Meine kleine Schwester

Hallo! Ich zerbreche mir den Kopf über meine kleine Schwester.

Kurz zur Vorgeschichte. Wir sind vier Geschwister, meine jüngste Schwester ist 19 Jahre alt und wurde 14 Jahre nach mir als Nachzügler geboren. Da war meine Mutter knapp 40 Jahre alt. Obwohl sie als Kind schon nicht ganz einfach war, war sie der Augenstern meiner Mutter. Man kann sagen, meine Mama hat alles für sie getan. Im Nachhinein vielleicht manchmal sogar zu viel?

Nachdem wir größeren Geschwister alle ausgezogen sind, leben meine Eltern noch mit meiner kleinen Schwester zusammen. Und nun zum eigentlichen Problem: meine Schwester hat denke ich ein psychisches Problem. Sie bekommt einfach nichts auf die Reihe. Mit hängen und würgen den Hauptschulabschluss geschafft. Danach eine Ausbildung zur Industriekauffrau (eigentlich unvorstellbar bei dem Notendurchschnitt) begonnen und bereits nach wenigen Wochen in der Probezeit abgebrochen. Begründung: Sie würde gemobbt werden. Vollste Unterstützung durch meine Eltern. Daraufhin haben meine Eltern einen Schulplatz für sie gefunden. War gar nicht so leicht, da das Schuljahr schon begonnen hatte. (Hauswirtschaftsschule). Diese schulische Ausbildung hätte zwei Jahre gedauert. Auf die damit verbundene Praktika hatte sie jedoch keine Lust und ist nie zur Arbeit erschienen. Angeblich war ihr ständig schlecht und sie hat gebrochen. Nachdem sie mit der Masche viel Erfolg hatte, scheint sich das irgendwie bei ihr festgesetzt zu haben. Nach einem Jahr hat sie die Schule abgebrochen. Jetzt war sie knapp ein Jahr zu Hause und hat sich mit Gelegenheitsjobs etwas dazu verdient. In der Zeit hat sie sich eine neue Ausbildungsstelle gesucht. Natürlich mit Hilfe meiner Mutter. Und wie kann es anders sein? Nach knapp einer Woche ist es ihr plötzlich morgens wieder schlecht so dass sie nicht arbeiten kann. Bereits vor einigen Tagen hat mir meine Mutter schon erzählt, dass die in der Arbeit so unfreundlich zu ihr sind. Das sind bei mir schon die Alarmglocken leise angegangen. Ihren Führerschein macht sie mittlerweile seit 13 Monaten. Auch da das gleiche Muster. Sie bekommt ihn einfach nicht fertig.

Ich versteh das alles nicht. Sie hat null Ehrgeiz. Und wenn es schwierig wird, kommt es mir vor, als könne sie auf Kommando los brechen. Puh, mein Text ist jetzt sehr lange geworden. Wer bis hier gelesen hat vielen Dank! Immerhin hat meine Mutter jetzt auch erkannt, dass das alles langsam nicht mehr normal ist. Kennt sich jemand aus? Gibt es eine psychische Erkrankung, die in die Richtung geht? Oder ist das einfach nur null Bock ?

Danke für Antworten und viele Grüße
Ella

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Hallo #winke

Ich weiß ja nicht, wie sensibel deine Schwester ist, aber ich kenne auch so einen Fall. Ene ehemalige Bekannte von früher.
Sie hatte ein enormes Problem mit Leistungsdruck. Ihr wurde dann immer übel und sie musste sich übergeben.

Vor Prüfungen, vor Vertragsabschlüssen, einfach vor Dingen, die eine Konsequenz hatten, egal ob positiv oder negativ. Se war beim Psychologen und Heilpraktiker, der hat ihr was Pflanzliches verschrieben und es wurde in Kombination mit einer kurzen Therapie viel besser.

Ist deine Schwester vielleicht zu unsicher in Sachen Berufsstart?

2

Danke für deine Antwort. Ja, ich denke in die Richtung mit den Konsequenzen geht es . :-( Nur, wie reagiert man da drauf? Die Idee mit dem Psychiater hab ich auch schon mal in den Raum geworfen.

Aber wie sollte man JETZT in der konkreten Situation handeln? Beispiel Führerschein: lässt man sie machen (bzw. nicht machen) oder sollte man den Druck auf sie erhöhen? Es ist ja nicht so, dass meine Schwester nicht fort will. Nein, die Chauffeur Dienste meine Eltern werden gerne in Anspruch genommen. Völlig unabhängig davon, ob meine Eltern eigentlich etwas anderes vorhaben.

Beispiel Ausbildung: Mein Vater muss dann im Betrieb anrufen und sie krankmelden. Das macht sie nicht selber. Aber würde er nicht anrufen, würde sie halt unentschuldigt fehlen. Und das in der Probezeit in der ersten Arbeitswoche :-[

Ich mache mir echt große Sorgen. Sind wir mal ehrlich. Wenn sie das auch wieder in den Sand setzt, ist ihr beruflicher Werdegang praktisch schon vorgegeben...

