wollte), dass die Person nicht recht hatte. #sorry
Die Person konnte ich nicht sonderlich gut leiden, war aber als Kind daran "gebunden". Als mir bewusst wurde, was da im Argen lag, wollte ich nicht mehr zulassen, dass ich der Person alles glaube.

Und dann stellte ich fest: je mehr ich an mein Ding glaube, desto eher erfüllt es sich. Wenn ich die Ängste der anderen Person übernehme, fühlt es sich an wie meine; sind aber gar nicht meine Sorgen.. Die andere Person kann ich nicht befreien, mich selbst aber schon. Wenn ich es zulasse.
Wenn ich es mir selbst gönne, mich zu freuen.

Je mehr ich das Glück erwarte, desto mehr bin ich enttäuscht. (Die Strategie der Person: das Perfekte voraussetzen und dann das schlimmste erleben, weil es ja nur schlimmer werden kann, wenn es nicht perfekt ist).

Für mich habe ich es umgedreht. Wenn ich zulasse, dass es in einem Glas auch nur einen Tropfen gibt, dann ist da sooooo viiiiiiiel mehr drin, als wenn gar nichts drin wäre.
Glück nach oben und Platz nach oben ist so viel da.
Wenn das Glas fast leer ist, ist noch ganz viel Platz für viel Gutes ;-)

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Ich danke dir!
Ich hab mir mittlerweile nachts angewohnt, wenn die schlimmen Gedanken mal wieder auf Reise gehen, zu beten. Es ist für mich hilfreich... so erscheint dann manches nicht mehr ganz so "Schlimm".

Und das mit dem halbleeren Glas ist halt so eine Floskel - wollte damit nur beschreiben, daß ich halt oft mehr Augenmerk auf das Negative als auf das Positive lege. Im Grunde hast du recht, jeder Tropfen darin zählt - und Platz nach oben sollte ja immer bleiben;-)
LG

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Ja, das mit dem Glas ist eine Metapher. :-)

Wenn es gut Zeiten sind, sehe ich das Glas halb voll.
In schlechten Zeiten versuche ich wirklich jeden Tropfen zu sehen, weil der Fokus auf das fast leere Glas mich wahnsinnig machen würde, die Angst mich so quälen würde, dass ich handlungsunfähig werden würde.

Was ich in schlechten Zeiten aber am meisten brauche: selbst handlungsfähig zu bleiben, mit der Hoffnung, dass es besser wird. Das ist schwierig. Daher lenke ich die Perspektive immer wieder bewusst auf jeden guten Tropfen im Glas. Denn das drumherum ist es sowieso und spüre ich und merke ich. Daher brauche ich etwas, was mir die Kraft gibt weiter zu machen. So lange bis sich das Glas wieder besser gefüllt hat.

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Ich habe die dunkelsten Stunden meines Lebens immer als eine Art "Reifeprüfung" für meine Seele gesehen. Ich bin immer fest davon überzeugt gewesen, dass das Schicksal einem nur soviel zumutet, wie man auch erträgt.
Ich setze direkt ein dickes ABER nach: Ich glaube, dass ich zerbrechen würde, wenn eins meiner Kinder sterben würde. Alleine den Gedanken kann ich schon nicht ertragen.

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Danke. Ja du hast ja sooo recht - es sind die Reifeprüfungen...
Feuerproben nenne ich sie immer anderen gegenüber. Ich kann nämlich, glaub ich, andere sehr wohl aufmuntern, ihnen Mut zusprechen und ihnen auch helfen nicht mehr alles so schwer zu nehmen.
Ich nenn es immer "Feuerproben" - (so wie ein Brot nur dann schmackhaft sein kann, wenn es die Hitze übersteht, ohne darin zu verbrennen und ungenießbar zu werden)
man weiß immer erst laange hinterher, was man daraus gelernt hat.
Das ist es wahrscheinlich was uns alt und "weise" macht - nur dass ich halt über manche Dinge eigentlich mit kaum jemanden sprechen mag - ich trag es in mir.

Was den Verlust eines Kindes angeht - da bin ich vollkommen identisch mit dir !

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Interessante Metapher mit dem Brot-gefällt mir ;-)

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Mit meinen negativen Erlebnissen und teils ganzen Lebensabschnitten könnte ich eine ganze Abraumhalde füllen. Aber - das ist nicht mehr zu ändern und es nutzt niemand und mir am allerwenigsten, wenn ich dauernd in dieser Abraumhalde herumwühle.
Es ist Vergangenheit und kann definitiv nicht nochmal gelebt und nichts kann korrigiert werden.

