Ich werde immer verkannt

Hallo Forum.

Ich räume in meinem Leben derzeit kräftig auf: Ich kläre Ungereimtheiten mit meinem Exmann und stecke klare Grenzen, habe meine neue Heirat abgesagt, habe wieder mit meinem alten Hobby angefangen und fühle, dass ich auf dem richtigen Weg zu mir bin.

Und immer wieder taucht seit Jahren ein Phänomen in meinem Leben auf:

Ich werde immer von den Familien meiner Partner abgelehnt. Das war schon in Teenagerzeiten so. Entweder spuckten die Mütter Gift und Galle, oder die Schwestern oder extrem dominante Schwägerinnen.

Dabei bekomme ich nicht mal ansatzweise die Chance, dass man mich kennenlernt. Das will man nicht.

Ganz krass war es mal 2006, da lernte ich einen Franzosen kennen, mit dem ich mich wirklich sehr gut verstand. Am Tag, als er mich seiner Familie vorstellen wollte, sagte seine übermächtige Schwägerin als erstes zu mir: "Die Deutschen! Die können doch nur zwei Dinge sagen: Scheiße und geil."

Das war die Antwort auf meine Begrüßung.

Vor meiner Ex-Ehe war ich auch mit einem Mann zusammen, mit dem ich mich ebenfalls sehr gut verstand. Seine Mutter hatte mich vom ersten Augenblick an "gefressen" (also nicht zum Fressen gern). Sie bezeichnete mich als aufgetakelten Pfau, obwohl ich mich nur sehr dezent schminke - wenn überhaupt, während sie über und über mit Indianerschmuck vollgehangen war und die Lider in himmelblau "lackierte" und alles andere als eine unauffällige Erscheinung war. Außerdem behauptete sie, dass ich gar nicht in dem Job arbeiten würde, den ich ausübe. Ich würde lügen.

Obwohl ich ja immer zuerst die Partner kennen lerne und gar nichts von deren Familienhintergrund weiß, gibt es immer sofort Probleme. Mit der Familie meines jetzigen Partners ist es genauso so. Seine Schwägerin sagte vor wenigen Wochen zu mir: "Wie Du redest, wie Du aussiehst, wie Du Dich anziehst und vor allem Dein Beruf - mit Dir können wir nichts anfangen. Wir schämen uns, wenn wir mit Dir zusammen sind"

#kratz

Dabei halte ich mich immer in allem stets zurück, aber ich habe festgestellt, dass ich am glücklichsten bin, wenn ich Single bin, weil ich da so sein kann, wie ich bin und weil ich dann ausschließlich Kontakt mit Leuten habe, die mich mögen, so wie ich bin.

Mit meinen Partnern zerbricht die Beziehung meistens wegen der Familienkonstellationen. Auch die anstehende Heirat im Juni habe ich nach einem ziemlich unschönen Zwischenfall mit der Schwägerin gecancelt, weil mein Partner zu schwach war, Partei zu ergreifen. Für mich ist das keine Basis für eine Heirat.

Manchmal habe ich das Gefühl, das ich ein besonders geschicktes Händchen für Männer habe, die sich nicht von ihren Familien gelöst haben und ich deshalb als Unruhestifterin angesehen werde. Ich selbst bin recht souverän und selbstbewusst, lasse aber jeden so sein, wie er ist, und mache sehr oft gute Miene zum bösen Spiel, nur um keinen Stress zu erzeugen.

Die Frage ist aber: Warum ist das so, wie es ist???

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Warum das so ist?

Keine Ahnung aber möglicherweise suchst du dir unbewusst immer Partner aus, die aufgrund dieser Familienkonstellation auf eine bestimmte Art und Weise geprägt wurde?

Schau dir doch mal deine Partner an und versuche herauszufinden, was sie charakterlich verbindet und wo sie sich unterscheiden. Da tun sich oftmals erstaunliche Erkenntnisse auf ; )

Eine (aber nur sehr hypothetische) Erklärung wäre z.B. dass deine bisherigen Partner von sehr starken Frauen umgeben waren udn geprägt wurden. Frauen die ihnen die Bildung einer eigenen Meinung "abnahmen" oder auch einfach nur schwer gemacht haben. Dann kommst du, passt in dieses Schema, bist selber eine starke Persönlichkeit und rasselst mit den Frauen aneinander die bislang sein Leben gesteuert haben.
Nur so als mögliche Überlegung.
Gruß Louise

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Hallo Louise.

