muss man als Eltern den Anspruch haben, kinder ohne Unterstützung groß zu ziehen?

Ich höre immer wieder von Freunden, wenn wir uns über die Organisation des Alltags unterhalten, über Entlastungsmöglichkeiten etc., dass viele den Anspruch haben, alleine ihre Kinder zu betreuen.
Wenn es nicht anders geht, also keine Großeltern oder Tanten und Onkel in der nähe sind, verstehe ich das ja sogar noch, aber dann ist es ja auch nicht ohne Weiteres anders machbar, zumindest muss man sich dann aktiv um Entlastung bemühen .
Wollen es wirklich viele Eltern nicht oder machen sie aus der Not eine Tugend?
Woher kommt das ? Ich bin z.B in einer klassischen Kleinfamilie groß geworden, aber meine Eltern und Großeltern wurden noch häufig von Tanten , Onkeln, Nachbarn oder Großeltern betreut, einfach weil alle gearbeitet haben und der der grade da war, hat sich halt um die Kinder gekümmert.
Das heißt, lange gesellschaftlich verankert kann die Ansicht, dass in der Kleinfamilie alles selbst von den Eltern zu stemmen ist, ja nicht sein.
Ich selbst bin nach der Schule meist nicht in den Hort, den mochte ich nicht, sondern zu einer älteren Nachbarin, zumindest bis zum Ende der Grundschulzeit.
Docht hab ich gegessen und Hausaufgaben gemacht bis meine Mutter oder Vater abends von der Arbeit kamen.
Als meine Mutter dann Zwillinge bekam, hatten wir ein Au pair was die beiden versorgt hat.
Ich selbst habe drei Kinder, bin voll berufstätig, und hatte auch immer Hilfe bei der Betreuung meiner drei Kinder.
Entweder auch durch Au pairs, Babysitter für die Wochenenden, Leihoma oder bei besonderen Terminen auch mal ein paar Tage durch die Großeltern, zumindest bei den ersten beiden.
Sowohl als ich in einer Partnerschaft, als auch in Phasen wo ich AE war, hab ich das so gemacht.
Seit dem Grundschulalter hab ich das dann langsam runter gefahren und die kinder mussten ab dem 10 Lebensjahr nachmittags alleine zurecht kommen, sich was kochen, ihre Termine selbst organisieren.
Mittlerweile kommt einmal die Woche noch die Leihoma , habe ich am Wochenende was vor, abends ausgehen, bleiben die Kinder alleine zu hause, seit die Jüngste 5 ist, da waren die Großen 12 und 10.
Woher kommt eurer Meinung nach das Denken, alles was die Kinder betrifft alleine oder als Elternpaar schaffen zu müssen?

Weiß ich nicht so genau...aber mein Mann und ich haben unsere 3 Kinder ohne jegliche Unterstützung geplant. Weil wir unabhängig sein wollten. Jegliche finanzielle Hilfe oder organisatorische Hilfe hatten wir nie und haben die auch nie eingeplant.
Das zieht dann u.U. einen Rattenschwanz von Verpflichtungen, Dankbarkeitsorgien oder was weiß ich hinter sich her--andersrum ist man so auch nicht von Dritten abhängig.

Hier höre ich den Druck raus, von dem darling2020 gesprochen hat.

Nicht von jemandem abhängig sein wollen.

Verdammt! Wir Menschen sind Herdentiere! Unsere Gesellschaft funktioniert nur, weil jeder seinen Teil beiträgt.
Prinzipiell bist du von zig Menschen abhängig. Dem Bäcker, dem Verkäufer, dem Schuster, dem Bauern... Nur musst du ihnen nicht explizit danken, sondern es reicht, wenn sie ihren monetären Lohn bekommen.

Ich finde es traurig, dass du betonst, deine (Schein)Unabhängigkeit bewahren zu wollen, weil du keine Dankeshymnen aussprechen willst. Du wirst deine Gründe haben.
Für mich klingt es nur so, als würde man in ner Blase leben. Das macht dann auch die Empathie für andere Leute kaputt, weils dann heißt "hätte man sich mal besser gekümmert".

Ich bitte den um Hilfe, der sie mir gern gibt und bemühe mich um entsprechende Dankbarkeit. Wer mich mit seiner Hilfe erpressen will, braucht mir nicht helfen.

Genau, das war mir auch immer wichtig, dass man nicht auf die Unterstützung angewiesen ist und es keine Verpflichtungen gibt.

Meine Eltern nehmen die Kinder gern, weil sie auch Spaß dran haben. Aber wenn es nicht gut klappen würde, könnte ich 'nein, danke" sagen, wenn meine Eltern nicht wollen würden, könnten sie nein sagen, und es gibt keine Verpflichtungen, die man lieber nicht erfüllen will. Dass wir ihnen auch bei was helfen, wenn nötig, klar, aber ohne "wir haben, also müsst ihr"-Druck.

