Partner ist psychisch krank - Hilfe für Angehörige?

Ich versuche mich kurz zu fassen, hoffe aber auf diesem Weg eventuell Anlaufstellen oder ähnliches zu finden. Vielleicht auch ein paar spontane Erfahrungsberichte zur Motivation.

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Ok, es ist doch sehr lang geworden, daher das wichtigste zuerst: Gibt es Hilfen / Kontakte / Anlaufstellen für Angehörige von psychisch kranken Menschen? Bitte keine Vermutungen oder vielleicht dort und dort. Ich suche wirklich möglichst konkret Kontakt zu Personen mit Erfahrungen oder Fachwissen. Am besten Frauen, deren Männer psychische Probleme haben.
Weiß vielleicht hier jemand ob man sich auch selbst an Ärzte / Psychologen o.ä. wenden kann? Gibt es Paartherapien, sodass der Partner irgendwie einbezogen wird bei der Behandlung?
Bitte keine Buchvorschläge! Ich habe viel gelesen aber irgendwie ist die persönliche Situation doch immer sehr speziell...

Kurzum: Was / Wer / Wie hat euch geholfen, wenn euer Partner betroffen war?

Im folgenden noch die Langfassung, falls es jemanden interessiert...

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Kurz zu uns: Ich bin mit meinem Mann seit 12 Jahren zusammen. Wir haben 2 Kinder unter 4 Jahren. Finanziell stehen wir durchschnittlich gut da mit 2 sicheren Gehältern bzw. unbefristeten Jobs im öffentlichen Dienst. Ein Hausbau ist geplant.

Mein Mann hat leider schon seit einigen Jahren psychische Probleme, ca. seit der Pubertät. Diagnostiziert wurde mal eine Angststörung, ich vermute aber auch eine Depression. Er hat immer wieder "Schübe". Mal ist jahrelang nichts und plötzlich fühlt er sich krank und er rutscht total in eine akute Phase, wo nichts mehr geht. Er ist dann wochenlang erstmal "schlapp", hat von Herz- über Kreislauf- und Stoffwechselproblemen alles mögliche. Nur mal als Beispiel: Er legt sich nachmittags hin, ich wecke ihn später, er fühlt sich matt. Für mich völlig logisch, so geht es mir auch meist nach einem Mittagsschlaf - er geht dann alle möglichen Krankheiten / Diagnosen durch, die dafür verantwortlich sein könnten. Dabei sitzt er abwesend im Bett, vergisst alles um sich, während ich mit den 2 Kindern allein dastehe.

Die schlimmste und letzte Phase war vor 5 Jahren... Er war damals auch stationär mehrere Monate im KH ubd wurde medikamentös eingestellt. Die Medikamente hat er auf eigenen Wunsch aber ärztlich begleitet inzwischen abgesetzt. Es ging ihm lange gut. Corona gab nun im März den ersten Dämpfer. Er hat sich natürlich furchtbar in die Angst hineingesteigert und sieht sich als Risikopatient. Er hat sich schnell gefangen aber nun geht es plötzlich wieder los... Er fühlt sich krank, forscht selbst nach allen möglichen Diagnosen, geht aber nicht zum Arzt, da die ihn eh nicht verstehen. Er ist schlapp, hängt oft rum, schläft lange usw. Und ich bin eigentlich jetzt schon mit meinen Kräften am Ende. Ich kann mich nicht um 2 kleine Kinder und ihn kümmern. Ich habe wirklich Verständnis und weiß, dass er nichts dafür kann aber ich kann es nicht ertragen, dass er sich nicht uns zu liebe schnelle Hilfe holt.
Seine Eltern sind leider keine Hilfe, da sie ihn in seinen Ängsten nur bestärken und überhaupt keine Ahnung von der Angststörung haben. Meine Eltern wohnen weit weg und unterstützen mich so gut es geht aber die Möglichkeiten sind begrenzt. Meine Freunde sind verständnisvoll aber haben halt einfach keine Ahnung / Erfahrung, was es heißt mit so jemanden zusammen zu leben... Daher meine Frage nach Anlaufstellen (siehe oben).

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Wo wohnst du?

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Ich bin in einer ähnlichen Situation.
Ich fahre bald zur Kur, einfach mal zum abschalten.
Hatte auch schon überlegt, ob es etwas für Angehörige gibt, aber bin nicht fündig geworden.
Die Ärzte haben mich auch nie mit einbezogen, was ich persönlich sehr schade finde.
Frage mich auch oft, wie lange ich noch stark bleiben kann.
Es ist wirklich eine schwierige Situation, ich habe auch viel Verständnis aber auch viel Wut und wünsche mir manchmal einfach eine "normale" Familie.
Alleinerziehend mit Mann.

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Hey!
Du kannst dich sicher selbst an einen Psychologen wenden um das Thema Co-Abhängigkeit zu thematisieren. Oder die eigene Erschöpfung.