Danke für Deinen konstruktiven Beitrag.

Die Männer ähneln sich in der Tat vom Charakter: Allesamt fleißig und ehrgeizig, handwerklich sehr begabt (was ich sehr mag) und im Grunde liebe, ruhige Seelen.

Es sind allesamt Männer, die eigentlich vom Intellekt her zu mehr fähig gewesen wären, als sie letztendlich daraus gemacht haben. Mein jetziger Partner hätte beispielsweise locker eine Ausbildung zum Piloten machen können (was ihm angeboten wurde) - er lehnte aber in Jugendjahren ab, weil er in seiner Heimat bleiben wollte. Außerdem redete ihm die Familie ein, dass eine einfache Handwerkerlehre besser und sicherer wäre. Und so ist es eben auch gekommen.

Mit meinen Partner läuft die Beziehung meist gut und harmonisch und oft finde ich ihnen Verbündete für Ideen und Träume, manches lässt sich umsetzen, anderes nicht.

Ich habe auch einen Mann kennengelernt, dessen Mutter ich sogar vor ihm kannte. Sie und ich kamen bestens miteinander aus, es war alles problemlos, ich lernte viel von ihr in Gartendingen (was mich sehr interessiert) und wir haben zusammen WEihnachtsplätzchen gebacken. Sie stellte mir ihren Sohn vor (bis dahin kannte ich ihn nur vom Sehen und Hallo sagen), ganz normal, und da er gerade einen jungen Hund bekommen hatte (ich war früher selbst aktive Hundesportlerin und habe diverse Trainerscheine), hatten wir viele Anknüpfpunkte für Gespräche.
Und obwohl wir nur miteinander wegen des Hundes Kontakt hatten und Zeit verbrachten (Gassitouren, Hundeplatz), flippte die Mutter vollkommen aus und erteilte mir Hausverbot (ihr Sohn wohnte bei ihr im Haus). Ich weiß bis heute nicht, was passiert ist. Eine Antwort bekomme ich keine. Den Kontakt zu dem Mann habe ich abgebrochen.

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Und noch was:

Ich empfinde die besagten Personen als dominant, aber nicht als stark. Da gibt es für mich nämlich einen Unterschied.

Stark ist in meinen Augen jemand, der sich bei Problemen mit mir konstruktiv auseinandersetzt und vielleicht auch einen Fehler, den ich sofort verzeihen würde, einräumt.

Dominant ist für mich, anderen etwas aufdrängen zu wollen, notfalls auch mit verbaler Gewalt oder Sanktionen.

Ich selbst empfinde mich als stark, aber nicht als dominant.

Vor allem hat sich meine Einstellung zum Leben eh gravierend verändert, als ich letztes Jahr aufgrund einer medikamentösen Nebenwirkung einen Herz- und Atemstillstand hatte. Ich weiß, wie schnell alles vorbei sein kann und ich trage seither eine gewisse Ruhe und Ausgeglichenheit in mir. Ich brauche nicht mehr jeden Stress und Ärger. Deshalb gehe ich ja sowieso vielen unnötigen und unkonstruktiven Diskussionen aus dem Weg, weil sich die MÜhe nicht lohnt. Das meinte ich vorhin mit "gute Miene zum bösen Spiel" machen. Ich kann die Menschen nicht ändern - nur meine Einstellung zu ihnen.

Kurios ist aber, dass man mich dennoch nicht in Frieden lässt, sondern permanent irgendwelche Methoden findet, mich aus der Reserve zu locken. Vor 3 Wochen ist das der Schwägerin gelungen, weil sie gegenüber meiner Tochter eine sehr grobe Ungerechtigkeit begangen hat. Und da agiere ich - sehr sachlich, sehr präzise, in Form eines Gesprächs, das nicht die Bohne etwas gebracht hat.

