Altersheim oder Pflege zu Hause?

Hallo,

im Freundeskreis wird das Thema reihum präsent: die Eltern werden leider alt und es stellt sich die Frage, wie das Leben in Zukunft geregelt werden soll.

Ich für mich weiß, dass ich Privatsphäre brauche und die funktioniert leider nicht mit Eltern oder Schwiegereltern in der gleichen Wohnung. Ich würde ein Burnout erleiden (ich spreche aus Erfahrung), weil ich keinen Rückzugsort mehr hätte und sowieso dazu neige, zuviel zu geben.

Wenige Freunde finden es ganz normal, die Eltern dann in die eigene Wohnung aufzunehmen und zu pflegen. Nicht dass wir uns falsch verstehen - ich finde das total bewundernswert! Eher mache ich mir Gedanken, was an mir "falsch" ist, dass ich das keine zehn Tage aushalten würde.

Dabei ist die Beziehung zu meinen Eltern toll. Wir respektieren uns und sehen uns mindestens zweimal in der Woche. Wir begegnen uns dabei auf Augenhöhe, keiner dringt in die Privatsphäre des anderen ein. Trotzdem kann ich mir nicht vorstellen, mit ihnen zusammen zu wohnen. Woran liegt das?

Oder woran liegt es, dass es manche nicht stört, wenn immer jemand da ist, der alles mitbekommt? Ist das Verhältnis da eher enger? Oder sind es Menschen, die eben gerade nicht besonders vertraut miteinander sind? Da ich mit meinem Mann eine sehr enge Bindung pflege, würden viele Gespräche nicht stattfinden können, weil ich die Inhalte nicht mit meinen Eltern teilen möchte.

Diese Gespräche gibt es täglich und ich würde die auch nicht immer nur draußen führen wollen. Aber wenn man nur übers Wetter und die Kinder redet, geht es möglicherweise? Oder wenn man sich nicht daran stört, dass die Mutter zusieht, wenn mein Mann mir am Abend die Füße massiert und wir uns über unsere Probleme austauschen?

Ich bin ratlos und frage mich, ob ich ein Egoist bin, wenn ich meinen Eltern maximal tägliche Besuche bzw. Telefonate anbieten kann.

Grüße

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Mal von der anderen Seite her gesehen:
Ich möchte NIEMALS bei meinen Kindern in einem Zimmerchen der Wohnung meine letzten Tage/Wochen/Jahre verbringen - immer mit dem Hintergedanken, ich störe nur.
Und das ist überhaupt nicht anklagend oder so, zu meiner Tochter habe ich ein supergutes Verhältnis, aber auch zu ihr möchte ich nicht.
Ich möchte es nicht, wenn ich bettlägerig bin, dass sie mir den Hintern abwischt und mir irgendwann genervt den Suppenteller hinstellt - (oder von mir aus auch in anderer Reihenfolge:-)) Da ist es mir weitaus lieber, meine Familie besucht mich wenigstens einigermaßen regelmäßig im Altersheim.

Das mag früher alles auf dem Land geklappt haben, wo es ganz normal war, dass vier Generationen auf dem Hof gewohnt haben, aber heute und in der Stadt ist das eben nicht mehr so.
Hut ab vor allen Pflegenden, es ist nicht einfach. Ich sehe es jetzt ja auch bei meinem Mann, der 78 Jahre alt ist und zwar noch einigermaßen auf den Beinen ist, aber doch auch schon reichlich Pflege und Fürsorge braucht. Ich mache das bei ihm ganz sicher, so lange es irgendwie geht, auch mit Hilfe von Pflegediensten usw.
Ob ich einen Vollpflegefall versorgen kann, weiß ich nicht, das muss ich auf mich zukommen lassen. Das kommt ja auch auf die eigene Gesundheit mit an.
Auch Demente mit Weglaufen und Aggressivität usw. sind ein Fall für sich - das muss man alles entscheiden, wenn es soweit ist.
Was Deine Freunde heute noch als selbstverständlich ansehen, kann komplett anders aussehen, wenn den dementen Opa dauernd die Polizei heimbringt und die Familie keine Nacht mehr ruhig schläft oder er alles kurz und klein schlägt (in der Nachbarschaft erlebt, der wollte seine Frau erwürgen)
LG Moni

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Auch hier gilt, für die wenigen Freunde: Erstmal die Situation erleben und dann beurteilen. Viele würden sich sicher umentscheiden.

Ich habe nach dem Tod meines Vaters immer gesagt, ich könnte meine Mutter nie in ein Heim geben. Dann wurde meine Mutter plötzlich krank und ich begleitete sie, gemeinsam mit meiner Tante, durch die schwere Zeit, übrigens nicht im gemeinsamen Haushalt.

