Selbstmord wie steht Ihr dazu ?

Guten Morgen,

ich habe ja seit einiger Zeit eine Kindle-Flatrate und wie das so ist, man liest ein Buch und bekommt Vorschläge für das nächste und irgendwann landet man bei Büchern, die man sich selbst im Laden so vermutlich nicht ausgesucht hätte.

Auf alle Fälle hatte ich nun letzte Woche ein Buch in dem es um einen jungen Mann ging, der nicht mehr leben wollte. Alle Selbstmordversuche wurden verhindert. Entweder durch Freunde, Nachbarn oder Kollegen.

In dem Buch wurde aber auch geschildert, wieso der Mann nicht mehr leben wollte. Schlechts Elternhaus dadurch kaum sozialen Kontakte usw. Für die zwei Freunde, die er hatte, war es praktisch ein Full-Time-Job darauf aufzupassen, dass er sich nicht umbringt.

Je länger ich in dem Buch gelesen habe, desto mehr kam in mir die Frage hoch, wieso das alles ? Wieso darf er sich nicht umbringen, solange er niemand anderes gefährdet ? Was gibt fremden das Recht dazu zu entscheiden, ob ich leben möchte oder nicht ?

Wieso werden Menschen in die geschlossene eingeliefert, weil sie sich umbringen wollten ?

Nachdem ich das Buch nun ausgelesen haben, bin ich für mich zu der Entscheidung gekommen, dass es eigentlich nicht fair ist, jemand der lieber sterben möchte, zwangshaft von seinem Suizid abzuhalten. Denn alle, die das zu verhindern versuchen, müssen ja nicht mit den Problemen des Selbstmörders leben.

Ich bin mal gespannt, wie das Rest der Welt so sieht.

Wie steht Ihr zu Suizid ? Findet Ihr man sollte ihn nur irgendmöglich verhindern um die betreffende Person heilen zu wollen ?

Oder seit ihr eher Gegner, so nach dem Motto: Ich muss mir die Sch.. hier auch an tun, wieso sollte ein anderer fliehen dürfen.

LG

Tiffy

>>Wie steht Ihr zu Suizid ? Findet Ihr man sollte ihn nur irgendmöglich verhindern um die betreffende Person heilen zu wollen ?<<

ihn heilen zu wollen würde ja voraus setzen, dass die Person krank ist. Dann müsste erst mal geklärt werden, bedeutet es krank zu sein, wenn man Selbstmord begehen möchte?

Nun, wir werden nicht gefragt, ob wir geboren werden wollen, da ist auch gut so;-) Aber leider dürfen wir auch nicht entscheiden, ob und wann wir gehen wollen, weil "ein Leben zu retten" oberste Priorität zu haben scheint, völlig egal, ob der jenige gerettet werden will und aus welchen Gründen er aus dem Leben scheiden will

Ich bin der Meinung, dass jeder, der sich wirklich umbringen will, die Gelegenehit findet.
Kein Mensch kann 24/7 permanent überwacht werden, so lange er sich in Freiheit befindet.

deshalb das hier

>>Wieso werden Menschen in die geschlossene eingeliefert, weil sie sich umbringen wollten ?<<

Du kannst aber keinen Menschen auf ewig wegsperren.

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Vielleicht wäre er irgendwann sehr dankbar, dass ihn "damals" jemand abgehalten hat? Vielleicht geht irgendwann eine Tür für ihn auf, hinter der Positives steht und er ist sehr froh darüber?

Ich kenne jemanden, der sich vor den Zug geworfen hat und Frau mit zwei kleinen Kindern hinterließ ........ das ist fast 20 Jahre her und die Kinder haben jahrelang gelitten und mussten mit dieser Bürde zurecht kommen. Das war damals ein sehr großes Drama und ich habe mich gefragt, wie man sowas seiner Familie antun kann.