Stark hätte ich es gefunden, wenn man eine gute Lösung (für ein Problem, das eigentlich sie gehabt hat) gefunden hätte und wenn es eine Entschuldigung oder ein Einlenken gegeben hätte. Stattdessen nur dumme, überhebliche, hilflose Sprüche.

Ich habe sie gefragt, ob sie ein Problem mit mir hat - dann soll sie es mir sagen. Die Antwort: "Nein, wir haben kein Problem mit Dir. Aber wir waren zuerst da."

#kratz

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Jetzt bin ich aber mal neugierig, was du für einen Beruf hast. Du könntest mit deiner Annahme natürlich recht haben, dass du dir ausgerechnet immer solche Männer raus suchst. Hört sich ja übel an.

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*lach*

ich schäme mich ja fast, zu sagen, mit was ich meine Brötchen verdiene...


TROMMELWIRBEL


Ich bin Journalistin von Beruf, habe ein eigenes, kleines Pressebüro (ohne Angestellte) und habe mich auf Kommunalpolitik und Motorradjournalismus spezialisiert.

Das heißt: Ich berichte über Politik aus Kreis und Kommune und teste Motorräder aus Frauensicht und schreibe über Touren.

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Hallo!

Mir kommt es so vor, als ob die weiblichen Mitglieder der Familie Deines (aktuellen) Partners einfach Angst haben, da Du doch einen Beruf ausübst, in dem frau stark, redegewandt und selbstbewusst sein muss. Wenn diese Frauen bis jetzt die starken waren, werden sie sich in der Defensive finden (Du brauchst dafür nichts zu tun). Und das mögen sie natürlich nicht.

Abgesehen davon, dass sich dann Männer aus solchen Familien vielleicht doch zu den Frauen angezogen fühlen, die diese Stärke besitzen

Meine Schwägerin hat ähnliche Probleme. Mit keiner ihrer 3 Schwiegermütter hat sie sich verstanden, aber das kam daher, dass sie von Anfang an das Ruder übernehmen wollte, in jeder Hinsicht. Mich mag sie auch nicht, da ihr Bruder, seit er mit mir ist, ein anderer Mensch geworden ist und sie nicht zum Ausheulen braucht (als ob man sich in 15 Jahren auch so nicht ändern würde!)

Du scheinst Deinen Weg gefunden zu haben. Ich wünsche Dir alles Gute

LG

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... sagte seine übermächtige Schwägerin als erstes zu mir: "Die Deutschen! Die können doch nur zwei Dinge sagen: Scheiße und geil."

Das war die Antwort auf meine Begrüßung.

Lach, da wäre meine Antwort gewesen: "Scheiße, wie geil ist das denn?"

Mal im ernst, der Richtige kommt schon noch. Und entweder klappt es dann auch mit der Familie oder es ist ihm egal, weil er dich mag.

Viel spass noch beim Leben aufräumen!#pro

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@ Stella

*lach* tolle Antwort...so schlagfertig war ich in dem Moment nicht - und das will echt was heißen :-)

Mir blieb damals ziemlich die Spucke weg.

Egal - das ist Geschichte.

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Wäre mir wahrscheinlich auch in der Situation so gegangen, aber es schreit förmlich nach dieser Antwort.

LG

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Hallo!

Das ist aus der Ferne natürlich schwierig einzuschätzen.
Mir sind 3 Gedanken gekommen:

1. Wie meint Deine Schwägerin denn " Wir schämen uns."
Für Dich oder für sich selber?
Für mich hört sich deine Geschichte nicht nach dominaten Frauen an, sondern nach Frauen mit nur geringem Selbstbewusstsein , die sich selber in einer fiktiven Skala unten einordnen, wenn sie jemanden treffen der erfolgreich im Beruf ist, der Selbstbewusstsein hat. Dazu würde auch passen, dass Sie Deinen Lebensgefährten "zu einem vernünftigen Beruf" gedrängt haben und er nicht weiter weg wollte.
Niemand mag an ein langweiliges, unzufriedenes oder vielleicht auch fehlerhaftes Leben permanent erinnert zu werden, das machen sie an Dir fest.
2. Du hast eine Hochzeit abgesagt, Dein Lebensgefährte ist "bodenständiger" Handwerker und herzensgut, Du warst schon mal verheiratet und hast eine Tochter, so wie es sich anhört hast Du schon einige Beziehungen hinter Dir und Erfahrungen gemacht. Die Verwandschaft glaubt nicht, dass Du mit Deinem "ausgeflipptem" Beruf, Deiner Persönlichkeit und Deinem Lebenswandel zu dem soliden Sohn mit der eher "spießigen" Familie im Hintergrund passt, ihn irgendwann hängen lässt?
3. Dein Selbstbild stimmt nicht mit dem Außenbild überein.

