Doppelstandard Prinzipien - Eltern Kind

Hallo!
Die Frage liegt mir schon länger auf der Zunge. Vorneweg, es geht natürlich um Dinge wie Alkoholkonsum. Da ist es klar wieso für Kinder anderes gilt. Ich meine jetzt allgemeinere Punke, übertragbar auf Eltern und Kind.
Mir kam die Frage wieder auf als ich eben über das Thema Klassenfahrt & Heimweh gelesen habe. Mein Sohn (11) war in den Ferien mit seiner Mannschaft für eine Woche weg. Ein Freund hatte ganz schlimmes Heimweh und wollte unbedingt heim. Besagten Freund kennen wir näher, die Kinder sind auch gemeinsam in der Schule und wir wechselten uns bei Fahrdiensten & Co ab. Doch er musste bleiben. Seine Mutter ist nämlich überzeugt davon dass das eine tragbare Situation für ihn war, mit bekannten Gesichtern um ihn für eine kurze Zeit. Tja, laut meinem Sohn war die Woche trotz großer Bemühungen ganz schwer für ihn. Ich habe davon erst erfahren nachdem die Kinder wieder daheim waren, doch schon bei der Begrüßung hat man deutlich gemerkt der Junge ist tief enttäuscht von seinen Eltern.
Letzte Woche rief mich der Vater an und fragte ob wir am Wochenende (kleine Veranstsltung) sein Kind mitnehmen könnten. Seine Frau ist für 2 Wochen auf Fortbildung und vermisst ihn so, er muss sie jetzt über das Wochenende besuchen da sie nicht heim kann.
Keine Ahnung ob ich das überbewerte, aber ich finde das irgendwie echt übel.
Ein weiteres Beispiel aus meiner eigenen Kindheit: die Eltern meiner Freundin legten wert auf den Fachhandel und gute Beratung. Aber irgendwie nur für sich. Einmal haben wir mithilfe meines Vaters ihr Fahrrad „abgeschleppt“. Es war ein gebrauchtes, was ja nicht schlimm ist, Fahhrad. Aber es war alles andere als gut erhalten und auch zu klein. Dann gab es schließlich den Geist auf. Ihr Vater zu meinem „Das sind Kinder, die wachsen und nutzen alles so schnell ab“ #gruebel Sicherlich ist da was dran. Aber man kann auch komplett am falschen Ende sparen.
Ich hoffe ihr wisst was ich meine. Kennt ihr solche Situationen? Wir haben uns, zugegebenermaßen, auch schon mal dabei ertappt. Es waren harmlosen Kleinigkeiten, dennoch achten wir seitdem sehr drauf und reflektieren umso mehr.

LG

1

Hallo,

die Geschichte mit dem Heimweh enthält (zum kotzende) Doppelmoral.
Mir fällt diese Doppelmoral öfter bei Thema alleine einschlafen auf. Das Kind muss alleine in seinem Zimmer schlafen. Aber die Eltern finden es wichtig für eine Beziehung abends zu kuscheln.

Alles neu für die Eltern und nur gebraucht fürs Kind ist schon heftig.

Gruß Sol

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"Mir fällt diese Doppelmoral öfter bei Thema alleine einschlafen auf. Das Kind muss alleine in seinem Zimmer schlafen. Aber die Eltern finden es wichtig für eine Beziehung abends zu kuscheln."

Nicht nur das: Eine Bekannte erzählte allen Ernstes mal, dass sie gerne ihre Schwester bei sich übernachten lässt, wenn ihr Mann auf Dienstreise ist. Im Eheschlafzimmer. Damit sie nicht alleine ist, weil sie das nicht gewohnt sei und sonst Ängste hätte. Gleichzeitig war sie aber eine vehemente Gegnerin von Stillen, Tragen, Familienbett und bedürfnisorientierter Erzehung.

2

Eine Mutter im Kindergarten sagte mal zu meiner Kollegin: "ach sie Arme, morgens wenn ich komme, sind sie da und abends, wenn ich komme, sind sie immer noch da"
Daß ihr Kind aber ebensolange fast 10 Stunden da ist, tat ihr überhaupt nicht leid.

Allerdings kauf ich für meine Kinder fast nur gebrauchte Kleidung , mir aber nicht.
Meinen Kindern ist das aber auch (noch) nicht wichtig und sehen trotzdem ordentlich aus

3

Da fußt doch inzwischen unsere ganze Gesellschaft drauf.

- bitte keine Diesel, aber die Kreuzfahrtbranche boomt

- bitte keinen Plastikmüll, aber der Onlinehandel boomt

- bitte unsere Kinder nicht zu stark belasten, aber möglichst viel und billig konsumieren

- bio aber bitte zu Preisen, die denen der konventionellen Landwirtschaft entsprechen


Die Liste lässt sich unendlich fortsetzen.

LG Reina

11

Stimmt, da hast du Recht!

4

Finde ich furchtbar. Wenn ich möchte, dass mein Kind ein achtsames, liebevolles und respektvolles Wesen wird, dann muss ich es ihm vorleben - vor allem auch im Umgang mit ihm. Sich über die Grenzen eines Kindes als Erwachsener hinweg zusetzen (Heimweh, schlafen, usw..) finde ich einfach nur zum Kotzen. Natürlich gibt es Dinge, die nicht weh tun: mein Kind trägt jede Kleidergrösse ca. 1-2 Monate. Ich trage meine Klamotten jahrelang. Da finde ich es gerechtfertigt, dass er gebrauchte Kleider anzieht, so lange sie schön und nicht kaputt sind. Auch bei einem Fahrrad finde ich es ok. Ich habe allerdings erst einmal in meinem Leben ein neues Rad gehabt, davor immer gebrauchte und nun ein abgelegtes aus meiner Familie. Wenn die Eltern sich selbst ständig mit Designersachen eindecken und ihr Kind auf einem alten, noch dazu zu kleinen Rad fahren lassen.. Ohne Worte.

