Behindertenparkplatz - Mein Mann und ich

Guten Morgen,

mein Mann und ich haben eine Meinungsverschiedenheit, die uns mehrmals die Woche tangiert.

Wir haben für unsere "große" Tochter einen blauen Parkausweis. Sie ist knapp 2 Jahre alt.
Bis vor kurzem hatten wir auch einen Rehabuggy oft genutzt, waren aber eher unzufrieden, sie sitzt nicht gut darin, Rehabuggy zu groß und zu schwer für mich, seine Reifen klein und aus Plastik.
Wir hoffen auf einen Rolli im nächsten Jahr.

So, nun haben wir für große und für kleine Tochter einen Tfk Geschwisterwagen angeschafft.
Und jetzt fängt es an...

Mein Mann nutzt den Parkausweis und die entsprechenden Parkplätze immer und gerne.
Wir wohnen stadtnah und Parkraum immer knapp.
Wir werden oft "angesprochen", denn erstmal sieht man unserer Tochter ihre Behinderung nicht sofort an, wenn man sie nur 5 Sekunden sieht.
Ihn juckt das nicht, mich schon.

Die Mitmenschen sprechen uns zum Teil an, damit kann ich umgehen.
Oft sprechen sie über uns, aber so, dass wir es hören sollen. "Dass immer noch Leute meinen, mit dem Kinderwagen einen Behindertenparkplatz zu blockieren zu können..." usw.

Der blaue Parkausweis ist immer sichtbar im Auto.
Wir haben ihn Weißgott nicht aus Spaß.
Wir würden ihn niemals ohne unsere Tochter nutzen.
Unsere Tochter ist blind, hat eine Tetraspastik, bekommt jeden Löffel und jeden Mililiter gefüttert. Sie wiegt 12 Kilogramm, hat null Körperspannung und ich trage sie sonst immer.
Aber das ist natürlich nicht sofort sichtbar.

Der Rehabuggy sah ja noch nach speziell aus, der Tfk ist aber ein stinknormaler Geschwisterwagen. In dem unsere behinderte Tochter aber prima sitzen kann. Und natürlich eine enorme Erleichterung, wenn ich mit beiden alleine unterwegs bin.

Ich denke oft, wenn dann aber wirklich jemand kommt, wohlmöglich beinamputiert im Rollstuhl... und wir besetzen den Parkplatz...
Ich hasse den Parkausweis manchmal, brauche ihn dann aber doch, wenn ich nicht einen km zum Kinderarzt laufen möchte.

Versteht ihr mein Problem?
Wie kommen mein Mann und ich auf einen Nenner?

Danke für Lesen und Antwort.

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Guten Morgen!

Ich habe ein (nicht geh)behindertes Kind, kenne die Blicke und das Getuschel.

Mach Dich davon frei! Der Behindertenparkplatz steht Euch zu! Ja, vielleicht würde aktuell auch ein anderer Parkplatz möglich sein, aber es ist eure Form eines kleinen Nachteilsausgleichs. Euer Leben ist an so vielen Stellen eingeschränkt und beschwerlich, dass diese Mini-Entlastung euch von Herzen gegönnt ist.
Später wird es sogar notwendig sein, denn eure Tochter wird größer und schwerer.
Es ist komplett nebensächlich, ob jmd den Parkplatz mehr brauchen könnte. Es gibt weitere Parkplätze, die derjenige anfahren kann.
Du wirst noch so so viele Jahre deine Tochter heben, tragen, füttern... nimm jede Entlastung und jede Hilfe an! Dein Rücken dankt es dir und deine Seele auch.

Was die anderen sagen ist echt egal. Davon wirst du dich noch oft freimachen müssen. Mit behinderten Kindern ist das leider eine fast tägliche Begleiterscheinung- mal positiv, mal negativ.
Lass es abperlen oder antworte entsprechend.
Aber ganz egal ob Du was sagst oder nicht: es ist Nebensache! Du hast den Anspruch und es ist völlig okay, was Du tust!

Liebe Grüße!

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Achso, ich poste extra hier und nicht im Handycap-Forum - denn, wer dort unterwegs ist, hat da wahrscheinlich einen anderen Blick drauf.

"Nettes" Nachfragen kann ich erwidern, ist ja gut, wenn viele darauf achten, dass die Parkplätze nicht missbraucht werden.

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Ihr habt diesen Ausweis und den bekommt man nicht ohne Grund also nutze diesen kleinen Vorteil, ich bin mir sicher das das Leben mit eurer Tochter nicht immer ein Zuckerschlecken ist.
Mir persönlich wäre es egal wenn jemand da über mich lästert, wenn euch jemand direkt anspricht kannst du ja auf den Ausweis verweisen, wenn nicht, ignorieren.

