Frau und Ernährer - wo ist das Problem?

Guten Morgen (Achtung langer Text!) Wir sind finanziell normal aufgestellt denke ich (wenn beide Vollzeit arbeiten, haben wir etwa 4000 € monatlich raus +Kindergeld). Ich verdiene etwas besser als mein Mann und werde die nächsten Jahre auch gehaltstechnisch noch aufsteigen.
Nun ist es so, dass mein Mann derzeit arbeitslos ist und daher die Betreuung unserer Kinder übernimmt bis Mini im Kiga eingewöhnt ist. Er bekommt Elterngeld. Ich bin Vollzeit arbeiten.
Gestern meinte mein Mann nun, dass seine Mutter geäußert hat, sie mache sich Sorgen um unsere Finanzen aufgrund seiner Arbeitslosigkeit. Sie weiß, dass wir langfristig Eigentum erwerben möchten, natürlich wenn mein Mann wieder im Job eingestiegen ist, das macht die Finanzierung ja einfacher.
(Kurze Background-Info: Schwiegereltern leben das traditionelle Rollenbild. SV war immer Vollzeit arbeiten und nur am Wochende für die Kinder präsent (er bereut jetzt im Alter so wenig Zeit für seine Kinder gehabt zu haben). SM hat bis zum Renteneintritt nie in ihrem Ausbildungsberuf gearbeitet, sondern immer Minijob, hat aber dafür über Jahrzehnte die Kindererziehung übernommen. Vollzeitarbeitende Mütter und Väter, die zuhause bleiben, sind für die Beiden sicher etwas ungewöhnlich.)
Ich bin jetzt irgendwie schon ziemlich enttäuscht von meiner SM wegen dieser Äußerung. Es geht uns gut, wir können unsere Kosten decken, gute Nahrung und Kleidung einkaufen, Ausflüge und Urlaub machen und Hobbies ausüben. Und trotz Arbeitslosigkeit/Elterngeld legen wir monatlich eine Sparsumme zurück für Eigenkapital für eine eigene Immobilie. Mit ihrer Äußerung zeigt sie meiner Meinung nach, dass sie mir nicht zutraut, unsere Familie finanziell zu versorgen. Ich fühle mich gerade irgendwie so, als wäre meine Arbeit total wertlos für sie. Dabei bin ich laut Corona-Vorgabe sogar systemrelevant (mein Mann war das nicht) und mein Job daher gerade aktuell gefragt. Ich habe auch einen höhergestellten Abschluss als er und generell ist mein Job sehr sicher bzw. ich würde sofort eine neue Stelle finden wenn mein jetziger Job aus irgendeinem Grund wegfallen würde (unwahrscheinlich da unbefristeter Vertrag und großer Arbeitgeber mit Versetzungsmöglichkeiten).
Es kratzt gerade echt an meinem Ego weil ich hart dafür gearbeitet habe, jetzt beruflich da zu stehen wo ich bin. Ich glaube, es macht aber auch keinen Sinn, das Thema bei SM anzusprechen. Ich ddnke, sie wird es nicht verstehen können, da sie ein komplett anderes Lebensmodell lebt und da offensichtlich in Scheuklappen denkt (mein Mann sieht das wie ich). Ob bei meinen Schwägerinnen (die jahrelang mit den Kindern zuhause bleiben auf Minijobbasis und danach wenige Stunden Teilzeit arbeiten) finanziell alles ok ist, wurde übrigens nie in Frage gestellt, das wurde als normal und selbstverständlich akzeptiert, dass der (männliche) Partner das Finanzielle größtenteils alleine wuppt. Aber uns (bzw. mir) wird das nicht zugetraut unsere Familie zu ernähren....nur weil ich eine Frau bin?....Was meint ihr dazu? Soll ich das einfach schlucken oder ansprechen? Es wurmt mich schon ziemlich...aber Ansprechen würde wohl nichts an ihrer Sicht ändern....

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So lange dein Mann hinter dir steht würde ich da nichts mache. Wieso kratzt die Meinung einer einzelnen Person an deinem Ego? Brauchst du wirklich die Bestätigung dass deine SM das super findet? Das hast du doch nicht nötig. Wenn sie irgendwas sagt würde ich einfach mit wir haben alles was wir brauchen antworten oder für uns ist es so richtig. Aber weder würde ich mit meiner SM über mein Gehalt diskutieren noch über mein
Lebensmodell.