Sie selbst sieht sich übrigens völlig unschuldig! "Ich kann doch auch nichts dazu, wenn ich krank werde " Sollten meine Eltern sie in dieser Situation zwingen, in die Arbeit zu gehen? Ich denke, ja! Aber vielleicht macht man es dadurch ja sogar noch schlimmer?

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Hört sich nach chronischer Verwöhntheit an.

Deine Schwester hat immer alles in den Hintern geschoben bekommen. Und auch jetzt, erledigen deine Eltern alles für sie, was Anstrengung bedeuten könnte.

Die Lösung ist eigentlich ganz simpel: Deine Eltern machen nichts mehr für sie und lassen sie ins kalte Wasser springen. Erst wenn sie ganz unten ist und keine Hilfe mehr bekommt, wird sie ihren Hintern hochbekommen.

Deine Eltern werden höchstwahrscheinlich Mitleid empfinden. Aber sie müssen sich immer vor Augen halten, dass sie deiner Schwester alles versauen, wenn sie weiterhin alles von ihr fern halten. Noch hat sie eine Chance.

4

Entweder hat deine SChwester echte Probleme ( ein wenig zweifel ich ehrlich gesagt) oder sie ist einfach nur zu verwöhnt weil deine Eltern alles mitmachen. Und solange sie dieses Spiel mitspielen und entweder nichts checken lassen oder immer auf ihrer Welle reiten wird sich eh nichts ändern!

Ela

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Hallo!

Sie braucht dringend professionelle Hilfe in Richtung soziale Phobie oder Prüfungsangst.

Ich glaube sofort, dass ihr WIRKLICH Kotzspeiübel ist. Nur sind das eben vor allem ihre Nerven, die das auslösen, kein fieser Virus. Das ist einfach nur ihre Angst.

Da kann sie wirklich nichts dafür, aber sie muss zumindest verstehen, dass es nicht normal ist, und sie Hilfe annehmen muss.

Das ganze ist jetzt vom Lebenslauf her noch nicht dramatisch, nach der Schule ein paar Jahre orientierungslos sein ist nicht so wild. Aber wenn sie mit 25 immer noch so rumeiert sieht es schlechter aus.

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Ich denke auch, dass es bei ihr eine Mischung aus wirklicher Prüfungsangst und "mir wurde zu viel von den Eltern abgenommen" ist.

Mir fallen zig Situationen ein, in denen sie auf eine für mich völlig unverständliche Weise reagiert. Einmal war sie zum Beispiel zusammen mit meiner Mutter auf dem Weg zu einem Einstellungstest. Man soll es nicht glauben, aber meine Schwester hat sich geweigert, aus dem Auto auszusteigen. Hat geweint wie ein bockiges Kleinkind und sich total reingesteigert. Letztendlich ist meine Mutter unverrichteter Dinge wieder mit ihr heimgefahren :-[:-[ Ich kenne sowas nicht. Zumal meine Eltern mir und meinen anderen Geschwistern sowas niemals hätten durchgehen lassen.

Gut, nachkarten nützt jetzt nichts mehr. Aber noch mal meine ganz konkrete Frage. Würdet ihr sie zwingen, auf die Arbeit zu gehen? Die Übelkeit auszuhalten ... Ich werde davon abgesehen meinen Eltern noch einmal nahelegen, mit ihr einen Termin beim Psychologen zu vereinbaren!

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Mit Zwang macht man es nur noch schlimmer. Stell dir vor du hättest vor etwas wirklich grosse Angst, und man würde dich dazu zwingen es trotzdem zu tun.... Nicht schön...

Irgendwann hat sie nicht gelernt was sie es hätte lernen müssen, und zwar das selbstbewusste vortreten und von sich überzeugen. Wenn sie vor einem Einstellungstest so reagiert hat sie Panik. Eventuell sogar schon Angststörungen.
Das mit verwöhnt sein kommt hin, aber dafür kann SIE nix, sondern daran sind die Eltern Schuld! Kinder erzieht man so das sie selbstständig werden, nicht das sie Angst vor Dingen haben, nur weil ihnen gewisse (heutzutage zukunftsprägende) Dinge nicht übermittelt wurden sind.

Den Schuh können sich leider Eure Eltern anziehen. Deine Schwester allerdings muss von alleine begreifen, was sie sich damit alles verbaut.

Rede mit ihr nochmal in Ruhe, ob sie nicht doch, vielleicht auch zusammen mit deiner Unterstützung, professionelle Hilfe in Anspruch nimmt.

Erste Anlaufstelle wäre evtl. die Arbeitsagentur, vielleicht haben die Adressen und Ratschläge, wo sich deine Schwester BEVOR sie sich weiter mit neuen Jobs rum quält, Hilfe und Unterstützung holen kann um erstmal an sich zu arbeiten.

Alles liebe!

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Zwang macht das alles nur viel, viel schlimmer. Stell Dir vor Du hast extreme Höhenangst und man zwingt Dich in einen Hochseilgarten - nein, das ist dann kein "Grenzen überwinden" nach dem man sich gestärkt fühlt, sondern ein echtes Trauma.