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Liegt mit Sicherheit an der Ideologie das Kinder zu den Eltern gehören und man sonst als schwach betitelt wird wenn man anderen ebenso die Betreuung überlässt, obwohl man eh da ist.

Der Druck heutzutage ist irgendwie enorm geworden. Man soll dies nicht, man darf das nicht, aber egal wie man es macht, es ist falsch und leider versuchen viele der Gesellschaft einfach gerecht zu werden, denn, "Das gehört sich so".

Meine Meinung dazu ist das die Eltern es doch bitte alle so machen sollen wie sie sich damit wohl fühlen, ohne dabei Angst haben zu müssen das andere sie schief anschauen könnten.

Hallo,

ich denke viele haben eben keine Möglichkeit die Kinder anderweitig in liebevolle Betreuung zu geben. Der Haken ist eben da das Wort "liebevoll".
Irgendwo bekommt man ein Kind immer unter - aber einiges bleibt eben auf der Strecke.
Je mehr Kinder, desto schwieriger wird es dann aber schon ...

Ich musste auch schon in der Grundschule allein zur Schule / nach Hause mit Rad (ca 5 km über Felder / durch Wald), mir selbst essen machen, Haushalt machen, Hausaufgaben selbstständig und als Bonus alles mit kleiner Schwester an der Backe, die ich auch aus der Krippe abholen musste.
Nein ich habe mich NIE geliebt gefühlt. Irgendwie war ich halt da, aber wenn ich nicht da gewesen wäre, wäre auch okay gewesen - das habe ich von ganz klein auf gemerkt und deswegen will ich diese Einstellung niemals meinen Kindern antun.

Vielleicht hätte ich Möglichkeiten Bekannten meine Kinder anzudrehen (Familie arbeitet selbst oder hat kein Interesse), aber das kommt für mich nur im Notfall in Frage. Ich möchte, dass sich meine Kinder immer geliebt fühlen, immer jemand verlässlich da ist, der bei Problemen zuhört und vermitteln kann. Wenn sie immer nur in Betreuung bei irgendwem wären, könnte ich das nicht leisten!


Das soll kein Angriff auf deine Art zu leben sein.
Wenn alle glücklich sind, ist doch super.
Es gibt halt nicht nur den einen Weg eine glückliche Familie zu führen :-D
Ich lebe nicht um zu arbeiten, ich arbeite um zu leben ;-)

Ich denke nicht. Ich würde diese Vorstellung, dass nur die Eltern oder bestenfalls Blutsverwandte (typischerweise die Grosseltern der Kinder) für die Betreuung in Frage kommen, als "typisch deutsch" bezeichnen. Selbst in der Schweiz, wo die Menschen in vielen Fragen recht ähnlich ticken, sieht man das wenigstens in den grossen Städten schon etwas anders.

Aus meiner Sicht ist es generell nicht erstrebenswert, sich nicht helfen zu lassen, wenn Hilfe grundsätzlich verfügbar wäre.

Andersherum: die Familie *muss nicht* unterstützen.
Ich lese hier so oft, dass die Großeltern kein Interesse haben und die Eltern Unterstützung erwarten. Und da finde ich eben, man hat keinen Anspruch auf Unterstützung.

Die Unterstützung dagegen abzulehnen, wenn man sie haben könnte, fände ich sehr schade, weil bei gutem Verhältnis ja alle Beteiligten davon profitieren.

Ja, wir haben den Anspruch unsere Kinder alleine groß zu bekommen, und bisher klappt das prima. Unsere Kinder sind 10, 8 und 6. Unsere Eltern arbeiten alle noch voll - und leben ihre Freizeit in vollen Zügen aus. Urlaube, Freunde usw. Ich gönne ihnen das, und wünsche mir das später auch!

Wer sich auf sie die Unterstützung der Großeltern verlässt sollte die vor Zeugung fragen (mal überspitzt gesagt). Ich habe Freunde, die selber Einzelkinder sind und drei Kinder haben. Die Eltern wollten damals, als sie jünger waren, nur ein Kind, weil sie nicht mehr Stress und Arbeit wollten. Die Freunde sind sauer, dass die nun älteren Eltern immer noch keine drei Kinder dauerhaft betreuen möchten.

Das meinte ich nicht, verlassen auf oder einfordern von Betreuung ist nicht gemeint, sondern eher das Gegenteil, die Ablehnung von Unterstützung, wenn Sie sich nicht gerade zufällig bietet.
Ich meine hier gar nicht Großeltern, die hatte ich auch nur selten hier.
Das was ich an Unterstützung hatte, hab ich selbst organisiert und mir aktiv gesucht, so wie ich es brauchte um mir selbst die notwendige Entlastung zu geben.
Großeltern sind ja nur eine Option unter vielen, warum werden die ganzen anderen nicht genutzt?

Weil es meine bzw unsere Kinder sind, und ich keinerlei Notwendigkeit sehe.

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Mein Vater sagte oft:

plane so, dass du es auch alleine schaffst (jeder Bereich!)
und freue dich, wenn es in Gemeinschaft klappt.