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Danke für deine Antwort. Ja im Grunde kann mir ihre Meinung echt egal sein, da hast du recht. Und es geht mir auch nicht um Bestätigung sondern ich fühle mich irgendwie aufgrund meines Geschlechts ungerecht behandelt weil da bei Anderen (männliche Partner meiner Schwägerinnen) andere Maßstäbe zu gelten scheinen. Ich denke das ist es was mich so stört....

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Kann ich gut verstehen.
Es ist genauso blöd, wie viele eben denken, ein Kind braucht die Mutter, aber der Vater ist egal, der kann dauernd arbeiten und weg sein.

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Ich verstehe, dass es dich wurmt. Das Gefühl, der eigene Job sei weniger wichtig, ist sehr mies.
Mein Mann und ich sind vor ein paar Jahren weiter weggezogen. Er ist Lehrer und bekam hier an einer bestimmten Schule eine Planstelle (führt zur Verbeamtung auf Lebenszeit). Ich bin Juristin und fing hier ebenfalls im öffentlichen Dienst an. Seine Eltern und teilweise auch andere Verwandte seiner Seite meinten oft: Ja, ihr kommt doch bestimmt zurück, Daniel kann ja einen Versetzungsantrag stellen. Wenn wir dann sagten, dass ich doch auch arbeite (mit mehr Gehalt), kam nur dass ich ja kündigen könne und mir in der Heimst was neues suchen solle.
Das hat mich auch sehr geärgert. Denn es zeigt auch, dass sie seinen Job für wichtiger halten.
Ich habe es nicht angesprochen. Es führt zu nichts als Diskussionen.

Liebe Grüße

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Ich würde das nicht persönlich nehmen.
Deine Schwiegis kennen es eben nicht so und können wahrscheinlich nicht raus aus ihrem Denkmodell.

Wenn du Ruhe haben willst, könntest du ihnen einfach sagen, dass du xy Euro verdienst und sie sich keine Sorgen machen müssen.

Mein Mann war auch lange bei den Kindern zuhause und hat den Hausmann gemacht. Aber sowohl meine Schwiegis als auch meine Eltern haben dazu kaum etwas gesagt.
Allerdings haben sie mich dauernd bemitleidet, weil ich ja arbeiten muss und nicht bei den Kindern war.
Und das fand ich auch merkwürdig, denn dass die Väter immer weg sind und nichts von den Kindern haben, schien auch keinen zu stören.
Kinder sind ja schließlich auch gern mit den Vätern zusammen und umgekehrt.

Also du könntest deinen Schwiegis die Sorgen um das Geld nehmen, vielleicht sind sie dann ruhiger. Vielleicht können sich nicht vorstellen oder sind es eben nicht gewohnt, dass Frauen auch sehr viel verdienen (können).

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Nope, Beträg

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Nope, Beträge nennen hilft gar nix. Spreche da aus Erfahrung 🙄

Ich verdiene das alleine, was die TE zu zweit verdienen würde, mein Mann hätte Mindestlohn, würde er arbeiten. Sein Job ist ein Knochenjob, meinen übe ich gechillt vom Sofa aus aus.

Trotzdem meint die Mehrheit der Menschen, er müsste mich doch versorgen. Und wenn ich mich durch diese gut gemeinten Kommentare nicht bekehren lasse, kommt das Totschlagargument: was macht er in der Rente? Joar. Und was würde ICH in der Rente machen, wär es andersrum?!

Abperlen lassen. Einfach nur abperlen lassen.

