Vollzeitjob und Kinder

Hallo zusammen.

Meine Tochter ist 3 Jahre alt und ich arbeite als Mutter Vollzeit. Meine Kleine geht halbtags in den Kindergarten, den Großteil der restlichen Betreuung übernimmt mein Mann. Er ist gerade am Ende seines Studiums und arbeitet nebenher so wie es eben gerade zeitlich passt. Er ist wirklich klasse, kümmert sich gut um die Kleine und macht auch sonst einiges. An Unterstützung mangelt es mir also eigentlich nicht.

Und trotzdem habe ich in letzter Zeit das Gefühl, dass mir alles über den Kopf wächst. Gefühlt werde ich derzeit einfach niemandem gerecht. Meinem Kind nicht, meinem Mann nicht, dem Job nicht. Ich komme mir vor wie in einem Hamsterrad in dem ich renne und renne, aber es reicht trotzdem vorne und hinten nicht.

Es fällt mir schwer so wenig Zeit mit der Kleinen zu haben. Vieles nicht mehr so intensiv mit ihr zu erleben. Ich gehe morgens um 6.45 Uhr aus dem Haus, davor bleibt kaum Zeit mit ihr. Nachmittags komme ich so um 16.30 Uhr nach Hause und habe dann noch 3 Stunden Zeit mit ihr bevor sie ins Bett geht. Die nutze ich meist umso mehr mit ihr und erledigen nebenher noch ein bisschen was im Haushalt. Wenn sie dann um 20 Uhr / 20. 30 Uhr schläft, würde ich am liebsten mit ins Bett gehen. Viel gemeinsame Zeit mit meinem Mann bleibt also auch nicht. Und was mich noch viel mehr stört, ist das dann einfach keine "Energie" mehr für ihn übrig ist. Im Job könnte ich mich sicherlich auch mehr engagieren, aber Momentan versuche ich da ein bisschen Ressourcen einzusparen.

Die gesamte Situation ist irgendwie unzufriedenstellend. Ich fühle mich gestresst und Dauermüde. Und dann kommt bei mir immer die Frage auf andere schaffen das doch auch ganz locker. Teilweise mit mehr Kindern und weniger Unterstützung. Warum Stelle ich mich so an? Was läuft bei uns falsch?

Etwas ändern an der Situation klar habe ich auch schon überlegt. Ich werde im Mai/Juni nochmal eine Prüfung machen und geplant im Juli den Job wechseln. Da wäre eine Reduktion prinzipiell möglich. Finanziell könnten wir auch von meinem Teilzeitgehalt Leben, ich verdiene genug. Aber dann wäre zb ein Eigenheim (haben aktuell eine kleine Eigentumswohnung) auf absehbare Zeit nicht drin. Mein Mann hat eine chronische Erkrankung, deren Verlauf schwer vorher zu sagen ist. Ich werde vermutlich Hauptverdiener bleiben. Wir sind schlicht auf mein Gehalt angewiesen, was mich gefühlt noch mehr unter Druck setzt. Zusätzlich hätten wir eigentlich gerne ein zweites Kind, irgendwann nach dem Jobwechsel. Noch ein Grund mehr warum es eigentlich bei Vollzeit bleiben sollte, so könnten wir mehr ansparen.

Wie schafft ihr das Vollzeit mit (Klein)kind(ern)? Habt ihr auch manchmal das Gefühl allen nicht gerecht zu werden? Wie geht ihr damit um? Was macht ihr anders?

Liebe Grüße

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Hallo,

es ist sicher nicht einfach zu wissen, dass man der Hauptverdiener bleiben wird und den Druck auszuhalten.

Nichtsdestotrotz musst du auf dich achten. Und auch achten, dass du Freude am Leben spürst, das ist wirklich wichtig. Ich würde zuerst da ansetzen, du brauchst qualitative Eigenzeit und wenn es nur 2 Stunden pro Woche sind. Idealerweise 2x2. Badewanne, Sport, Buch, Kino, einfach in Ruhe ein Kaffee und Zeitung. Welche Inseln das für dich sind, musst du herausfinden.
Das wird dir schon mal mehr Energie und Freude geben. Ich gebe dafür manchmal Schlaf auf, also abends oder am Wochenende während des Mittagsschlafs wenn es nicht anders geht. Es gibt mir so viel Energie, dass es den mangelnden Schlaf mehr als wett macht.

Und dann brauchst du Exklusiv-Zeit mit deinem Kind, vielleicht geht ihr einmal die Woche schwimmen? oder etwas anderes, das ihr beide mögt. Das stärkt eure Bindung und gibt dir ein gutes Gefühl.

Vielleicht kannst du deine Arbeitszeit flexibler gestalten? Ich zum Beispiel arbeite an 2 Tagen der Woche bis 18:30/19:00 Uhr und sehe meinen Sohn quasi nur beim Frühstück und kurz vor dem Schlafengehen, er geht um 20 Uhr ins Bett. Aber dafür hole ich ihn an den anderen 3 Tagen schon kurz nach 14 Uhr in der Kita ab und habe so ein größeres und intensiveres Zeitfenster mit ihm. Für mich funktioniert das so am besten, so kann ich an 2 Tagen arbeiten ohne auf die Uhr zu schauen und schaffe meist sehr viel weg, das gibt mir ein gutes Gefühl. Und ich habe 3 volle entspannte Nachmittage mit dem Kleinen, wo wir Zeit haben und Dinge unternehmen können usw.

