Sohn 11 sitz nur in seinem Zimmer

Hallo ich hoffe das sie mir vielleicht ein wenig helfen können.

Mein Sohn ist 11 Jahre wird 12 seit einiger Zeit sitzt er nur noch in seinem Zimmer. Hat keine Lust noch irgendwas mit mir zu unternehmen geschweige denn mal raus zu gehen. Ab und an trifft er sich mit Klassenkameraden aber das ist eher die Seltenheit. Das wichtige für ihn ist zur Zeit YouTube, zocken und lap top.

Ich weiß einfach nicht was ich noch machen soll? Mit ihm reden da hab ich das Gefühl ich rede mit der Wand.

Die Schule schleift auch bei verboten wie lap top weg fängt er sich und macht auch wieder was aber ich kann ihn doch jetzt nicht nur noch bestrafen?

Haben sie ein paar Tipps für?

Vielen Dank

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Ob YouTube, Games, Handy, WhatsApp, der Computer oder der gute alte Fernseher, Medien sind eine echte Herausforderung für viele Eltern. Ich kenne das auch – bei uns sind es zurzeit die Handy-Spiele, über die es immer wieder zu Streit mit unserem Sohn kommt.

Computerspiele können einen unglaublichen Sog auf Kinder und Jugendliche auswirken – gerade auf Jungs: Sie vermitteln Aufgaben, die machbar sind, kleine Herausforderungen, die belohnt werden (Erfolgserlebnis). Außerdem entdecke ich immer wieder Neues. Das Ganze ist spielerisch verpackt (Spieltrieb). In vielen Games kann ich zudem online Gleichgesinnte treffen, mit denen ich gemeinsam Abenteuer erlebe (Gemeinschaft & Freundschaft). Das sind alles Bedürfnisse, die Kinder in unserer heutigen Zeit oft nicht so schnell gestillt bekommen.

Da kommt Schule natürlich nur schwer gegen an – wir müssen für eine Fremdsprache beispielsweise Jahre lang Vokabeln pauken, bevor wir sie flüssig beherrschen. Es dauert also im Vergleich zum Computerspiel sehr viel länger, bis wir ein Erfolgserlebnis haben. Auch spielerisch hat Schule aus Sicht vieler Kinder eher wenig zu bieten. Selbst um die Gemeinschaft ist es in einigen Klassen schlecht bestellt. Und Gemeinschaft oder Freundschaft war ja auch ein Thema, das Sie angeschnitten hatte.

Mit elf, zwölf Jahren ist Ihr Sohn in der 5. oder 6. Klasse, oder? Also ist er erst seit kurzem auf der weiterführenden Schule? Dieser Übergang von der Grundschule auf die weiterführende Schule ist eine Herausforderung für Kinder. Wie war das für Ihren Sohn? Sind Klassenkameraden, Freunde aus der Grundschule mitgewechselt? Und wie kommt ihr Sohn mit den gestiegenen oder veränderten Anforderungen der weiterführenden Schule zurecht?

Freunde sind wichtig. Kinder, auch elfjährige und selbst zwölfjährige, brauchen manchmal unsere Unterstützung, wenn es darum geht Freundschaften zu pflegen oder aufzubauen. Wir ermuntern unseren Sohn auch ab und zu, sagen zum Beispiel: „Ruf doch mal deine Freunde an.“ Meist läuft das bei ihm von selbst. Aber in manchen Situationen, wie wenn ein Kind in einer neuen Klasse keinen kennt, fällt das schwer.

Eine tolle Möglichkeit Freunde zu finden oder einfach mit anderen Kindern zusammen zu sein, sind Vereine. Sportvereine oder Jugendgruppen wie zum Beispiel Pfadfinder. Pfadfinder liebe ich besonders, weil es bei ihnen nicht darum geht, irgendetwas zu erreichen. Kinder dürfen dort einfach so sein, wie sie sind. Es ist der komplette Gegenentwurf zum Schulsystem mit seinen Noten, durch die Kinder das Gefühl bekommen können, dass sie permanent gemessen werden.

Bei Vereinen kommt es allerdings auch darauf an, was für eine Schule ihr Sohn besucht. Kommt er z.B. erst nach 16 Uhr nach hause, braucht er eventuell einfach Ruhe oder ist zu k.o., um noch ein Hobby zu machen.

Ich finde beides wichtig: Auf der einen Seite zu schauen, dass ein Kind Freunde findet und einen Ausgleich zur Schule hat, und auf der anderen Seite, dass das Kind gut mit der Schule kann.

