Meine Eltern wollen Enkel sehen, ist aber sehr schwierig!

Hallo, ich muss mir dringend was von der Seele schreiben und hoffe das ich dabei vielleicht auch ein paar gute Ratschläge bekomme.

Also mal zu mir: Ich habe einen Sohn (9 Monate ) und einen Freund, der auch der Papa ist und wir leben auch sehr glücklich zusammen.

Ich habe eine kulturelle Familie und bei denen gilt auch oft das Sprichwort:

„Es gehört sich so „ ,wenn ihr wisst was ich meine. Ich habe als Kind viel mitmachen müssen wie zb Schläge, Streitereien, man hat mir nie wirklich zugehört und in vielen Dingen nur kritisiert statt zb getröstet und mir geholfen. In den Augen meiner Mutter hatte ich nie ein Recht auf eine eigene Meinung sondern musste ihrer Meinung immer zustimmen sonst gab es keine Ruhe, ich war halt immer nur ein „Kind“.
Dann trennten sich meine Eltern und ich musste mit mich mit 11 Jahren um meinen 2 jährigen Bruder und den Haushalt kümmern da meine Mutter von morgens bis spätabends arbeiten war. Als ich ausgezogen war mit 19 Jahren war alles viel ruhiger und entspannter. Kontakt zu beiden Elternteilen hatte ich aufrecht erhalten und ging sie beide immer wieder besuchen.

Dann lernte ich meinen Freund kennen wir bekamen unseren Sohn und zogen in eine größere gemeinsame Wohnung. Die Wohnung ist aber in einer Kleinstadt deutlich weiter weg als vorher von meinen Eltern entfernt.

Meine Mutter konnte er von Anfang an nicht wirklich leiden und kam dann sehr bald auch nicht mehr mit zu Besuch. Mit meinem Papa hat er sich anfangs gut verstanden aber mit der Zeit kamen dann Anforderungen und Druck bezüglich kultureller Sachen mit denen mein Freund überhaupt nicht klarkam und irgendwann da auch nicht mehr mitkam.

Meine Eltern sind beide sehr enttäuscht von ihm das er kein „Schwiegersohn“ ist und sich in die Familie mit einbringt, so wie sich das eben gehört. Und da musste ich mir immer wieder was anhören.
Die denken auch er würde mich manipulieren und das ich meine Kultur vergessen hätte und dabei habe ich seit ich mich erinnern kann nie gerne so gelebt. Also traditionell, jeden Tag irgendein Besuch, viel Kontakt zu Familienmitgliedern, große Feiern,...

Als Teenie bin ich schon immer lieber alleine zuhause geblieben anstatt wieder mal zu einer Hochzeit oder dergleichen zu gehen und bei Besuchern und vollem Haus habe ich mich immer in meinem Zimmer zurückgezogen oder bin einfach raus irgendwo hin.
Also ich bin halt eher ein ruhiger zurückgezogener Mensch der einen Partner gefunden hat der genau so gerne lebt und ich endlich so lebe wie ich es mir vorgestellt habe. Aber ne das glauben mir meine Eltern nicht.

Mittlerweile habe ich das im Griff weil ich immer wieder gesagt habe das ich glücklich bin und ich meinen Freund ganz bestimmt nicht zwingen möchte Kontakt zu meiner Familie zu haben.

Denken tun sie bestimmt noch genau so schlecht von ihm aber sprechen es mittlerweile nur noch ganz selten an.

Und jetzt mein eigentliches Problem:

Meine Eltern wollen ihren Enkel sehen aber ich möchte nicht dass sie zu uns kommen, da es kulturell gesehen einfach nur zu stressig für mich ist. Man soll immer Essen auftischen und Kaffee und Snacks und naja eine Gastfreundschaft für die man extra einkaufen und planen muss. Gehört sich ja so gerade wenn die Eltern ja so weit fahren 🙄 außerdem habe ich die Angst das die dann irgendwie jedes Wochenende kommen.

Auch wegen meines Freundes für den das richtig unangenehm wäre und andererseits wegen meiner Hündin die bei Besuch völlig durch dreht vor Freude und meine Eltern Angst vor ihr haben und mit ihr nicht umgehen gehen können, kann ich meine Familie nicht zu mir einladen.

So muss ich also immer wieder fast 2 Stunden samt Kind und Gepäck mit dem Zug zu meinen Eltern fahren also eine Nacht bei Papa und eine bei Mama. Die wollen natürlich mehr aber ich habe Hund und Haushalt und mein Freund arbeitet. Also eben nur eine Nacht bei jeden 1x im Monat und das akzeptieren sie zwar aber beide sind gar nicht glücklich darüber.

