Wie mit der eigenen Schwester umgehen? (Achtung, ich glaube lang...)

Hallo und guten Morgen,

ich muss mich mal hier ein bisschen aus-#bla...
Und zwar geht es um das Verhältnis zwischen meiner Schwester und mir, da ich mittlerweile nicht mehr weiß wie ich mich ihr gegenüber verhalten soll.
Vorab ein paar Infos: meine Schwester ist sechs Jahre älter als ich und nach einer langen Beziehung/Ehe seit einem Jahr geschieden. Ihre Ehe ging letzten Endes am unerfüllten Kinderwunsch kaputt, in den sie nach einigen Versuchen (und einem frühen Abgang) letztlich mehr investiert hat als ihr Ex-Mann. Seit einiger Zeit hat sie eine "Beziehung" (muss es in Anführungszeichen setzen, da das Verhältnis wohl wirklich eher ein Verhältnis denn eine Beziehung ist) zu einem Mann der bereits ein Kind aus seiner früheren Ehe hat und definitiv keine Kinder mehr will. Sie scheinen deshalb extrem viel zu streiten, aber keiner schafft den Absprung und trennt sich. Darüber hinaus arbeitet sie als erzieherische Leitung in einer Kinderkrippe, wo sie natürlich jeden Tag indirekt mit ihrem Kinderwunsch konfrontiert wird indem sie sich mit den ganzen Minis umgibt.
So und nun zu mir: im Gegensatz zu meiner Schwester waren meine Verhältnisse lange nicht so geordnet. Ich hatte immer eher kürzere Beziehungen bzw war zwischendrin immer wieder single bis ich vor über fünf Jahren mit meinem jetzigen Partner zusammenkam. Letztes Jahr wurde ich - zu diesem Zeitpunkt ungeplant - schwanger von ihm (ein Hoch auf Persona... :-p ) und es war wirklich das schönste Geschenk für uns dass dieses kleine Wesen zu uns kommen wollte #verliebt
Das war dann natürlich wie ein Schlag ins Gesicht für meine Schwester: sie versucht seit vielen Jahren ein Kind zubekommen was bei ihr unter erschwerten Bedingungen läuft (PCO-Syndrom) und als es endlich soweit ist geht es doch wieder ab... ihr langjähriges geordnetes Leben (Mann, Haus, Kinderzimmer vorbereitet) geht letzten Endes in die Brüche und dann kommt ihre Chaos-Schwester (erstes Studium abgebrochen, von WG zu WG zu getingelt, einige Herzschmerz-Dramen ausgestanden) die dann "einfach so" schwanger wurde und jetzt einen kleinen Wurm zu Hause hat sowie nach wie vor eine funktionierende Beziehung.
Wir haben während meiner Schwangerschaft und auch danach nie darüber gesprochen ob/dass sie ein Problem damit hat aber ich hab mich innerlich immer befangen gefühlt ihr gegenüber.
Nichts desto trotz, sie ist vernarrt in meinen kleinen Zwerg, ist seine Patentante und es war irgendwie auch sofort klar dass ich versuche, ihn zu gegebener Zeit in ihrer Krippe betreuen zu lassen wenn es so weit ist.
In letzter Zeit habe ich kaum etwas von ihr gehört und auf Nachfrage kam gestern die Antwort, ja sie wisse schon dass sie kaum meldet, aber sie sei momentan so durcheinander aufgrund ihres Kinderwunsches dass sie gerade keinen Kontakt möchte... BÄM. Na toll. Was soll ich jetzt damit anfangen?! Soll ich jetzt warten bis sie mich und meinen Sohn wieder "ertragen" kann? Sie postet auch in einem seeehr bekannten social network derzeit stääändig so super-nachdenkliche und wehmütige Sprüche und Bilder und Lieder, so dass ich mich schon fast persönlich angesprochen fühle und schon echt ein schlechtes Gewissen bekomme dass ich ein Kind habe und sie eben nicht. Ganz ehrlich, mich macht das auch langsam ein bisschen sauer. Ich weiß auch gar nicht ob es eine gute Idee ist wenn ich den Kleinen für den nächsten Herbst bei ihr in der Krippe anmelde weil ich keinen schwelenden evtl. Konflikt heraufbeschwören möchte, den er dann auszubaden hat. Ich hab mittlerweile auch das Gefühl dass sie sich als Erzieherin in einer erhabeneneren Rolle sieht und die Eltern sind "nur" die Eltern, die z.B. die Eingewöhnung erschweren wenn sie ihr "Kind nicht loslassen können" oder halt einfach nicht so den Durchblick haben wie sie als Fachkraft... Das geht mir auch ganz schön auf die Nerven ehrlich gesagt.

