Wie äußert sich verloren gegangenes Urvertrauen?

Viele junge Eltern haben ja Angst, dass sie durch ihr vermeintlich falsches Handeln das Urvertrauen zu ihrem Kind zerstören. Mich würde mal interessieren, wie sich sowas denn äußern würde. Also vermutlich bewusst erst nach ein paar Jahren. Hat hier jemand sowas erlebt und kann mir berichten?

Die Frage ist rein aus Interesse, denn so ein kleines Baby sagt ja nicht „du hast mich stundenlang schreien lassen, jetzt ist das Urvertrauen weg!“

Schönen Nachmittag :)

Ich bin der Meinung, dass es psychischen Störungen verursacht:
Angststörungen, Verlustangst, Narzissmus, Aggressivität, fehlende Empathie, fehlendes Selbstwertgefühl...

Ich bin kein Psychologe, aber ich denke dass viele psychische Probleme in der Kindheit verwurzelt sind.

Das würde mich auch interessieren, wie man das bei einem Baby/Kleinkind merkt.
Bei mir als Erwachsene kann ich sagen ich hab sicher kein Urvertrauen gehabt, denn ich bin schnell verunsichert und habe oft das Gefühl niemand hört mich... Meine Mutter sagt aber auch offen, sie hat lieber geputzt als sich um das schreiende Baby zu kümmern, also wen wunderts... 🙄 Also wird sich das bei Kindern vermutlich ähnlich äußern wenn sie sich artikulieren können 🤔

Hallo,

ich weiß nicht ob es daran liegt, ich bin kein Psychologe. Ich wurde nie schreien oder allein gelassen und meine Mutter bzw. meine Eltern haben früher schon ziemlich bedürfnissorientiert erzogen. Ich vertraue meinen Eltern und auch meinen, um einiges älteren, Geschwistern blind. Ich weiß ganz sicher, dass sie mich nie hängen lassen würden. Ein genauso starkes Vertrauen hatte ich zu meiner Oma väterlicherseits, die bei uns im Haus gelebt hat. Das hatte ich bei der anderen Oma nicht, obwohl ich sie auch geliebt habe. Meine Geschwister und ich sind sehr ausgeglichene, selbstbewusste und sehr optimistische Menschen. Mich wirft nichts aus der Bahn und ich sehe in jedem Schlechten irgendwo was Gutes. Was etwas problematisch ist, ich vertraue auch vorbehaltlos schnell anderen Menschen. Natürlich anders als ich meiner Kernfamilie traue. Damit bin ich schon oft auf die Nase gefallen. Mein Mann ist ein Laufstallkind, der schreien gelassen wurde. Meine Schwiegermutter hält das heute noch für richtig. Mein Mann hat keine feste Bindung zu seiner Mutter. Klar, er liebt sie, weil es seine Mutter ist, aber das Innige und Vertraute fehlt. Bei meiner Mutter könnte ich sicher sagen, dass sie für mich von der Brücke springen würde, das kann er bei seiner nicht. Er hat auch weniger Selbstvertrauen und misstraut generell Fremden Menschen, teilweise paranoid. Er sieht in jedem erst mal was Schlechtes und es braucht Überzeugung bevor er merkt, dass etwas gut ist. Er ist wesentlich pessimistischen als ich. Im Gegensatz zu mir, vertraut er sich selbst weniger. Ob dies nun dem Urvertrauen geschuldet ist, weiß ich nicht. Es können auch nur Charaktereigenschaften sein. Ich für meine Person weiß, dass ich ein Urvertrauen zu meinen Eltern habe. Nicht nur zu meinen Eltern, auch zu meinen 10 und 12 Jahre älteren Brüdern.

LG
Lotta

Urvertrauen baut sich auf mit der Zeit, wichtig hier die ersten 6 Monate.
Wenn es einmal da ist kann man es nicht mehr verlieren, es sei denn man erlebt schwere Traumata.
Von mal schreien lassen oder nicht gleich da gewesen sein, geht die Welt nicht unter.

