Familienzwist

Hallo an Alle!
Erstmal: es wird länger.
Bin mit meinem Mann seit 15 Jahren zusammen und wir haben eine wirklich wundervolle und harmonische Beziehung. Er hat einen jüngeren Bruder. Die beiden habe ein sehr gutes Verhältnis.

Meine Schwiegermutter ist vor einigen Jahren an einer schweren Alkoholkrankheit verstorben. Auf Grund der Erkrankung hatte sie auch Konzentrationsprobleme und Probleme zwischen Fiktion und Wirklichkeit zu unterscheiden. Sie hat sich sozusagen ein imaginäres Konstrukt gebastelt wie man zu leben habe und was sich gehört ( oder eben nicht gehört), was oftmals ziemlich realitätsfern war.
Was sich für sie und ihrem Mann gehört war: Kinder haben nicht zu schreien oder zu toben. Es darf nichts kaputt gehen. Wenn Kinder nicht hören werden sie physisch bestraft ( Hand auf Herdplatte, Schläge bis zum Schlüsselbeinbruch etc... ). Babys muss man früh ins eigene Bett ablegen und schreien lassen, damit sie es lernen. Etc.....
ich hab mir das immer angehört und gedacht was ich doch für ein Glück mit meinen Eltern hatte.
Mein Mann hat aus seiner Kindheit auch eine mittelschwere Angststörung davongetragen. D.h. Er hat ein sehr fatalistisches Weltbild und macht sich um alles ewig Sorgen. Der Bruder hingegen hat eine Depression und ist diesbezüglich aktuell immer noch in Behandlung. Trotzdem sind beide ( mein Mann und sein Bruder ) vom Charakter her liebevoll und freundlich.

Die Schwiegermutter hat früher bei jeder Gelegenheit erwähnt, dass ihre beiden Kinder der grösste Fehler ihres Lebens waren und dass die Söhne nicht ihren Fehler wiederholen sollten. Das wurde meinem Mann und seinem Bruder von Kindheit an eingetrichtert: Mit Kindern ist dein Leben vorbei!

Der Bruder meines Mannes war lange in einer Beziehung mit einer Frau ( ich nen sie hier einfach mal Nicole). Sie wollte unbedingt Kinder, er aber logischerweise nicht. Nicole klagte mir sehr oft ihr Leid und ihre Verzweiflung. Und ich wiederum machte mir Gedanken wie das den bei meinem Mann und mir mal werden würde wenn die Kinderplanung anstünde. Irgendwann kam es dann zu der Trennung der Beiden wegen des unerfüllten Kinderwunsches. Er hatte dann mehrere Beziehungen zu Frauen, die alle an dem gleichen Thema scheiterten. Er steht eher auf den Typ Hausfrau ( was seine Mutter war), die ihm den Haushalt schmeisst, also eher auf nen mütterlichen Typ Frau. Wenn diese Frauen allerdings wirklich Mutter werden wollten hat er sich aus dem Staub gemacht. Jetzt hat er eine Frau gefunden und geheiratet, die laut Ehevertrag auf Kinder verzichtet.

Bei mir stand auch schon lange ein Kinderwunsch im Raum. Ich habe insgesamt bestimmt 5 Jahre gebraucht um meinen Mann zu überzeugen, dass wir versuchen Kinder zu bekommen. Irgendwann hat er schliesslich zugestimmt und nach kurzer Zeit wurde ich schwanger. Ich dachte mir, dass die Panik bei ihm jetzt bestimmt noch grösser würde, aber das Gegenteil war der Fall. Er hat sich plötzlich so arg auf das Kind gefreut. Hat den Haushalt geschmissen und mich verwöhnt.

Wir habe es nach 12 Wochen der Familie gesagt. Sein Papa hat sich auch sehr gefreut. Aber sein Bruder hat wie vor den Kopf gestossen reagiert. Er war ganz anders als sonst. Beleidigt und als hätte mein Mann ihn heimlich hintergangen.

