Wie als Erwachsene damit umgehen?

Hallo Ihr Lieben,
mir brennt da was unter den Nägeln und ich habe mich daher entschieden, mal hier reinzuschreiben,ein "besseres" Forum ist mir nicht eingefallen.
Ich, w, Anfang 30 habe mich in diesem Sommer aus einer sehr schlimmen Beziehung gelöst. Mit meinen Ex habe ich ein gemeinsames Kindergartenkind und wir handhaben das Wechselmodell. So weit, so gut.
Innerhalb dieser "Beziehung" kamen leider schlimme Erlebnisse von früher wieder hoch, unter anderem sehr fieses Mobbing, welches ich erfahren musste, da mich viele Menschen schlichtweg hässlich fanden /finden.
Desweiteren Sachen, die in meiner Familie passiert sind, als Kind /Teenie.
Ich hatte immer das Gefühl, dass ich nicht willkommen gewesen bin, zumal mir meine Eltern es gerne und oft aufs Brot geschmiert haben, was ich für ein Terror - Schreibaby war.
Ich war zudem das einzige Mädchen unter mehreren Brüdern und hatte aufgrund angeborener körperlichen Probleme massive körperliche /geistige/motorische Entwicklungschwierigkeiten- das habe ich auch selber meinen eigenen U-Heft von damals entnommen.
Meine Geschwister waren sehr klug und sportlich und meine Eltern waren sehr stolz darauf, ich dagegen war immer nur der "faule Nichtsnutz".
Ich musste zudem schon als junges Mädchen(unter 10 Jahre auf jeden Fall) alleine meine Tabletten nehmen obwohl ich selber nicht genau wusste, wofür sie sind. Meine Mutter meinte einfach "Du bist alt genug, nimm sie selber in der Früh".
Meine Mutter liebte es außerdem, mich anzupatzen und ihre passive Aggressivität an mir auszulassen(meine Geschwister und mein Vater haben davon auch was abbekommen, aber ich war ihr Hauptopfer) . Sie hatte mich mal ausgelacht, als ich alleine zu Hause war, sie dann kam und mich beim Weinen sah, da ich damals tierische Angst vor Einbrechern hatte.
Wenn wir unterwegs waren, beispielsweise auf Radtour, wurde es ignoriert dass ich körperlich nicht mithalten konnte und es wurde ignoriert, dass mein Fahrrad mir schlichtweg zu klein war.
Als ich in die Pubertät kam, hatte ich eine äußerst unregelmäßige, sehr starke Periode.
Ich lief auf einer Familienwanderung mal aus und wurde von meinen Eltern angemault, "ich sei wohl zu blöd, 28 Tage abzuzählen, sonst hätte ich ja eine Binde dabei". Ich war mollig als Kind und wurde auch da aufgezogen und mein Vater sagte mal, ich sollte aufpassen, nicht so fett zu werden. Und außerdem mal in einem Streit, ich sei dumm geboren worden, hab nichts dazugelernt und hätte die Hälfte vergessen.
Zudem hatte ich während meiner ganzen Schulzeit starke Probleme im Fach Mathematik. Meine Mutter ist studierte Mathematikerin, hat es aber nie für nötig befunden, mir zu helfen, da ich ihr "zu zickig" war. Ich kann noch ganz viele andere Beispiele nennen, das würde aber hier den Rahmen sprengen. Ich bin als Teenie dann ein schwarzes Schaf geworden mit Schandtaten Geld klauen, lügen, Rauchen etc. Hat alles natürlich schlimmer gemacht. Erst nach dem ich wirklich arg krank wurde (Essstörung, Aufenthalt in der Klinik ) hat man mich in Ruhe gelassen und ich hab meine Ausbildung gemacht und bin mit 21 ausgezogen. Ich habe das allerdings nie alles verarbeitet bisher. Meine Brüder sind alle Akademiker mit Doktortitel und kommen sich wirklich sehr toll vor,blicken auf mich herab. Meine Eltern sind mittlerweile freundlich neutral mir gegenüber und unterstützen mich auch (beim Kind, und finanziell) und glauben, ich habe alles vergessen. Ich kann es leider nicht mehr vergessen, es wühlt mich momentan sehr auf. Es kommt immer wieder hoch. Wie würdet ihr in solchen Situationen vorgehen?
Ich dachte schon an Therapie. Bin mir aber nicht sicher. Ich danke Euch für Eure Antworten und genommene Zeit❤️! LG aus Süddeutschland

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Ganz furchtbar was du erleben musstest.
Jahrelange Grausamkeit und heute tun sie als ob nichts gewesen wäre?
Ich muss dir ehrlich sagen diese Menschen hätte ich längst aus meinem Leben gestrichen. Komplett.
Ich würde ihnen niemals mein Kind anvertrauen und mit Geld kann man keine Wunden heilen.
Ich würde dir dringend zu einer Therapie raten.