Anaonsten soviel Körperkontakt wie möglich, speziell bei Neugeborenen, auch wenn der Arm manchmal gefühlt abfällt ;-)

Danke, das ist mir bewusst. War aber nicht meine Frage 😉

Hey
Also ich kann mir vorstellen das bei mir sowas passiert ist. Es gibt ein paar Dinge von denen ich weiß und wer weiß was sonst noch war.

Meine Mutter hat mich mit ca 7 Monaten radikal abgestillt. Ich musste Essen und wollte gar nicht. Sie sagt, ich hätte viel geweint weil ich nicht essen wollte.

Ich musste das Familienbett nach ein paar Monaten verlassen was wohl auch ein riesen Theater war und ich sehr viel in meinem Bett geweint habe und nicht allein schlafen wollte.

Mit etwas über einem Jahr wurde konsequentes Töpfchen Training durchgezogen. Mit nicht mal 1,5 Jahren war ich trocken. Ich musste so lange da sitzen, bis das Geschäft verrichtet war

Sie haben mir erzählt ich hätte einmal so viel geweint und wollte nicht aufhören. Das hat mein Vater mich aufs Bett geworfen und geschimpft dass ich aufhören soll. Danach war wohl Ruhe.

Meine Eltern waren regelmäßig aus oder allein im Urlaub. Wir waren dann allein zu Hause oder bei meiner Oma. Da war ich ca. 4 und meine Eltern haben uns allein zu Hause gelassen mit meinem kleinen Bruder. Meine Großeltern wohnten zwar im selben Haus aber trotzdem waren wir allein.

Allgemein kann ich sagen, habe ich keine Erinnerungen an meine Kindheit. Ich weiß die Dinge nur aus Erzählungen oder von Fotos.

Ich weiß natürlich nicht ob es daran liegt oder ob ich halt so ein Typ bin aber so ist es halt jetzt:

Ich bin sehr selbständig, fast schon Einzelgänger, möchte mir nicht helfen lassen und alles allein machen. Möchte mich auf niemanden verlassen

Ich bin wenig bis gar nicht empathisch

Ich spüre keine tiefe Liebe. Ich hatte so gehofft, das kommt mit der Geburt aber auch gegenüber meinem Kind ist da nicht diese Liebe wie man es immer liest. Mein Partner ist sowieso auswechselbar. Es ist toll mit ihm aber wenn er mich verlassen würde wäre das kein Weltuntergang

Ich bin am liebsten allein oder mit meinem Partner. Allein sein macht mir nichts aus

Ich komme schlecht mit Fremden ins Gespräch weil mich nicht interessiert was sie zu sagen haben

Ich esse bis heute sehr schlecht. Manchmal esse ich auch zwei Tage nix und hab keinen Hunger. Mir schmecken nur sehr wenige Dinge.

Ich bin manipulativ und Weiß genau wie ich die Leute dazu bringe das zu tun was ich möchte und sie denken es war ihre Idee

Ich habe einen speziellen, sarkastischen Humor den kaum einer versteht.

Vielleicht wäre ich ein besserer Mensch geworden wenn ich anderen Vertrauen würde...

Ich werde die Dinge bei meinem Kind anders machen

Danke dir für deinen sehr reflektierten Beitrag 😊

Und wie machst du das anders mit deinem kind? Wie bringst du deinem Kind etwas bei, was du selbst nicht kannst?
Meine Idee hierzu ist immer bei sich selbst anzufangen. Wenn du vertrauen lernst, dann kannst du es weitergeben.

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Liebes Urbia-Team, wieso ist mein Beitrag im Allgemeines-Forum gelandet? 🤔 ich fand ihn im Familienforum sehr passend, hier allerdings überhaupt nicht!

Bei mir ist das Urvertrauen lt Therapeut schwer gestört. Ich bin seit Jahren in Behandlung. In meiner Kindheit wurde ich emotional ausgehungert. Meine Mutter ist narzisstisch. Mein Vater hat sich untergeordnet. Immerhin lebte meine Oma mit im Haus. Ihr habe ich viel zu verdanken.

