manisch-depressiver Mann

Hallo,

mein Mann ist manisch-depressiv. Eine ganze Zeit lang hatte er es Dank Therapie unter Kontrolle. Nach der Geburt unseres Sohnes kam es zurück. Zuerst die Manie, die ihn gemein werden lässt, dann die Depression. Inzwischen ist unser Sohn 1,5 Jahre alt. Meinem Mann geht es seit einem halben Jahr wieder gut. Zwischendurch hat er einen Schub, der aber höchstens ein paar Tage anhält. Ich habe das Gefühl, dass seine Krankheit das erste Jahr mit unserem Sohn kaputt gemacht hat. Unser Baby hatte eine Mama, die fast jeden Tag geheult hat. Im Nachhinein frage ich mich, warum ich mich damals nicht getrennt habe. Vielleicht wegen der Liebe und weil ich ja wusste, dass eine Krankheit dahinter steckt? Weil ich immer darauf gewartet habe, dass es meinem Mann wieder besser geht? Manchmal denke ich, dass es gut ist, dass ich durchgehalten und ihn unterstützt habe. Denn inzwischen haben wir ein schönes Familienleben. Tage, an denen er aufbrausend und gemein ist und Tage, an denen er sich in seinem Zimmer einschließt und niemanden sehen will, sind unangenehm, aber selten. Ich habe mich für das Leben mit ihm entschieden. Wir lieben uns sehr. Und doch gibt es ein paar Punkte, mit denen ich mich nur schwer abfinden kann:

1. das unangenehme erste Jahr unseres Sohnes, diese Zeit nach der Geburt, die wir nicht zurückbekommen und die anders hätte laufen sollen
2. Was ist das beste für unser Kind? Wird er mit der Krankheit seines Vaters umgehen können?
3. Ich wollte immer zwei, drei Kinder haben. Leider muss ich meinen Kinderwunsch unterdrücken. Unser Sohn wird Einzelkind bleiben, was ich nie wollte.

Ich erhoffe mir nichts von diesem Thread. Ich wollte es mir einfach mal von der Seele schreiben.

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1. Ich glaube du liebst deinen Sohn und ich schätze das du ihn das auch im ersten Jahr spuren lassen hast.
Es könnte immer besser sein, aber deshalb ist es meiner Meinung nicht zwangsläufig schlecht, so wie es ist 🤷

2. Da er damit aufwächst wird es für ihn normal sein. Klar, irgendwann bekommt er mit das nicht alle Väter so sind, aber solange ihr offen damit umgeht, wird er sicherlich damit umgehen können.

3. Warum schließt du weitere Kinder aus?
Hast du Angst es nicht zu schaffen, oder das dein Mann erneut einen ausgeprägten Schub erleidet?
Dagegen könnte man sicherlich therapeutisch arbeiten, jetzt wo man weiß wie sich eine Geburt auswirken kann.

Ich kenne das Krankheitsbild nur in groben Zügen.
Das Zusammenleben mit depressiven Menschen ist anstrengend, aber händelbar, wenn man möchte, wenn man liebt und die Bereitschaft zur Therapie vorhanden ist.

Ich wünsche dir alles Gute 🍀

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Vielen Dank für deine Antwort. Ich hoffe, dass du Recht hast.

Zu dem dritten Punkt: Ja, ich habe Angst vor einem erneuten Schub. Ich habe Angst, dass sich das erste Jahr wiederholt und ich dann nicht nur ein Baby habe, um das ich mich alleine kümmern muss, sondern zusätzlich noch ein älteres Kind. Zudem ist mein Mann durch seine Krankheit nicht verlässlich. Er hat gerade wieder eine Therapie hinter sich. Dennoch kann es sein, dass es ihm plötzlich drei Tage lang so schlecht geht, dass er es nicht aushält, Kontakt zu uns zu haben. Oder zu irgendjemandem. Meistens kann er sich aufraffen, zur Arbeit zu gehen, manchmal nicht. Was ist, wenn er seinen Job verliert? Deshalb möchte ich nicht finanziell von ihm abhängig sein. Je mehr Kinder wir haben, desto eher wird das aber der Fall sein. Was ist, wenn ein Kind krank wird, während mein Mann manisch oder depressiv ist? Oder wenn ich krank werde? Das ist mit einem Kind eher machbar als mit zwei.