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Ich schließe mich Abnehmerin an.
Wären das meine Eltern, hätte ich mit denen keinen Kontakt. Würden sie irgendetwas bereuen, könnte man drüber sprechen. Aber sich mal eben einfach freundlich-neutral zu benehmen, entschuldigt gar nichts!!
Ich rate dir auch dringend zu einer Therapie, damit du deine Kindheit aufarbeiten kannst.
Und was deine Brüder betrifft: leb du dein Leben und werde glücklich und vergiss sie. Die haben überhaupt mal gar kein Recht auf dich herabzusehen. Du kannst stolz auf dich sein, was du bisher alleine geschafft hast #liebdrueck

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Ich schließe mich den anderen an. Nimm die Hilfe einer Therapie in Anspruch und streiche deine Eltern und ggf. deine Brüder aus deinem Leben. Nur weil man Familie ist, muss man nicht Kontakt halten. Wer einem nicht gut tut, hat im eigenen Leben nichts zu suchen.

Meine Mutter ist so wie deine Eltern. Ich habe sie aus meinem Leben gestrichen. Mehrere Male versuchte ich sie wieder rein zu lassen, das brachte nichts, denn früher oder später zeigte sie wieder ihr wahres Gesicht. Ich solle aich nicht immer die alten Geschichten erzählen oder sie meinte, dass ich lüge. Sie hat auch versucht mich finanziell zu bestechen und zu erpressen. Eine Therapie hatte ich indirekt durch meinen Partner und es tat mir so unglaublich gut mich erstens auszusprechen, zweitens eine neutrale Meinung über das Geschehene zu haben und drittens auch manches erst mal klar wahr zu nehmen, was mir nicht bewusst war.
Es ist ein schwerer Schritt soetwas durchzuziehen, aber es lohnt sich für dich, versprochen!

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Hi, deinen Beitrag finde ich sehr interessant. Danke! Es tut mir sehr leid, dass es zwischen dir und deinen Eltern auseinander gegangen ist.
Ich hoffe dir geht es gut damit und es bleibt auch so. Wie schön, dass dich dein Partner da so gut "aufgefangen" hat- da muss man erstmal so viel Vertrauen aufbringen - klasse!
Alles Liebe für Euch 😀 🥰

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Als ich deinen Text gelesen habe, hatte ich ein Bild von arbeitslosen Klischee-Assieltern im Kopf. Dass das nicht so ist, macht das irgendwie noch trauriger. Ich finde das echt schlimm und kann mir nicht vorstellen, wie man so zu seinem eigenen Kind sein kann. Was ist da falsch in deren Köpfen? Mach eine Therapie, es wird dir bestimmt helfen.

Und deiner Mutter würde ich mal ganz unvermittelt sagen "Mama, du warst echt eine richtig beschissene Mutter, das wollte ich dir immer schon einmal sagen" und dann einfach stehen lassen oder was anderes machen. Ohne Diskussion. Tut bestimmt gut und wird sitzen. Mir würde es auf jeden Fall gut tun.

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Hi! Danke auch für dein Feedback. Ich glaube auch, ich sollte mich um einen Therapieplatz bemühen.
Ob ich es übers Herz bringe, das mal meiner Mutter ins Gesicht zu sagen? Ich weiß es nicht...
Alles Gute für Dich 😌 💕

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Es tut mir wirklich wahnsinnig leid, was du durch machen musstest.

Du solltest definitiv in Therapie! Da kann man dann weiter schauen, wie du weiter machen kannst und solltest. Also ob Kontakt zu deiner Herkunftsfamilie oder nicht und wie du damit umgehen kannst und zurecht kommst.

Ansonsten kann ich dir nicht viel raten, da du wirklich einige immense Baustellen hast und ich da auch jetzt nicht was „falsches“ raten will.

Ich wünsche dir alles Gute und möchte dir nur sagen, dass ich tiefen Respekt vor dir habe. Du bist trotz dieser schrecklichen Erlebnisse ein wirklich vernünftiger, reflektierter Mensch mit viel Verantwortungsbewusstsein geworden und darauf solltest und darfst du wirklich wahnsinnig stolz sein!

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Hallo, ich danke Dir für die liebe Antwort! Ich lese hier oft was von Dir und finde, Du fällst ziemlich positiv auf. Alles Gute Dir 😍

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Hol dir auf jeden Fall Hilfe. Du brauchst jemand, der dir zeigt, dass du nix falsch gemacht hast, ein Opfer deiner Eltern und Geschwister warst und heute, als erwachsene Frau, allerdings KEIN Opfer mehr bist, sondern es selbst in der Hand hast, wie der Kontakt ablaufen soll bzw. ob er überhaupt ablaufen soll.