Und nur besuchen lohnt sich irgendwie für die Anfahrtszeit und den Aufwand nicht außerdem habe ich schon von jeweils 2 Nächten auf jeweils 1 Nacht bei jeden minimiert. Das dann plötzlich nur auf ein paar Stunden zu ändern wird für ordentliche Diskussion sorgen.

Dass meine Eltern mich abholen, kommt nicht in Frage da sie dann von mir erwarten würden das ich sie zumindest zu einem Kaffee raufbitte, geht aber aus den genannten verschieden Gründen eben nicht und ich möchte es auch ehrlich gesagt wirklich nicht, wäre einfach für uns alle eine total angespannte Atmosphäre. Es erzeugt irgendwie einen sehr großen Stress bei mir, bei den Gedanken meine Eltern bei mir zuhause zu haben oder auch nur zu mir fahren zu lassen.

Dass mein Freund mich hinfährt möchte ich auch nicht weil ich ihn da irgendwie nicht mit reinziehen möchte und er es zwar tun würde wenn ich ihn darum bitten würde, aber ich genau weiß dass er es nicht gerne tut, gerade auch weil er in diesen Tagen wo wir bei meinen Eltern übernachten immer sehr traurig ist und uns vermisst.

Und was mich angeht ich würde am liebsten den Kontakt zu meinen Eltern abbrechen.

DER GRUND :

Meine Eltern meckern ständig das der kleine keinen Bezug zu denen hat, da wir ja so selten da sind. Und reden immer groß wie sehr sie uns vermissen.

ABER : Wenn wir dann da sind verbringen sie in meinen Augen nicht gerade viel Zeit mit ihm. Ich spiele meistens mit ihm, bade und wickle ihn, füttere ihn und lege ihn ins Bett und sie nehmen ihn für ein paar Minuten schneiden Grimassen versuchen ihm Handy und Fernsehen interessant zu machen ( was zum Glück nicht funktioniert, naja noch nicht ) er tobt, spielt und krabbelt lieber 💙

Und das ist denen anscheinend zu anstrengend.
Ich schlafe selber wirklich nicht gerne bei meinen Eltern, vermisse meinen Freund und mein Zuhause.

Danke, Danke, Danke 🙏 dass ihr es bis zum Schluss gelesen habt.

Was meint ihr so zu meiner Geschichte und habt ihr eine Idee wie ich es jedem Recht machen kann, auch mir selbst ?

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Ich kann aufgrund deines Textes keinen vernünftigen, nachvollziehbaren Grund erkennen, warum du diesen Kontakt aufrecht erhältst.
Um zu entscheiden, wie du dich in Zukunft Verhalten möchtest solltest du dir im Vorfeld über folgende Punkte klar werden:

Warum besuchst du deine Eltern? Sie haben dir keine schöne Kindheit gegeben, dich geschlagen, schätzen deine Meinung nicht und scheinen auch dein Leben nicht zu akzeptieren. Es zählen ihre Vorstellungen und nicht der Mensch als Individuum ( die Kultur ist mir hierbei völlig egal). Also was versprichst du dir von diesen Besuchen?

Was glaubst du, ist der positive Effekt auf dein Kind? Sie spielen gar nicht/ kaum mit ihm und nutzen ihn für Fotos zu (wahrscheinlich) Präsentationszwecken. Haben sich ihre Ansichten zum Thema Kindererziehung geändert, dass du den Kleinen bei ihnen lassen würdest? Sind sie ein unverzichtbarer Teil seines Lebens oder willst du das sie es werden?

Gibt es dir (und deinem Kind) ein positives Gefühl in ihrer Nähe zu sein? Du schreibst, dass du dort nicht glücklich bist. Sind also die kulturellen Fesseln dein Grund oder das jahrelange indoktrinieren von "das macht man aber so?" Sie wollen ihn sehen, ist schön und gut, aber mit welchem Recht? Familie ist nicht immer eine Bereicherung und schon gar keine Legitimation für körperliche oder seelische Misshandlung.

Du möchtest ihre Kultur nicht leben und hast dir offenbar einen Partner gewählt, der zumindest anders denkt und ein anderes Leben vorzieht, eines das auch du präferierst, sie aber nicht akzeptieren.
Ich glaube dieser Prozess der Abnabelung und des Verstehens was du willst und geben kannst, ist bei dir gerade erst in Bewegung gekommen. Zum einen hälst du dich an deine gewohnte Umgebung und versuchst sie trotz schlechtem Gefühl und negativen Emotionen in dein aktuelles Leben zu integrieren. Gleichzeitig scheint alles in dir vor Widerspruch zu schreien.