Ich lese aus Ihrer Nachricht, dass Sie Ihren Sohn durchaus erreichen! Sie schreiben, dass er sich bei Verboten wie „Laptop weg“ fängt und auch wieder etwas macht! In diesen Moment spürt Ihr Sohn, dass Sie da sind. Dass das, was Sie sagen, Gewicht hat. Diese Erfahrung brauchen wir als Kinder, davon bin ich überzeugt. Es ist ein Bestandteil, der uns Halt gibt im Leben. Manche Erziehungs-Experten nennen das „elterliche Präsenz“.

Wichtig ist mir, dass die Präsenz aus einer liebevollen Haltung kommt. Also in der Art: „Ich möchte, dass du jetzt deine Hausaufgaben machst, weil du mir so wichtig bist.“ Das ist nicht das, was ich meinem Sohn sage, aber in etwas das, was ich fühle.

Kinder brauchen klare Grenzen oder klare Leitplanken, in denen sie sich bewegen dürfen. Grenzen sind dabei für Kinder immer auch eine Herausforderung. Kinder lieben es, Grenzen zu testen und zu überschreiten. (Ich habe zu Grenzen hier mal etwas ausführlicher geschrieben: http://christopher-end.de/nein-sagen)

Unsere Aufgabe als Eltern ist es meines Erachtens, diese Grenzen zu schützen. Es ist auch unsere Aufgaben immer wieder zu schauen, ob die Grenzen noch Sinn machen oder neu gezogen werden müssen.

Medien, Games & Computer: Wir haben lange versucht, die Handy-Spielzeit unseres Sohnes auszuhandeln. Er arbeitet selbständig seine Hausaufgaben, hilft im Haushalt, alles super – aber die Handy-Spielzeit wird dauernd überzogen. Es funktioniert schlicht und einfach nicht. Jetzt ziehen wir die Reißleine und installieren eine App auf seinem Handy, mit dem wir die Zeit festlegen können, in der er online ist. Wir müssen als Eltern nein sagen.

Ich hoffe, Sie finden hier ein paar Anregungen. Ich wünsche Ihnen und Ihrem Sohn alles Gute und eine Lösung, mit der Sie und Ihr Sohn gut sein können.

Liebe Grüße
Christopher End

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Hallo und danke für ihre ausführliche Antwort das hat mir sehr geholfen.

Ja mein Sohn ist in der 5 Klasse auf dem Gymnasium das macht die Sache auch nicht einfacher er ist in den Noten ziemlich abgesackt. In der Grundschule hatte er alles 1 und 2 und musste dafür auch nie lernen.

Jetzt hängt er zwischen 3-4.

Es war bis vor ein paar Wochen auch ziemlich anstrengend weil er mit der Umstellung sehr viel Probleme hatte.

Leider war er der einzige aus seiner Klasse der auf das Gymnasium gegangen ist und somit sind keine alten Schulfreunde mehr da.

Danke das mit den Vereinen ist ein super Tipp darüber hatte ich auch schon nachgedacht allerdings etwas bedenken das die Schule dann noch mehr leidet. Weil YouTube und co wie schon geschrieben das wichtigste für ihn ist.

Ich bedanke mich nochmals bei Ihnen

Liebe Grüße

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Hallo,

noch ein kleiner Nachtrag zu Ihrem Anliegen.

Wir lernen dann gut, wenn zwei Dinge gegeben sind: Wir müssen uns wohlfühlen und wir müssen unserem eigenen Impuls folgen dürfen. Das Gute: Alle Kinder werden mit dem Wunsch nach Lernen und Wachstum geboren. Das Problem: das mit dem Wohlfühlen ist oft so eine Sache. Wie Sie schrieben, fiel ihm die Umstellung auf die neue Schule nicht so einfach.

Es ist aber m.E. wie gesagt die Grundlage fürs Lernen, dass wir uns wohl fühlen. Konkret brauch ich also Freunde um mich herum, eine Lehrerin oder einen Lehrer, den ich mag, und das Gefühl, dass ich das alles schaffen kann.

Ist das nicht gegeben oder stehen wir unter Stress, wird es schwierig. Unter Stress kann ich nicht gut lernen. Das Gehirn ist dann in Hab-Acht-Stellung und nicht bereit Informationen aufzunehmen – und auch nicht bereit Informationen abzurufen. Wie lernen Kinder zB. sprechen? Sie fühlen sich geborgen und geliebt (sie sind bei Mama und Papa) und spielen mit der Sprache (sie brabbeln). Egal was sie sagen (also ob sie sagen "gagaga" oder "bababa"), sie bekommen das Gefühl, dass sie so wie sie sind gut sind. Und schwups lernen sie spielerisch eine komplette Sprache! Jetzt vergleichen Sie das mal mit unserem Schulsystem ;-)

Ich wünschen Ihnen, dass Sie einen Weg finden Ihren Sohn einen liebevollen und klaren Rahmen zu geben, in dem er die Freude am Lernen (und an allem anderen) finden kann.

LIebe Grüße

Christopher End

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