Gewissensbisse

Guten Morgen!

Mich quält seit einigen Jahren ein Problem und ich finde keine Lösung.
Ich habe eine Freundin, die früher meine allerbeste Freundin war. Sie hat 2 Söhne im Grundschulalter und ist alleinerziehend.
Das Problem ist, dass sie seit etlichen Jahren kifft. Sie hat eigentlich nur in den Schwangerschaften darauf verzichtet.

Sie kifft sehr häufig. Wenn sie genug Zeug da hat, dann jeden Abend, sonst auch nur 3-4 mal in der Woche. Ich habe ihr schon oft versucht, ins Gewissen zu reden, weil ich es verantwortungslos finde, dass sie bekifft ist, wenn die Kinder zu Hause sind. Sie kann im Notfall so nicht reagieren. Aber es ist egal, was ich sage, es wird nur belächelt und runtergespielt.

Was mich aber fast noch mehr stört ist, dass sie täglich Auto fährt. Sie ist der Meinung, dass sie am nächsten Morgen problemlos wieder fahren kann. Ich habe mich da etwas belesen und das stimmt so nicht. Bis der Wert soweit abgebaut ist, dass man in einer Kontrolle keine Probleme bekommen würde, kann es ein paar Tage dauern. Kifft man regelmäßig, so dauert es noch länger. Ich bin mir also ziemlich sicher, dass ihr Wert seit der Geburt ihres zweiten Sohnes nicht mehr so niedrig war, dass sie hätte fahren dürfen.

Nun zu meinem Problem. Zeige ich sie an, ist der Führerschein weg, sie kommt nicht mehr zur Arbeit und würde den Führerschein auch nicht wieder bekommen, weil sie dafür über 6 Monate regelmäßig nachweisen müsste, dass sie keine Drogen nimmt.
Zeige ich sie nicht an und es kommt irgendwann zum Unfall, muss ich damit leben, nichts dagegen getan zu haben. Vielleicht würden sogar ihre Kinder oder sie selber so einen Unfall mit dem Leben bezahlen müssen.

Ich will ihr so gerne helfen, damit aufzuhören, aber alle Versuche haben keinen Sinn, solange sie es nicht will.
Mein Mann sagt, ich soll nichts sagen, weil dann die Freundschaft beendet wäre. Dass das so kommen würde, ist mir klar. Aber kann ich einfach wegschauen, wenn jemand unter Drogen Auto fährt? Zählt da nicht das Wohl der Allgemeinheit mehr als die Freundschaft?

Meine Freundin sagt immer, kiffen sei auch nicht schlimmer, als Alkohol. Das mag sein. Aber würde sie sich jeden Abend betrinken, wäre das ja nicht weniger bedenklich und problematisch.

Was würdet ihr tun?

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Ich finde es gut dass du dir diese Gedanken machst! Ich würde dir empfehlen, dich an eine Drogenberatungsstelle zu wenden. Die kennen sich mit sowas super aus und sind auch für “Angehörige“ da! Vielleicht kannst du da das Problem mit Fachleuten thematisieren, denn diese Abwärtsspirale gibt's bei Alkoholabhängigkeit/Drogen so gut wie immer...
Alles Gute!

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Guten Morgen,

hast du sie schon einmal darauf angesprochen?

Wie geht es den Kindern? Sind sie gut versorgt?

Gruss
KSC.2015

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Guten Morgen!

Ich spreche es regelmäßig an, erkläre ihr auch meine Sorgen, biete Hilfe an, aber sie sieht kein Problem und braucht daher auch keine Hilfe. Sie ist der Meinung, ich würde übertreiben und es sei alles nicht schlimm. Es wird schon nichts passieren.
Habe ich ihr auch gesagt, dass ich mir wünschen würde, dass sie jemand anzeigt, damit sie endlich damit aufhören muss. Das war ihr aber scheinbar auch egal. Sie erkennt den Ernst der Situation nicht, glaube ich.