Finde heraus was du willst, was du brauchst um glücklich zu sein. Nicht was deine Familie erwartet, nicht dein Freund. Schau was du deinem Kind mitgeben möchtest, was es braucht um die Frau und Mutter zu sein, die du sein willst.
Zwang darf niemals der Grund für eine aufrecht erhaltene Beziehung sein.
Ich schlage dir sehr bewusst kein "klärendes Gespräch" mit deinen Eltern vor, denn ich befürchte es käme nur zu Vorwürfen und ich glaube in deiner momentanen Situation würde dich das noch mehr verunsichern und dich zur einen oder anderen Seite in eine Abhängigkeit treiben. Deshalb setze dich zuerst mit deinen Erwartungen und deiner Gefühlswelt auseinander und entscheide dann.
Vielleicht kannst du auch eine (interkulturelle) Beratung in Anspruch nehmen. Vorweg musst du stärker und distanzierter werden um dein soziales/ familiäres Umfeld wirklich objektiv betrachten und im angemessen entscheiden zu können, momentan wirkst du unglaublich verunsichert und ängstlich. Dazu besteht aber kein Grund. Das wirst du irgendwann merken. ☺

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Hätte es nicht besser beantworten können 👍 mehr gibt's dazu nicht zu sagen.

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Sollte in einigen Wochen wieder gehen: draussen treffen. Spaziergang, Café, Park, Too. Ein gemeinsamer Nachmittag und dann geht jeder wieder selber miner Wege.

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"Und was mich angeht ich würde am liebsten den Kontakt zu meinen Eltern abbrechen."

Das reicht als Grund völlig aus:

"Ich habe als Kind viel mitmachen müssen wie zb Schläge, Streitereien, man hat mir nie wirklich zugehört und in vielen Dingen nur kritisiert statt zb getröstet und mir geholfen. In den Augen meiner Mutter hatte ich nie ein Recht auf eine eigene Meinung sondern musste ihrer Meinung immer zustimmen sonst gab es keine Ruhe, ich war halt immer nur ein „Kind“. "


Sie behandeln dich heute noch wie ein unmündiges Kind, das zu gehorchen hat.
Schläge brauchen sie nicht mehr. Psychische Schläge, Worte reichen inzwischen aus um zu versuchen dich gefügig zu machen.

Würden sie dich heute schlagen, könntest du sie anzeigen.
Als Kind hattest du noch nicht die rechtlichen Chancen alleine (ohne Erwachsenen) zur Polizei zu gehen.

Das Verhalten ist fast das gleiche. Ohne körperliche Gewalt (da könntest du jetzt handeln), weiterin Ignoranz, dich als unmündig behandeln.




"Was meint ihr so zu meiner Geschichte und habt ihr eine Idee wie ich es jedem Recht machen kann, auch mir selbst ? "

Hör auf dein Bauchgefühl

Such dir Therapeutische Unterstützung

1. für DICH, damit du aus der Unmündigkeit herauswachsen kannst

2. damit du nicht (unbewusst oder "im Gegenteil") Verhaltenshweisen an dein Kind weitergibst.
Auch nicht in Form von : er guckt sich ab wie deine Eltern mit dir umspringen und wird es als "normal" empfinden. Erwachsene Frauen gibt es nicht. :-( Es gibt erwachsene Frauen! Nur wollen das deine Eltern nicht. Denn dann wärst du nicht mehr manipulierbar und nicht mehr gehorsam, wie sie es gerne hätten.

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Du scheinst immer noch unter den Fittichen deiner Eltern zu stehen. Mach dich davon frei und fahre eben nicht mehr hin. Ich hatte auch keine schöne Kindheit und die Meinung meiner Eltern ist mir vollkommen egal.

5

Hallo.

Zuerst mal würde ich mich fragen, um WAS es dir eigentlich geht.

Um die Schläge? Warum hast du dann den Kontakt nicht schon abgebrochen, als du ausgezogen bist?

Um den Druck, der auf deiner Partnerschaft lastet, wegen den kulturellen Forderungen deiner Eltern? DAS haben sie doch wohl schon kapiert, dass das "so" nicht funktioniert.