Leider kam es in der 15 ssw zu einer Fehlgeburt. Wir waren beide verzweifelt und haben uns gegenseitig getröstet.
Das Verhältnis zu seinem Bruder hat sich dadurch wieder sehr gebessert. Alles war wie vorher. Der Bruder meinte sowas wie: ein Ausrutscher beim verhüten kann ja immer passieren. Und er wäre sich sicher, dass mein Mann nie freiwillig ein Kind mit mir haben wolle.
Das hat mich damals sehr verletzt, insbesondere da ich mit meinem Mann alle Entscheidungen gemeinsam treffe. Wir sind ein Team. Und meinen toten kleinen Krümel als Verhütungspanne zu bezeichnen.. naja.

Mein Mann wollte nun unbedingt gleich wieder in den nächsten Übungszyklus starten. Und siehe da, es klappte sofort wieder bei uns. Die erste Zeit war mit vielen Ängsten von uns beiden behaftet, aber nun bin ich in der 18 ssw und wir freuen uns beide wahnsinnig drauf. Haben gemeinsam schon ein Babyflohmarkt besucht und schöne Kleider gefunden etc.
Nun haben wir es auch so langsam der ganzen Familie gesagt. Unseren Eltern haben wir es persönlich gesagt. Und unseren Geschwistern ( meine wohnen einmal quer über den Erdball verteilt) haben wir in unser Familien app Gruppe ein Bild vom den Babybodys vom Kinderflohmarkt geschickt mit nem lustigen Spruch drunter.
Meine Geschwister haben mir auch alle gratuliert und sich gefreut.

Und von seinem Bruder kam... nix. Funkstille. Nach einem Tag hat mein Mann ihn angerufen. Er ging nicht ans Telefon. Der Schwiegervater informierte uns nun drüber, dass sein Bruder stinksauer sei. Wohl weil wir es ihm nicht persönlich sagen konnten ( wohnen 500 km weit weg) und ob wir uns das wirklich gut überlegt hätten.

Persönlich hat mein Mann seinen Bruder erst nach 5 Tagen telefonisch erreicht und bekam nur Vorwürfe zu hören. Der Bruder ist stocksauer und sehr beleidigt, insbesondere weil nun seine Frau das Thema Kinder auch wieder auf dem Schirm hat.
Mein Mann hingegen ist seither sehr traurig und niedergeschlagen, weil er seinen Bruder halt sehr lieb hat.
Warum kann der Bruder uns den das Glück nicht gönnen? Warum muss er immer gleich beleidigt sei, wenn was anders läuft als er sich dass gedacht hat. Ich weiss auch überhaupt nicht wie das weitergehen soll.
An Weihnachten haben wir uns an einem Tag immer gemeinsam bei meinem Schwiegerpapa getroffen. Auf die Frage hin an welchem Tag der Bruder und die Frau könnten hiess es: An dem Tag wenn ihr weg seid.
Kommunikation läuft quasi nur noch über den Schwiegerpapa. Wie kann ich denn die Situation entschärfen? Wir hatten vorher kein enges, aber ein gutes Verhältnis. Zu Familienzwist bin ich von zu Hause nicht gewohnt und möchte alles am liebsten wieder einrenken. Braucht er einfach Zeit um die Situation zu verarbeiten?

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"Warum kann der Bruder uns den das Glück nicht gönnen? Warum muss er immer gleich beleidigt sei, wenn was anders läuft als er sich dass gedacht hat. "

Weil es nichts mit euch zu tun hat
sondern eine grundlegende extrem tiefe Prägung ist
weswegen er auch sein eigenes Leben davon abhängig macht (Trennung statt Risiko)

Es hat nichts mit euch zu tun, weil ihr austauschbar wärd.
Für ihn ist es kein Glück, sondern Horror, das schrecklichst denkbare Szenario.


