Mann hat zu hohe Ansprüche an Vaterolle

Mein Mann hat extrem hohe Ansprüche an sich als Vater und auch an mich als Mutter. Jedes kindliche Bedürfnis wiegt mehr als das der Eltern - er hat keine eigenen Ziele/Hobbys mehr, wirft es mir vor, wenn ich diesen Ansatz nicht teile. Ich sehe Eigenfürsorge und die elterliche Paarbeziehung als Fundament des Familienlebens, er hat nur das Kind im Fokus. Arbeit, Zweisamkeit, alles unwichtig. Natürlich ist das zweitrangig, aber er ist eigentlich völlig am Ende und zerfleischt sich selbst jedesmal wenn eine Situation nicht perfekt lief. Mit den Großeltern kommt er auch nicht mehr klar, da diese in seinen Augen falsch agieren und das Kind (2) "traumatisieren". Sind euch Bücher, Seminare, Artikel etc. bekannt, die so eine Dynamik thematisieren? (Gern auch mit umgekehrten Rollen, wie es wohl üblicher ist.)

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Redet er darüber?
Ist ihm das Verhalten bewusst?

Wie war es bei ihm früher?

Bücher kenne ich nicht.
Dass so ein Verhalten verschiedene Ursachen haben kann, allerdings schon.

Ein paar Beispiele:
- besser machen wollen, als die eigenen Eltern
- das Gefühl zu versagen, weil man Angst hat, es nicht so gut zu schaffen, wie die eigenen Eltern damals
- Ansichten aus dem Umfeld

- Flucht vor sich selbst
- Flucht vor eigenen Gefühlen
- Flucht vor dem älter werden
- Flucht davor sich mit eigenen Bedürfnissen, Ängsten, Sorgen, Gefühlen zu beschäftigen

Fokusierung aufs Kind kann Ablenkung sein.

Gefährlich wird es, wenn die Bedürfnisse des Kindes nicht mehr gesehen oder übergangen werden, weil sie das Mittel sind, sich von sich selbst abzulenken.

Das Bedürfnis meines Kindes ist klar: sie möchte, dass es MIR gut geht, damit sie sich (Kind/Pubertist) auf mich (Erwachsene, stabile Person) verlassen kann, dass sie Halt bei mir findet.
Wenn ich stabil bin und mich um mich selbst kümmere, dann bin ich stark genug, dass ich sie mittragen kann.


- Eifersucht
- Sehnsucht nach bedingungsloser Liebe
- Sehnsucht nach Liebe vom Kind, für die man alles tut, um sich selbst das Privilig zu geben, das auch anzunehmen

- Trauma nach schwerer Geburt
- Angst, das Kind hätte sterben können

- Familienmitglied ist früh als Kind gestorben


Kann er mit dir darüber sprechen? Über seine Gefühle?

Wie sind die Situationen, wenn das Kind gut versorgt im Bett liegt und schläft?
Ist dann Zeit zu zweit möglich?
Zieht er sich dann zurück?

Steht er dann am Bett des Kindes und bleibt dabei, damit nichts passiert? (auch das schon im Bekanntenkreis mitbekommen). Ursachen waren hier schwere Geburt, Angst das Kind könnte sterben, weitere Trauma und so der Versuch sich nicht damit beschäftigen zu wollen.


Bei den meisten reichte es mit dem Partner/Familie/enge Freunde darüber zu reden.
Ängste, Sorgen, Gefühle zu zu lassen, auszusprechen
gemeinsam einen Weg zu finden

Bei wenigen, brauchte es dann eine Therapie. Auch um die eigenen Gefühle/Bedürfnisse wieder zulassen zu können, lernen darüber zu reden.
und im Anschluss verarbeiten, was die eigentliche Ursache, lange vor den Kindern, das Verhalten im heute ausgelöst hatte.

Bei Frauen waren teilweise auch hormonelle Probleme, gesundheitliches Ungleichgewicht , das vorhandene Sorgen verstärkt haben.

Bei Männern weiß ich nicht wie es mit Hormonen ist.
Plötzlich auftretende Verhaltensänderungen können aber durchaus mit Schilddrüse, Eisenmangel, beginnender Diabetis zu tun haben.
Oder eben auch psychische Folgen/Ursachen sein.

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Das hast du echt gut beschrieben. 👍 Vielleicht solltest du mal über eine eigene Website zu dem Thema nachdenken.

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Danke #hicks

hm.... neee.... da bin ich eher schüchtern.... so zwischen anderen Beiträgen kann ich mich gut verstecken.... wer es mag, kann es lesen, wer nicht, weiter scrollen .... das reicht mir schon um denjenigen zu helfen, die was damit anfangen können .... und weniger Gefahr andere zu erschlagen, für die es unpassend ist (scrollen hilft) #hicks

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So ganz teile ich die Meinung deines Mannes auf keinen Fall. Sicherlich muss man sich ein Stück zurücknehmen wenn man ein Kind hat. Soweit ist das schon richtig und die Bedürfnisse des Kindes, je nach Alter, spielen auch eine größere Rolle. Man kann ja nicht mehr ganz so wie vorher. ABer das man seine eignen Bedürfnisse komplett verleugnet und nur noch nach der Nase des Kindes springt ist vollkommen der falsche Weg. Gerade wenn dein Mann schon nicht mehr kann. Immerhin ist man auch noch Eltern wenn das Kind irgendwann auszieht. Wie soll das bitte weitergehen? Bis zum Todes des jeweiligen Elternteils macht man sich kaputt? Wieso denkt dein Mann das sein Weg der einzig richtige ist? Das wäre mal interessant? Und ob das Kind traumatisiert ist wage ich dann schwer zu bezweifeln, denn wenn du ständig nach der NAse des Kindes springst traumatisierst du es wohl viel eher weil es dann später in der Welt eher weniger zurecht kommt. Denn dann meint es möglicherweise auch jeder springt nach dessen Nase ( und im Arbeitsleben) und es wundert sich wieso es dann anders läuft.