Sorry für das viele blabla, aber ich wollte mir das mal von der Seele schreiben, da es so ein diffuses Gefühl momentan in mir ist. Das alle runterzuschreiben, davon erhoffe ich mir etwas Erleichterung und Licht in dieses Chaos zu bringen. Wenn jemand solch eine Situation kennt oder sich anderweitig berufen fühlt mir einen Ratschlag erteilen zu können wie ich mich meiner Schwester gegenüber verhalten soll - umso besser! Wäre sehr dankbar dafür! :-)

LG
mellon.collie

1

Hallo,

auch wenn sie im Moment ein wenig Abstand von euch möchte... ich glaube, dass ihr euch dringend einmal zu einer Tasse Kaffee/ Tee und Kuchen zusammensetzen (wenn das möglich ist ohne dein Baby) und über alles reden solltet. Da hat sich ja jetzt wirklich vieles bei euch angesammelt, was vielleicht eine Aufarbeitung benötigt.
Klar ist deine Schwester frustriert und traurig und ich denke auch neidisch, aber ich finde es für euer Verhältnis nicht gut, wenn ihr jetzt so weiter macht und nicht über die tiefsitzenden Dinge redet.

Denn du fühlst dich durch diesen Abstand, den sie jetzt möchte auch verletzt und auch dir tut es sicher gut, wenn du deine Gefühle kommunizieren kannst.

Ich wünsche euch alles Gute #klee

2

Hallo,

ich kann dich verstehen, aber mir tut deine Schwester sehr leid. Wie furchtbar muss es sein keine Kinder bekommen zu können wenn man sie sich doch sehnlichst wünscht. Immer wieder enttäuscht zu werden, dann wieder Hoffnung und Enttäuschung. Sogar die Beziehung zerbricht daran. Das sind wirklich große Baustellen und dann arbeitet sie auch noch mit Kindern und sieht jeden Tag was sie nicht hat.

Klar ist das nicht "dein Problem" und du hast nichts damit zu tun. Du kannst auch nichts dafür das es bei dir geklappt hat und du so glücklich darüber bist. Natürlich brauchst du auch kein schlechtes Gewissen haben, und hast es warscheinlich doch weil du deine Schwester sehr magst. Das ist echt eine dumme Situation zwischen euch beiden.

Ich kann dir nur raten: Hab Verständnis für deine Schwester, sei du die Vernünftigere und Stärkere. Sie kann das gerade nicht. Versuche ihr Verhalten so schwer es auch fällt nicht persönlich zu nehmen und lass ihr auch den Abstand zu euch, denn sie gerade braucht. Was nützt dir die Patentante/Schwester wenn sie emotional im Moment völlig durch den Wind ist wenn sie dich mit dem Kind sieht. Auch würde ich auf keinen Fall mein Kind unter diesen Umständen bei der Schwester in die Krippe geben. Da sind Streitigkeiten vorprogrammiert.

Lass ihr Zeit und warte bis sie wieder auf euch zukommt, dein Kind meldest du in einer anderen Krippe an. Und mach dir nicht mehr zu viele Gedanken über die Situation, du kannst sie nicht ändern. Damit muss deine Schwester alleine fertig werden und wer weiß vielleicht klappts ja doch noch bei ihr.