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Guten Morgen,

Also ich gehöre zu den Leuten, die andere IMMER ansprechen, wenn diese auf einem Behindertenparkplatz stehen (übrigens auch alleinige Fahrer oder Paare auf dem Eltern-Kind-Parkplatz!). Aber ich schaue immer vorher in das Auto, ob ich einen Parkausweis sehe! Sehe ich keinen, spreche ich freundlich drauf an „Entschuldigung, das haben Sie vllt nicht gesehen, aber Sie stehen auf einem Behindertenparkplatz“. Manche sind überrascht und parken um, weil nicht gesehen. Der Großteil stänkert und mosert, nur kurz mal rein, gleich wieder da, bla bla bla...da diskutiere ich gerne auch mal lautstark über den ganzen Parkplatz und argumentiere damit, dass soziale Inkompetenz auch eine Art von Behinderung ist. Ist meist recht unangenehm für den Betroffenen und das ist gut so.
Wenn ich jemanden zu Unrecht anspreche, dann entschuldige ich mich natürlich und hoffe, dass derjenige Verständnis dafür hat. Also in deinem Fall zum Beispiel.

Ich würde es immer von der Situation abhängig machen. Wenn du zum Supermarkt fährst und dich einfach auf den Parkplatz daneben stellen kannst, würde ich das machen. Wenn du aber 1 km zum Kinderarzt laufen musst, dann nimm den Behindertenparkplatz, er steht dir zu!

Für Leute, die dich so indirekt ansprechen, überlege dir einen guten Spruch. Entweder den netten „wieso fragen Sie mich nicht direkt nach meinem Behindertenausweis, möchten Sie ihn sehen?“ oder den patzigen „Wenn Sie richtig gesehen hätten, würden Sie sehen, dass dort vorne so ein kleiner blauer Ausweis liegt...“

Hör auf dich dafür zu rechtfertigen !

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Achso, und ich habe es noch NIE erlebt, dass ein zweites Auto mit Ausweis kam und der Platz besetzt war. Also die Wahrscheinlichkeit ist doch nicht so hoch, dass ausgerechnet in dem Moment jemand kommt, der den Platz noch dringender braucht 😊

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Ich würde sagen: Ganz im Gegenteil. Ich sehe ganz oft nen Haufen freie Behindertenparkplätze, obwohl ansonsten der komplette Parkplatz zugeparkt ist.
Was ich aber auch erlebe ist, dass die Stadt Behindertenparkplätze recht wahllos verteilt. Bei uns vor der Praxis ist z.B. ein Behindertenparkplatz, keines der Häuser in der Gegend ist aber Behindertengerecht - teils haben die Häuser schon vor der Eingangstür mehrere Stufen, ansonsten sind spätestens im Haus Treppen zu bewältigen, weil es keinen Aufzug gibt. An anderer Stelle wären diese Parkplätze vermutlich besser platziert.
Oder das Parkhaus, wo ich meinen Stellplatz habe: Behindertenparkplätze sind ausschließlich auf Parkdeck B. Von diesem Parkdeck aus kann man das Parkhaus aber nur über die Einfahrt (zu steil für einen Rolli) oder über einen Eingang, der ebenfalls über eine Rampe und dazu noch über einen Kantstein (mit 50cm "Gehweg" daneben) erreichbar ist, verlassen. Dann gelangt man aber in ein Treppenhaus auf halber Höhe und ohne Aufzug! Alternative wäre, die Rampe zum tiefer gelegenen Parkdeck C zu nutzen. Von hier aus kann man ebenerdig den Aufzug erreichen.

Aber gut, das ist jetzt ein anderes Thema. Ansonsten will ich Dir nur beipflichten: Die TE muss kein schlechtes Gewissen haben, wenn sie etwas in Anspruch nimmt, was ihr zusteht, zumal es vielerorts mehr Behindertenparkplätze gibt als erforderlich.

LG

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Für Menschen wie euch gibt es behinderten Parkplätze!

Und ich bin eine derjenigen, sich immer wieder aufregt über die Leute die auf ihren Parkplatz bestehen und dann stundenlang "meinetwegen auch mit Rollator" durch die Stadt spazieren... Wer das alleine kann, kann auch 10 Meter Länger bis zum Ausgang laufen...

Ich bin schwanger und habe einen kleinen Sohn, das steht natürlich nicht auf meinem Auto geschrieben (vielleicht sollte ich das mal machen) ich stehe mehrmals die Woche tägliche beim Lidl oder Rewe und muss entweder warten oder den netten Fahrer links neben mir ausrufen lassen, weil ich mit meiner Kugel nicht ins Auto komme. Wir haben den Reborder schon hinter den Rücksitz gepackt, damit ich nicht zwei Fahrer ausrufen lassen muss...

Ich liege jetzt keine 100kg aber es mir häufig dank Kugel nicht möglich in mein Auto zu steigen.

Worauf ich hinaus möchte... Euch steht dieser blaue Ausweis völlig zu Recht zu! Nutze ihn und fühl dich dabei nicht schlecht... Ein Beinamupierter tut mir auch leid, aber wenn er irgendwo Hinfahrt alleine, dann wird er soweit damit umgehen können dass er etwas weiter laufen kann und wenn er nicht selbst fährt, dann kann ihn der Fahrer an einer günstigen Stelle raus lassen.