Ich kann auch immer nur empfehlen, wenn es irgendwie geht, sich eine Putzhilfe zu suche. 2 Stunden die Woche kosten nicht die Welt und jemand hat gründlich Bad und Böden geputzt, herrlich, das schenkt auch Paarzeit!

Schritt für Schritt und immer auf dich und deine Bedürfnisse achten! ;-)

Liebe Grüsse!

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Ich habe mein Denken geändert. Ich möchte nur noch mir selbst gerecht sein. Dann klappt der Rest auch.

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Ich denke so geht es den meisten, die die Vollzeit arbeitendenj sind.
Also derzeit primär Männer.
Aber was soll man sagen.
Einer muss ja Geld verdienen.
Es ist sicher oft nicht schön, wenig mitbekommen.
Aber halb fünf ist ja grundsätzlich noch human.
Ich denke dieses chronische schlechte Gewissen gehört dazu.
Männer reden nur nicht drüber

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Hallo, das ist "das Leid" der Vollzeitarbeitenden. Bei uns ist es mein Mann. Er geht auch morgens früh aus dem Haus und kommt gegen 17.30/18 Uhr nach Hause. Unsere Tochter geht um 18.30 Uhr schlafen, weil sie erschöpft vom Kindergarten ist. Viel Zeit bleibt da logischerweise nicht. Eventuell reduziert er mal ein wenig, mal schauen was die Zukunft bringt (2. Kind geplant & Eigenheim). Wenn ihr es euch leisten könnt, würde ich an deiner Stelle etwas reduzieren. Dann hast du mehr Zeit mit der Kleinen und bist nicht so überlastet auf Dauer.
Liebe Grüße

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Wir haben es genauso gemacht mit 5 Kindern.
Wir haben den Haushalt oft Haushalt sein lassen und uns gegenseitig viel Schlafzeit verschafft, so waren wir nie müde.
Wir haben aber wirklich alles zusammen gemacht, wer da war hat geputzt&Co....
Ist es wirklich so bei Euch?

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Das ist das Leid der Vollzeit- oder überhaupt arbeitenden Eltern. Uns geht es auch so. Zwar gehen unsere Kinder „nur“ 7 Stunden in die Kita, aber mein Mann ist wochentags oft nicht da. Einen Tipp kann ich dir nicht geben. Vor allem weil du auch ein weiteres Kind im Zusammenhang mit der finanziellen Situation erwähnst. Uns geht es ähnlich. Ich hätte auch gern noch ein Kind, das bedeutet aber, dass der finanzielle Stress größer wird, wenn wir nicht sonderlich Einsparungen machen wollen. Es ist tragisch und ein Leid.

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Was soll ich sagen, es geht mir genauso... Irgendwie hat man das Gefühl immer irgendwas vergessen zu haben und der Zeit hinterher zu laufen. Nichts macht man in Ruhe, nichts richtig ordentlich. Und ich hab bereits eine Putzhilfe.
Ich versuche jetzt immer eine Sache ordentlich zu machen. Es gibt lange Arbeitstage, kurze Arbeitstage mit Zeit für das Kind, gezielte Elternzeit mit Kind bei Oma und Opa. So hab ich wenigstens das Gefühl einzelne Dinge mal in Ruhe machen zu können.

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Es ist ja leider meistens so das ein Part mehr bzw. Vollzeit arbeiten muss, da bist du nicht allein. Bei uns ist es mein Mann - er kommt frühestens 19.30 nach Hause und da ist unser Tag einfach gelaufen, Kind auch im Bett.

Wenn du die Möglichkeit hast zu reduzieren, dann mach es doch für ein paar Jahre. Aufstocken wirst du sicher immer noch können. In dem Fall muss man für sich selber entscheiden, was einem im Moment wichtiger ist. Zeit mit dem Kind - wenn man es sich leisten kann! oder sparen für die Zukunft. Die Zeit mit deinem Kind bekommst du nicht zurück, ein Eigenheim kann auch in drei vier Jahren angegangen werden.

Das muss wirklich jeder für sich und seine Lebenssituation entscheiden.

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Hallo,

Mir geht es sehr ähnlich, obwohl ich "nur" Teilzeit arbeite.
Frühs gleich los, mittags heim, evtl noch schnell einkaufen, daheim versuchen aufzuräumen und dann um die Kleine kümmern. Mein Mann arbeitet immer Spätschicht, daher teilen wir die Beträuung.
Leider sind wir beide abends absolut fertig und es hängt auch alles hinten nach (Wohnung halt)
Eigenheim können wir uns hier eh nicht leisten. Bin sehr froh, dass wir eine Wohnung von meinem Schwiegervater bekommen.
Daher klappt das mit dem Geld auch.

Ich habe auch immer das Gefühl etwas verpasst zu haben. Aktuell trauere ich meiner Elternzeit etwas nach, da ich direkt wieder mit Arbeit angefangen habe nach dem Mutterschutz (erstmal mit Home Office)

Ich hoffe die Zeiten werden noch besser.

Alles Gute euch noch!!

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