Natürlich kann man niemanden in den Kopf kucken, und niemand kann nachempfinden, wie hart es vielleicht sein muss, solch einen Schritt zu gehen.
Aber man kann sich auch fragen, ob sowas nicht verdammt feige und mies den Angehörigen gegenüber ist, die damit leben müssen.

Schwieriges Thema.

Ich habe mich genau bei diesem Gedanken auch ertappt, dass ich wohl offensichtlich Unterschiede mache, ob der Selbstmörder weitestgehend alleine ist, oder gegebenenfalls vielleicht sogar noch Kinder hinterlässt. Letzteres finde ich nämlich auch egoistisch und feige. Allerdings bin ich in der glücklichen Situation, mich noch nie wirklich näher mit der Thematik auseinander setzen zu müssen. Weder ich, noch ein mir nahe stehender Mensch tragen sich, meines Wissens mit suizidalen Gedanken um.

Allerdings hat ein Freund von mir vor 20 Jahren seinen Vater tot auf dem Dachboden gefunden, erhangen! Mir ist es unbegreiflich, dass man sich überhaupt umbringt, wenn man kleine Kinder hat, aber dass man dann sogar noch in Kauf nimmt, von eben diesen gefunden zu werden, macht mich unglaublich wütend.

Wirklich ein schwieriges Thema.

Liebe Grüße, Kokosmilch

Als Teenager war ich selbst Selbstmord gefährdet. Der Tod übte einen ungeheuren Reiz auf mich aus und es war unglaublich tröstlich zu wissen, dass ich das lebrn nicht zwingend ertragen müsste sondern mir der Tod immer als letzter Ausweg bleibt, wenn ich es gar nicht mehr aushalte. Eigentlich wollte ich auch nicht wirklich sterben sondern nur nicht mehr unglücklich leben. Von daher verstehe ich jeden, der den Wunsch nach Selbstmord äußert. Nun bin ich aber auch nicht mehr nur allein für mich verantwortlich sondern habe Menschen, die mich lieben und mich brauchen. Menschen, die ich durch meinen Tod unglücklich machen würde und dieser Punkt ist es, der mir seit ich erwachsen, erst bewusst wurde. Man würde durch seinen Tod andere unglücklich machen, die einen lieben. Als Teenager denkst du nur an dich selbst, bist halt egoistisch und überlegst gar nicht, was du allen, die dich lieben damit antun würdest. Inzwischen bin ich selbst Mutter und es würde mir das Herz brechen, mein Kind, meinen Mann und natürlich auch meine Eltern so dermaßen im Stich zu lassen. Diese Menschen lieben mich, sind teilweise auf mich angewiesen, da KÖNNTE ich niemals so dermaßen egoistisch handeln und mich bewusst für den Tod entscheiden. Nicht, dass ich jetzt noch solche Phasen hätte, aber selbst wenn würde mich die liebe zu meinem Kind und meinen Mann definitiv davon abhalten, es zu tun. Ich kann die Verzweiflung immer noch nachvollziehen und verurteile niemanden, der sich zu diesem Schritt entschließt. Denn schließlich ist es sein lebrn und somit auch seine Entscheidung, ob derjenige lebrn oder sterben will. Ich selbst sehe es nämlich auch so. Ich entscheide, ob ich leben oder sterben will. Aber die liebe zu meiner Familie ist ein Grund für mich zu leben. Lebrn zu wollen.

Bei definitiv tödlicher schwerer Krankheit mit Leiden ohne Ende bin ich dafür, dass dieser Mensch sein Leiden beenden darf, wenn er einfach nicht mehr kann.
Ansonsten würde ich dafür plädieren, einem Lebensmüden therapeutisch aufzuzeigen, wie auch sein Leben noch positiv weitergehen kann.
Ich würde mir nie anmaßen, über jemanden zu richten, der seinem Leben ein Ende gesetzt hat, aus Jux und Dollerei macht das keiner.
Ich selber würde es allerdings - nach heutiger Sicht - meiner Familie nicht antun, denn die leiden lange darunter und machen sich Vorwürfe.
Leider habe ich schon vollkommen sinnlose Selbstmorde aus Kurzschluß heraus im Bekanntenkreis miterleben müssen - einfach nur schrecklich, wie die Familien leiden.
Und nebenbei - mein erster Freund hat sich ebenfalls das Leben genommen, wegen eines Streits mit seinem Vater.....das lässt einen nie mehr los, da war ich 15, einfach nur schlimm.
LG Moni