Das machen wir mit meiner Mutter (kann nicht ohne Unterstützung laufen) auch so

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Leute mit dem Rollator brauchen oft den Platz um den Rollator aus dem Auto zu holen und brauchen auch mehr Platz zum Einsteigen

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Aber Behindertenparkplätze sind ja nicht breiter als normale Parkplätze, jedenfalls nicht überall.

Ich hab da prinzipiell nichts gegen jeder soll nutzen was ihm zusteht.

Bei uns jedenfalls mangelt es nicht an Behindertenparkplätzen deswegen sollte niemand, der einen Ausweis hat und dort zurecht parken darf, darauf verzichten weil er ein schlechtes Gewissen hat.

Hier mangelt es eher an Familienplätzen, die dann auch in der Regel signifikant breiter sind.

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Euer Kind ist behindert und hat den Ausweis nicht ohne Grund. Jeder der einen dummen Spruch macht, egal ob direkt oder indirekt, würde von mir das Wort zum Sonntag bekommen! Ich denke, du musst deine Einstellung ändern, was das angeht.

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Euch steht dieser Ausweis zu und ihr dürft ohne wenn und aber auf diesem Parkplatz parken Punkt.
Was die Leute reden, musst du versuchen zu ignorieren und/oder kontere zurück. Leider Gottes wird es immer solche Menschen geben, die einfach inkompetent darauf los reden, obwohl sie keine Ahnung haben, dass du dir deshalb Gedanken machst, zeigt, dass du eigentlich eher damit zu Kämpfen hast. Mach dich davon frei.

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Ihr seht das so wie mein Mann :)
Ich brauche ein dickeres Fell. Manchmal ist es da, manchmal zu dünn.

Vielen Dank für eure Antworten! Beide Kinder sind wach und wer weiß, wann ich wieder zum Schreiben komme.

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Hallo,
ich verstehe dich gut.
Wir haben seit ca 1 Jahr für unseren 4jährigen Sohn den selben Parkausweis und praktisch seit seiner Geburt einen Schwerbehindertenausweis. Unser Sohn ist nicht gehbehindert, hat aber viele andere Baustellen und wir haben noch 3 Kinder.
Mein Mann nutzt den Parkausweis fast nie, eben weil er Angst vor den Blicken und Rechtfertigungen hat.
Ich nutze den Ausweis mit Wertmarke relativ häufig für die öffentlichen Verkehrsmittel. Auch hier muss ich mich oft rechtfertigen warum ich auch nichts bezahlen muss, er wäre ja eh noch kostenlos. Als ich mit meiner Tochter schwanger war, wurde ich 1x schlimm beschimpft im Bus von einer Rollatorfahrerin, weil unser Kinderwagen samt Sauerstoff im Weg stand. Sie meinte ich müsse als junge Frau mit Kinderwagen aussteigen. Habe ihr damals freundlich erklärt dass mein Sohn behindert ist und den Kinderwagen samt Zubehör noch benötigt. Sie hat dann auf meinen Bauch geschaut und gemeint ob nicht ein behindertes Kind reichen würde.
Der Busfahrer hat damals eingegriffen, die Dame hatte nichtmal einen SBA.
Mit der Zeit gewöhnt man sich an solche Blicke und Situationen, weh tun sie trotzdem.
Keiner bekommt sowas zum Spaß, bleibe ruhig und freundlich aber lasse dir nichts gefallen. Alles Gute für euch!

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Gott, das ist so gemein. So ein Satz treibt mir schon beim lesen Tränen in die Augen. 😡
Ekelhafte Menschen.

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Oh Gott, dass tut mir schrecklich leid 😞
Was ist nur mit den Menschen los?
Ich habe das zwar nicht so krass erlebt, fühle mich aber auch immer unwohl, wenn ich mich hochschwanger hinsetzen möchte.

Letztens am Flughafen, als ich auf einen Flixbus gewartet habe. Der Wartebereich mit Sitzplätzen war überdacht. Draußen hat es geschüttet. Die Dame neben die ich mich setzte meinte, hier können sie nicht sitzen, hier sitzt mein Mann, der ist nur kurz auf dem Klo. Ich fing instinktiv an mich zu entschuldigen und sprang auf. Es waren noch 30 Minuten. Der Mann kam, sah mich und bot mir seinen Platz an. Die Frau murmelte dann nur in sich rein "Ach so, sie sind schwanger, na das habe ich gar nicht gesehen". Ich setzte mich zwar, fand es aber so unangenehm. Der Mann hat seine Frau dann noch ganz schön angefahren. Ich hätte fast geheult vor Scham. Und das ist irgendwie seltsam oder? Ich fühle mich schlecht, obwohl ich nix falsch gemacht habe. Ist schon schlimm, was manche Menschen einem für ein Gefühl ein impfen können...

So wie mit dem Parkplatz, oder bei dir im Bus...

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