Ich bin essgestört und depressiv, fühle mich minderwertig und mache so ziemlich alles mit mir selbst aus. Auch meine Prüfungsangst soll im Zusammenhang stehen. Ich habe Probleme mich in Gruppen zu integrieren. In der Schule war ich der Außenseiter und gerne das Mobbingopfer. Ich habe jede negative Äußerung für Bares Münze genommen. Es musste ja stimmen, wenn selbst die eigenen Eltern einen täglich merken lassen wie wertlos man ist.

Seit mehreren Jahren bin ich in Therapie. Mir geht es besser. Ich bin aber weit von ausgeglichen oder in mir ruhend zu sein. In den schlechtesten Phasen war ich Suizidalität. Mich werfen immer noch kleine Dinge aus der Bahn. Ich schaffe es mir immer wieder einzureden, dass meine Mitmenschen mich verachten und mich nicht gerne um sich haben. Ich habe nur sehr wenige Freunde.

Deine Geschichte ist in vielen einig mit meiner...

Vielen Dank für deine Erfahrungen!

Ich denke bei einem zerstörten Urvertrauen wird sich ein Kind auch in schweren Phasen / Krisen, Erfahrungen nicht den Eltern anvertrauen. Lassen wir die Pupertät mal außen vor.
Das Urvertrauen meinerseits zu meinen Eltern existiert nicht (mehr) - ich kann mich ehrlich gesagt gar nicht erinnern, ob es das jemals gab?
Meinem Vater kann bzw. würde ich einigermaßen in Dinge mit einbeziehen, meine Mutter niemals.
Worauf dies begründet? Hm, wenn ich an meine Kindheit zurückdenke:
Wir (4 Kinder) waren sehr auf uns gestellt, Landwirtschaft - viel Arbeit, da war kaum Zeit für "Spielereien". Meine Mutter war lieblos (ich kann mich nicht erinnern, daß sie mich i-wann mal in den Arm genommen hätte), sie war teilweise cholerisch und es gab immer nur Vorwürfe. Vorwürfe darüber, was wir Kinder falsch oder gar nicht gemacht haben und schon als ziemlich kleines Kind wurde mir klar gemacht: Wenn du/ihr nicht "brav" bist/seid, lauf ich davon, oder hänge mich auf. Es war der Horror für mich, von der Schule heimzukommen und nicht sofort jemanden vorzufinden, also das Signal zu bekommen "Hier ist alles wie immer"...
Heute: mach ich die Probleme meist mit mir aus, teilweise rede ich mit meinem Mann darüber, ich habe wenig wirkliche Freunde, die ich Tag und Nacht anrufen oder aufsuchen könnte. Ich bin überhaupt niemand, der gerne im Vordergrund steht, würde mich nie i-wo "aufdrängen" wollen, sondern warte darauf, daß ich gefragt werde, ob ich wo dabei sein will, weil ich in meinem Kopf einfach die Denkweise habe "mit mir will kaum wer was zu tun haben, ich bin zu langweilig, ich öffne mich zu wenig...."

Ich hoffe, ich habe dieses Urvertrauen zu meinen Kindern bewahrt bzw. in ihnen gefördert und bestärkt.

Ich danke dir!

Es liegt hoffentlich nicht an der Landwirtschaft. Ich bin auf dem Hof aufgewachsen und haben einen Landwirt geheiratet.
Dabei gebe ich mir gerade selbst die Antwort. Meine Schwiegereltern sind sehr herzliche Menschen. Alle Kinder haben eine gute Beziehung zu ihnen und auch untereinander. Hier lerne ich sooo viel über normale Familie. Meine Schwiegermutter steht mir bei weitem näher als meine eigene Mutter. Für mich ein großes Vorbild.

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Nachts oft nicht schlafen können.
Angst auf Klassenfahrt zu sein.

Ich musste nachts alleine schlafen und durfte die Eltern auf keinen Fall stören.
Wenn ich ruhig war, war für sie alles gut, Kind schläft ja.