Wir waren viel da, haben viel Zeit bei ihr verbracht und mit ihr und zum Ende habe ich die Nähe kaum noch ertragen. Es lag nicht an meiner Mutter, es lag an der fehlenden Unbefangenheit, der Fokus ihrer Erkrankung und Einschränkung und ich hatte das Gefühl es nimmt mir die Luft. Nicht unbedingt die körperliche Eingeschränktheit, auch die emotionale, die Depressionen.

So langsam geht es bergauf. Und ich hoffe, dass es so bleibt. Die Nachuntersuchung ist bald, wenn das Ergebnis nicht gut ist, dann weiß ich auch nicht weiter.

Ich konnte das nicht vorher einschätzen, ich musste erst da durch - und habe nur an der Oberläche einer Pflege gekratzt - aber dann für mich festgesellt, dass ich es nicht in meinen 4 Wänden könnte.

Alt und jung passen schlichtweg nicht zusammen, nicht auf Dauer, nicht zu eng. Unsere Freizeit, unsere gemeinsame Zeit, mein Mann und ich verbringen sie anders, als meine Eltern das getan haben. Schon allein das wirft Unverständnis auf, Fragen von meiner Mutter, das Gefühl mich rechtfertigen müssen. Und das ist nur ein kleiner Teil unseres Lebens. Wie du schreibst, gern Besuche, regelmäßig, wenns sein muss täglich zur gleichen Zeit, Telefonate usw. Aber Trennung der Lebensräume.

Wenn das egoistisch ist, dann bin ich das eben. Dieser Egoismus rettet meine Familie, denn solche Zeiten sind so angespannt, bei uns kam es oft zu Knatsch, darunter litten die Kinder.

Ich hoffe nicht, dass ich eine solche Entscheidung treffen muss. Es gibt zum Glück gute Pflegedienste, mit deren Hilfe es lange zu Hause geht.

VG

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Nun, zu Hause zu pflegen heißt ja nicht automatisch, dass Deine Eltern oder wer auch immer rund um die Uhr auf Deinem Schoß hockt oder das Pflegebett im Wohnzimmer steht oder was Du Dir da so vorstellst #kratz

Aber in meiner Familie ist das kein Thema, dass ich meine Eltern pflege. Ich selber gebe offen und unumwunden zu, ich könnte das gar nicht. Medizinisch nicht, pflegerisch nicht, nervlich nicht. Hinzu kommt, meine Eltern wollten das gar nicht. Es ist klar geregelt, wenn Pflege dann heim.

Vielleicht muss man sich einfach mal von dem Abschiebegedanken frei machen. Gesellschaften ändern sich, es gibt kaum mehr Familien mit drei Generationen unter einem Dach, wo sowas selbstverständlich war. Kleine Stadtwohnungen, vermehrt Singles.

Warum ist es abschieben wenn ich sage, bis hierhin kann ich, jetzt muss Fachpersonal ran.
Ich seh das ganz pragmatisch und meine Eltern gott sei dank auch.

Lichtchen

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Hallo,

ich finde es wichtig und richtig, dass die Eltern in der Familie gepflegt werden.

Meinem Vater ist es das letzte Jahr seines Lebens ziemlich schlecht gegangen und natürlich war er bis zum Schluss bei meiner Mutter und meinen Geschwistern im Hause und es haben alle zusammengeholfen, damit meine Mutter es geschafft hat.

Wenn meine Mutter mal pflegebedürftig werden sollte, wird sie sselbstverständlich in ihrer Wohnung verbleiben und meine Geschwister werden entweder selbst oder zusammen mit einem Pflegedienst dafür sorgen, dass sie bis zum Ende dort bleiben kann.

Und ich hoffe auch sehr, dass ich niemals in ein Seniorenheim muss.

Ich sehe es an meinem dementen Schwiegervater, der schon seit über 10 Jahren dort lebt.

Sicherlich bekommt er nicht mehr so viel mit, aber manchmal merkt man doch, dass es ihn sehr traurig stimmt, dass er kaum Kontakt zu seinem Sohn (meinem Mann) hat, weil der ständig unterwegs ist und auch sonst wenig Ansprache hat.

GLG

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Wie willst du das leisten, wenn sie 24 Std. Betreuung braucht?

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Sie ja nicht....ihre Geschwister. ;-)

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Hallo,

ich gebe unumwunden zu, dass ich meine Eltern nicht pflegen würde. Das ist zumindest meine jetzige Einstellung. Ich könnte das nicht. Das liegt an verschiedenen Dingen.

Einmal ist es sicher die Tatsache, dass man dann nicht mehr unter sich wär und so egoistisch das klingt, mir wäre es wohl auch zu anstrengend. Meine Mutter pflegt meine Oma, ich weiß annähernd, was das bedeutet.