Da werdet ihr erst mal nicht viel machen können!
Entweder bekommt er die Kurve. Z.B. wenn das Kind dann da ist, größer wird
oder er sieht, dass dein Mann es nicht so macht wie ihre Mutter
(oder genau das treibt die beiden noch weiter auseinander, weil er miterlebt, wie Erziehung auch anders funktioniert und dann vollends zusammenbricht, weil er es nie hatte und sich selbst die Schuld daran gibt).


Therapie ist das, was er braucht.
Vielleicht klappt es, vielleicht auch nicht.

Heile Welt und Familie kennt er nicht.
Und wenn doch, muss er schmerzlich erneut erfahren, wie demütigend das alles war.

Bisher konnte er dem Thema aus dem Weg gehen. Frau will Kind, Trennung. Thema erledigt. Verdrängen möglich.

Das geht jetzt nicht mehr.


Es ist kein Charakterzug oder kein sich bewusst dazu entscheiden es euch nicht zu gönnen,

sondern nach der Geschichte, extrem tief verankerte Erfahrungen und Vorgehensweisen, die nicht so einfach mit bewussten Entscheidungen änderbar sind.

Manche schaffen es trotzdem, manche nie.


Wenn dein Mann darunter leidet, da es ja sein Bruder ist und die Bruderbeziehung möglicherweise in Gefahr ist (Trennung statt aushalten), könnte ihm eine Therapie helfen. Auch um es für sich selbst aufzuarbeiten, auch damit er nicht unbewusst oder in schlechten Momenten eurem Kind erlerntes weitergibt (oder ins andere extrem fällt), aber auch um zu erarbeiten, wie er mit seinem Bruder umgehen kann, wie viel Verständnis, wie viel Abgrenzung, Treffen ohne Kind oder anderes möglich wäre.

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Deutliche Grenzen ziehen würde ich allerdings,

wenn der Bruder anfängt, die erlernte Erziehung aktiv an euer Kind weiterzugeben.
Physisch, psychisch.

Da geht Kinderschutz ganz klar vor!!!

Wenn der Onkel kein Interesse ht oder sich abgrenzt, wäre das immer noch besser, als wenn er nicht aus seiner Haut heraus kann und die Gewalt weitergeben würde. Vielleicht ist das auch seine Angst, weswegen er sich lieber trennt. Schutz um selbst kein Risiko zu sein.


Chancen zum wiederanfang würde ich schon geben.
Therapie dauert oft sehr viele Jahre, auch wenn sie aktiv eingegangen und selbst gewünscht ist.
Voraussetzung Kinderschutz wird eingehalten.

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Der Bruder ist eigentlich immer nett und auch seine Partnerin ist wirklich lieb. Sie würden dem Kind nie etwas antun. Allerdings hat er sich zur Zeit gerade so distanziert, dass ich einfach nicht weiss wie das insgesamt weitergehen soll.
Eigentlich war mein Mann immer sein Vorbild. Der Bruder ist wegen der Depression schon in psychiatrischer Behandlung- und hat diese auch laut eigenen Aussagen gut im Griff. Ich vermute, dass er in seinem Leben auf vieles verzichtet ( seine ehemaligen Freundinnen hat er teils sehr geliebt) nur um sein worst case Szenario Kinder zu vermeiden.
Mein Mann ist nun hauptsächlich traurig, weil er zu seinem Bruder nicht mehr durchdringt. In ihrer eher schweren Kindheit hatten sie nur einander. Für mich ist das Verhalten des Bruders einfach nur auf Kindergartenniveau. Nur mein Mann tut mir leid. Er sieht wie sich alle aus meiner Familie freuen, uns anrufen, gratulieren und mich bezüglich Baby Erstausstattung beraten etc. Und eine seiner engsten Bezugspersonen macht komplett dicht.
Vielleicht braucht der Bruder wirklich nur Zeit. Hoffentlich kriegt er sich doch noch ein und schafft es Weihnachten mit uns zu verbringen- oder zumindest losen Kontakt zu halten.
Zum Glück freut sich mein Mann immer noch wie verrückt auf das Baby.