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Hallo Schokostreusel.

Danke, dass Du Dir Zeit genommen hast, mir zu antworten.

Zu 1) Diesen "Verdacht", den Du schilderst, hatte ich auch schon. Aber was soll ich jetzt ändern? Ich nehme mich schon sehr extrem zurück. Ich berichte nicht von meiner Arbeit, stattdessen habe ich demonstrativ eine Wäschespinne aufgestellt (denn ich bin ja wirklich häuslich) und es wird mit großem Interesse beobachtet, wenn ich die Fenster putze (das mache ich nämlich auch). Hier wohnen ja alle auf einem Fleck, d.h. nebeneinander und/oder in einem Haus: Drei Geschwister samt Partner und deren Familien und die Eltern.

Das mit "Wir schämen uns" habe ich im ersten Moment auf mich bezogen. Dann kam mir aber, dass man sich wohl mir gegenüber schämt, vor allem wegen der Sprache. Hier wird sehr starker Dialekt gesprochen, ich spreche nicht Hochdeutsch, aber nicht ganz so dialektgefärbt; das bringt der Beruf mit sich. Meine Tochter ist 6 und wird für ihr extrem gutes Sprachbild gelobt. Ihr Papa spricht nahezu Hochdeutsch mit ihr - und ich bin froh darüber. Mich selbst stört es nicht, wenn andere Menschen Dialekt sprechen, aber ich für mich habe eine Möglichkeit gefunden, so zu sprechen, dass man mich versteht, ohne meine regionale Herkunft zu verleugnen. Mit Fremdwörtern werfe ich auch nicht um mich. Aber bei manchen Gesprächen in der Familie geht mir halt die Puste aus: Nachbartratsch - da kenne ich mich nicht aus. Und dann sitze ich halt da, lächle friedlich, spiele mit den Kindern - und sage halt nichts.

zu 2) interessanter, guter Einwand! Dem ich folgen könnte, wenn das Theater nicht schon vor Hochzeit und Kind gewesen wäre. Ich hatte das ja schon zu Teenagerzeiten und ich habe ja schon mal ne Hochzeit platzen lassen (da war ich 24), weil meine jahrelange Beziehung mit meinem damaligen Freund permanent von dessen Mutter torpediert wurde. Damals war ich in Aubildung zur Redakteurin, wir hatten eine Wohnung, ein absolut beschauliches Leben - aber ich konnte nichts richtig machen. Von Anfang an nicht. Als mein damaliger Freund (ein Schreiner) sich in die Hand sägte, war ICH daran schuld, weil er angeblich nicht genug geschlafen hatte wegen mir und aus Unkonzentration diesen Unfall verursacht hatte. Trotzdem blieben wir zusammen, aber im sechsten Beziehungsjahr und sechs Wochen vor der Heirat gab es wieder so einen unmöglichen Zwischenfall und ich stellte für mich fest, dass ich den Rest meines Lebens nicht mit solchen Zuständen verbringen möchte, weil wir uns auch als paar immer wieder deshalb in die Flicken kriegten.