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Hallo,

ich kann dir sagen, das man es auch mit 2 kindern alleine schafft, es ist nicht einfach, aber machbar.. man hat nur eine andere einstellung wenn man mit jemanden zusammen ist... es gibt ja auch paare, wo der partner auf montage oder sonstiges ist, da ist der andere auch mit kindern allein zu hause u schafft es... wie geschrieben, einfach ist es nicht.. aber machbar..

aber vielleicht gibt es ja auch andere möglichkeiten, die noch helfen? also tabletten??

kinder wachsen mit rein, wenn eine krankheit da ist, aber wie schon geschrieben, man muss offen reden , wenn fragen kommen.. ( so mit 3 meistens, hinterfeagen sie mehr, bis dahin kann man schauen, das man es kindlich erklären kann)

ansonsten versuchen ein gutes netzwerk aufzubauen..

ansonsten scheinst du es ja schon gut allein uu meistern😉

alles gute euch !!!🍀🍀

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Hast du für dich selbst ein soziales Netzwerk? Vielleicht sogar zwei?

Eines für den Alltag mit Kind. Für den gesunden Alltag. (mir fällt keine bessere Beschreibung ein)
Und ein Netzwerk für dich. Mit Menschen, die sich damit auskenen? Die das kennen? Die verstehen, ohne Worte, zu denen du dich wenden kannst?
Therapeut, damit du dich selbst immer wieder stabilisieren kannst
Selbsthilfegruppe oder Menschen in ähnlicher Situation
Sowohl für praktische TIpps (Adressen, Unterstützung, Anträge) als auch emotional.

So dass du in beiden Fällen nicht alleine bist.

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Ich habe Freunde, mit denen ich reden kann, aber kein wirkliches Netzwerk. Die Familie wohnt in einer anderen Stadt. Grundsätzlich besteht Bereitschaft, den Enkel mal zu nehmen, wenn ich krank sein sollte. Spontan umsetzbar ist das aber nicht.

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Ich bin in einer ähnlichen Lage, nur, dass die Situation seit Corona schlimmer geworden ist. Er ist ein fantastischer Vater, aber an manchen Tagen ein furchtbarer Partner. Es kann gut laufen, aber mit einem Auge bleibe ich immer wachsam. Ständig halte ich morgens die Luft an, um herauszufinden, ob er mit dem richtigen Fuß aufsteht. Jede Unzufriedenheit mit ihm wird an mir ausgelassen. Ich bin stark, aber meinen Beruf, meine Gesundheit, mein Kind und meine Beziehung schaffe ich zusehends nicht mehr richtig zu versorgen.

Besonders schlimm ist es, wenn alles gut läuft und ich mich vorbereite ihm wieder emotional näher zu treten, nur damit er am nächsten Tag meine Träume zerschmettert.

Ich habe mich auch entschieden, bei ihm zu bleiben. Und eigentlich möchte ich noch Kinder. Aber an schlechten Tagen wie heute, stelle ich alles in Frage. Er beschwert sich, dass ich ihm zu wenig Liebe zeige. Aber ich kann die Momente, in denen er gemein ist, nicht einfach hinter mir lassen. Es ist ein Teufelskreis, aber ihm noch mehr entgegenkommen kann ich nicht.

Ich erhoffe mir auch keinen Rat. Ich wollte nur aufzeigen, du bist nicht allein und es tut mir wahnsinnig leid, dass es auch dir so geht.

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Hi,
lass dir das doch bitte nicht antun !
Dafür wurdest du nicht geboren!
Er ist nicht der Richtige für dich.
Rette deine Seele... 💐 🍀
Nur Mut !!!
LG und alles Gute für dich und dein Kind

Gespenst

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Das weiß ich auch, aber vor unserem Kind war es nie so schlimm- und wir sind viele Jahre zusammen. Das Problem ist, dass seit Monaten seine Negativseiten mehr werden... aber zu seinen Hoch-Zeiten ist er einer der besten Menschen- humorvoll, zuvorkommend, liebevoll. Man kann es kaum glauben. An seinen schlechten Tagen vergesse ich es auch manchmal, an seinen guten strahlt die Sonne heller als je zuvor. So eine Trennung ist nicht leicht. Diese schöne Zukunft gibt es nicht nur in der Fantasie, sie ist real... aber nur solange er die Kurve kriegt. Und wenn nicht, gehe ich unter. Solange Hoffnung besteht, dass die Person hinter der Krankheit noch existiert, und solange man diese liebt, ist eine Trennung kaum möglich.