Lg

3

Verhalte dich ganz normal. Bausch das Thema nicht auf. Guck nicht nach, was sie neues gepostet hat. Sie verarbeitet ihren unerfüllten Kinderwunsch auf ihre Weise.
Du hast keinen Grund befangen zu sein. Und du hast auch keinen Grund deine Schwester zu analysieren. Sie ist erwachsen und sucht ihren Weg. Ehrlich gesagt finde ich ihr Verhalten ganz normal, und wenn sie zur Zeit mal nicht so viel mit Dir und Deinem Kind machen will würde ich das respektieren ohne daraus eine Grundsatzdiskussion zu machen.

Ich war auch innerlich zerrissen als ich das neugeborene 2. Baby meiner kleinen Schwester im Arm hatte, während ich zur gleichen Zeit zwei Fehlgeburten verarbeiten musste. Neid war es nicht, eher ein diffuses Gefühl von Staunen (über das Baby) und Traurigkeit (dass ich die Fehlgeburten hatte). Es war gut, dass wir beide den Ball flach gehalten haben und nicht Probleme aufarbeiten wollten, die erst durch zu viel Gerede entstanden wären. Sie war ganz normal zu mir, und das war das beste.
LG doremi

4

Auch wenn es dir schwer fällt,versuche es nicht zu persönlich zu nehmen.

So wie du den momentanen Zustand deiner Schwester schilderst:

Traurige Postings,Kontaktabbruch und Schwierigkeiten in der neuen Beziehung

Das hört sich verdächtig nach einer eventuellen Deppression an

Sei bitte weiterhin für sie da und versuche sie zu überzeugen,dass sie profesionelle Hilfe braucht

5

Ich danke euch ganz #herzlichlich für eure Antworten!

Wahrscheinlich ist es tatsächlich besser nicht noch mehr in ihrer Wunde zu stochern und den Ball flach zu halten... deswegen habe ich ja auch erstmal hier alles runterschreiben wollen, damit mein größter Gesprächsbedarf erstmal gedeckt ist ;-)

Nicht dass hier ein falscher Eindruck entsteht - auch ich fühle wirklich mit meiner Schwester mit und finde es tragisch was sie alles durchgemacht hat. Nach der Trennung habe ich mit ihr gemeinsam nach einer Wohnung gesucht, war immer für sie da und habe ihr den Rücken gestärkt. Nur habe ich das Gefühl, dass ich durch die Geburt meines Sohnes für sie die "Seiten gewechselt" habe und nicht mehr die Person bin mit der sie ihr Leid teilen kann, sondern ihr dieses viel mehr immer wieder vor Augen halte.
Also gut, dann übe ich mich weiterhin in Geduld und Verständnis und werde für sie da sein, wenn SIE das möchte.

#danke

LG
mellon.collie

6

Eine kurze knappe Antwort von mir. Melde den Kleinen in ner anderen Krippe an und akzeptier, dass deine Schwester dich/euch derzeit nicht sehen möchte. SIE will das nicht und deswegen brauchst DU kein schlechtes Gewissen haben.

Für sie wäre ja auch ne Adoption einen Möglichkeit (gewesen), und sie sollte sich vielleicht in Behandlung begeben, wenn sie nach so vielen Jahren noch nicht damit umgehen kann, dass sie keine Kinder bekommen kann.

7

"Ich hab mittlerweile auch das Gefühl dass sie sich als Erzieherin in einer erhabeneneren Rolle sieht und die Eltern sind "nur" die Eltern, die z.B. die Eingewöhnung erschweren wenn sie ihr "Kind nicht loslassen können" oder halt einfach nicht so den Durchblick haben wie sie als Fachkraft... "

ja, solche Fachleute gibt es, die sich über andere stellen... bisher ist es mir jedoch recht gut gelungen, solchen Leuten langfristig aus dem Weg zu gehen.

Ich glaube auch, dass es eher keine so gute Idee ist, wenn dein Sohn bei ihr in die KiTa geht. Schafft euch ein wenig Abstand, sodass dein Sohn für sie noch etwas "besonderes" sein kann (nicht falsch verstehen).

vG
ficus

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