zu 3) Kann sein, weil ich angefangen habe, mich in manchen Situationen nicht mehr so zu geben, wie ich bin, weil ich nur Schmach und Häme eingesteckt habe. Ich kann das einfach nicht mehr ertragen. Beispiel: Ich bin von Haus aus sehr kreativ und künstlerisch veranlagt. Ich widme mich meinen INteressen mit großer Leidenschaft. Als ich mit meinem Exmann verheiratet war (der eine sehr dominante Schwester hatte), kam es zu folgender Begebenheit: Wir luden zu einem der vielen Familenkaffees zu uns und ich hatte eine Idee für eine ungewöhnliche Tischdeko, die ich mit viel Liebe und Begeisterung umsetze. Ich habe das gemacht, weil mir das sehr viel Spaß machte und ich was Neues ausprobieren wollte. Der Kommentar der Schwester lautete "Gibt es eigentlich etwas, was Du nicht kannst? Das ist ja eklig, wie gut Du alles machst". Ich bin sehr verunsichert gewesen, weil ich wirklich von Haus aus kein Mensch bin, der angibt oder anderen Menschen sagt, was sie nicht können. Ich mache gerne neue Dinge, die gelingen mir oft auf Anhieb, ich freue mich darüber - das war schon immer so und wird auch immer so bleiben.

Deshalb schrieb ich ja: Wenn ich Single bin, geht es ja immer blendend, weil ich dann ausschließlich mit Menschen zu tun habe, die mit mir auf einer Wellenlänge schwimmen und mich mögen, so wie ich bin. Aber im Grunde bin ich ja auch ein Familientier - ich hab es sehr gern, wenn der Tisch voll mit Leuten ist, die ich bekochen kann. Ich bin eben diese Mischung aus "Wild Thing" und "Mutter Theresa". Ich schalte das Bügeleisen aus, lege die Jogginghose ab, schwinge mich in den schwarzen Lederkombi, sitze auf meine fiese Maschine, düse zum Supermarkt, kaufe für meine Familie ein, damit ich zuhause ein leckeres Essen im Thermomix zaubern kann. C'est moi.

Letzte Woche sagte mein Partner über seine Familie: "Die kennen Dich halt nicht. Und sie wollen Dich nicht kennen lernen. Das ist das Problem."

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Wenn der 1. Fall, wie Du auch selber schon mal vermutet hast, zutreffend ist, wirst Du nicht viel machen können. Da prallen dann einfach Welten aufeinander.

Frage ist: Warum ist Dir das so sehr wichtig, dass die Familie Deines Partners Deinen Beruf und Deine Lebensweise anerkennt?
Wie oft triffst Du denn mit der Familie zusammen, dass es Dich so sehr stört?

Du bist zufrieden, Deine Freunde freuen sich mit Dir und Dein Lebensgefährte vermutlich auch- das ist doch das was zählt.

Wenn Du hier mal quer liest, handelt gefühlt jedes 2. Posting von Streit und Stress mit den Schwiegereltern. Da hat offensichtlich fast jeder Probleme;-).

Ich würde mich nicht weiter verstellen und so sein wie ich bin, frei von dem Zwang den anderen unbedingt gefallen zu wollen bzw. alles richtig zu machen, was Du für Dein Befinden sowieso tust- und das ist wichtig.
Dein Bemühen nach Gefallen klingt für mich schon ein wenig verbissen und manche Erzählungen auch irgendwie ein wenig "herablassend" , obwohl Du Dich ja bemühst nicht überheblich zu wirken.
Vielleicht merken die anderen das unbewusst und Deine Perfektion macht unbeliebt?

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Hallo,
ich kann mich noch an deine Beitrag erinnern in dem du noch gezweifelt hast ob die Hochzeit das Richtige für euch ist.
Ich denke du hast mit der Absage eine gute Entscheidung getroffen.

ich kann es ja mal aus der anderen Perspektive beschreiben.
Ich habe drei Geschwister: eine ältere Schwester, einen älteren Bruder und einen jüngeren Bruder. Mein älterer Bruder ist verheiratet und mit meiner Schwägerin lag ich sehr oft im Streit.
Als die beiden damals zusammen kamen, haben wir, bis auf meine Schwester, alle noch zuhause gewohnt. Wir waren eine sehr eingeschworene Gemeinschaft. Wir waren (bzw. sind es immernoch ) eine glückliche Familie! Hört sich etwas schmalzig an, aber ich weiß nicht wie ich es anders beschreiben soll, ich habe es jedenfalls so empfunden.