Um nicht mehr die Bürde des Besuchens auf dich nehmen zu müssen?#zitter

Hast du keinen Führerschein? Warum mit Sack und Pack mit dem Zug?
Wenn du 2 Stunden mit der Bahn brauchst, dann würdest du mit dem eigenen Auto wahrscheinlich nur 1 Stunde brauchen, oder?
Hast du oder willst du keinen Führerschein?
So könntest du auch mal nur für ein paar Stunden hinfahren und müsstest nicht immer dort übernachten. Wäre mir so und so viel lieber.;-)

Hast du allerdings "so viel Schlechtes" mit deinen Eltern erlebt, dann brich den Kontakt ab, wenn du meinst. Was sagst du ihnen dann?
Dass du nicht mehr kommst, weil dir die Besucherei auf den Nerv geht? :-(

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Hör auf damit es jedem recht machen zu wollen. Du, dein Mann und dein Kind müsst euch wohl fühlen. Steh dazu.
Alleine wenn ich schon lese, dass du als Kind geschlagen und unterdrückt wurdest, stellt es mir die Haare auf, wenn du noch immer nach Möglichkeiten suchst um es allen recht zu machen.
Tut mir leid, aber wer sein Kind schlägt, muss damit rechnen, dass dieses Kind ihm den Rücken kehren wird.
Wozu möchtest du den Kontakt zu deinen Eltern aufrecht erhalten?Sie sagen dir ja heute noch was für sie richtig und falsch ist.
Sie akzeptieren deinen Mann nicht und dich auch nicht.
Braucht dein Kind solche Großeltern? Sie kümmern sich doch eh nicht darum.

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Eigentlich weißt du die Antwort schon: du möchtest nicht mehr dorthin fahren. Dann lass es.
Lass dich auch auf keine Diskussion ein. Euch als Familie stresst der Kontakt nur. Das musst du dir wirklich nicht antun.

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Hallo

Unsere Geschichten ähneln sich sehr, ausser, dass meine Eltern mich als Kind nicht schlugen und ich von beiden viel Liebe und Unterstützung erfuhr. Diese kulturelle Erwartung mit Worten und psychischen Druck kenne ich aber und den massiven psychischen Stress. Auch mein Mann läßt sich von wegen Traditionen nichts sagen (er ist nicht aus meiner Kultur, seine ist jedoch ähnlich), und es gab Besuche/Situationen in der Vergangenheit, da war es mir lieber, wenn ich kurz! zu meinen Eltern gehen konnte und nicht umgekehrt.

Die Lösung bei mir war: Grosse Distanz schaffen, d. h. wir zogen weit weg in seine Heimat. Das half ein wenig, aber mein inneres Kind meldete sich immer noch zu oft. Erst, als ich meine eigenen Kinder bekam, konnte ich mich klar positionieren. Mein Mann half mir auch, oft natürlich geprägt mit Frust und Streit. Aber er hatte recht.

In den letzten paar Jahren stritt ich endlich einige Male offen mit ihnen und setzte jedesmal bewusst eine Distanz. Nach einigem Gezeter 'spurten' irgendwann beide. Mittlerweile ist unser Verhältnis besser als je zuvor. Sie merken, dass ich ab einem bestimmten Punkt weg wäre.

Ich muss aber sagen, dass mir das liebevolle Verhältnis in Kindesjahren half, den Kontakt nicht ganz abzubrechen. In deinem Fall hätte ich weniger Hemmungen. Überleg einfach: Was ist ihr Mehrwert für mich und meine Familie? Wenn es sie nicht mehr gäbe, wie wäre es wirklich für mich? Das ist ein Prozess, musst du nicht heute lösen. Aber lass dir diese Gedanken und Situationen nochmals durch den Kopf gehen und entscheide dann. Entweder noch weniger Kontakt (z. B. je 1 Nacht alle 3 Monate) oder diesen zumindest für eine Weile ganz abbrechen. Und halte dem Gezeter stand. Es sind deine Eltern und nicht, wie ihr meint, eine höhere Macht 🙂.

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Ich persönlich finde, dass du in einigen Dingen übertreibst. In meinen Augen spricht nichts gegen Kontakt, auch nicht, dass sie zu euch kommen und du Kaffee und Kuchen anbietest oder dein Freund eben einmal im Monat mit zu deinen Eltern fährt.

Aber: du bist erwachsen! Du hast keinen Bock drauf, rechtfertigen musst du dich da gar nicht. Dann lass es. Es tut dir nicht gut. Dann brich den Kontakt ab 🤷‍♀️

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