schlechtes Verhältnis von erwachsenen Geschwistern

Hallo,

irgendwie bin ich etwas traurig, wenn ich mir manche Beiträge durchlese, wo es um die Beziehung von Geschwistern geht. Im Speziellen deren Verhältnis als Erwachsener.

Klar, es schreiben wahrscheinlich mehr Leute, wenn sie Probleme mit ihren Schwestern und Brüdern haben als bei denen, wo alles paletti ist. Aber zu lesen, dass es anscheinend viel Streit, Missgunst, Unverständnis und sogar Kontaktabbruch gibt, macht mit als Schwangere mit dem zweiten Kind etwas nachdenklich.

Auch in meinem privaten Umfeld kenne ich eigentlich mehr, die schlecht mit Geschwistern zurecht kommen als umgekehrt. Dabei will man ja als Eltern, dass sich alle Kinder miteinander verstehen und auch nach dem eigenen Tod noch kommunizieren zumindest.

Sicherlich ist es Charaktersache, ob 2 Menschen miteinander auskommen und man kann als Elternteil das nicht groß ändern. Trotzdem liest man ja auch oft, man will Geschwisterkinder, damit das erste nicht alleine ist später usw. Und das scheint ja zum Großteil nicht zu klappen.

Ich finde es schade, wenn ich mir vorstelle, dass die Chance, dass mein Ungeborenes und mein "großes" Kind sich mal als Erwachsene nichts zu sagen haben als eine erfüllte Beziehung zu haben, anscheinend größer ist. Und ich rede nicht davon, sich wöchentlich zu treffen, sondern dass man bei Familienanlässen zumindest irgendein Gesprächsthema findet oder man mal benötigte Hilfe bekommt.


Wie seht ihr das? Besonders die schon Erwachsenen, die nicht mehr zwangsweise unter einem Dach leben müssen.


vlg

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Hallo,
ich denke hier schreiben (fast) nur Menschen die Probleme haben. Wer sich super mit seiner Familie versteht, braucht nicht zu Posten ;)

Lass dich nicht runterziehen. Zur Ermutigung: Meine beiden Kinder verstehen sich gut und spielen schön zusammen (trotz 3,5 Jahren Altersunterschied).

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Ja eh, dieses Ungleichgewicht beim Posten ist mir bewusst und wahrscheinlich lese ich gerade bewusster solche Beiträge. Da kommt es einem dann nochmals gehäufter vor.

Runterziehen lasse ich mich davon nicht. Ich finde es immer nur schade für alle Beteiligten.


vlg

22

Ich finde es auch schade, aber sie können sich ja auch aus dem Weg gehen, wie bei anderen Leuten auch.

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Ja würde mich auch traurig machen. Ich kann deine Gedanken verstehen.
Natürlich ist das jetzt kein Allgemeinrepzept aber man kann darauf achten, dass man den Kindern immer ans Herz legt, ein gutes Verhältnis zu haben, sich gegenseitig zu schätzen und füreinander da zu sein.
Wenn die Eltern ein Gleichgewicht zwischen den Kindern haben. Auf jeden Rücksicht nehmen. Kinder werden unterschiedlicher Meinung sein. Wenn man sie dabei gerecht behandelt und ihnen zeigt, wie wichtig es ist die Meinungen des anderen zu akzeptieren, dann kann man ein Teil dazu beitragen.

Das heißt natürlich nicht, dass es IMMER funktionieren wird, aber eine gute Basis kann dadurch hergestellt werden.

