Schreikind durch Wehenhemmer?

Schönen Guten Abend,

mein Sohn ist jetzt 3 1/2 Monate alt und hatte keinen wirklich schönen Start in's Leben.Er schreit von Anfang an recht viel,momentan hat es sich minimal gebessert.

Während der Schwangerschaft hatte ich 10 Wochen Dauertokolyse,davon 8 Wochen am Wehentropf mit doppelter Dosierung.Vor der Geburt wurde die Tokolyse für knapp 2 Wochen abgesetzt,d ich augrund eines Herzfehlers des Kindes in einer Klinik entbinden musste,die für uns nur per Hubschrauber zu erreichen war,gab es während des Fluges noch drei Spritzen Partusisten.

Der kleine Mensch ist immernoch nicht so recht im Leben angekommen,noch sehr angespannt,hat einen Tremor im Bein und schreit eben sehr viel.

Kann zwischen diesen Anpassungsstörungen und der extremen Gabe von Wehenhemmern ein Zusammenhang bestehen? Ich wurde nach der Geburt sogar gefragt,ob ich Medikamente genommen hätte,da das Kind Entzugserscheinungen zeigen würde!

Unsere Physiotherapeutin hält dies durchaus für möglich,der Kinderarzt sieht den Grund seines Verhaltens wohl eher darin,dass er nach dem langen Krankenhausaufenthalt Probleme hatte,sich an die neue Umgebung zu gewöhnen.

Huhu,

also ich bin Psychologin und hab schon 3 Kids, ich hab ein bißchen Ahnung ;-)
Die Gründe für frühe Anpassungsstörungen können vielfältig und manchmal schwer durchschaubar sein. Häufig spielen auch mehrere Faktoren zusammen.

Ich persönlich halte den Krankenhausaufenhalt nach der Geburt für den stärkeren Faktor. Was aber in der Phase mit dem Wehenhemmer eine Rolle gespielt hat, ist Dein Befinden. Ich denke nicht, dass sich die Medikamente ausgewirkt haben, sondern das Kind hat Deine Belastung und Aufregung durch den Krankenhausaufenthalt gespürt hat. Das in Kombination mit den Sachen nach der geburt ist viel zu verarbeiten.
Ich hatte übrigens ein ganz unkompliziertes Kind nach massiven Wehenhemmern, aber das ist generell ein sehr gelassener Geselle. Temperament spielt nämlich auch immer eine Rolle.

Liebe Grüße

Maja

Hallo Maja,

erstmal danke für deine Antwort :-) Sicherlich spielt auch alles,was du sagst eine Rolle,ich habe mich da auch belesen und habe meine Krankenhauszeit mit einer Kinder- und Jugendpsychologin als Bettnachbarin gefristet ;-)

Soweit das auch alles stimmen mag,spielen die Medikamente meiner Meinung nach doch eine große Rolle.Ich bin der Ansicht dass sie sich doch irgendwie auf das Männchen ausgewirkt haben.

Mit jeder Gabe ist der Kleine ruhiger geworden,seine Herzfrequenz ist jedoch deutlich angestiegen.Hätte ich nicht jeden Tag 3x CTG und 'nen dicken Bauch gehabt,hätte ich gedacht,ich wäre nicht mehr schwanger,da sich das Männchen nicht mehr bemerkbar gemacht hat.Selbst der hauseigene Klinikarzt hat den Gynäkologen mehrfach gesagt,dass sie das Kind holen sollen,da es merklich gestresst ist und das bei der Herzproblematik nicht förderlich war.Er hat sich schon nach der ersten Gabe so "verändert" und da war ich noch völlig entspannt und guter Dinge :-)

Meine Tante hat in der Schwangerschaft mit ihrer Ältesten übrigens genau dasselbe beobachtet.Das hängt sicherlich auch mit dem Temperament zusammen.Die Große ist eher ein Sensibelchen und die Kleine (trotz Toko) das genaue Gegenteil.

Ich bin diesbezüglich so beharrlich,weil ich einfach nicht glaube,dass Wehenhemmer so ungefährlich sind,wie es immer heißt.

Guten Morgen awpt,

meine Güte, Sie haben ja wirklich einen schwierigen Start mit Ihrem Kind gehabt. Das Sie und v.a. auch Ihr Kind da immer noch Nachwirkungen spüren ist nicht verwunderlich.

Ich muss Ihnen leider sagen, dass ich kein Arzt bin und ich Ihnen deshalb auf die Frage, ob der angespannte Zustand auch von den Medikamenten kommen kann keine wirklich fachlich fundierte Antwort geben kann. Meiner Einschätzung nach ist das nicht durch Medikamente bedingt, aber wie gesagt, dies ist keine fachlich fundierte Meinung.