Ich habe meine Kindheit in einem Coaching aufgearbeitet (ähnlich wie bei dir, allerdings noch inkl. körperlicher Gewalt). Das musste ich zwar selbst bezahlen, ich hatte aber keine Wartezeit, wir haben die Termine wöchentlich miteinander abgemacht, 24/7 Support. Für mich war es klasse.

Kämpf dich nicht alleine durch. Da fehlt der Außenblick.

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Hallöchen 😃, danke für deine Antwort👍. Ich sehe mich auch nicht als Opfer, es fällt mir jedoch sehr schwer, dieses Kapital in meinem Leben vollends zu schließen. Ich bin eine Erwachsene und stehe voll im Leben mit Kind, Job, lieben Freunden, Hobbys etc.
Es freut mich sehr für Dich, dass über deine Probleme hinweg kommen konntest. So ein Coaching wäre prinzipiell auch was für mich, aber ich denke, bei mir wird es wohl auf Traumatherapie hinauslaufen.
Alles Gute für Dich 🍀🤗!

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Für dich auch.
Es ist ein völlig neues Leben, sobald man in der Aufarbeitung ist. Fertig wird man wohl nie, es ist ein lebenslanger Prozess. Ich bin froh, den Weg gegangen zu sein.

Drück dir ganz feste die Daumen, dass du schnell einen Platz bekommst.

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LG zurück aus Süddeutschland.
Ich würde Dir ebenfalls zu einer Therapie raten, aber noch mehr zu einer Therapie mit vorhergehender Diagnostik.
Du bist menschlich schon recht speziell.
Wenn Du 20 Jahre älter wärst, konntest Du meine Cousine sein, die da schreibt.
Die ist ebenfalls kein einfacher Mensch. Ich müsste mittlerweile lügen, wenn ich sagen würde, ich freue mich, sie zu sehen.
Der Textabschnitt ist mir am meisten aufgestoßen:
>Ich bin als Teenie dann ein schwarzes Schaf geworden mit Schandtaten Geld klauen, lügen, Rauchen etc. Hat alles natürlich schlimmer gemacht.<
Die von Dir empfundenen Untaten Deiner Familie Dir gegenüber erzählst Du in epischer Breite, aber was Du so gebracht hast, wird mit zwei Zeilen abgetan. Und laß mich raten - daran ist auch nur Deine Familie schuld.

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Finde ich nicht. Zu solchen Sachen gehören nun Mal immer zwei Seiten.
Ich hab auch so einen Fall in der Familie.
Professorenfamilie mit 3 Söhnen. 2 Söhne stehen fest im Leben und haben es ebenfalls weit gebracht im Leben. Ein Sohn war immer anders, hat einiges auf dem Kerbholz, geht zwar arbeiten, kommt aber nirgends länger als 6 Monate klar und ist Querdenker (schon immer eigentlich, wenn es den Begriff schon vor Corona gegeben hätte). Sozusagen auch das schwarze Schaf. Seine Familie tut wirklich ihr bestes, um mit ihm irgendwie klar zu kommen. Aber er ist auch der Meinung immer seien die anderen Schuld. Er wurde laut ihm von seine Familie immer benachteiligt.
Das MUSS natürlich hier in dem Fall nicht sein, aber ich würde nicht urteilen ohne die andere Seite zu hören.
Ist aber seltsam, wenn der Mutter dann vorgeworfen werden soll, sie wäre keine gute Mutter gewesen, obwohl sie ja offensichtlich 3(?) gut geratene Kinder zustande gebracht hat. In meinem privaten Umfeld würde ich unter Garantie nicht der Mutter die Schuld geben.

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Hallo! Danke Dir!

Meine Eltern sind tatsächlich beide sehr intelligent - aber in zwischenmenschlichen Dingen einfach nur Verlierer, das muss ich knallhart sagen. Emphatie gab es zwar für meine Brüder /fremde Kinder genug, aber nicht für mich, da zu missraten/selber schuld /zu blöd /zu hässlich /zu fett.


Dir auch alles Gute 🍀 🙏

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Erst Mal fühl dich gedrückt!!!
Ich hatte auch eine schreckliche Kindheit.. schlagen, erniedrigen, beschimpfen, sich nicht kümmern, auslachen... Meine Eltern haben es alles getan.
Mir hilft die Therapie sehr und ich kann es dir wirklich empfehlen! Ich lerne momentan mit den negativen Erinnerungen, die manchmal einfach so hochkommen besser umzugehen. Dann bin ich nicht so gereizt und so schnell auf 180. Der Therapeut muss natürlich passen.. trau dich ruhig zu wechseln wenn die Chemie nicht stimmt.
Alles gute!