Er fühlt Scham

Hallöchen 👋

Mein Partner und ich sind im 30ÜZ.
Ich habe meine Familie bereits nach einem halben Jahr eingeweiht, dass wir es probieren. Es tat wirklich gut mit ihnen über den Kiwu zu sprechen. Mit meiner Schwester führe ich wirklich intensive Gespräche darüber, sie hatte auch jahrelang einen überfüllten kiwu bis meine wundervolle Nichte zur Welt kam ❤
Seine Familie weiss nichts vom kinderwunsch.. Jedes Mal wenn wir seinen Vater treffen, sagt dieser, wie sehr er gern Opa werden würde und wann es bei uns so weit ist.
Ich möchte so gern einfach sagen, dass wir es probieren, es aber nicht klappt. Dieses verstecken und verheimlichen tut wirklich weh.
Mein Partner möchte keinesfalls dass seine Familie weiss, dass wir es schon länger probieren. Er sagt, daß gehe sie nichts an und er schäme sich, dass es nicht klappt.
Nun gehen wir in eine Kinderwunschklinik & er sagt, selbst da würde er ungern hingehen, nur mir zu liebe, weil er so eine enorme Scham fühlt.
Ich kann damit sehr schlecht umgehen und stehe häufig verzweifelt dar...
Ich bin was das angeht ein sehr offener Mensch, mein Freundes und Bekanntenkreis weiss bescheid, meine Familie weiss bescheid.
Er redet mit niemandem darüber, selbst mit mir nur, wenn ich ihn darauf anspreche.
Er sagt immer, er mache das mit sich selbst aus und es würde ihn auch belasten, dass es nicht klappt.
Eigentlich sollte man ja denken, es wäre das einfachste der Welt ein Kind zu zeugen und er fühlt sich als würde er versagen...

Vor wenigen Tagen ist dann bei mir die bombe geplatzt und ich habe einen wirklich tosenden Anfall bekommen, weil ich mich so allein fühle im Kinderwunsch. Klar, er will auch ein Kind, aber er zeigt es eben nicht. Ich bin diejenige, die alles in Bewegung setzt. Ich habe die arzttermine, die Bauchspiegelung, die Blutentnahmen, die Telefonate und Recherchen geführt. Er ist bisher "nur" auf mein drängen beim Urologen gewesen und hat ein SG anfertigen lassen, was seiner Meinung nach schon eine riesen Überwindung für ihn war.

Ich frage mich, ob ich einfach übertreibe. Ob ich einfach zu penetrant bin, was das ganze angeht.

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Hallo!

Ich glaube das kennen viele Frauen 😅
Der beste Freund meines Mannes war mit seiner Frau in der kiwu, das überschnitt sich etwa mit unserem Start zur familiengründung. Mein Mann war dadurch super sensibilisiert und glaubte bereits nach 6 erfolglosen Monaten, wir sollen uns an eine Klinik wenden. Das war mir zu schnell und ich wollte das Jahr voll machen (und da dann die FA besuche abarbeiten).

Nunja, obwohl er recht hatte, da es bei uns auf natürlichen Weg nicht geht, war er, qld er zum Urologen musste dennoch ziemlich... verunsichert? Beschämt? Ängstlich? Keine Ahnung, eine Mischung daraus... Angst, offiziell kein Mann zu sein? Das ist irgendwie im Kopf der Männer 🤣

Er hat es geschafft, das SG deutete ebenfalls auf eine kiwuklinik hin.

In der kiwu waren die SGs dann auch OK. Das war für meinen Mann toll. Nachdem allerdings in der ivf eine interaktionsstörung festgestellt wurde, wurden wir zu icsi Kandidaten und bekamen so schließlich auch unsere Kinder. Mein Mann hat GLAUBE ICH noch heute ein bisschen den knax, dass es ohne Hilfe nicht klappt. Er macht ja 50% aus, aber er kommt sehr gut klar.