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Ja genau, mehr als das und Hoffen kann man nicht. Blutsverwandt heißt eben nicht dass man sich verstehen muss. Man kann nur gleichberechtigt agieren, damit da eine gute Basis mal mitgegeben wird.


vlg

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Also im privaten Bereich kenne ich wenige Erwachsene, die mit ihren Geschwistern gar nicht mehr klar kommen, zumindest in meiner Generation. In der Generation obendrüber gibt es auch in meiner Familie ein paar Beispiele, aber das ist sehr speziell.
Ich habe zwei Geschwister, einen Bruder und eine Schwester. Wir leben wirklich in sehr verschiedenen Welten (zwischendurch auf verschiedenen Kontinenten), aber wir freuen uns immer, uns zu sehen und haben auch zwischendurch Kontakt (zu meiner Schwester mehr als zu meinem Bruder, aber das ist halt so ;-)). Zu meinem Schwager und seiner Frau haben wir guten Kontakt, sehen sie auch regelmäßig, weil sie näher wohnen. Kann das also nicht bestätigen, dass das jetzt sooo häufig vorkommt mit Beziehungsabbruch etc....

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Danke, schön dass ihr euch versteht. Genauso wünsche ixh es mir fùr meine Kinder dann auch. Sie brauchen nicht tgl aufeinander hocken, aber ein normaler Umgangston und ein Sich-Verlassen-Können dass wer da ist egal was kommt.


vlg

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Also ich habe vier Kinder im Alter von 30, 23, 22 und 12. Vor zehn Jahren hatte ich auch noch mächtig Angst, dass sie sich nicht wieder finden. Jeder hat auf den anderen rumgetreten bzw. kritisiert, aber selbst Kritik einstecken war schwierig. Ich rede hier besonders von den drei großen Mädchen, der Junge (12) ist das Nestäckchen und wird von ihnen verwöhnt. Besonders das Teenager-Alter war für die Mädchen untereinander anstrengend. Für uns auch, aber glaube für sie noch mehr. Die Mittlere war da am meisten auffällig. Sie war zeitweise sogar "körperlich brutal" mit ihrer jüngeren Schwester. Da griffen wir ein, ansonsten haben wir sie alles alleine ausbaden lassen. Ich glaube, bei der Mittleren sind die Hormone da mächtig durchgegangen und sie konnte damit nicht umgehen. Die Große hat ihre eigene Wohnung schon lange und somit ging sie aus dem Schlachtfeld. Es war lange ruhig zwischen den Geschwistern, aber jetzt freue ich mich, dass sie wieder regen Kontakt haben und sich treffen und auch regelmäßig telefonieren. Die Jüngste ist mittlerweile auch ausgezogen und die Mittlere besucht sie sehr oft. Ich würde sagen, sie verstehen sich besser denn je. Bei Familienfeiern genieße ich es immer, wenn alle vier Geschwister zusammen sitzen und erzählen und lachen. Ich kann nur hoffen, dass es so bleibt und nicht wieder irgendwelche Reibereien geben wird.

Ich habe zwei Geschwister und wir sehen uns eigentlich nur zu Familienfeiern. Wir verstehen uns, aber mehr auch nicht. Jeder lebt sein Leben. Meine Eltern finden es etwas traurig. Muss dazu sagen, wir wurden nicht alle gleich behandelt, daher denke ich kommt der Abstand. Deshalb denke ich, dass das Elternhaus auch eine große Rolle spielt. Bei uns wurde immer verglichen. Und das kann auch eine Beziehung unter Geschwistern kaputt machen. Denn dann sind die Eltern nicht unparteiisch. Leider.

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Mein Opa ist letztes Jahr gestorben und hat es leider mit seinen Wünschen bezüglich der Beisetzung nicht so genau genommen, also ist nichts hinterlegt.

Das Verhältnis meiner Mutter und ihren Geschwistern war immer schon schwierig, aber teilweise auch sehr innig. Wegen dieser Sache ist es allerdings komplett eskaliert, sodass auch niemand zu der Beisetzung gegangen ist. Es sind sehr wüste Beleidigungen gefallen, Handgreiflichkeiten, Sachbeschädigung, öffentliche Denunziationen etc.

Das kann aber niemand vorhersagen und solche Fälle wären niemals ein Grund für mich kein zweites oder drittes Kind zu bekommen. Allerdings sehe ich auch die Argumente, die häufig kommen, wenn man nur ein Kind will nicht. Wie zum Beispiel: das Kind muss sich später alleine um seine Eltern kümmern, wenn es Geschwister hat ist es niemals alleine etc. Ich würde den Wunsch nach mehreren Kindern einfach nicht von sowas abgängig machen. Da finde ich andere Faktoren viel wichtiger. Ich bin im Moment sehr froh keine Geschwister zu haben.

