Kind wird mit verschiedenen Dialekten groß. Eure Erfahrungen damit??

Hallo!

Frage steht ja schon da und es würde mich einfach mal interessieren, wie Eure Erfahrungen diesbezüglich sind...
Kurz zu meiner Situation: Ich bin in Baden-Württemberg aufgewachsen und von meinem Elternhaus her den schwäbischen Dialekt gewöhnt, und wir wohnen auch in der Nähe meines Elternhauses. Verheiratet bin ich mit einem gebürtigen Sachsen. Bin im Moment in der 27. Woche schwanger. Miteinander reden wir relativ neutrales Deutsch, also nicht direkt Hochdeutsch, aber so irgendwo dazwischen ("Wir können alles - außer Hochdeutsch" #kratz) Ich bin überhaupt nicht aufs Schwäbische versteift und meine Redensart ändert sich immer je nach Umgebung oder Gesprächspartner.
Meine Frage wäre jetzt, ob dies mein Kind nicht total verwirrt? Nach dem Motto "Mama, warum redest Du mit mir so und mit jenem anders?" Aber ich mag auch in meiner schwäbischen Umgebung nicht total aufs Hochdeutsche umsatteln, da würde ich nur schräge Blicke ernten und anstrengend wäre es für mich auch.
Kompensiert ein Kind das automatisch und welche "Färbung" nimmt es denn letztendlich an? Oder ist das von Fall zu Fall verschieden und man kann das im Vorraus überhaupt nicht sagen?
Bin gespannt auf Eure Antworten und Erfahrungsschätze ;-)

LG, Rebekka

1

Hi, ich wohne in Franken und ich mag den fränkischen Dialekt nur wenig, das hört sich immer so bauernmäßig an :-)

Ich rede sehr hochdeutsch, nur manchmal kommt bissi fränkisch rein.
"net machen" oder "passt scho"
aber wirklich wirklich wenig. Aber die Kinder kriegen ja ne menge mit und so spricht ian mit knapp 3 auch "des mach ma" was ich gar nicht mag, ich verbesser ihn dann sofort. aber ich denke, irgendwann - spätestens im kindergarten wird er seinen eigenen dialekt haben, sprich hier eben fränkisch :-)
bei euch wird es überwiegend der schwäbische werden und ihr könnt nix dagegen tun :-)

LG und weniger Kopf machen, die Kinder gehen eh ihren eigenen Weg ;-)

Maren

14

Als meiner klein war, war es oft bei den Großeltern in Unterfranken und eine Weile bin ich auch fast verzweifelt, weil es in seinem Sprachschatz kein "das" zu geben schienen. "Was ist denn das?" war ewig "'N' des?"

#augen

2

hallo Rebekka,

als wir in Sachsen wohnten habe ich bei meinen Kindern darauf geachtet, dass sie nicht "sächseln" sondern hochdeutsch reden, habe sie notfalls immer wieder verbessert.
Nun wohnen wir im Norden und es gab keine "Kommunikationsprobleme" wegen eines Dialetes.


Gruß Karna

3

Also wir wohnen in Sachsen Anhalt und ich bin gebürtige Berlinerin.
Ja ich rede eigentlich auch so halbwegs hochdeutsch, aber es rutschen immer wieder einzelne Dinge durch.
Unser Sohn hat davon halt schon einige drauf, aber wir machen es so, dass wir ihm dann das hochdeutsche Wort gleich hinterher schieben, so dass er beide lernt.

Ich rede so wie es mir in den Schnabel kommt (typische Berliner Krankheit) aber durch die Arbeit musste ich schon früh Hochdeutsch sprechen, da man mich eindeutig als "Ossi" geoutet hat, was bei einigen Menschen nicht gut ankam und mir auch sehr viele negative Reaktionen einbrachte, da ich im "Westteil" Berlins gearbeitet habe.

LG Carina deren Sohn auch mal "Icke" statt "Ich" und "NEE" statt "Nein" sagt;-)

4

Hallo Rebekka,

ich bin mit geschiedenen Elternteilen und damit den dazugehörigen neuen Partnern aufgewachsen und hatte damit Einflüsse von vier verschiedenen Dialekten.

Badisch, Schwäbisch, Hessisch und Mannheimerisch.

Gelebt haben wir in Baden und dementsprechend ging mein Dialekt eher in die Richtung. Ansonsten hat es eher bewirkt, dass wir Kinder eher Hochdeutsch sprechen, zwar mit badischer Färbung, aber so richtig reden wie meine Oma beispielsweise kann ich garnicht.

Ich glaube es hängt auch viel von den Freunden ab.