Wir haben während der ganzen Procedere nicht viel darüber gesprochen, ich hatte meine Freundinnen und er auch 1,2 kumpels. Das wars. Für mich wollte er immer stark sein und tapfer. Das war auch voll ok, denn das wichtigste war ja trotzdem kommuniziert 😉

Während der Behandlungen hat er mich gespritzt. Darauf habe ich bestanden und ich glaube es hat ihm gut getan, denn dadurch war er ein wichtiger Part und hatte mehr Respekt vor der Leistung, die mein Körper erbringt 😉

Ich wünsche euch viel Erfolg auf eurem Weg zum Wunschkind!

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Wir haben 4 Jahre geübt bis wir in eine Kinderwunschklinik sind. Mein Mann war genauso aber wir hatten eine super Ärztin die meinem Mann dann auch noch zur TESE geschleift hat. Ja aber wir haben nochmal fast 4 Jahre mit Versuchen verbracht bis es geklappt hat. Mein Mann hat am Schluss sogar ja zu Fremdsperma gesagt. Dann zeigtesich mein Problem mit den Fehlgeburten. Wir haben also beide sehr grosse Baustellen.


Ich kann dir nur ein Rat geben wechselt zu IVF oder ICSI. Ich denke wenn ihr ein halbes Jahr mit IUIS verbringt ist das auch nicht fördernd.

Die Wut rauslassen ist ok nur zb gibt es die Möglichkeit das du Sperma von deinem Mann einfrieren lässt. Kosten bei uns zb 25 Euro im Monat. Ich habe alle Behandlungstermine zb ohne meinen Mann durchgezogen er gab mir nur immer die Unterschrift wenn es zum Transfer kam.

Er hat also den Stress nicht jedesmal präsent zu sein.
Ich weiß zum Kinderwunsch gehören immer zwei aber er tut ja jetzt etwas.

3

Viele Männer fühlen diese "Scham".
Oftmals geht es gar nicht um Scham, sondern ein schlechtes Gewissen.

Mein Mann hat zwar keine Probleme damit, über den Kiwu zu reden und unsere beiden Familien wissen da auch Bescheid und versuchen, sehr taktvoll und einfühlsam damit umzugehen. Es wird z.B. nie nachgefragt, sondern gewartet, bis wir selbst erzählen, damit wir uns nicht schlecht fühlen, etc... Auch das ist ja oft nicht selbstverständlich.

Es belastet meinen Mann ungemein, dass ich all die Behandlungen über mich ergehen lassen muss. Er hat das Gefühl, er kann nichts tun, um mich zu unterstützen. Das setzt ihm sehr zu.

Vielleicht kannst du deinen Mann direkt fragen, warum er Scham fühlt. Ob er sich besser fühlen würde, wenn er auch etwas tun könnte.

Meinem Mann hat es auch geholfen, hier mal ins Forum reinzuschauen unter meinem Account, wie viele Paare tatsächlich betroffen sind und wir keine Ausnahme sind.

Vielleicht kannst du ihn auch fragen, wovor er Angst oder Scham hat, wenn es darum geht, es seiner Familie zu erzählen. Ich habe in meinem Umfeld noch nie erlebt, dass Familien schlecht reagiert hätten. Im Gegenteil. Meist ist die Anteilnahme sehr groß. Bei meiner Mum und Omi kullern ständig die Tränen, weil es ihnen für mich so leid tut.

Dass du übertreibst, denke ich nicht. Dennoch ist der Kiwu ein heikles Thema und ich habe den Eindruck, dass dein Mann da eher die Samthandschuhe benötigt, bevor er komplett dicht macht. Du wirst seine Unterstützung und seinen Rückhalt noch oft benötigen, gerade wegen der Untersuchungen und teils leider oft psychischen Rückschläge. Sei ein wenig nachsichtig mit ihm :-)
Der "männliche Stolz" ist bei vielen Männern stark ausgeprägt und er wünscht sich insgeheim sicherlich, dass er mir dem Thema offener umgehen könnte.