Anfangs verstanden wir uns gut, aber wie es so ist: Je näher man sich kommt, desto mehr entdeckt man was man nicht mag.
Wir haben einfach so ein paar "Familientraditionen". Wie wir Geburtstage begehen, wie wir Weihnachten feiern usw. Sie hat sich da immer etwas außen vor gehalten, sie ist eben anders aufgewachsen und kannte es nicht so. Das war auch in Ordnung für uns, man kann/will ja niemanden zwingen. Aber irgendwann war es eben so, dass auch mein Bruder sich rausgezogen hat, oft mit der Begründung "XX möchte das nicht".
Klar, er war erwachsen und kann seine Entscheidungen alleine treffen, aber damals habe ich das nicht so gesehen! Ich habe es ganz klar so empfunden, dass sie ihn uns entfremdet. Es ging dann immer so weiter und sie ging auch dazu über unsere "Traditionen/Rituale" als albern, überflüssig und nervig zu bezeichnen und das war der Punkt wo ich es wirklich als verletzend empfand. Meine anderen Geschwister übrigens auch, aber die können im Gegensatz zu mir die Klappe halten....

Na ja, lange Rede... Das ganze ist jetzt ca. 10 Jahre her und heute verstehen wir uns gut! Wir haben Kinder im gleichen Alter und die lieben sich, von daher sehen wir uns recht häufig.
Sie hat gelernt einige Dinge zu akzeptieren, ich akzeptiere ihre Eigenheiten und über manche Dinge muss man einfach hinweg sehen.

Meine Mutter war bei diesen Konflikten immer ein guter Berater. Sie hat uns immer daran erinnert, dass man die Partner der Geschwister nicht lieben muss, man muss sie nur akzeptieren.

Ich denke so eine Entwicklung kann aber nur funktionieren wenn man auch bereit ist mal seine eigenen Ansichten und sein eigenes Verhalten zu hinterfragen. Das müssten dann natürlich beide Seiten und bei der Familie deines Partners sehe ich nach deinen Beschreibungen keine Anzeichen dafür.

Puh, jetzt hab ich ganz schön viel "gesabbelt". Dir alles Gute!

Liebe Grüße
pipu

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Liebe Pipu.

Auch Dir vielen Dank für Deine sehr konstruktive Nachricht. Ich habe vieles, was Du schriebst, wiedererkannt.

Hier gibt es auch Rituale und Traditionen, die ich nicht kenne - aber auch nicht verurteile. Ich habe auch nie einen Hehl daraus gemacht, dass ich manche Dinge nicht kenne, aber auch nicht möchte. Dennoch akzeptiere ich die Regeln der anderen, für mein Leben stelle ich aber andere Regeln auf, die ich auch verfolge. Ich gehe brav zu den Einladungen hin, steuere dazu bei, was verlangt wird, bleibe auch nicht zu lange, halte mich höflich in allem zurück, ziehe keine "Fresse" oder sonstiges. Und auch meinem Partner habe ich immer gesagt, dass er, was seine Familie angeht, machen kann, was er will. Ich schreibe ihm nichts vor.

Als es allerdings vor 3 Wochen zu diesem GAU kam, den unberechtigterweise meine Tochter betraf, war ich konsequent: Da die Schwägerin mich so dumm und frech angequatscht hat und auch meinen Partner anging, beschloss ich, nicht zum anstehenden Kindergeburtstags-Familienbrunch zu gehen. Außerdem hatte ich dienstliche Termine, denen ich in dem Fall einfach Priorität gab und ich konnte das mit einem tollen Ausflug mit meiner Tochter verbinden, die jede Menge Spaß dabei hatte.

Oder hätte ich am Tisch sitzen sollen und lächeln, nach all dem, was da vom Stapel gelassen wurde? Ich bin halt so - ich ziehe mein Ding durch.
Mein Partner ging auch nicht zum Brunch, weil er sich über das Verhalten der Schwägerin sehr ärgerte... aber ich habe das niemals von ihm verlangt.

Weißt Du, ich wäre die Letzte, die in einer schwierigen Situation nicht einlenken würde. Ich kann Fehler gut zugeben, andere können es nicht. Ich gehe halt meinen Weg und langfristig wird es so sein, dass ich hier ausziehen werde. Momentan sehe ich aber, dass die beiden Kinder sich mögen und im Prinzip auch gut miteinander auskommen. Aber die Schwägerin spuckt weiterhin Gift und Galle, holt ihre Tochter rein, obwohl die beiden Mädchen schön spielen...da komme ich einfach in der Denkweise nicht mit.