Den Kindern geht es soweit gut. Sie kümmert sich ganz gut, die Wohnung ist halbwegs sauber, die Jungs sind gepflegt. Sie hat aber auch sehr viel Unterstützung durch die Großeltern der beiden.

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Ballert sie sich richtig zu oder raucht sie nur eine sehr niedrige Dosis? Wenn sie alleine mit den Kindern ist, ist beides sicher falsch und verantwortungslos.

Hast du mit ihr schonmal eingehender darüber gesprochen? Warum sie das macht? Alternativen angeboten? Wie geht es den Kindern? Werden sie gut versorgt? Wäre denn im Notfall jemand da?

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Ich habe keine Ahnung, wie hoch die Dosis ist. Aber wenn ich sie am Abend sehe, dann merke ich ihr schon an, dass sie gekifft hat.

Wir reden so oft darüber. Das ist wahrscheinlich auch der Grund, warum die Freundschaft immer weniger wird. Egal, was ich ihr anbiete. Sie sagt immer nur, ich hätte ja keine Ahnung, wie anstrengend es ist, alleinerziehend zu sein und sie braucht das eben. Sie hat Recht, ich habe keine Ahnung, wie es ist alleinerziehend zu sein. Sie aber auch nicht. Ihre Kinder schlafen 2 Mal in der Woche bei ihren Eltern, damit sie Zeit für sich hat. Einmal bei ihren Schwiegereltern und dann auch noch regelmäßig beim Vater. Also sind sie mehr bei anderen, als bei ihr.

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"Sie hat Recht, ich habe keine Ahnung, wie es ist alleinerziehend zu sein. Sie aber auch nicht."

Das ist sehr anmaßend von dir.
Sicher ist ihr Status kein Grund zu saufen, kiffen oä., ganz im Gegenteil, man hat eben nicht ständig geteilte Verantwortung, aber du wirst doch bitte nicht beurteilen, ob sie allein erziehend in allen Bereichen ist.

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Du könntest eine anonyme Meldung beim Jugendamt machen und auch das Autofahren problematisieren.
Wahrscheinlich müsste sie dann seitens des Jugendamts zu regelmäßigen Urinkontrollen gehen, damit wäre natürlich auch das Auto-Thema im Griff

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Danke für deine Antwort.
Wie ich das ganze anonym anzeigen kann, weiß ich. Das Problem ist, dass ich Sorge habe, dass sie dann in eine Abwärtsspirale gerät. Ohne Führerschein kommt sie ohne Hilfe nicht zur Arbeit. In der Arbeit würde es sich auch schnell rumsprechen. Das Jugendamt würde sich einbringen. und das müsste sie alles ohne zu kiffen verkraften, weil sie dann ständigen Kontrollen ausgesetzt wäre.
Mache ich aber nichts und es passiert wirklich mal etwas, muss ich damit leben, nichts getan zu haben um Problemen aus dem Weg zu gehen.
An dem einen Tag denke ich, dass ich sie anzeige und wir das dann gemeinsam schon irgendwie durchstehen und dass es feige wäre, nichts zu tun. Am nächsten Tag denke ich, dass es Verrat wäre und ich lieber die Klappe halte und hoffe, dass nichts passiert.

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Das JA muss es nicht direkt an die Polizei wenden, das heißt wenn sie verspricht mit dem kiffen aufzuhören -und das JA merkt ja anhand der Kontrollen ob sie es auch wirklich tut- gäbe es ja keinen Grund mehr den Führerschein zu entziehen.

Deine Freundin hat es in der Hand!

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Hallo.

Ich sehe es etwas anders. Die Polizei muss zusätzlich zur Rechtslage des Blutgehalts bei berauschenden Mitteln auch einen sogenannten Torkelbogen ausfüllen, auf dem Ausfallerscheinungen etc bewertet werden.