Außerdem empfinde ich gewissermaßen Ekel vor der Pflege alter Menschen. Manchmal schäme ich dafür, aber ich kann das nicht abstellen (ich versuche daran zu arbeiten, aber naja, es gelingt mir eben nicht). Ich kann pflegebedürftige, beeinträchtigte Kinder versorgen, sie wickeln, füttern, sauber machen... aber bei alten Menschen habe ich eine sehr große Hemmschwelle.

Es hat aber vor allem auch etwas mit der Beziehung zwischen meinen Eltern und mir zu tun, glaube ich. Meinen Mann würde ich pflegen, ich kann mir (zu diesem Zeitpunkt!) gar nicht vorstellen, ihn in ein Heim zu geben, wenn er pflegebedürftig würde. Das hat etwas mit der Nähe und Intimität zwischen uns zu tun. Wenn ich mir vorstelle meinen Mann zu pflegen, empfinde ich diesen Ekel, der mich beim Gedanken an die Pflege alter Leute überkommt, nicht.

Ich habe übrigens großen Respekt und Achtung vor Menschen, die Angehörige pflegen und auch vor Menschen die beruflich fremde ältere Menschen pflegen. Das ist eine wichtige Aufgabe, die viel zu gering entlohnt wird.

LG

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Ich hab noch einen Nachtrag:

Ich glaube, man verfängt sich selbst oft in dem Gedanken: Keine Pflege = kein Kümmern/hängen lassen der Eltern. Das sind unterschiedliche paar Schuhe.

Nur, weil man es nicht möchte, dass pflegebedürftige Elternteile nicht im eigenen Hause betreut werden sollen, heißt das ja nicht, dass man nicht trotzdem für sie da ist. Es ist auch nicht gerade leicht, regelmäßig in ein Pflegeheim zu Besuch zu fahren. Meine Mutter hat das bei ihrer Mutter zweimal wöchentlich gemacht - 100 km hin und zurück. Das war nicht ohne. Die Sorgen sind ebenso da, das Kümmern, damit alles gut läut, Gespräche mit dem betreuenden Personal in der Einrichtung, usw. usf.

Meine Mutter würde so etwas nicht wollen, die persönliche Pflege, aber das ich emotional da bin, Gespräche mit ihr führe, sie besuche, Sorgen anhöre etc. Das schon. Und dazu fühle ich mich verpflichtet und mache es gleichzeitig auch (meistens) gern. Meinen Brüdern ist selbst das zu viel.

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Die Pflege eines Menschen kann einen sehr schnell an die Grenzen der eigenen Belastbarkeit bringen. Ich habe großen Respekt vor Menschen, die ihre Angehörigen pflegen - schließe für mich allerdings völlig aus, dass ich dieses tun würde.

Mir fehlt die emotionale Bindung zur Verwandtschaft, ich bin berufstätig und fühle mich in keinster Hinsicht in der Lage, diese Aufgabe anzunehmen.

Und ja - in der Beziehung bin ich Egoist, ich werde nicht Jahre meines Lebens mit der Pflege meiner Eltern/Schwiegereltern verbringen. Zum Glück rechnet da in meiner Familie auch keiner mit. Für ein paar Jahre hatte ich Einblick in die Pflege meiner dementen Oma - anfangs bei uns und dann im Heim. Ich habe mich viel um sie gekümmert, ihr sogar den Hintern abgeputzt - die Belastung damals war schon enorm.

LG Z.

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Hi,

das kommt darauf an....

Ich hätte meine Mutter nie gepflegt! Dazu war unser Verhältnis einfach zu schlecht bzw. nicht vorhanden.

Ich würde auch meine Schwiegermutter niemals pflegen. Sie hat ihre über alles geliebte Tochter und die darf das dann auch gerne übernehmen. Da sie für uns nichts übrig hat, werde ich mich garantiert nicht für sie aufopfern.

Bei meinem Vater wäre das anders gewesen. Den hätte ich definitiv soweit es irgendwie möglich gewesen wäre, daheim bei mir behalten und gepflegt. Genauso wie ich es bei meinem Mann oder meinen Kindern machen würde, wenn sie jemals pflegebedürftig werden würden.

LG

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Ich kann deinen Standpunkt absolut verstehen. Ich arbeite selber in der Pflege, aber ich weiß jetzt schon das ich weder meine Eltern noch meine Schwiegereltern dauerhaft pflegen würde. Übergangsweise bis ein Heimplatz gefunden wäre ja, aber mein eigenes Leben, die eigene Familie quasie hinten anstellen? Unter umständen über Jahre? Rund um die Uhr? Ganz sicher NEIN! Das würde ich für meine Kinder tun und für meinen Mann, für sonst niemanden!
Das hat nichts damit zu tun das ich meine Eltern nicht liebe oder so. Das ist eher Egoismus. Wie bei dir. Ich brauche meine Freiräume, Rückzugsorte. Und je nach dem was die zu pflegende Person an Problemen hat hat man die gar nicht mehr

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