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Hi,

ich habe mir jetzt alle Antworten durchgelesen und sei mir nicht böse, aber du wirkst tatsächlich ziemlich "perfekt".

Du hast einen guten Job, du kannst Fehler zugeben, du respektierst andere, du akzeptierst andere Traditionen, du ziehst nie eine "Fresse", beteiligst dich höflich an (für dich) belanglosen Gesprächen, du bist kreativ, du kannst fast alles auf Anhieb usw.

Das sind jetzt nur ein paar Dinge, die mir spontan hängen geblieben sind und dazu passt der Ausspruch der einen (Ex?-) Schwägerin, es wäre ja ekelhaft dass du die Tischdeko jetzt auch schon wieder so perfekt hinbekommen hast.

In der Tat stelle ich es mir auch sehr schwierig vor, mit jemandem so perfekten wie dir ständig konfrontiert zu werden. Es liest sich wirklich so, als hättest du jederzeit alles im Griff, einschließlich deiner eigenen Emotionen und seiest unfehlbar.
Das führt jedem anderen natürlich vor, wie viele Fehler man doch selber hat bzw. was man alles halt nicht so toll kann wie du.

Außerdem merkt man es dir vielleicht doch an, dass du dich auf Familienfeiern eher ödest und nur brav ein Programm abspulst. Da entsteht schon wieder der Eindruck, nichts sei gut genug für dich.

Bisher hast du auf alle Beiträge, die eine mögliche Ursache deines Problems bei dir gesucht haben geantwortet, dass die Einwände berechtigt seien, um dann aber ellenlang zu erklären wie gut du aber doch dieses und jenes alles kannst (Fehler eingestehen etc.) und es also an dir ja nicht liegen kann.

Vielleicht liege ich auch völlig falsch, aber das war so mein Eindruck beim Lesen der Beiträge.

LG juju

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Ich habe ihre Beiträge ähnlich aufgefasst, nur, dass ich noch einen Schritt weiter gehe und denke, die TE könnte egozentrisch sein, dies aber durch ausgesuchte Höflichkeit verbergen... Und eben ein Programm abspielen - andere Menschen spüren das.

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Sehe ich auch so.

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Was hast du denn für einen Beruf :-P Ich kann es nicht sagen was und warum das so ist, wir bzw ich kenne dich nicht und deine Art ....

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Hi,

da du schreibst, dass du das Problem bereits seit Teenager-Zeiten hast, kann es nicht an deinem momentanen Beruf etc. liegen, sondern es liegt wohl eher an deiner Persönlichkeit!

Ich denke, dass du, statt "natürlich" zu sein, etwas vorgibst, das du im Innern gar nicht bist. Du bist äußerlich ziemich "stark", aber ich könnte mir vorstellen, dass das evtl. ein Schutzschild ist, dass du nichts an dich rankommen lässt, dich, sorry, etwas überheblich gibst und so auf die anderen wirkst.

Keine Ahnung, ich habe kein Psychologie-Studium, aber meiner Meinung nach solltest du entsprechende Hilfe in Anspruch nehmen um herauszufinden, warum du immer an die falschen Männer (sind sie tatsächlich falsch?) gerätst und was der tiefere Grund ist. So erscheint mir alles sehr auf Oberflächlichkeiten beschränkt. Es gibt Frauen, die sind Professorinnen, Top auf ihrem Gebiet und auch ansonsten, und trotzdem mag sie jeder. Du scheinst immer nur anzuecken. Perfektionisten sind sehr leicht zu treffen! Denn: wenn die Familie sie ablehnt, sind die plötzlich nicht mehr "perfekt" und das ist etwas, woran sie knappern, könnte ich mir vorstellen.

Das Problem liegt meiner Meinung nach weniger bei den anderen, sondern eher bei dir (hast du ja selbst schon bemerkt). Aber urbia wird dir keine Hilfe sein können, da musst du dich an jemanden wenden, der das professionell macht (Psychotherapeut o. ä.). Einfach mal versuchen herauszubekommen, was der Grund dieser Abneigung ist bzw. dass du dir entsprechenden Familienanhang aussuchst. Ich könnte mir vorstellen, dass man da von sich selbst überrascht wird.