Keine Frage, dass es gesetzlich nicht erlaubt ist, und dass es doof ist, dass sie in Kinderbetreuungszeiten berauscht ist. Allerdings ist die Spannweite ja riesig und da würde ich differenzieren. Ich trinke alle Jubel Jahre mal zwei Gläser Wein oder Radler beim Fernsehen. Dann bin ich auch beschwipst, wenn meine Kinder schlafen. In diesem Ausanhmefall könnte ich natürlich reagieren aber nicht selber zum Arzt etc fahren, sollte etwas passieren. Aber dafür gibt es Taxen, Verwandte oder im Extremfall den Notruf.

Mir stellt sich halt die Frage, ist sie handlungsunfähig oder einfach nur wie du schreibst etwas merkbar berauscht. Und wenn sie ein KFZ führt? Ist sie dann ganz klaren Sinnes? Wenn ja, würde ich vermutlich nicht tätig werden, auch, wenn der Blutgehalt rein rechtlich vermutlich relevant ist.

LG

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Ich finde den Vorschlag zur Drogenberatung zu gehen sehr gut. Gleichzeitig würde ich aber auch mit ihr sprechen, und ihr als Wink mit dem Zaunpfahl Deine Zwangslage erklären.

Je nachdem was die Beratung empfiehlt, würde ich mich tatsächlich auch an das JA wenden und nicht direkt an die Polizei, denn in erster Linie geht es ja um das Kindeswohl.

A.

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Jeder reagiert anders auf Marihuana, aber ich sehe es generell so wie Du, dass das Kiffen es um einiges schwieriger macht, der Aufsichtspflicht nachzukommen und ich würde aus meiner Erfahrung heraus auch sagen, dass man am nächsten Tag auch immer noch verzögert reagiert... so mal ganz pauschal.
Jetzt kommt es natürlich auf den Einzelfall an - wieviel raucht sie, welche Sorte, wie lange über den Abend verteilt, wann steigt sie morgens wieder ins Auto, wie reagiert sie bei echtem Stress, kann sie dann noch rational handeln, etc.pp.

Ich kiffe auch gelegentlich, aber ich kann Dir meinen Konsum sehr genau beziffern: 10g Gras in 2,5 Jahren, verteilt auf 40 oder 50 mal, gut die Hälfte davon bei starker Migräne die ich anderweitig nicht losgeworden bin, das ist wohl vergleichbar mit 10 Flaschen Wein in 2,5 Jahren ;)
Natürlich setzt bei starken Kiffern, genau wie bei starken Alkoholikern ein Gewohnheitseffekt ein, aber beides finde ich höchst bedenklich, wenn Kinder im Spiel sind und sonst kein anderer Verantwortlicher greifbar ist.
Unabhängig vom Konsum finde ich das jede Faser ihrer Argumentation und ihres Verhaltens nach "süchtig" schreit. Wenn sie nun süchtig nach Schokolade oder Nasenspray wäre, dann könnte das langfristig ihre Gesundheit schädigen, aber sie hat sich für einen Suchtstoff entschieden, der dafür sorgt dass sie auf die Kinder fremd und beängstigend wirkt, wenn sie Mutti berauscht sehen und der sie verzögert reagieren lässt, was grade im Strassenverkehr mehr als problematisch ist.

Du hast völlig recht, alle Versuche mit ihr zu reden scheitern, solange sie das nicht selbst einsieht.... es gibt genau zwei Wege, wie sie lernen wird, dass sie doch ein Problem hat. Entweder es "passiert" etwas, ein Kind wird krank und sie kann nicht reagieren oder sie hat einen Unfall oder die Staatsgewalt tritt ihr auf die Füße, ohne dass schon was "passiert" ist.
Ich würde mich entweder an Polizei oder Jugendamt wenden und dann mal schauen, was die sagen - eine Freundin zu sein heißt halt auch mal den nötigen Arschtritt zu geben, vielleicht kann sie es Dir irgendwann später verzeihen.