Hi
die Frau meines Chefs hat Suizid gemacht, ABER davor war sie lange in Therapie wg. Depressionen und das war für die Familie noch schlimmer zu sehen, wie die Frau immer weniger wurde, immer kränker, ein Schatten von sich selbst, ....das hätte auf Dauer die Familie und Personen ebenfalls zerstört.
Die Frau war einst eine extrem lebensbejahrende tolle Frau, die Krankheit kam urplötzlich.

Nicht jeder kann oder will geheilt werden.
Manchmal ist ein Ende mit Schrecken auch besser.

Aber wegen eines Streites sich das Leben zu nehmen....dazu sage ich mal nix.

LG
Lisa

>>Bei definitiv tödlicher schwerer Krankheit mit Leiden ohne Ende bin ich dafür, dass dieser Mensch sein Leiden beenden darf, wenn er einfach nicht mehr kann.<<

ja, das sehe ich auch so. Aber leider darf man das nicht. Jeden falls nicht in Deutschland

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Hi,

jeder kann mit seinem Leben anfangen was er möchte.

Es gibt viele Selbstmörder, die Langzeittherapien hinter sich haben und es hat nichts geholfen.

ABER wenn man schon Selbstmord macht, bitte keine zweiten/dritten...damit einbeziehen, sprich vor dem Zug werfen, etc.

Genauso finde ich Sterbehilfe wichtig!

LG
Lisa

Hallo,

ich sehe das so...

In erster Linie soll man versuchen dem suizidgefährdeten Menschen durch professionelle Therapie zu helfen. Wenn er dennoch sterben will, ist es seine Entscheidung dies zu tun.
Vielleicht handelt er im Affekt oder es ist ein Hilfeschrei...

Ich hatte 2 Fälle in der Bekanntschaft erlebt:
1. Fall. Teenager 19 Jahre alt hat den Tod des Vaters nicht verkraftet und hat 3 Therapien gemacht. Ohne Erfolg, letztendlich hat er sich das Leben genommen, in dem er von einer Brücke gesprungen ist.

2. Fall. Meine damals gute Freundin wollte sich das Leben nehmen, nachdem sie im Job extrem gemobbt wurde, dann ist noch ein Familienmitglied gestorben und sie wurde depressiv. Ihr Mann hat sie bei ihrem Vorhaben (Badewanne + Fön) beobachtet und sie in die geschlossene eingewiesen. Zum Glück! Das sagt sie auch selbst. Sie ist durchgedreht und wollte nicht mehr leben. Sie ist sehr froh, dass ihr Mann sie damals bei ihrem Vorhaben sich das Leben zu nehmen, daran gehindert hat.

LG

Hallo!

Wer sich wirklich umbringen will, schafft das auch früher oder später.

Gerade solche Menschen sind oft sehr intelligent, reflektiert und sensibel. Sie finden einen Weg auch gerade bei Ärzten und Therapeuten so gut "zu spielen", dass sie wieder "lebensfroh" sind und dann zack in der Freiheit, haben sie dann "Erfolg" beim Suizid.

Bestimmt hat jeder schon mal gehört: "XY ging es doch gerade besser! Warum hat XY es dann doch gemacht!"

Tja, weil geplant und gespielt!