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ich glaube, da kann man als eltern wirklich viel zu beitragen, dass es gut klappt. so viel wie möglich gegensteuern bei konkurrenzdenken, auf keinen fall vergleichen, sondern akzeptieren, dass jedes kind anders ist & gut so wie es ist. nicht bei jedem konflikt sofort einmischen & partei ergreifen, da fühlt sich meistens ein kind unfair behandelt. ich denke, das ist schonmal eine super basis :-)

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Hallo!
Ich bin eine von denen, die keinen Kontakt zu ihren Geschwistern hat. Und ich sehe an meinen Eltern, dass das für sie traurig ist. Einen Anteil haben sie allerdings wie wir alle auch, das kann man nicht leugnen.
Ich selbst habe auch Angst davor, dass es bei meinen Kindern mal so wird. Sie sind sehr verschieden und ich mache nicht alles perfekt. Zwischen den Kindern gibt es naturgemäß auch immer mal Eifersucht und Konkurrenz, da kann ich auch nicht immer gegensteuern.
Unsere 2 Großen (14 und 11, Junge und Mädchen) waren lange Zeit ein Herz und eine Seele, haben viel miteinander gespielt. Dann haben sie sich mehr und mehr voneinander entfernt und ich freue mich, wenn sie miteinander kommunizieren, miteinander lachen oder auch mal was unternehmen, das ist gerade selten. Aber es war auch schon noch seltener und ich hoffe, dass es irgendwann noch besser und häufiger wird.
Bei Kind 2 und 3 gibt es sehr wenig Berührungspunkte, auch sehr schade, ist aber schon fast immer so. Kind 3 und 4 sind wieder enger miteinander aber auch nicht so wie Kind 1 und 2 früher.
Ich sehe da aber in den Konstellationen auch immer Dynamik und viele Veränderungen.
Gerade weil ich keinen Kontakt zu meinen Geschwistern habe, ist mir die Sache so bewusst und ich versuche, darauf einzuwirken. Vielleicht mache ich damit aber auch alles schlimmer - wer weiß...

Grüße Jujo

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"nichts zu sagen haben als eine erfüllte Beziehung zu haben, "

Dazwischen gibt es soooooooooooooooooooo viel.

Die meisten, die ich kenne, haben irgendwas dazwischen.
Nicht erfüllt, aber auch nicht nichts zu sagen.

Diejenigen, die Probleme haben, sind eher weniger. Sie fallen nur mehr auf. Es tut gut darüber zu reden, Lösungen zu finden usw. Warum sollte jemand über Jahre darüber reden, dass es gut läuft. Sie reden MITeinander, weil es gut läuft. Daher fällt es anderen nicht auf.

Streit oder Konflikte gibt es auch in guten Beziehungen.
Der Punkt ist: man hat gelernt darüber zu reden, sie zu beheben und die Konflikte werden nicht riesig, weil man es nicht aufstauen lässt.
Dort wo Konflikte schon in der Kindheit sich manifestieren oder Eltern massiv mitmischen, zieht sich das eher mit, weil da schon etwas schwehlt. Der Vulkan bricht leichter aus, weil das innere weiter glüht.


Und zu dem dazwischen. Mit meinen Geschwistern kann ich definitiv nicht in einem Raum essen. Das geht gar nicht. Wir haben wenig Kontakt und gehen uns bewusst viel aus dem Weg.
Als die Eltern zu pflegen waren, zogen wir an einem Strang, konnten uns in deren Sinne organisieren, verständigen, aufteilen, unterstützen usw.