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Hallo!
Ich denke, dass gerade das ältere Semester mit der „klassischen“ Verteilung der Rollen unter Umständen damit Probleme hat.
Mein Mann ist Künstler (Musiker) hat aber eine Ausbildung gemacht und ein Studium mit Masterabschluss (Lehramt). Er wollte es aber dann doch nicht ausüben.
Da ich zwischenzeitlich zwei Kinder bekommen habe und selbst Lehrerin verbeamtet auf Lebenszeit bin, haben wir beschlossen, dass er die beiden Kinder hütet und den Haushalt macht. Dafür arbeite ich Vollzeit und das Geld reicht. Unser Haus ist abbezahlt und alles läuft. Er möchte sich umorientieren in zwei Jahren, wenn die Kinder 8 und 10 sind.
Als letztens eine Finanzspritze der Schwiegereltern angekündigt wurde (quasi Vorschuss auf sein Erbe) wollten sie seine Kontonummer. Er war irritiert und sagte, sie sollen es auf unser Konto (zu Singlezeiten mein Konto) überweisen.
Dann kam nur, dass es ja aber SEIN Geld sein soll. Ich halte mich aus sowas raus, doch er meinte, was seins sei, sei auch meins, da ich ja unser Leben und den Kredit finanziere.
Die Schwiegereltern waren noch immer irritiert (was ich echt nicht verstehen kann) . Sie war ebenso daheim und er arbeitete. Dafür war alles, was reinkam auch ihres...
Meins und deins gibt es nur bei unseren Autos 😂 und Dingen, mit denen der jeweils andere nichts anfangen kann (mein Kram im Büro und Nähmaschinen) und seine Instrumente und Werkzeuge.

Also mach dir nichts draus, ich glaube aus vielen Köpfen geht das nicht raus...

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Hallo, also ich kenne ja die tatsächliche Formulierung der Schwiegereltern nicht, aber so wie du es jetzt geschrieben hast, haben sie sich Sorgen über die finanzielle Situation wegen seiner Arbeitslosigkeit gemacht. Ich formuliere es jetzt so: meine Eltern und Großeltern würden sich auch Sorgen über meine Arbeitslosigkeit machen, auch wenn mein Mann ein Vielfaches von mir verdient, weil wir eben Kredit laufen haben und weil es toll wäre, dass ich einen Job hätte, sollte meinem Mann was passieren, etc. Und sowohl meine Mutter, als auch meine Großmutter sind beide fast lebenslang Hausfrauen.
Je nach Formulierung deiner SM würde ich überlegen, ob es da überhaupt wirklich sehr um deine "Ernährerinnenfähigkeiten" gegangen ist.
Glg von der Schneefrau

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Ich war bei dem Gespräch nicht dabei, mein Mann hat mir davon berichtet. Als ich ihm sagte, wie ich die Äußerung wahrnehme, hat er mir zugestimmt. Wir reden immer offen und er würde mir widersprechen wenn er das Gespräch mit seiner Mutter anders eingeschätzt hätte. Von daher gehe ich (aufgrund der Einschätzung meines Mannes) davon aus, dass sie es wohl so gemeint hat....
Wir hatten übrigens auch schon die umgekehrte Situation: Er war Vollverdiener und ich studieren+mit Kind zuhause (also kein Einkommen). Ich hatte nach der Geburt keinen Job mehr neben dem Studium. Unsere Lage war damals deutlich prekärer als heute (Mann hatte Zeitarbeit) und trotzdem kamen da nicht solche Äußerungen von Schwiegermutter. Deshalb finde ich das jetzt auch sehr befremdlich von ihr.
LG :-)

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Okay, dann wäre ich auch angesäuert. Definitiv. Aber auf der anderen Seite wäre ich auch sehr stolz darauf, dass mir das Gerede eigentlich egal sein könnte, weil ich alles im Griff habe und allein alles stemmen kann.
Glg, Hauptsache dein Mann und du seid euch einig

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Ich kann verstehen, wie es dir momentan geht. Seit unsere Kinder (11 und 4) auf der Welt sind bin ich quasi Alleinernährer der Familie. Mein Mann verdient zwar im Nebenerwerb etwas dazu, davon könnten wir aber nie die Hypothek fürs Haus und unser Leben bestreiten. Viele Jahre war das für mich okay. Da ich aber in der Führungsebene arbeite und mein Job und die Mitarbieter immer anstrengender werden, wünsche ich mir oft, wir hätten eine andere Lösung getroffen. Ich habe oft das Gefühl, die ganze Last allein zu tragen, da die Kinder abends doch noch mit vielem zu mir kommen (Schule, Hobbys usw.) Und natürlich will ich dann auch noch für sie da sein. Ich habe auch hart für meinen Job gearbeitet. Ich saß acht Wochen nach jeder Entbindung wieder in Vollzeit am Arbeitsplatz. Teilweise habe ich sogar im Mutterschutz gearbeitet. Und beim ersten Kind habe ich am WE auch noch ein berufsbegleitendes Studium gemacht. Also ich glaube ich weiß wovon ich rede. Sehr oft plagt mich ein schlechtes Gewissen, weil ich immer denke ich habe zu wenig Zeit für die Kinder. Dazu kommt, dass ich für mich selbst eigentlich gar kein Zeit habe. Mein Mann fühlt sich auch oft nicht genug wertgeschätzt, da er ja nur "zu Hause" ist. Ich musste mir auch oft viele Dinge anhören, die mir sehr weh getan haben. Aber jetzt, einige Jahre später, muss ich mir leider eingestehen, dass die Leute auch recht hatten. Für uns ist es zu spät noch groß etwas zu ändern, da mein Mann 50 ist und schon viel zu lanbe aus dem Angestellteverhältnis raus ist. Ich würde es heute anders mache. Jeder soll Geld verdienen und für die Kinder Zeit haben. Aber jede Familie muss ihren Weg finden. Ich wünsche euch alles Gute