Ich war ruhig, weil ich wusste, dass ich sonst Ärger bekomme. Weil ich zurück geschickt wurde.
Ich fühlte mich einsam.
Vertrauen, dass mir nachts jemand hilft, hatte ich nicht. Es merkt ja keiner. Wenn ich ruhig bin, wie verlangt, merken sie es nicht. Wenn ich schreie, soll ich ruhig sein.

Auf Klassenfahrten kannte ich es nicht mit anderen in einem Raum zu sein. Schlafstörungen. Aber auch nicht von zu Hause wegwollen. Nicht woanders schlafen wollen. Fremde Umgebung: ganz schwierig. Es ist ja keiner da. Ich hatte keine Strategien. Hilfsmittel schon. Aber eben keine Beruhigunsstrategien. Körper immer unter Hochspannung selbst wachsam zu sein. Was zum wach liegen führte.

Hätte ich die Chance bekommen, bei meinen Eltern zu schlafen, ich wäre nie wieder ausgezogen.
Weil ich Angst hatte, dass es mir wieder weggenommen würde. Weil ich kein Vertrauen hatte, dass es jemals wieder so sein dürfen würde. Aus Angst es zu verlieren, hätte ich es nie wieder losgelassen.



Den Unterschied sehe ich an meinem Kind. Darf nachts immer zu mir kommen.
Sie kommt, wenn sie es braucht und zieht wieder aus. sie will ja groß sein. Weiß aber auch, dass sie darf. Da sein darf, bei mir sein darf. Wenn sie es braucht, nutzt sie es. Weil sie keine Angst hat, dass es ihr weggenommen wird. weil sie keine Angst hat, dass es in 10 Monaten weg sein könnte. Weil es immer möglich ist,
nutzt sie es nur manchmal.

klassenfahrten oder bei Freunden schlafen klappt super. Mama ist ja da. Mama ist gefühlt da. Wenn sie nicht da ist, spürt sie das, was sie in den ersten Monaten mitbekommen hat. Die Sicherheit jederzeit zu dürfen. Nicht darauf angewiesen zu sein, nicht kämpfen müssen. Die Sicherheit ist einfach da.

Geschlafen hat sie von Anfang an in ihrem Bett. Durfte zum Kuscheln aber immer zu mir bzw. brauchte es hin und wieder. Körpersprache.



Beim Thema schlafen habe ich kein Urvertrauen. Ich musste, was ich noch nicht konnte, ich musste, was mich überfordert hat - und ich einsam war und keinen fragen konnte, der mir in der Situation hilft, beisteht. Ich musste da alleine durch. Jede Nacht.
Angeblich habe ich durchgeschlafen.

Meine Eltern haben dank mir durch geschlafen, aber ich lag durchgehend wach. In den Ferien oft, bis ich die ersten aufstehen hörte. Dann erst konnte ich sicher sein, dass mir im Schlaf nichts passiert. Dass mich jemand findet, wenn es mir schlecht geht. Dass ich niemanden störe, wenn ich einen Alptraum habe und aufwache.

Oh man, das hört sich so furchtbar an! Und immer noch ist so vielen Eltern nicht bewusst, was sie ihren kleinen Kindern damit antun können, wenn sie von Anfang an gezwungen werden in ihrem Bett im eigenen Zimmer schlafen zu müssen.
Eine Freundin von mir brüstet sich damit, ihre Tochter habe so früh gelernt durchzuschlafen. Ein Graus für mich. Wer weiß, wie es ihrer Tochter nachts erging wenn sie sie hat schreien lassen. Oder es ihr heutzutage ergeht..
Mein Sohn wird jetzt 3. Und ja, er schläft immer noch zwischen uns im Familienbett. Er liebt unsere Nähe und braucht sie auch. Und er kriegt sie auch. Das schönste Gefühl, wenn er sich dicht an mich kuschelt, mich umarmt und dabei einschläft. Ich liebe seine Nähe und werde ihn nicht einfach "rauswerfen". Es wird der Zeitpunkt kommen, da wird er alleine schlafen wollen.

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