Dann gibt es Beratungsstellen, ja. Google, welche Möglichkeiten es in der Stadt gibt, in der du wohnst. Wichtig ist, dass sie auch den Schwerpunkt auf psychische Erkrankungen legen.
Du könntest dich auch an den sozialpsychiatrischen Dienst deines Gesundheitsamtes wenden. Vielleicht können die dir Empfehlungen aussprechen.

Ansonsten ist halt wichtig, dass sich dein Mann wieder in Therapie begibt. Ist er da einsichtig?

Eine Paartherapie wird sicher jetzt nicht ratsam sein- erst sollte dein Mann seine aktuelle Episode in den Griff kriegen. Ich sehe es bei meinem Mann, dass er in solchen Phasen nicht unbedingt zu rationalen Gesprächen in der Lage ist ;)

Liebe Grüße und viel Kraft!
Schoko

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Hallo

ich selber habe es nicht.. aber meine Eltern.. meine Mama leidet an Depri... und das seit ihrer Kindheit... sie bekommt beim Neurologen aktuell spritzen damit sie gut zurecht kommt.. Sie war auch oft in der Psychatrie. Durch die Spritze die sie alle 3 Wochen holt ist sie Stabil.

wenn sie denkt das sie in ein Loch fallen könnte... wie vor kurzen als ihr Mann verstorben war, hatte sie gedacht sie müsste für eine Zeit die Dosis erhöhen lassen, war aber nicht so.

LG

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Es gibt außerdem fast überall Selbsthilfegruppen für Angehörige! Die zuständige Kontaktstelle findest Du unter www.nakos.de unter rote Adressen. Alles Gute!

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Also mein Mann ist polytox(seit über 10 Jahren sauber) und depressiv (medikamentös eingestellt).
Er hat mich ganz am Anfang unserer Beziehung mal mit zu den NA's (/AA's) genommen.
Auch zu seinem Psychologen war ich 2x mal mit.
Er war 2x in den Jahren unserer Beziehung in Akutbehandlung in der Uniklinik mit 1x einer anschlussheiltherapie in der Tagesklinik.
Das wären in meinem Fall schon 4 Anlaufstellen.
Vielleicht magst du dich ja an die ihn behandelnden Ärzte wenden , das die dir für deinen Wohnort die passenden Tipps geben.

Auch kannst du im Internet für deinen Wohnort nach den verschiedenen Selbsthilfegruppen suchen.
Es gibt auch Selbsthilfegruppen für Angehörige.

Oder aber auch an eure ortsansässige pflegeberatungsstelle.

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Ich ziehe absolut meinen Hut vor Dir!

Ich selbst war 2,5 Jahre mit einem depressiven Partner mit schwerwiegender Persönlichkeitsstörung zusammen und habe ihn dazu gebracht, eine Therapie inkl. stationärem Aufenthalt zu beginnen.

Die Therapie ist vollkommen auf den Patienten ausgerichtet, eine Einbeziehung seines Umfeldes ist nicht vorgesehen. Das ist für mich nach wie vor nicht nachvollziehbar, da es absolut subjektiv bleibt.

Letztendlich habe ich mich getrennt, weil die Sichtweise meines Ex auf die Dinge einseitig war.

Das Verhalten deines Mannes erinnert mich an meinen Vater, der auch stark hypochondrische Züge aufgewiesen hat und sich irgendwann in sämtliche Krankheitsbilder rein gesteigert hat und letztendlich eine starke Psychose entwickelt hat.

Ich wünsche Dir alles Gute!

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Hallo, mein Mann leidet seit vielen Jahren an Depressionen, zeitweise war es so schlimm, daß ich jeden tsv dachte er bringt sich um.

Es war ein wirklich wirklich harter Weg die letzten Jahre, ich war oft kurz davor aufzugeben.
Ich habe einmal die telefinseelsorge angerufen, weil ich wirklich am Ende war. Sonst mit Freunden gesprochen, aber vieke haben irgendwann kein Verständnis mehr. Depressionen sind nicht so wichtig anerkannt, da man es nicgt sieht, viele ich auch vorher nicht, haben keine Ahnung von dieser Krankheit.
Mittlerweile geht's uns seht gut und mein Mann ist schon länger stabil ein Glück.
Vielleicht suchst du dir eine Selbsthilfe Gruppe für Angehörige, es hilft sich mit anderen Betroffenen auszutauschen. Alles gute für euch.

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Ich kann das sehr gut nachempfinden. Mein Mann hat Depressionen, ist aber aktuell sehr gut medikamentös eingestellt. In der Akutphase war er auch in stationärer Behandlung.
Man fühlt sich einfach unendlich allein. Mit ihm über meine Sorgen zu sprechen war nicht möglich, das Verständnis nicht selbst betroffener Freunde/Verwandte zwar da aber begrenzt. In die Therapien wird man auch nicht wirklich eingebunden, ich war nur einmal auf Wunsch meines Mannes dabei.
Du kannst mal gucken ob eine Mutter-Kind-Kur etwas wäre für dich, es gibt Kliniken die auch speziell für Familien mit psychisch kranken Partnern ausgelegt sind.

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