Es gibt zwei Sätze, die mich in den letzten Jahren begleiteten:
"Die Zeit heilt garnichts. Sie lehrt dich nur, Schubladen zu schließen und besser nie wieder zu öffnen." - und
"Kein Mensch war ohne Grund in meinem Leben. Der eine war ein Geschenk, andere eine Lektion."
Ich weiß, dass es etwas gibt, das ich nie verwinden werde, aber das muss ich als nicht änderbaren Lebensbestandteil hinnehmen. Für diese Erkenntnis habe ich aber auch fünf schlimme Jahre gebraucht.
Der Satz "die Hoffnung stirbt zuletzt" ist irreführend, sinnlose Hoffnung macht einen kaputt. Da halte ich es lieber mit der Realität: "Hoffnung treibt das Schiff der Narren"( und ein Narr möchte ich sicher nicht sein). Das muss man schaffen einzusehen.
Ich konzentriere mich nun die paar Jahre, die ich noch auf dieser Welt rumschwirre, auf die Menschen, von denen ich weiß, dass ich ihnen etwas bedeute, fertig. Gottseidank gibt es davon doch einige ;-)
LG Moni

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Nein, ändern lässt sich Nichts. Alles was gelebt ist, ist gelebt, was gesagt wurde, ist gesagt und alles was man getan oder nicht getan hat, ist eben so. Das ist mir auch klar.

Dennoch ist m. M. Hoffnung sehr wohl etwas, was einem manchmal über Wasser hält, funktionieren lässt, was man einfach manchmal BRAUCHT....
Den Satz, dass Hoffnung das Schiff der Narren treibt, kann ich nicht teilen. Mir tun Menschen, die so gar keine Hoffnung mehr verspüren können, eher leid.
Natürlich muss man mancherlei im Leben einfach so hinnehmen wie es ist, abhaken ohne da noch auf i-ein Wunder zu hoffen oder halt erkennen u. akzeptieren, das sich da nichts ändern lässt.
Du hörst dich sehr verbittert an, wenn ich das so sagen darf.
LG

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Du kennst mich ja nicht - nein verbittert hin ich ganz sicher nicht, sondern ein Mensch, der für jeden Blödsinn zu haben ist und sehr gerne lacht, egal ob privat oder im Verein oder sonstwo. Ich kann mit Kindern genauso kindisch sein wie mit Erwachsenen.
Auch in meinen 44 Berufsjahren bei der Bundeswehr war ich nie Pessimist, im Gegenteil, bei mir landeten immer alle Typen, die in der Tinte saßen, zum wieder in die Spur bringen - und glaub mir, da brauchst Du reichlich Humor ;-) Und das alles trotz einer Kindheit mit reichlich Prügel und einer ersten Ehe mit viel Suff, Not und ebenfalls Prügel. Aber das ist alles definitiv vorbei.
Ich bin nur sehr sehr realistisch und renne keinen unnützen Hoffnungen mehr hinterher. Eine Zeitlang hoffe ich natürlich auch, aber ich irgendwann merke ich dann, es ist für die Katz - und dann zwinge ich mich abzuschließen. Gerade um nicht zu verbittern. Ich kenne leider mehrere Menschen, die sich an falsche Hoffnungen hängen und grämen und grämen, wohl bis zum Tod. Furchtbar. Unnütze Hoffnung ist vergeudetes Leben.
Also ich brauche Dir ganz sicher nicht leid zu tun. In meinem Büro hing jahrelang auch ein guter Spruch, den ich geschenkt bekam.
"Gott gebe mir die Gelassenheit, Dinge hinzunehmen, die ich nicht ändern kann, den Mut, Dinge zu ändern, die ich ändern kann, und die Weisheit, das eine vom anderen zu unterscheiden."
Das hat mir auch sehr geholfen, als ich meinen schwerkranken Mann pflegte und ihm zum Schluss ermöglichte, daheim in seinem Bett zu sterben. Ich hatte nicht die Hoffnung aufgegeben sondern realistisch erkannt, dass sein Lebensweg zu Ende ist und nun nur noch wichtig ist, seinen Herzenswunsch zu erfüllen, nicht im KrHs sterben zu müssen; ich hab ihn sehr geliebt und wollte mein Versprechen unbedingt einhalten.
Ich habe in dem KrHs Menschen erlebt, die die Ärzte anbettelten, nochmal und nochmal an ihrem sterbenskranken Angehörugen herumzuschneiden, in der Hoffnung, dass er noch ein paar Tage lebt(egal wie). Das hat in meinen Augen nichts mehr mit Hoffnung zu tun. Hoffnung ist wohl ein zweischneidiges Schwert.
LG Moni

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