Ela

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Ne Vater-Kind kur?

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"Liebende bleiben" von Jesper Juul. Kernaussage, wie du auch schon sagst, das Paar als Fundament. Alles Gute euch!

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Hab ich auch mal gedacht, aber das kann ganz falsch gedacht sein! Ich hab auch damals selbst keinen Sport gemacht, z.B., und mich stattdessen darauf konzentriert, mit den Kindern das zu machen, was sie machen könnten.

Jetzt sind sie erwachsen, und ich finde es schade, dass sie erstens gar keinen Sport mehr machen, und vor allem auch nicht den, den ich mache. Keiner der drei hat sich für den Kampfsport interessiert. Hätte ich damals weiter gemacht, dann wäre das vielleicht ein Vorbild gewesen und vielleicht hätte eins der Kinder mitgemacht? Stattdessen hab ich erst wieder damit angefangen, als die Kinder erwachsen waren. Und mit Musik, Musikinstrumente spielen war es ähnlich.

Du kannst das ja mal deinem Mann sagen, dass Kinder da auch ein Vorbild brauchen. Wenn er Sport macht und Hobbys hat, dann werden die Kinder das sich das als Vorbild nehmen. Natürlich kann man AUCH Hobbys der Kinder fördern, aber ganz ohne Vorbild ist es auch nicht so gut. das haben wir leider gemerkt.

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Hat dein Mann eine Kindheit gehabt, in der auf seine Bedürfnisse viel zu wenig Rücksicht genommen wurde; es ist ja nicht selten, dass so ein Mangel bei den eigenen Kindern überkompensiert wird?

Konkret zum Thema fällt mir jetzt nichts ein, allgemein finde ich dazu "Das bleibt in der Familie" von Sandra Konrad interessant, wenn es um die Aufarbeitung der eigenen Kindheit und die Auswirkungen der eigenen Erziehung geht.

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Dein Mann soll sich mal den Beitrag weiter unten „Wenn der eigene Sohn sagt...“ samt der Kommentare durchlesen.

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<<<Mein Mann hat extrem hohe Ansprüche an sich als Vater und auch an mich als Mutter. Jedes kindliche Bedürfnis wiegt mehr als das der Eltern - er hat keine eigenen Ziele/Hobbys mehr, wirft es mir vor, wenn ich diesen Ansatz nicht teile. Ich sehe Eigenfürsorge und die elterliche Paarbeziehung als Fundament des Familienlebens, er hat nur das Kind im Fokus. Arbeit, Zweisamkeit, alles unwichtig. Natürlich ist das zweitrangig, aber er ist eigentlich völlig am Ende und zerfleischt sich selbst jedesmal wenn eine Situation nicht perfekt lief.<<<

Wird Zeit das dein Mann auf den Boden der Tatsachen zurückkommt. Sonst wird er ein Fall für einen Psychologen oder sogar Psychiater. Leider kenne ich kein Buch über das Thema.

Und ich gebe dir völlig Recht, Eigenfürsorge, Paarbeziehung, eigene Hobbies oder Interessen und sogar Freunde finde ich sehr wichtig. Ansonsten geht man den Bach runter.

Ich wünsche dir viel Kraft, dass dein Mann wieder auf die richtige Spur kommt. Vielleicht solltest du ihm das auch etwas vorleben. Sag ihm, dass du dir hier keine Vorwürfe machen lässt. Du hast nicht seine Ansprüche, sondern möchtest ein ganz normales Familienleben führen. Und wegen einem Kind stellt man sein Leben auch nicht komplett nach hinten.

LG Hinzwife

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Schließe mich dem Kommentar von hinzwife an.
Wenn Dein Mann nicht schnellstmöglich ein gesundes Verhältnis zu seiner Vaterrolle kriegt, wird er wirklich ein Fall für eine Therapie. Was würde er bei mehreren Kindern tun? Vollkommen abdrehen? Die armen Großeltern!! Sie traumatisieren das Kind, weil sie "normal" sind oder wie ist das zu verstehen?
Sag ihm bitte klar und deutlich, dass Du Dir ganz sicher von ihm keinerlei Schuldgefühle einreden oder Indoktrination zulassen wirst, was Deinen Umgang mit dem Kind betrifft.
Und - dass Du ganz sicher auch als Frau und Partnerin gesehen werden willst und nicht als Erziehungswerkzeug seines Kindes. Nein, ihr seid als Paar ganz sicher nicht zweitrangig sondern mindestens dem Kind gleichrangig. Nur ein glückliches und zufriedenes Paar wird auch ein glückliches Kind heranziehen.
Wenn er so weitermacht, gefährdet er seine Ehe UND das Glück seines Kindes, welches seine zwanghafte Überfürsorge sehr schnell als einengend und belastend empfinden wird.
Ich glaube, da brauchst Du garkein Buch als Argumentationshilfe sondern es reicht der Ausdruck der Stellungnahmen von hier, wo jede ja nur das Beste für ihr Kind will.
LG Moni

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