Plane so, dass du selbst genug gespart hast, auch dann, wenn die Versicherung nicht/sehr viel später zahlt.
Nutze es aber, wenn dann das Geld doch noch kommt.

Familiär:
erwarte nicht, dass andere es für dich machen!
Plane nicht ein, dass andere dich pflegen/versorgen.
aber freue dich, wenn es jemand gerne tut.

Gehe mit anderen so um, dass sie keinen Grund haben dich zu hassen.
Aber plane nicht fest ein, dass sie es genauso sehen.



Beim Thema Kind:

ich trage die verantwortung, KV hat kein Interesse.
Also plane ich ohne ihn
und plane ohne feste Hilfe.

Wenn es darauf ankommt, weiß ich aber wen ich anrufen und fragen kann.
Damit niemand sich verpflichtet fühlt oder die Last der Verantwortung "die fest eingeplanten" zu sein, mit trägt,

weiß jeder der in Frage kommenden, dass es viele gibt, die potentiell könnten.

Der Vorteil für mich: da niemand fest eingeplant ist, bin ich insgeheim flexibel und vertraue auf die Menschlichkeit.

Bekannte, die alles fest geplant haben, wer wie viel Betreuung übernimmt, Kindergarten mit Zeiten x usw. haben zwar die Sicherheit, so lange es alles nach Plan läuft und jeder Part seinen abgesprochenen Teil einhält.

Wenn aber Kind krank wird, Opa im Urlaub ist, Oma im Krankenhaus oder Tagesmutter mit kündigungsfrist aufhört, dann ändert sich erst mal alles.

Sind sie darauf eingestellt, dass es auch anders kommen kann, finden sie Lösungen.
Im Zweifel schaffen sie es auch so.

Schieben sie es grundsätzlich weg und verlassen sich nur auf andere (weil es ja Pläne gibt), dann wird es schwierig.



In meiner Verwandtschaft ist es üblich, dass man sich gegenseitig unterstützt.
Aber auch gerechtfertigt, wenn das nicht immer alle machen. Jeder zieht sich mal raus und gibt zu einem anderen Zeitpunkt.

Mit Kind ist man selbst verantwortlich. Wenn es hart auf hart kommt, ist es die Aufgabe er Eltern alleine.
Super, wenn es mit Unterstützung klappt.
Im Zweifel muss aber auch so gehen.


Den Anspruch es alleine schaffen zu müssen, habe ich nur bestimmten Verwandten gegenüber: jenen, die immer behaupten wie viel und groß sie tun, im Grunde aber die ersten sind, wenn es ums NICHT unterstützen geht. :-p

Da sage ich dann gerne: lieber schaffe ich es alleine, als TROTZ deren NICHT_Hilfe noch zusätzlichen Ärger an der *** zu haben :-p

Ganz alleine schaffe ich es nicht. Ich habe ein gutes soziales Netzwerk und tolle Freunde. Alleinerziehend bin ich trotzdem. Die Verantwortung und die Organisation liegt bei mir - alleine. Das ist auch ok so.

Kluger Mann, dein Vater #pro

Ich kann nur für mich sprechen. Bei meinem Sohn kamen die Großeltern von Anfang an regelmäßig vorbei, um ihn zu betreuen während ich arbeiten ging. Als er dann in die Kita kam, waren sie traurig, weil sie nicht mehr " gebraucht" wurden. Sie wohnen 120 km weit weg und so bot ich ihnen an, den kleinen jeden Monat für ein Wochenende zu übernehmen. Wir haben dann immer das Wochenende gewählt, wo ich arbeiten musste. So hatten wir alle was davon. Dann wurde ich krank, da war er etwas über 2 und sie behielten ihn dann 10 Tage bei sich, damit ich richtig ausruhen konnte. Ich war und bin sehr dankbar dafür. Wir planen deren Hilfe nicht ein, aber wenn wir etwas organisatorisch nicht allein hinkriegen, fragen wir schon.
Bei meiner Tochter konnte ich von zu Hause aus arbeiten, daher war eine Betreuung durch andere nicht notwendig. Hätte sie allerdings auch nicht zugelassen, weil sie sehr an mir hing. Das wollen wir nun aber mal in Angriff nehmen, dass auch sie mal übers Wochenende mit dem großen zusammen bei den Großeltern bleibt. Die zwei können es nämlich kaum erwarten bald beide bei sich zu haben.
Einfordern würde ich das allerdings nie. Annehmen tu ich das aber gern. Was andere denken ist mir ziemlich egal, denn für uns alle funktioniert es so gut und keiner leidet unter irgendwelchen Verpflichtungen...

Hallo.

Ich habe keine ahnung. wir sind nicht nur eltern sondern auch noch mann und frau.

uns ist Betreuung wichtig!

unser kleiner ist gerne und von klein auf gerne bei großeltern, bei opa, bei einer bekannten.... und wir haben eine Nanny

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