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Dem schließe ich mich an.

Ich habe meinem Kumpel damals die Pistole auf die Brust gesetzt (alleine mit einem Kind), weil er ständig gefahren ist, obwohl der Kleine mit im Auto saß und er gekifft hatte.

Ich habe ihm gesagt, dass ich ihm Zeit gebe, sich Unterstützung zu suchen, und wenn sich bis Datum X nichts tut, werde ich ihn beim Jugendamt melden.

Natürlich hat der ganze Freundeskreis ewig und drei Tage mit ihm palabert, und seine Aussagen waren eben auch die typischen.

Er hat gar nicht gerafft, dass es uns nicht um den Konsum von Cannabis grundsätzlich geht, sondern um seine Teilnahme im Straßenverkehr, noch dazu mit Kind im Auto (auch ohne schlimm genug), und sein Verhalten seinem Kind gegenüber (distanziert und anders wenn bekifft, das ist ihm nicht bewusst gewesen).

Er war uneinsichtig, hat getobt und gedroht und vieles mehr.

Das muss man allerdings aushalten, denn natürlich hat so etwas dann auch Konsequenzen für eine Freundschaft.

Ende vom Lied war, dass er sich dann doch an eine Suchtberatung gewandt hat.

Allerdings ist der Kontakt dann auch eingeschlafen, er wirkte aber tatsächlich um einiges seltener bekifft, wenn wir ihn mal mit dem Kleinen getroffen haben...

Man muss sich klar machen, was einem wichtiger ist.

Evtl. bei sowas auch mal drohen, auch wenn ich Erpressung sonst bestimmt nicht gut finde.

Aber jmd der betrunken ist, denn lässt man ja schließlich auch nicht ständig ins Auto steigen, oder?

Und nichts anderes ist das.

Das ist erwiesen, auch geübte Kiffer und Trinker reagieren nicht wie jemand, der nüchtern ist.

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Kiffen ist eine Sucht/Krankheit, die das bewußtsein so verändert, dass man die Gefahren herunter spielt, um weiterhin mit gutem Gewissen konsumieren zu können.

In der Sucht ist es so, dass die allerallermeisten Menschen einen konkreten Auslöser brauchen um sich Hilfe zu suchen um aufhören zu können. Bei den Anonymen Alkoholikern nennt man das "den persönlichen Tiefpunkt". Also der Punkt, wo man eigentlich nicht mehr tiefer sinken kann. Solange alles problemlos läuft un das Umfeld die Sucht "mitträgt" also dem Sücjzigen hilft durchzukommen mit seinem verhalten wird er niemals diesen Tiefpunkt erreichen, weil es läuft ja. Verstehst du.

Nun ist es so, dass es ein PERSÖNLICHER Tiefpunkt ist und dir niemand sagen kann, wie der bei deiner Freundin aussehen würde:

- wenn sie einen Unfall baut, bei dem ein Mensch schwer verletzt wird?
- wenn sie angezeigt wird wegen Drogenkonsum und ins Gefängnis muß?
- Wenn sie das Sorgerecht für die Kinder verliert?

ich weiß es nicht.... ich weiß nur, so lange es für sie gut läuft hat sie keinen Grund aufzuhören.

Du solltest dich aber frei machen von dieser Verantwortung oder Schuld. Du bist nicht für a Leben deiner Freundin oder ihrer Kinder verantwortlich. Vielleicht gibt es in deiner Stadt eine Selbsthilfegruppe oder Beratungsstelle für Angehörige von Drogensüchtigen. Da kannst du hingehen und Hilfe und Information für dich bekommen. Was dir dann bei deiner Entscheidung in dem konkreten Fall weiterhelfen kann.

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Ach.. und du schreibst alleinerziehend. Gibt es einen Vater? Der Vater wäre in der Verantwortung für seine Kinder. Weiß der Bescheid?

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