Lg Sportskanone

>>Wer sich wirklich umbringen will, schafft das auch früher oder später.<<

Menschen, die hilf los ans Bett gefesselt sind, ab hängig von Maschinen und die nicht mehr leben wollen, wie schaffen die es. Dieses früher

Da würde dann die passive sterbehilfe greifen. Man darf einen Menschen auf dessen eigenen Wunsch nicht töten (also aktiv etwas tun wie ihm die Pistole reichen), man darf aber Maschinen abstellen, WENN diese Person dies entsprechend einer patientenverfügung so notiert hat. Man darf den Patienten nicht umbringen, auch, wenn er sterben will es aber selbst nicht tun kann. Aber man darf die lebenserhaltenen Maßnahmen abstellen. Das hängt aber wirklich von der patientenverfügung ab. Genau dafür gibt es die nämlich. Passive sterbehilfe ist erlaubt, aktive nicht. Wobei ich das manchmal wirklich gut fände, aktiv sterbehilfe leisten zu dürfen.

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Hallo,
ich kann trotz meiner jahrelangen Erfahrung mit Krankheit, Sterbebegleitung und auch Leid immer noch nicht eine klare Meinung zum Thema für mich finden.

Jeder einzelne Fall ist für mich immer wieder neu anzuschauen und entsprechend zu beurteilen.

Ein gewählter Freitod aufgrund von Verzweiflung, Depression und Lebensmüdigkeit kann ich nur schwer akzeptieren.
Ich denke, es ist möglich einen Weg zu finden.

In der Diskussion wurde das Thema Patientenverfügung erwähnt.
Eine Patentenverfügung greift erst, wenn sich der Mensch in dem unmittelbaren Prozess des Sterbens befindet.
Wie erwähnt, sind viele Verfügungen so unglücklich formuliert, dass diese erstmals nicht greifen.

Vor 20 Jahren haben die Pflegekräfte einen Anfall bekommen, wenn sich eine Bewohnerin die Magensonde gezogen hat. Der Rettungsdienst musste her und sofort ins KH und neue PEG legen.
Bewohner die, - wie wird gerne beschrieben, dahindämmern, ziehen sich Magensonden um ihren Wunsch zum Ausdruck zu bringen.
Vor 20 Jahren undenkbar, den Wunsch zu respektieren und die Bewohnerin verhungern zu lassen.
Heute, würde sich jeder dafür einsetzen, diesen Wunsch umzusetzen und den Willen zu akzeptieren.
Wie hier schon gesagt, wo kein Kläger........

Ich denke aber, dass sehr viele Menschen noch in ihren Körpern gefangen sind und sich den Tod wünschen, aber nicht können.
Gerade im Bereich der Heilpädagogik für Kinder und auch junge Erwachsene sind manchmal Grenzfälle, die einem das Herz still stehen lassen.

Aber wer sollte da über Sterbehilfe entscheiden? Ab wann besteht keine Lebensqualität mehr? Hat da nicht jeder seine ganz eigene Philosophie und Einstellung?

Gerade weil dies nicht regelbar ist, ist es vielleicht zum Schutz oder aber auch zum leid von betroffenen Menschen besser keine aktive Sterbehilfe zu zulassen.

Ich bin mir immer noch nicht sicher.

Es sind große Unterschiede im gewählten Suizid.
Gruß

Das hast Du schön geschrieben - und es hat mich nachdenken lassen.

Es ist natürlich viel offensichtlicher, wenn eine vorangehende körperliche Erkrankung sichtbar ist, als wenn Depressionen oder ähnliches voranging.

Mancher wird nicht mehr gesund ...

LG

Hallo!

Diejenigen die sich umbringen wollen und fest entschlossen sind dazu tun es auch, das können andere dann kaum verhindern. Mein Opa z. B. war sehr krank und hat die Schmerzen nicht mehr ausgehalten, da hat er sich das restliche Insulin gespritzt das nach dem Tod meiner Oma übrig war und ist einfach eingeschlafen. Ich finde das völlig in Ordnung, er hat es so entschieden und selbst ausgeführt.

Oft sind die Selbstmordversuche ja Hilfeschreie weil der/die Betreffende nicht mehr weiter weiß, in einem solchen Fall ist es schon angebracht demjenigen zu helfen es nicht zu tun. Man sollte halt den Grund herausfinden und schauen ob sich das Problem lösen lässt.

LG
Sunny

Theoretisch bin ich für eine absolute Selbstbestimmung des Individuums.

Sozusagen als mein moralischer (theoretischer) Leitfaden
Wenn ich diesen zugrunde lege, darf jeder sein Leben beenden, wann immer er es für richtig hält.

Praktisch sehe ich nur konkrete, einmalige, unvergleichbare Einzelsituationen.

Hi,
der, der sich das Leben nehmen möchte, sollte bitte darauf achten, daß er es für sich und alleine tut.

Geisterfahrer und die, die sich vor einen Zug werfen, sind Arschlöcher. Der arme Lokführer oder die entgegenkommenden, die nicht ausweichen können.

Gestraft bis an ihr Lebensende.

Manchmal ist das Leben schon doof, wenn dann die Familie einen schon nicht abhalten kann, es nicht zu tun, dann war es wohl sehr schwerwiegend.

Man kann den Menschen nicht in den Kopf schauen, nur davor.

Hallo,

mein Vater hat sich erhängt, während er zuhause auf mich aufpassen sollte. Ich war damals 6 Jahre alt. Ich habe also auch eine sehr persönliche Meinung zu dem Thema.

Es ist nicht natürlich, sich umbringen zu wollen. Es ist eine psychische Erkrankung, ebenso wie wenn ich als Narzisst oder Borderliner mich und andere psychisch verletze oder als Sexualstraftäter jemanden vergewaltigen will.

Darum finde ich es gut, dass versucht wird, Menschen mit so tiefen Depressionen oder psychischen Störungen zu therapieren und ihnen zu helfen, gesund zu werden.

Natürlich gibt es für alles Ursachen und Gründe - das ist so individuell wie die Menschen. Wer sich dennoch trotz aller Therapie umbringen möchte, wird einen Weg dazu finden.

Bei manchen funktioniert Therapie aber auch und sie sind später froh - ich habe ebenfalls einen Selbstmordversuch hinter mir. Das ist jetzt 15 Jahre her und ich bin froh, dass ich lebe. Aber ich erinnere mich noch genau an das Gefühl des Aufgebens und wie befreiend es war, die "Lebenslast" auf einmal los zu sein. Ich war richtig glücklich.

Heute denke ich zum Glück anders darüber. Denn Leben ist schöner als sterben :-).

Warum sollte in Alkoholiker Hilfe bekommen? Warum ein Borderliner? Warum ein Depressiver?

Weil das menschliche Leben etwas schönes ist und die Hoffnung besteht, dass auch diese Menschen etwas tolles erleben können - weil Linderung besser ist als Schmerz.

Zugegeben, das ist eine recht philosophische Ansicht. Aber wo sollte man die gesetzliche Grenze ziehen?

Wenn jemand sich umbringen will, soll er doch?

Was ist, wenn er sich verkrüppeln will?

Meiner Meinung nach sollte jemandem genauso geholfen werden, wenn er sich selbst Schaden zufügen möchte, wie wenn er anderen Schaden zufügen möchte. Egal ob seelisch oder körperlich. Wobei das seelische ja oft unerkannt bleibt und die Menschen weiter munter vor sich hin depressieren können.

LG

Hallo,

das kommt - finde ich - auf den zugrundelegenden Fall an.

Suizid bzw. aktive Sterbehilfe bei einem sehr alten und/oder totkranken Menschen, der sich selbst und seinem Umfeld eine Leidenszeit ersparen will finde ich legitim.

Was ich besonders dramatisch finde, sind diese Kurzschlusssuizide - bei uns im Dorf ist mal jemand "Kredithaien" in die Hände gefallen und hatte solche Angst, dass er von einer Brücke sprang - es ging um "lächerliche" 8000€. Er war einfach zu "stolz" jemanden um Hilfe zu bitten. Da tut es mir immer besonders Leid, weil ich denke, diese Leute hatten einfach einen Tunnelblick und sehen nicht mehr, dass es durchaus auch andere Lösungen gibt.

Bei Depression ... hier sieht der Patient ja oft keine Hoffnung, weil das zum Krankheitsbild gehört. Dass man da versucht, von außen zu intervenieren ist richtig und wichtig, es gelingt ja auch oft, leider nicht immer.

Als äußerst problematisch finde ich, wenn man eine Todesart wählt, die andere Menschen direkt involviert (Lok) oder gefährdet (Geisterfahrer). Auch sehr traumatisierend ist es immer für den Finder, auch wenn der denjenigen gar nicht kannt. Falls es jemand von der Familie ist ... dann ist ein lebenslanges Trauma eigentlich vorprogrammiert. Also: Wenn Suizid, dann so, dass niemand anders hineingezogen wird.

GLG
Miss Mary

Man wird aber gefunden. Irgendwer wird die Leiche finden und somit ist IMMER irgendwer mit involviert. Es gibt einfach keine Möglichkeit, sich umzubringen ohne von wem auch immer wann auch immer gefunden zu werden. Jeder Mensch der stirbt wird irgendwann von irgendwem gefunden und der Finder erlebt dadurch zwangsweise eine traumatische Situation. Das lässt sich gar nicht verhindern. Man kann also nicht versuchen sich so umzubringen, dass man nicht gefunden wird (denn das wird man- früher oder später). Und wenn nicht wäre die Ungewissheit, was mit einem passiert ist, für die Hinterbliebenen schlimmer als Gewissheit zu haben ob du noch lebst oder nicht mehr. Nichts ist schlimmer als Ungewissheit. Man würde sich alle möglichen Horror Szenarien ausmalen und unglaublich leiden und keinen Abschluss finden können. Man kann ja nicht msl trauern, weil man gar nicht wüsste, ob derjenige wirklich tot ist oder nicht doch irgendwo lebt. Nein, ein finden der Leiche ist beim Tod unumgänglich. Man könnte es eher so formulieren, das möglichst wenig Leute da mit rein gezogen werden. Aber auch das ist utopisch. Denn die Hinterbliebenen werden durch den Tod des selbstmöders so oder so damit hinein gezogen.

Das stimmt ... Da hast du natürlich Recht.

Besonders schlimm finde ich, wenn nahe Angehörige die Person finden, die sich umgebracht hat ... die oft etwas ahnen und versuchen, es zu verhindern ... zwei Minuten weggedöst und die Person hing dann tot in der Scheune. Da hast du Bilder und zusätzlich Schuldgefühle.

Besonders schlimm ist eben die Konstellation, wenn Angehörige als "Finder" und als "Angehörige" eine Rolle spielen. In dem Fall bei uns im Dorf weint der Vater noch über den Grund, weil er sagt, die Beerdigung habe doch auch 6000€ gekostet und wie sinnlos der Tod war. Es wäre so wichtig gewesen, in dem Fall einfach die Problematik transparent zu machen.

GLG
Miss Mary

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Hallo
In meiner Familie gibt es leider mehr als einen Fall. Der, der am "nähsten" war, war direkt in unserem kleinen Heimatort. Meine Mutter fand sie auf. Wir waren traurig, wir waren sauer, wie haben uns geärgert weil sie jemande "allein gelassen hat",.. ein ziemliches Gefühlschaos.
Sehr problematisch war es auch wie damit umgegangen wurde zwecks Totenschein, Hausarzt und so weiter. Gerade in kleinen Orten wie unserem scheint das aber leider keine Seltenheit zu sein. Ich will darauf auch garnicht näher eingehen.
Ich denke ist jemand an diesem Punkt, ist er nichtmehr wirklich in der Lage über andere Menschen nachzudenken. