Medizinisch nachweisbarer Grund, warum Einnistung nicht funktioniert?

Lieber Dr. Peet,

kurz zu meinen Ausgangsvoraussetzungen: meine Eizellen sind von sehr guter Qualität, das Sperma meines Mannes ist leicht eingeschränkt, aber ansonsten ist alles in Ordnung.

6 IUIs waren ohne Erfolg so wie bisher 3 ICSIs und eine Kryo (gar kein HCG). Mein Arzt sagt, dass weitere Tests wie Gerinnung/Genetik in diesem Fall keinen Sinn machen, weil sie keinen Aufschluss darüber geben können, warum sich die Eizellen bisher nicht eingenistet haben und es dafür keine Therapie gäbe. Diese Tests würden nur Sinn machen bei häufig vorkommenen Fehlgeburten.

Dennoch lese ich im Forum häufig, dass andere Frauen in diesem Fall weitere Tests (beispielsweise bei Reiche-Frenz) vornehmen lassen und sie beispielsweise das Ergebnis bekommen, dass manche KIR-Gene fehlen, die die Einnistung verhindern können (wenn ich es richtig verstehe). AS100 und Prednisolon nehme ich bereits bei den ICSI-Behandlungen.

Wie ist ihre Auffassung dazu - machen weitere Tests Sinn oder war bisher einfach noch nicht die richtige Eizelle dabei und es ist schlichtweg Geduld gefordert?

Für Ihre Antwort bedanke ich mich im Voraus,
esther1980

Hallo esther,
es gibt da verschieden diagnostische Möglichkeiten.
Die Thrmbophiliediagnostik, die immunologische Diagnostik (zB DR. Reichel-Fenz und letztlich die ERA (Endometrial Receptivity Array).
Bei den ERA-Studien hat sich herausgestellt, das bei etwa 20% (!!!) der Frauen das sog. "Implantationsfenster" verschoben ist, d.h. am Tag des "üblichen" Embryotransfers gar nicht fähig ist einen Embryo aufzunehmen.

Endometrial Receptivity Array (ERA)
das „Genetic Fingerprinting” des Endometriums am sog. “Implantationsfenster”
spätestens nach mehrfach durchgeführten Transferen gut entwickelter Embryonen, ohne Eintritt einer Schwangerschaft, wird man sich nach den Gründen fragen, warum es nicht funktioniert.
In den letzten Jahren haben sich, besonders im Laborbereich, erhebliche Verbesserungen ergeben. Weitgehend unbekannt ist aber der Einfluß der Gebärmutterschleimhaut auf das Gelingen einer IVF/ ICSI Therapie. Lange suchte man nach einer Untersuchungsmethode, die einem bestätigte, daß der Zeitpunkt des Embryotransfers richtig ist.
Bisher stand Ihrem Arzt lediglich die Dickenmessung- und die Einschätzung der „Echostruktur“ der Gebärmutterschleimhaut zur Verfügung, um einschätzen zu können, ob ein Embryotransfer erfolgversprechend durchgeführt werden kann. Die histologischen Untersuchungen von Gebärmutterschleimhaut helfen hierbei nicht.
Mit der Ära der Molekulargenetischen Untersuchungen steht uns nun ein Verfahren zur Verfügung, mit dessen Hilfe wir tatsächlich vorhersagen können, ob die Schleimhaut am Tag des sog. „Implantationsfensters“ „rezeptiv“ (empfänglich) ist oder nicht.
Auf der Suche nach einer aussagefähigen, sicheren, reproduzierbaren, - nicht subjektiven Methode stieß man auf die Untersuchung der sog. Expression von Genen im Endometrium.
ERA ist ein Array- Verfahren, mit Hilfe dessen das Endometrium zum Zeitpunkt des sog. Implantationsfensters auf dessen Genexpression untersucht werden kann. Zahlenmäßig umfangreiche Untersuchungen haben gezeigt, dass letztlich 238 Genen eine prediktive Bedeutung zur Klassifizierung des Status der Rezeptivität des Endometriums zukommt. Dadurch läßt sich das Endometrium als pre-rezeptiv,-, rezeptiv- oder post-rezeptiv klassifizieren.
Es hat sich gezeigt, dass die gefundenen, zyklustagesabhängigen Gen-Signaturen bei der Frau über zumindest 20 Monate reproduzierbar sind. Das bedeutet, dass das Ergebnis einer Messung- Hilfestellung gibt beim Timing der Embryotransfere über 20 Monate.
Dank dieser Methode wissen wir, dass 80% der Frauen am Zeitpunkt des Implantationsfensters ein rezeptives Endometrium, die anderen 20%* ein nicht-rezeptives (meist pre-rezeptives) Endometrium haben.
(* aktuelle Information per persönl. Kommunikation von IVInomics -Mai 2013- sogar 26% der Frauen nicht rezeptiv, 74% rezeptiv!)

Allerdings gelten die bisher vorgelegten Untersuchungsergebnisse bislang nur für Natürliche Zyklen und HRT Zyklen (sog. Künstl. Zyklen, bei denen per Östrogenzufuhr die Schleimhaut aufgebaut wird). Untersuchungen der Endometriumrezeptivität im Zusammenhang mit der kontrollierten ovariellen Stimulation (COS) im Zusammenhang mit IVF/ ICSI Zyklen stehen noch aus.
Derzeit wird die Untersuchung weltweit nur in den 2 Laborstandorten der Firma IVINOMICS – der IVI- Kliniksgruppe- in Valencia (Spanien) und Miami (USA) durchgeführt.
Vorgehen:
Im natürlichen Zyklus
Die Biopsie muß am Tag LH+7 erfolgen, dem vermuteten Rezeptivitätsoptimum, erfolgen
(Problem: Per mehrfacher Messungen muß der LH Anstieg im Blut/ Urin ermittelt werden. Daraus ergibt sich zwingend ein fester Termin für die Biopsie. Dies ist sowohl für die berufstätige Frau, als auch für die Praxis (Wochenende/ Feiertage) schwierig umzusetzen.
Im HRT Zyklus
In einem HRT Zyklus, sog. „künstlichem Zyklus“, wird nach einem bestimmten Schema Östrogen zugeführt, wodurch sich die Schleimhaut aufbaut. Nach etwa 12-15 Tagen ist sie dann üblicherweise gut genug aufgebaut, dass man mit der zusätzlichen Gelbkörper-Hormonzufuhr beginnen kann. Der Startzeitpunkt ist dabei sehr flexibel wählbar. Dadurch kann der optimale Zeitpunkt für die Biopsie „wochentags genau“, und für Patientin und Praxis gut planbar festgelegt werden.
Die Biopsie erfolgt am Tag 6 nach Beginn der Progesteronzufuhr

Vorgehen:
Üblicherweise unter Ultraschallkontrolle (bei voller Blase) wird zunächst der Gebärmutterhalskanal sondiert und leicht erweitert. Dies kann als etwas unangenehm empfunden werden. Eine Betäubung ist dafür aber üblicherweise nicht erforderlich. Anschließend wird mit einem Plastikröhrchen („Pipelle“) in die Gebärmutterhöhle eingegangen. Unter Anwendung eines Unterdruckes werden nun 1-2 Biopsien entnommen.

Untersuchungsergebnis und Konsequenz:

Wird das Endometrium am Biopsietag als rezeptiv eingestuft, kann im Folgezyklus hier auch der Transfer stattfinden.
Bei als pre-rezeptiv eingestuftem Endometrium sollte/ könnte eine erneute Untersuchung an einem späteren Zeitpunkt, also z.B. P+7 stattfinden.
Bei post-rezeptivem Status erfolgt die 2.Biopsie nach Empfehlung des Labors IVInomics z.B. an P+5.

Bisherige Resultate:

Die Embryotransfere, welche nach „Zeitkorrektur“ des Implantationsfensters durchgeführt wurden, ergaben sehr gute Implantationsraten und Schwangerschaftsraten. Wie bei jeder neuen Methode sind die Patientenzahlen jedoch noch relativ niedrig, so dass die Interpretation mit Vorsicht erfolgen muß!

1.Zyklus nach ERA Zeitkorrektur: Implantationsrate-23%----------SSR: 36%
2................................................: Implantationsrate-71%----------SSR: 75%
3................................................: Implantationsrate-37%----------SSR: 50%
4................................................: Implantationsrate-40%----------SSR: 50%
5................................................: Implantationsrate-42%----------SSR: 50%

Wie bei jeder neuen Methode, so wird sich auch hier, erst nach einigen Jahren der Anwendung verlässlich sagen lassen, ob die Methode letztlich das halten kann, was sie verspricht.

Dr. Peet

Sehr geehrter Herr Dr. Peet,

vielen Dank für Ihre ausführliche Antwort. Die ERA-Studien hören sich sehr interessant und vielversprechend an. Da sie jedoch bisher nur in Valencia und Miami durchgeführt werden, helfen sie mir ja leider derzeit nicht weiter.

Deswegen vielleicht nochmal meine Frage: Gibt es Untersuchungen, die Sie konkret Ihren Patientinnen empfehlen, wenn diese trotz guter Voraussetzungen mehrfach keine Einnistung hatten? Oder raten Sie in solchen Fällen zu Geduld und der Durchführung weiterer Versuche ohne weitere Therapie?

Herzlichen Dank,
Esther

Hallo Esther,

Manche deutsche Kliniken bieten den ERA-Test auch an, ich bin zB in HH und habe es dort machen lassen. Die senden dann das Material einfach nach Spanien! Die Antwort kam nach ca 2-3 Wochen...
Lg Luci

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