Soll ich meinen Mann erstmal alleine an Weihnachten hinschicken( so dass sie die Schwangere- also mich) nicht die ganze Zeit vor der Nase haben und sich aussprechen können? Oder lieber ganz in Ruhe lassen, bis der Bruder von sich aus reagiert?

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Lasst den Bruder doch sein Süppchen kochen, er wohnt 500 Km entfernt, was Besseres kann euch nicht passieren.
Wenn er sich nicht für euch freuen will, soll er es lassen.

Dass deinen Mann das (kindische) Verhalten seines Bruders traurig macht, ist verständlich, aber den Bruder scheint das Wohlergehen deines Mannes nicht zu interessieren, also sollte dein Mann sich abnabeln.

Lasst euch von ihm nicht eure Freude verderben.

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Das Verhalten des Bruders ist nach der Vorgeschichte weit davon entfernt kindisch zu sein. Zahnweh hat es gut formuliert. Vielleicht liest du mal ihre Antworten. Ich glaube du lernst dann noch etwas.

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Man kann sich auch ein Leben lang auf seiner Vorgeschichte "ausruhen" und immer erwarten, dass alle Welt Verständnis hat und jedes Verhalten entschuldigt.
Wenn der Bruder nicht willens oder in der Lage ist, das alles mal aufzuarbeiten, soll er doch zumndest seinen Bruder sein "normales" Leben leben lassen.

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Er wird die Situation nie verarbeiten, weil seine Kindheit und die verkorkste Sichtweise seiner Mutter nicht aus ihm herauszubekommen ist.
Es tut mir sehr leid für deinen Mann, aber sein Bruder fühlt sich jetzt verraten und hintergangen, da ihr trotz aller seiner Wertevorstellungen ein Baby bekommt. Dazu ein gaaanz lieben Glückwunsch an euch!!!

Solange dein Schwager nicht austherapiert ist und versteht, welche Gehirnwäsche er da bekommen hat, wird sich da nichts ändern.

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Die Brüder haben ein schlimmes Trauma aus der grausamen Kindheit davon getragen. Dein Mann hat es überwinden können, der Bruder leider nicht. Er gehört in professionelle Behandlung, um das alles aufzuarbeiten. Das muss klar auf den Tisch gebracht werden, dein SV war ja auch daran beteiligt. Das können dein Mann und sein Vater ihm empfehlen und dann ist auch gut--alles andere ist einfach nur Schwachsinn resultierend aus dem Trauma und darf nicht zu EUREM Problem werden! Ob Zeit da hilft, kann ich nicht sagen, aber es scheint ja tief zu sitzen! Armen Kerlchen, echt!

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Hallo.

Es tut mir sehr leid, was dein Mann und dein Schwager erlebt haben.

Ich könnte mir vorstellen, dass dein Schwager sich (unbewusst?) verraten oder verlassen fühlt. Ihm fehlt sicherlich jegliches Urvertrauen, da seine Eltern so ziemlich alles erdenkliche falsch gemacht zu haben scheinen. Sein Bruder war sicherlich sein einziger Ersatzanker, sein Ersatzurverzrauen. Ich kann es noch beschreiben, aber mir fällt nur das Bild ein, dass dein Schwager sich nun fühlt, als Sitze er alleine im Boot.

Ich kann mir auch vorstellen, dass er rational schon weiß, dass alles was passiert ist, falsch ist. Er wird sicherlich merken, dass es auch liebevolle Familien gibt. Aber emotional ist er einfach tief geschädigt. Ob er nun traurig ist, sein Schicksal allein tragen zu müssen, Reue empfindet, dass er keine heile Familie haben wird weil die Angst du tief sitzt, Wut, dass der Bruder ihn verraten hat... das kann man nur mutmaßen. Ob er da allein rauskommt, kann man nicht wissen. Genausowenig kann man wissen, wie dein Mann im Laufe eures Elterndaseins in anstrengenden, belastenden, stressigen Phasen reagieren wird.