Was ich aber mit Sicherheit sagen kann ist, dass die Nachwirkungen von dem Start auf jeden Fall multifaktoriell bedingt sind und ich würde an dieser Stelle der Antwort von Maja Recht geben. Auch ist die Frage warum Ihr Sohn diesen angespannten Zustand hat, ist zwar durchaus interessant, aber zweitrangig für den weiteren Umgang mit ihm. Auch wenn seine Anpassungsproblematik tatsächlich von den Medikamenten kommt ist es nun sehr wichtig, dass Sie mit möglichst viel Gelassenheit, Optimismus, dem Vermitteln von Sicherheit und (Bindungs-)Kontinuität versuchen Ihrem Jungen den weiteren Start ins Leben zu ermöglichen. Die Wunden, die entstanden sind durch den irritierenden Start können umso besser heilen, je normaler sie nun den gemeinsamen Lebensweg bestreiten. Je mehr er das Gefühl vermittelt bekommt, dass da jemand ist, auf den ich mich verlassen kann, der für mich da ist, wenn es mir nicht gut geht umso mehr wird er Vertrauen ins Leben fassen.

Ich wünsche Ihnen bei dieser Aufgabe Alles Gute und weiterhin Viel Erfolg.

Dr. T. Köhler-Saretzki.

P.S. Und wie immer mein Hinweis zum Schluss. Trauen Sie sich auch professionelle Hilfe in Anspruch zu nehmen.

Hallo Dr. Köhler,

vielen Dank für ihre Antwort!

Ich weiß selbst,dass die Frage nach der Ursächlichkeit eigentlich zweitrangig ist,aber man sucht ja irgendwie doch immer nach einem "Grund" oder einer "Ursache" ,auch wenn,wie schon mehrfach gesagt, nich DER eine Grund festzustellen ist.

Wir haben uns soweit gut mit der Situation arrangiert und durch die Physiotherapie sind auch schon große Fortschritte auszumachen.Der Gedanke,dass es irgendwann besser werden wird und die Fortschritte,die wir schon sehen,helfen auch über die schwierigen Stunden hinweg.

Ich würde allerdings gerne professionelle Hilfe in Anspruch nehmen,um Tipps für die schweren Momente zu erhalten.Wir leben allerdings sehr ländlich und mir wäre nicht bekannt,dass es in der Nähe Beratungsangebote für Eltern mit "Schreikindern" gibt.

Gibt es vielleicht eine Internetseite oder Broschüren,in denen Angebote und Beratungsstellen aufgelistet sind?Vielleicht gibt es ja doch Angebote in der Nähe,die ich nur nicht kenne.

Vielen Dank nochmals!

Hallo,

Sie haben natürlich vollkommen recht, dass man sich die Frage immer wieder stellt. Insgesamt klingt es aber ja ganz gut, wie Sie sich auf den Weg gemacht haben.

Bgl. der Adressen gibt es zum einen die Seite der German Association for Infant mental health: www.gaimh.org. Auf dieser Seite gibt es einer Rubrik Eltern/Adressen. Dort finden Sie bundesweit Adressen nach PLZ geordnet.

Die zweite Seite mit Adressen ist www.hilfen-fruehe-kindheit.de für die Region Köln.

Die dritte Möglichkeit ist über das nächste Gesundheitsamt und/oder Jugendamt, wo Sie wohnen Kontakt aufzunehmen und nach Adressen zu fragen.

Die vierte Möglichkeit, die ich Ihnen bieten kann ist mir über unsere Beratungsstelle in Köln-Mülheim Kontakt aufzunehmen unter familienberatung@csh-koeln.de, oder telefonisch 0221 64709 31 oder wenn Sie sich zuerst informieren wollen über www.csh-koeln.de. Im direkten email oder telefonischen Kontakt kann ich Ihnen dann noch weitere Adressen zukommen lassen oder mich selber schlau machen, wo es in Ihrer Umgebung Hilfsmöglichkeiten gibt.

Mit freundlichen Grüßen
T. Köhler

Vielleicht kann ich dich in punkto dauertokolyse etwas beruhigen. Ich hatte, wie du fast 3 Monate dauertokolyse und unsere Maus war von der 1. Minute an das entspannteste Baby, das ich je gesehen habe (und ich hab als Krippenerzieherin schon viele Babys erlebt ;-) ). Unsere Maus war immer tiefenentspannt (ausser beim anziehen das fand sie skandalös). Heute ist sie 5 Jahre und wir warten quasi immer noch auf die drei-monats-Koliken;-). Ok, zugegeben, morgens beim Haarekämmen holt sie das ganze geheule auf, was sie als Baby und Kleinkind ausgelassen hat. Der kleine meiner Freundin hat auch fast nie geweint und sie hatte auch dauertokolyse. Ach ja und beide Kids sind auch noch Kaiserschnittkinder, von denen ja oft gesagt wird, dass sie mehr weinen.

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