Jeder hat Stärken und Schwächen. Das, was die Geschwister überfordert, frage ich gar nicht ernst. Nur weil wir verwandt sind, müssen sie es nicht können oder helfen. Da frage ich Freunde, die es lieben das zu tun, was ich gerade brauche.
Das, was ich weiß, dass meine Geschwister es gerne tun, gut können, ihre Stärken haben, frage ich durchaus auch an. Umgekehrt auch.
Dann müssen sie nicht, nur weil sie Geschwister sind. Aber manchmal klappt es.

Was erfüllend ist, ist unterschiedlich.
Eine Mischung aus Nähe und Abstand.
Mit manchen Menschen kann ich gut, WEIL wir uns selten sehen. Selten, dafür sehr gerne. Mit anderen kann ich gut, weil wir uns häufiger sehen. Wir sehen uns häufiger, weil wir gut miteinander können und weil uns viel Nähe nicht auseinandertreibt.


Meine Eltern haben den Vor- und Nachteil mit vielen Geschwistern. Mit manchen können sie super, mit anderen gar nicht, mit manchen je nach Nah-fern-Bedarf. Manchmal variiert das mit Alter und Lebensphase.
Bei einem Geschwister: entweder es passt oder passt nicht.
Dafür gibt es Freunde, Verwandte und andere Menschen.

Kinder sollten der Liebe wegen kommen, nicht um die Funktion Geschwister zu erfüllen. Wie schon erwähnt: "erfüllen" definiert jeder anders.

Was sie aber können: aneinander reifen und lernen mit Konflikten umzugehen.

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Ich kann nur sagen, wie es in meiner/unserer Kindheit war.

Ich musste oft (und war es dann irgendwann auch) die vernünftige Große (2,5 Jahre älter) sein.
Mein Bruder war und ist ein sehr kompromissloser Mensch der sehr gut austeilen kann und jede andere Meinung als seine als Angriff wertet. Bei anderen beherrscht er sich noch im sozialverträglichen Rahmen, aber ich bekomme die volle Breitseite ab.

Das war schon immer so und wurde von unseren Eltern leider auch noch (unbewusst) verstärkt.

Auf näheren Kontakt kann ich da echt verzichten! Ein paar Mal im Jahr Smalltalk mit so wenig Angriffsfläche wie möglich und einstecken um des Friedens willen meinerseits, reicht mir völlig aus!

Und ja, ich sehe da einen Großteil der Verantwortung für die Situation bei unseren Eltern. Sie leiden selbst mittlerweile unter seinem Verhalten, aber das ist ihre Baustelle.

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Hallo
Geschwister sind halt auch nur Menschen. Freunde sucht man sich aus. Ich kenne auch mehr Geschwister mit neutralem oder schlechtem Verhältnis, als mit einem Verhältnis wie beste Freunde. Das finde ich ehrlich gesagt auch gar nicht verwunderlich. Ich denke durchaus Eltern können da ein negativer Einfluss sein und wenn es um Themen wie die Eltern geht, die man gemeinsam besprechen sollte, ist auch nicht unbedingt förderlich für das Verhältnis miteinander.
Ich habe 2 Geschwister. Als Kinder haben wir uns gut verstanden, später änderte sich das. Zu unserem Bruder haben wir heute kein gutes Verhältnis und wollen das auch nicht mehr. Es ist viel passiert, da kann man nichts schön reden oder gut machen. Auch nicht unter dem Deckmantel „Blut ist dicker...“. Mit meiner Schwester verstehe ich mich gut. Hätten wir uns so getroffen, wäre dir Wahrscheinlichkeit sehr hoch, dass wir Freunde geworden wären. Es passt halt einfach. Dennoch merke ich, dass es für uns nicht unbedingt ein Vorteil ist, zB. über unsere Eltern zu sprechen. Das ist einfach eine emotionale Sache und es fällt uns beiden leichter, mit dem Partner oder der besten Freundin darüber zu sprechen und Überlegungen anzustellen. Teilweise auch, weil diese das auch schon durchgemacht haben. Solche Erfahrungswerte finden wir beide wichtig, sowie den Rückhalt dieser Personen.
Auch hier denke ich persönlich, dass es nicht unbedingt einfacher ist, Geschwister zu haben.

LG

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