5

Meinen Sohn hab ich mit 10 Jahren aus einer Freizeit zurückgeholt, als er Heimweh hatte, obwohl wir extra eine komplette Wanderausrüstung vorher kauften (neu;-)) Allerdings hab ich ihn dann ca. 2 Jahre lang nicht mehr fort gelassen, später natürlich schon wieder.
Da es zu der Zeit des Aufwachsens meiner Kinder kein ebay, keine Gebrauchtbörsen usw gab, musste ich leider alles neu kaufen. Hätte es das gegeben, dann hätte ich es genutzt.
Heute wird ebay usw genutzt für die ganze Familie. Meine Enkelin hat überhaupt kein Problem mit Gebrauchtem, ihre Eltern und ich auch nicht......somit keine Doppelmoral;-) Wir kaufen Neues UND Gebrauchtes, auch bei Fahrrädern usw. - je nach Sonderangebot o.ä.
LG Moni

6

Hallo,

ja, ich kenne solche Situationen.

Wie schon genannt, ist es vielen Eltern wichtig, dass ihre Kinder allein (ein-)schlafen. Sie selbst schlafen aber (selbstverständlich!) nicht allein. Da kann ich nur den Kopf schütteln.

Meine Eltern haben bestimmte Nahrungsmittel für uns Kinder reglementiert: Nur einmal Schokocreme aufs Brot, nur einen Joghurt, nur ein Eis... Sie selbst haben zur selben Mahlzeit aber 3 Joghurts gegessen. Es gab auch (teurere) Lebensmittel, die nur für sie waren, die wir nicht essen durften (und damit meine ich nichts mit Alkohol oder Koffein). Für mich aus Kindersicht und auch jetzt noch überhaupt nicht nachvollziehbar.

Aber ja, auch uns passiert es, dass wir mit zweierlei Maß messen. Der Unterschied zwischen meinen Eltern und mir: Ich bemühe mich mit solchen Situationen reflektiert umzugehen. Meine Eltern haben sich immer im Recht gefühlt. Es war eben so, weil sie es so festgelegt haben. Punkt. Wenn meine Kinder mir mitteilen, dass wir als Eltern das doch auch machen / dürfen, komme ich mit ihnen ins Gespräch, zeige Verständnis und bin auch bereit zu hinterfragen, ob gewisse Regeln wirklich sinnvoll sind. Wenn ja, müssen natürlich auch wir Eltern uns daran halten. Das hätte ich mir als Kind von meinen Eltern gewünscht.

LG

7

Tatsächlich fällt mir keine solche Situation ein - zum Glück. Ich kenne eigentlich jur. Eltern (inklusive uns), die ihren Kinder das beste gönnen wollen und lieber selber zurück stecken.

Gemein, das mit dem Heimweh. Da hätte ich was zu gesagt, als der Vater nach einem
Babysitter suchte. Da kann ich nicht nichts sagen. :-)

8

Ich finde durchaus nicht, dass Kinder jedes Jahr neue Fahrräder und teure Klamotten brauchen oder dass es ihnen nicht zuzumuten ist, auch mal eine Woche Heimweh zu überstehen.

Wenn Eltern ihren Kindern einen Bärendienst erweisen wollen, müssen sie ihnen nur immer alles "hinten reinprommeln", es in schicke Markenklamotten von Kopf bis Fuß kleiden (und ihm das auch genau so vermitteln, wie wichtig das ist) und vielleicht noch von der Klassenfahrt abholen, weil es -genau wie alle anderen - Heimweh hat.

Als Klassenlehrerin seit zig Jahren (Unterstufe am Gymnasium) und gefühlten 50 000 Klassenfahrten sammelt man so einige Erfahrungen.

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Na das wollte ich jetzt auch nicht suggerieren. Gebraucht ist ja kein Problem, bei gut erhaltendem Zustand. Legen Eltern so grossen Wert auf Qualität und Beratung, ist es halt merkwürdig wenn bei den Kindern Hauptsache günstig und irgendwie passend (Fahrrad nötig= super der xy kann das alte Fahhrad seiner Kinder abgeben).
Und wegen dem Heimweh. Heimweh ist nicht Heimweh. Dem Jungen ging es wirklich dreckig, das waren nicht ein paar Tränen aus dem nichts die 5 Minutrn später vergessen waren. Das war weder für ihn schön, noch für alle anderen Beteiligten.

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Hallo,
Das Heimweh das ich in der 7.klasse hatte werde ich nie vergessen. Es gab handyverbot und die Telefonzelle der Jugendherberge war kaputt sodass ich wenn mal „Freizeit“ war immer 2 Mitschüler überreden musste mit mir ins Dorf zu laufen zum telefonieren.
Mir war jeden Morgen übel, habe nichts runterbekommen und dementsprechend in der Zeit abgenommen.

Ich bin froh nun erwachsen zu sein und nicht mehr Dinge machen zu müssen die mir nicht gut tun!

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Die Geschichte mit dem Heimweh tut mir richtig weh. Wuerde ich von Heimweh erfahren, waere ich u unterwegs. Meibe Kinder inkl. Meinem knapp 12 Jährigen muessrn auch nicht traurig allein einschlafen. Schrecklich.