Sie braucht professionelle Hilfe und keine viel zu spät kommende Erziehung. Das Ganze hat wahrscheinlich schon im Kindergartenalter angefangen, sich zu manifestieren, spätestens in der Schule, das kriegt man jetzt nicht mit Wunderheilung und elterlicher Strenge in den Griff.

Oft betrifft so eine große Prüfungsangst und Sozialphobie auch gar nicht die verhätschelten Kinder, sondern auch die, die ihre Eltern auf keinen Fall enttäuschen wollen. Und wenn ein Teenie im Auto ne halbe Panikattacke bekommt zerrt man ihn nicht in einen Einstellungstest und alles wird supi.

Mal ernsthaft, wenn Du ständig nur Schuldige suchst, Deine Schwester weil sie Angst hat und die nicht "einfach" überwindet, Deine Eltern, weil sie ihr zu viel haben durchgehen lassen, bist Du nicht gerade hilfreich.

Deine Schwester ist KRANK nicht nur bockig und faul. Sobald es auf etwas ankommt, sie etwas wirklich will, bekommt sie eben körperliche Symptome und wahnsinnige Angst, und das darfst Du ebenso ernst nehmen, wie den gedanken, dass jemand mit einem gebrochenen Bein Schmerzen hat.

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Hallo frau.ella!

Irgendwie schoss es mir beim Lesen so durxh den Kopf..
Kann deine Schwester Lesen und Schreiben?

Die Frage mag dir doof vorkommen, ich kenne aus meiner Schulzeit jemanden, der sich ewig lang durhmogeln konnte..Zwar nie mit Sternchen- aber gut genug, um lange nicht "entdeckt" zu werden.

Lieben Gruß

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Hallo lotti, Danke für die Anregung. Aber lesen und schreiben kann sie definitiv ;-)

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Dann vergiss, was ich gesagt habe :)

Ich hoffe, dass deine Schwester es schafft, diesen Kreislauf zu durchbrechen. .
wahrscheinlich muss sie einmal heftig auf die Nase fallen.

Alles Gute :)

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Du/ ihr solltest heraus finden was deine Schwester wirklich interessiert/ anspricht. Sie in eine Forum zu pressen wird nicht gut gehen.

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Hallo!
Ich kann gut nachvollziehen welche Sorgen du dir machst.
Du weißt ja am besten wie deine Schwester so ist.
Geht es um "Null-Bock-Einstellung" und "ist mir egal" oder einfach keine Verantwortung übernehmen wollen?
Wie ist sie denn sonst so? Viel am Party machen, Alkohol evtl. Drogen oder sonstigen Mist machen? Ist sie schonmal polizeilich in Erscheinung getreten?
Dann "leidet" sie wohl unter meiner ersten Variante und bräuchte einen gehörigen Arschtritt (wobei dieser auch gewaltig nach hinten losgehen kann, weil alles was sie braucht bekommt sie ja auch vom Staat...)
Oder hat sie einfach tatsächlich Angst. Du schreibst sie verdient sich was dazu? Was sind das für Jobs? Gibt es dort keine Probleme? Dann könnte es auch nicht unbedingt an Faul sein liegen.
Ich denke aber in beiden Fällen wäre psychologische Hilfe angebracht.
Dringend die Notbremse ziehen.
Viel Glück ;-)
LG

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Hallo!

Selbstständigkeit muss man lernen, auch die Konsequenzen für sein Handeln zu tragen gehört dazu. Deine Eltern haben sicherlich verpasst ihr das bei zu bringen. Mir wurde auch recht viel abgenommen und es hat wirklich gedauert bis ich mich getraut habe selber was zu machen. Da ist dann schon Unsicherheit da, wenn man es nicht gewöhnt ist alles selber in die Hand zu nehmen. Ich bin fast 40 Jahre und noch immer fallen mir gewisse Dinge schwer.

Mir stellt sich die Frage was denn deine Schwester eigentlich möchte. Ihr muss ja schon bewusst sein das sie irgendwas lernen muss. Es muss doch etwas geben was sie gerne machen würde. Wollte sie denn das alles was die Eltern da in die Wege geleitet haben, oder hat sie es einfach so 'hingenommen'?

Prüfungsangt, oder generell Angst vor 'gewissen' Situationen (Selbstständiges Arbeiten, Anpassen an den Betrieb, Kritik ertragen, eigene Entscheidungen treffen, Arbeiten mit Kollegen...) gibt es natürlich. Vielleicht braucht sie einfach auch nur mehr Selbstvertrauen in sich und in ihre Fähigkeiten. Das sich Unsicherheit und Angst auch äußern kann (Übelkeit, Bauchweh usw) ist ebenfalls bekannt.
Da wäre sicherlich erstmal eine Psychologische Beratung Sinnvoll um erstmal heraus zu finden ob sie wirklich ein Problem hat oder ob es 'Faulheit' ist. Wir können das sicherlich nicht beurteilen.

Das wiederum muss aber von deine Schwester kommen. Ich würde ihr wohl einfach vorschlagen das man sich mal einen Termin bei einem Psychologen macht und sie sich das einfach mal anhören kann. Vielleicht merkt sie beim Gespräch selber das sie ein Problem hat und das man dagegen was tun kann.

LG Sonja

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