Aus meiner Sicht ist Kommunikation das A und O. Manchen reicht das bereits, Manche brauchen professionelle Hilfe. Das alles funktioniert leider nur, wenn der Betroffene selbst bereit ist, sich darauf einzulassen.

An deiner oder eurer Stelle würde ich vielleicht zunächst einen Brief schreiben, der von Verständnis und Liebe geprägt ist ggf auch den Wunsch enthält, dass er irgendwann in der Lage ist, euch zu verstehen und die Situation zu akzeptieren. Ich würde signalisieren, dass man auf ihn Wert legt, dass die Tür immer offen sein wird.

Auch aus meiner Sicht wäre es gut, wenn dein Mann im Hinblick auf Strapazen des Elternseins, die vermutlich auf euch zukommen, bereit ist, sich helfen zu lassen, wenn auch erst dann, wenn er merkt, etwas läuft unter Stress vielleicht dich schief.

Ich wünsche euch allen das Beste.
LG

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Hallo.

Es ist schade, dass dein Schwager sich so verhält.

Ich würde ihm einfach Zeit geben.... Ruft ihn nicht an und bedrängt ihn nicht. Kommt er von selber wieder an, dann soll er seine Chance bekommen. Wenn nicht, dann nicht.

Ihr könnt ihn weder dazu zwingen, sich bei euch zu melden, sich mit euch zu freuen, oder das Baby kennen lernen zu wollen, wenn es erstmal da ist.

Kann mir vorstellen, dass dein Schwager VIELLEICHT auch etwas irritiert ist, weil sein Bruder sich getraut hat, in Sachen Familienplanung seine eigene Meinung zu haben und diese durchzusetzen. Evtl. beneidet er ihn auch darum. Möchte nicht sagen, dass er auf das Kind eifersüchtig ist. Aber vielleicht einfach um "den Mumm", trotz der negativen Erfahrungen aus der Kindheit und Jugendzeit, sich den unausgesprochenen Familienregeln zu widersetzen.#zitter

Alles Gute!#winke

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Hallo,
du hast ganze fünf Jahre gebraucht, um deinen Mann zum Kinderkriegen zu überreden. Das zeigt, wie tief bei ihm die "Abneigung" saß. Möglicherweise sitzt sie beim Schwager noch tiefer und ich vermute, dass die beiden sich, bevor du deinen Mann soweit hattest, auch über dieses Thema ausgetauscht haben.
Sie waren sich einig, dass beide keine Kinder wollen, ein Team mit gleichem Leidensweg, einander eine Stütze und eine Spiegelung der eigenen Erfahrungen und Wünsche. Sie konnten einander verstehen und waren zumindest diesbezüglich eins. Dein Mann war vermutlich der engste und einzige Vertraute seines Bruders, der alles, wirklich alles verstehen und nachvollziehen konnte.

Tja, und dann kommt plötzlich dein Mann und teilt mit, dass du schwanger bist. Dass sein Bruder dann von einer Verhütungspanne ausgeht, finde ich nicht abwegig, denn für ihn war vermutlich klar, dass dein Mann überhaupt keine Kinder will. Er sieht euren Verlust nicht als emotionalen Verlust, weil für ihn anscheinend von vorneherein klar war, dass das Kind ja gar nicht gewollt gewesen sein kann. Dein Mann will laut eigener Aussagen ja gar keine Kinder. Also Problem gelöst, Thema erledigt. Alles zum Glück wieder beim Alten aus seiner Sicht. Gefahr erkannt, Gefahr gebannt.