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Ich habe keine eigenen Erfahrungen mit einem bipolaren Partner, allerdings beruflich und im Freundeskreis damit zu tun gehabt. Was mir persönlich in der Situation am meisten Angst machen würde wären die manischen Phasen. Es gibt ja verschiedene Formen der Manie (eher euphorisch oder eher gereizt). Bei den Bekannten von uns hat die Frau sich irgendwann getrennt, weil die Kinder sehr unter den manischen Phasen gelitten haben. In der Arbeit hatte ich aber auch Familien bei denen es gut geklappt hat. Was mich aber wundert ist, dass er keine Prophylaxe einnimmt. Eine bipolare Erkrankung die nur mit Psychotherapie behandelt wird finde ich merkwürdig.
Die Frage bzgl Trennung kann man sich nur selbst beantworten. Ich bin ehrlich, bei mir würde es an Punkt 3 scheitern. Ich hätte die gleichen Bedenken wie du, aber nur ein Kind käme für mich nicht in Frage. Das mag egoistisch sein, aber so ist es.
Bei Frage 2 bin ich unschlüssig. Dein Kind wird in gewisser Hinsicht mit der Erkrankung des Vaters aufwachsen, er wird die "Phasen" kennen. Wie er das verarbeiten kann kommt auf das Kind an, insbesondere wenn du sagst er wird gemein. Das war bei unserer Freundin so. Er hat in seinen manischen Phasen seinen 8 jährigen beschimpft und runter gemacht. Während die Schwester sich da ganz gut abgrenzen konnte, klappte das beim Sohn nicht. Du siehst also es ist alles sehr individuell.

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Er hat Medikamente eingenommen. Wegen der Nebenwirkungen (starke Gewichtszunahme, Müdigkeit und das Gefühl, neben sich zu stehen) hat er sie aber in Absprache mit seiner Therapeutin abgesetzt. Eine Weile hat das sehr gut geklappt, bis ihn die neue Situation nach der Geburt unseres Sohnes aus der Bahn geworfen hat.

Bisher hat sich die Gemeinheit während der Manie nur gegen Erwachsene gerichtet. Natürlich ist das nicht unbedingt einfach für mich, aber inzwischen kann ich ganz gut damit umgehen. Solange es in Maßen bleibt. Die Monate nach der Geburt, als ich selbst in meiner neuen Rolle als Mutter sehr verletzlich war, waren etwas anderes. Sollten sich die gemeinen Ausfälle später gegen unseren Sohn richten und unser Sohn darunter leiden, wäre das natürlich ein Trennungsgrund für mich.

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Huhu,
Ich weiß was du meinst! Mein Mann ist depressiv, und dass schon seit vielen Jahren... Zu zweit, und mit Therapie, haben wir dass immer super schaukeln können.... Dann kam die Geburt unseres ersten Sohnes. Diese war sehr traumatische für uns beide. Mein Mann hatte einen Rückfall und ich selber kam leider in die gleiche Situation. Dass erste Jahr war der horror, wir hatten beide Probleme, mein Mann zwangsstörungen und ich starke Depressionen und bindungsstörungen. Nach einem Jahr wurde es etwas besser, und ich wusste ich will keine weiteren Kinder mehr! Tzia was soll ich sagen, 3 Monate später war ich schwanger.
Ich fiel noch mehr ins Loch. Mit Therapie konnte ich zumindest die Geburt verarbeiten und die Bindung zu meinem Sohn aufbauen.

Mit dem zweiten war es anders.... Wir wussten beide was auf uns zu kommt und waren viel entspannter als beim ersten.
Mein Mann hat dass super weggesteckt und mir ging es zeitweiße auch wieder toll.
Leider schwankt es bei mir momentan wieder sehr stark und ich werde wohl wieder zur Therapie gehen.

Ich trauere auch oft um dass erste Jahr dass wir verpasst haben, aber dem"großen" geht es super. Ein weiteres Kind zu machen hat es weder verbessert noch verschlimmert im gesammten.

Wir unterstützen uns gegenseitig. Natürlich mache ich mir auch oft Gedanken ob unsere Kinder dass mal verstehen können dass wir Eltern in manchen Dingen etwas anders sind als andere, aber ich denke da werden sie reinwachsen und, solange sie wissen dass sie bedingungslos geliebt werden, auch damit umgehen können.

Euer Päckchen ist nicht leicht dass ihr zu tragen habt, und es werden sicher noch viele schwierige Momente kommen, aber wenn ihr euch liebt und unterstützt, dann packt ihr dass auch! Auch mit mehr als nur einem Kind.

Ich wünsche dir alles alles Gute.

Lg

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Vielen Dank fürs Teilen. Ich wünsche euch alles Gute.

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