VG und vor allem viel Glück für die Zukunft, der Richtige kommt bestimmt irgendwann#pro
Gael

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Hallo Gael.

Danke für Deine Antwort. Dein Rückschluss mit der Teenagerzeit stimmt nicht ganz: Ich habe mit 15 Jahren angefangen, als freie Mitarbeiterin für Zeitungen zu schreiben, mit 16 stieg ich in die Kommunalpolitik ein und habe Gemeinderatsberichterstattung gemacht. Mit 18 hatte ich meinen ersten Freund (das ist echt wahr :-)) und da flippte hauptsächlich seine ältere Schwester rum, grüßte mich nicht, und wenn Blicke töten könnten, wäre ich sofort mausetot umgekippt. Ich war damals alles andere als souverän und kennen gelernt hatten wir uns ja nur deshalb, weil ich im Café seiner Eltern an der Kaffeetheke das Geld für den Führerschein und mein erstes Auto verdiente.

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Wenn ich IMMER auf Ablehung stoße, würde ich mich mal fragen, woran es liegt.
Willst Du wirklich Hilfe im Forum oder geht es um Selbstdarstellung und Komplimente fischen?
Starke Persönlichkeit hin oder her, aber bei neuen Kontakten kann man auch erstmal Zurückhaltung üben.
Das Gegenüber einschätzen, sich in eine bestehende Gemeinschaft einfügen, das ist eine Kunst, die nicht jeder beherrscht. Zeigt auf jeden Fall Wertschätzung und Interesse am anderen.
Du lernst die urzeln Deines Partners kennen. Wenn Du mit denen so massiv aneinander gerätst, ist er wohl auch nicht der richtige.
So, los, werft eure Steine :-)

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Stimme ich zu.
Ich hatte auch lange Probleme mich in eine Gemeinschaft einzufügen und würde oberflächlich auch die Charaktermerkmale der TE erfüllen und musste mühsam lernen, wie man es besser macht.
(Ich habe mich aber effektiv selber ins kalte Wasser geworfen... sozusagen Schocktherapie.)

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Habe ich nicht signalisiert, dass es mir zu denken gibt, dass die Ablehnung immer kommt, aber ausschließlich im Beziehungsbereich?

Und ja, ich erhoffe mir Hinweise in einem Forum wie diesem. Um Selbstdarstellung geht es nicht, aber es war klar, dass das unterstellt wird, wenn man versucht zu schildern, wie die Situationen verlaufen. Sicher mache ich Fehler, aber bestimmt nicht aus Arroganz, sondern aus Unsicherheit oder Unwissenheit. In der jetzigen Familie habe ich mich bewusst sehr zurück genommen, nur erzählt, wenn man mich was gefragt hat, ich habe mich an Allgemeinthemen beteiligt - aber es strengt mich so ungemein an, permanent die richtige Verhaltensweise zu überlegen, das Richtige anzuziehen, richtig aufzutreten.

Ich bin zudem zutiefst verletzt, nachdem wir Anfang des Jahres erzählt haben, dass wir Nachwuchs kriegen (inzwischen hatte ich leider eine Fehlgeburt). Der einzige der Kommentar lautete: "Wenn ich in Deinem Alter nochmal schwanger werden würde, würde ich mich umbringen." Und dann ging es noch um Krankheit und Behinderung, die so ein spätes Kind haben könnte. Sorry - da kann auch ich nicht mehr höflich und nett und diplomatisch sein. Mein Partner saß daneben, sagte gar nichts und schwieg den Rest vom Abend betroffen, während die Runde ohne Zucken zum Nachbarschaftsklatsch überging. Diese Aktion war ja auch ein Angriff gegen ihn (wie so oft, auch vor meiner Zeit), und er war nicht in der Lage, auf den Tisch zu hauen, was längst überfällig ist.
Ich habe beschlossen, in diese Familie kein Kind mehr reinbringen zu wollen. Wenn die Abneigung gegen mich so stark ist, dass ein potenzielles Enkelkind schon vorab darunter leiden muss - dann lasse ich es lieber. Dem Kind zuliebe.

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