Dann will dein Mann plötzlich doch ein Kind und du wirst schon wieder schwanger. Das bringt das Weltbild seines Bruders ins wanken. Es gibt diese Stütze und Verbindung von vorher plötzlich nicht mehr. Dein Mann verhält sich auf einmal ganz anders, als er es vorher sagte. Die Verbindung und Einigkeit bricht weg und er sieht nicht mehr das Team der beiden Brüder, sondern er steht nun ganz alleine da.

Jetzt ist niemand mehr da, der ihn versteht und ihm Rückhalt gibt. Im Gegenteil, zusätzlich fängt jetzt aus seiner Sicht auch noch seine Frau mit dem für ihn unerträglichen Thema an, weil du deinen Mann nun ja nach so vielen Jahren doch noch überzeugen konntest.

Der Schwager fährt meiner Meinung nach seinen Panzer aus. Er fühlt sich verraten, allein und bedroht und weil er nicht weiß, wie er das jetzt händeln soll und emotional überfordert ist, schlägt er um sich und nimmt Abstand.
Das ist in meinen Augen kein Kindergartenverhalten, sondern ein ganz tiefsitzendes psychisches Problem, das seine Wurzeln in der Kindheit hat. Das einfach so abzutun, finde ich oberflächlich. Das Problem ist nur, dass er ohne professionelle Hilfe nicht da rauskommen wird, eben weil alles so tief verankert ist.

Wäre ich sein Bruder, würde ich nicht aufgeben und ihn nicht fallen lassen, nicht nach der gemeinsamen Vorgeschichte. Ich würde den Kontakt immer mal wieder suchen, ohne den Bruder zu bedrängen.
Wäre ich du, würde ich mich da raushalten und nur meinem Mann beistehen und ihm zuhören. Den Schwager würde ich erstmal in Ruhe lassen.

Alles Gute für euch und eine schöne Schwangerschaft für dich!

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"Der Bruder meinte sowas wie: ein Ausrutscher beim verhüten kann ja immer passieren. Und er wäre sich sicher, dass mein Mann nie freiwillig ein Kind mit mir haben wolle."

Das ist der Schlüsselsatz für mich. Der Bruder war absolut davon überzeugt, dass es niemals Absicht gewesen sein kann, dass Dein Mann ein Kind haben will. Verdrängung pur! "Mein Bruder und ein Kind? Niemals!". Vielleicht haben sie es sich ja sogar mal quasi geschworen, dass sie nie Kinder haben wollen?

Den Gegenbeweis zeigt nun die zweite Schwangerschaft, so blöd kann Dein Mann ja kaum sein, dass er zweimal nicht verhütet und schon gar nicht innerhalb so kurzer Zeit. Realitätscheck: "Scheiße, mein Bruder will ja doch ein Kind!". Das kann er nicht mehr verleugnen und schönreden.

Hast Du Dir jemals überlegt, dass der Bruder vielleicht selbst gerne Kinder will, aber diese Gehirnwäsche es verbietet? Quasi die Mutter immer im Kopf sitzt und sagt, was sie sonst auch gesagt hat, nämlich dass Kinder einem das Leben zerstören? Über den Bruder hat sie auch nach ihrem Tod noch gewaltige Macht.

Ja, gebt ihm Zeit, das zu verarbeiten. Wenn er zu Weihnachten nicht am selben Tag kommt, dann ist das so. Das muss nicht eine Bestrafung für Euch sein - das kann auch Ausdruck dessen sein, dass er es nicht verarbeiten kann, einen Bruder zu haben, der sich über die mütterlichen Instruktionen hinwegsetzt.

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Hallo, vielleicht hat er einfach Angst. Angst vor der Erziehung, Angst davor zu sein wie die eigene Mutter. Die beiden waren in ihrer Kindheit wahrscheinlich das einzige was sie jeweils hatten. Vielleicht hat er auch einfach Angst seinen Bruder emotional zu verlieren. Wer weiß denn was wirklich in ihm vorgeht bei der Kindheit.

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