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Danke für deine Erfahrung. Ich glaube, bei uns ist die Situation noch etwas anders als bei euch. Ich war bei Kind 1 zuhause, hat sich angeboten da ich im Studium war, und er war Vollzeit arbeiten. Danach haben wir beide Vollzeit gearbeitet und gut verdient. Jetzt ist er arbeitslos, bleibt mit Kind 2 zuhause und ich arbeite Vollzeit. Er wird die Zeit zuhause aber nutzen um sich fortzubilden und nachher auf ca. 30 stunden wieder im Job einzusteigen. Wir achten auch sehr darauf, sowohl für die Kindern als auch für uns selbst Zeit zu haben, das klappt aber nur solange beide mithelfen und sich unterstützen. Es tut mir sehr leid, wenn ihr mit eurem Lebensmodell nicht so zufrieden seid. Ich glaube, wenn bei uns einer unglücklich wäre, würden wir versuchen, die Situation anzupassen. Aber ab einem gewissen Alter ist das wahrscheinlich nicht mehr so einfach :-(

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Lasse reden.... es muss für euch passen.

Bei uns bin auch ich - mit Abstand - die Hauptverdienerin und während mein Mann keine Entwicklungsmöglichkeiten hat, wird mein Verdienst nur steigen über die Jahre. Er war auch bei beiden Kindern lange in Elternzeit. In der Gesellschaft ist das noch nicht angekommen, aber wir leben gut und gerne so.
Man braucht nur ein etwas dickeres Fell ,-)

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Ich kann auch verstehen, dass dich das wurmt, aber du siehst ja selber, dass deine Schwimu noch in diesen traditionellen Rollen lebt und es für sie einfach nicht verständlich ist.

Oder sie macht sich Sorgen um ihren Sohn, dass es finanziell abhängig ist von dir. Wenn du gehen solltest, was bleibt ihm dann?

Ich habe diese Angst bei ganz vielen Freundinnen meiner Mutter erlebt, die nie selber arbeiten waren und nur eine kleine Rente bekommen haben. Die von ihren Männern wie Müll behandelt wurden, die betrogen wurden, Beziehungen, in denen Liebe und Leidenschaft gar keine Rolle mehr spielte, die aber trotzdem bei ihren Männern blieben, weil sie sich finanziell abhängig gemacht haben. Meine Mutter wurde immer beneidet, weil sie gearbeitet hat, eigenes Geld verdient hat und sich von meinem Vater trennen konnte, als es nicht mehr funktionierte.

Ich würde es ansprechen, sonst steht es immer zwischen euch. Aber ich spreche Dinge auch gerne an, auch wenn es unangenehm ist.

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Ich denke du hast den Nagel auf den Kopf getroffen!

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Ich würde es ansprechen. Wegen einer Unterhaltung bei der man nicht dabei war sollte man mit niemandem böse sein. Meine SE har sich auch Gedanken gemacht als ich mal arbeitslos war. Es ist was komplett anderes wenn jetzt in unsicheren Zeiten jemand seinen Job verliert als wenn jemand wegen einer Ausbildung momentan wenig verdient. Da ist ja was positives in Aussicht. Ausserdem verteägt keine Mutter die Tatsache dass der eigene Sohn arbeitslos ist! Was denken die Nachbarn! Was denken die Freunde! Ich denke sie haben nicht wirklich Probleme damit dass du die Familie ernähren kannst sondern schämen sich einfach weil ihr Sohn die Leistung nicht erbringt die man von ihm erwartet.

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