Genau vorhersagen lässt sich sowas wahrscheinlich nicht...

lg Dagmar

5

Aaalso, wenn ein Schwabe hochdeutsch redet, dann hält der das eh nie lange durch- mich schüttelts sogar bei unserem lieben Landesvater Oettinger manchmal richtiggehend durch.
Ich finde, man sollte so reden, dass es nicht künstlich und falsch klingt, egal, ob es nun sächsisch gefärbt ist oder schwäbisch. Man muss nicht an alles das schreckliche "le" anhängen (zu meiner Enkelin sag ich auch, das ist ein Bär und kein Bärle - brrr) #schwitz
und die Färbung - naja die kommt dann spätestens im Kindergarten. Das Kind ist davon keinesfalls verwirrt, soll ja welche geben, die wachsen nicht nur "mehr-dialektisch" sondern sogar mehrsprachig auf ;-) - und das klappt auch. Solange es kein "brutales" schwäbisch oder sächsisch ist - redet einfach normal mit eurem Kind, dann klappt das schon !
Alles Gute für den kleinen schwäbisch-sächsischen Nachwuchs - na DAS wird aber eine clevere Mischung #huepf (ich mag sächsisch :-), hab da auch Verwandte und Freunde)
LG Moni #herzlich

6

Hallo,

bei Alexander (wird im Sept. 4 und spricht flüssig mit relativ grossem Wortschatz) merke ich, dass er sich den Dialekt seines Vaters angeeignet hat, obwohl er mit ihm eigentlich am wenigsten Kontakt hat. (sprich Kindergarten, Freunde, Oma und ich sprechen alle anders als er)#kratz

Die Unterschiede sind zwar nicht gross, aber:
z.B. wir sprechen gehen, grün, stehen usw. mit ia aus (gian, grian, stiahn), mein Mann kommt aus dem Unterland;-) und da ziehen sie alles in's ea/ä (gäan, gräan, stäan)

Ich mache ihn zwar manchmal darauf aufmerksam, aber ihm fällt das gar nicht auf. Also glaube ich nicht, dass er verwirrt oder so wäre. (dazu kommt bei uns ja noch die italienische Sprache, die er manchmal hört und auch einige Wörter verwendet).

LG
Desi

7

Hi,

nein, rede, wie dir der Schnabel gewachsen ist ;-), das Kind wird garantiert nicht verwirrt sein, da es ja die verschiedenen Dialekte von Anfang an bei euch zuhause mitkriegt - es kennt es ja nur "so".
Finde es aber trotzdem wichtig, daß ein Kind weiß, wie alles auf Hochdeutsch heißt, da sie sich in der Schule dann viel leichter tun als die nur "Dialekt - Kinder". Im Endeffekt werden die Kinder dann so sprechen, wie alle anderen Kinder in Kindergarten und Schule auch sprechen. Mach dir keine Sorgen.

Manuela

8

Hallo Rebekka,
unsere Kinder werden auch "zweisprachig" erzogen .;) Ich lebe in Sachsen,bin aber gebürtige Niedersächsin(haben wenigstens was gemeinsam ;) ).
Plädiere auch für normales Sprechen,die Kinder finden sich damit prima zurecht.
Bei uns lässt es sich leider nicht vermeiden,dass sich der Dialekt dazwischenmogelt,dafür wird er hier zu sehr gelebt.
Daheim wird fast nur hochdeutsch gesprochen,daher haben unsere Kinder noch eine recht saubere Aussprache,was auch auffällt.:-p

LG,Anja

9

Also in diesem Falle kann ich klar Farbe bekennen:
Als Maschinenbauender Schwabe, lebend um Stuttgart und mächtig des Göppinger Dialekts gehöre ich zum erlauchten Kreis der Brahmanen. Kein "Außenstehender" wird je begreifen, wie wichtig die Kenntnis des "richtigen" Dialektes für sein persönliches Fortkommen ist. Hochdeutsch ist es bestimmt nicht. Es wird ertragen, aber nicht geliebt. Man muss es können, ebenso wie Englisch, aber mehr auch nicht. Es reicht, zu zeigen, daß man es könnte, wenn man denn nur wollte. In den obersten Führungsriegen der Deutschen Top-Unternehmen wird bei Vorstandssitzungen reinrassiges Schwäbisch "geschwätzt". Das kann man nicht lernen im späteren Leben. Hochdeutsch kann jeder Depp, das ist total simpel. Für durchschnittlich intelligente Schwaben beansprucht eine Hochdeutsch-Simulation höchstens 30% Rechnerleistung. Aber die komplexen Ausdrucksmöglichkeiten des Schwäbischen können nur als Kind gelernt werden.

Summa Summarum:
Die Familie sollte schwäbisch lehren, das Hochdeutsch kommt von allein, aber ohne schwäbisch kommt man nirgendwo hin. Oder warum lebt Dein sächsischer Mann hier ??

10

He, arzach!

Der war gut #freu! Aber so krass wie die Göppinger ist meine Muttersprache natürlich nicht. Man ordnet mich eher der "Badenser-Schiene" zu, obwohl ich das gar nicht bin. Aber diese Göppinger Art zu reden habe ich lieben gelernt, als ich vor Ur-Zeiten im "Christophsbad" im Rahmen meiner Ausbildung meinen Psychiatrie-Einsatz abgeleistet habe.

In diesem Sinne: Es lebe der schwäbische Dialekt...oder so...

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Einfach super dein Statement.#sonne
Ich kann auch nicht verstehen was am Dialekt schlecht sein soll.Hochdeutsch zu können ist absolut keine Kunst, das kann echt jeder. Aber echten Dialekt...
Hochdeutsch: kenna scho, aber net wella...Nur wenns sei muß...
Und Kinder sind sowieso voll flexibel. Meine Nichte. sprach bevor sie in den Kindergarten kam schönstes Manzener Schwäbisch. Nach kurzer Zeit im Kindergarten wurde Hochdeutsch draus, weil kaum noch schwäbisch geprochen wurde. Schade...Aber ganz verlernt hat sie es doch nicht:-).
Lg.

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