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Hallo,

Ich glaube du solltest ihm Zeit geben. Wir haben anfangs auch mit niemandem darüber gesprochen. Jetzt nach bald sieben Jahren Kinderwunsch wissen es doch schon ein paar Leute. Wenn er nicht reden möchte musst du das akzeptieren aber ich würde immer signalisieren das er jederzeit reden kann wenn er das Bedürfnis hat.
Für mich war das Thema sehr viel presenter als für meinen Mann, ich habe mich um alles gekümmert was mit dem Kinderwunsch zu tun hatte und habe meinen Mann dann teilweise auch mit dem Thema genervt. Das würde ich nicht mehr so machen aber ich hatte eben sonst niemanden mit dem ich darüber reden konnte.
Nach all den Jahren fällt es uns leichter darüber zu sprechen, wenn es sich mal im Gespräch ergibt und wir bei unserem Gegenüber ein gutes Gefühl haben erzählen wir davon. Gib ihm Zeit.

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Hallo,

Ich würde jetzt nicht sagen, dass du zu penetrant bist. Ich denke eher, ihr geht einfach sehr unterschiedlich damit um.

Bei mir und meinem Mann war es ganz ähnlich, nur mein Mann war nicht ganz so verschlossen wie deiner. Dabei war sein Kinderwunsch um ein Vielfaches grösser als meiner, und trotzdem musste ich mich um alles kümmern. Seiner Familie hat er nur das Allernötigste erzählt nach 2.5 Jahren, und das auch nur auf mein Bitten hin weil die dauernde Fragerei nach Nachwuchs mir damals sehr zugesetzt hat. Mein Mann ist ein sehr privater Mensch, bei uns in der Familie wird eigentlich alles geteilt und über alles gesprochen. Wir haben deswegen öfters Diskussionen, weil er das gar nicht normal findet und auch nicht verstehen kann. ;-) Da gilt es dann Kompromisse zu finden: bei Themen über die er wirklich nicht draussen sprechen will, bleibt es in unserer Zweier-Kuppel. Bei allem anderen handhabt er das so wie er es möchte, und ich so wie ich es möchte.

Ich denke wenn man da so radikal unterschiedliche Auffassungen hat ist es wichtig die des jeweils anderen zu akzeptieren. Wieso ist es dir so wichtig, dass du auch mit seiner Familie darüber reden kannst? Du hast doch deine ganze Familie zum Austausch. Lass ihn das doch so handhaben wie er möchte.

Meinem Mann war das Ganze auch sehr peinlich und er hat sich geschämt. Für ihn war es furchtbar im Labor in einen Becher zu masturbieren, wohlwissend dass alle mit denen wir dort gesprochen hatten ja genau wussten was er da tut. Zieh das nicht ins Lächerliche. Natürlich haben die Frauen mehr Untersuchungen und Teste, die zum Teil wesentlich schmerzhafter sind. Aber uns fragt niemand in einem sterilen Raum zu masturbieren. Das ist für mich ein ganz anderer Zusammenhang als bei den Untersuchungen bei der Frau.

Etwas intimes und normalerweise genussvolles Privates wird ent-emotionalisiert und medizinisch steril neu verpackt. Das gleiche Gefühl hatte ich zB NICHT, als man mir Eizellen entnahm zur externen Befruchtung. Denn meine Eizellen verbinde ich nicht mit etwas DIREKT Sexuellem. Ich konnte das ganze gut unter "medizinisch", "biologisch", "mechanisch" abhaken. Hätte man mich im Rahmen der künstlichen Befruchtung gefragt in einem kleinen Raum zu masturbieren, wo man weiss, dass hinter einer kleinen Scheibetür schon jemand darauf wartet dass du fertig wirst.... das wäre mir glaube ich auch schwerer gefallen.

Eines kann ich dir berichten: Mit der Zeit (wir hatten vorher etliche Inseminationen und mehrere SGs) ist es meinem Mann leichter gefallen. Aber der Anfang war schwer.

Gib ihm Zeit, und verlange nicht, dass er das Thema genauso handhabt wie du. Er hat das Recht darauf so damit umzugehen, wie er sich wohl dabei fühlt.

LG

Dragonflies #blume

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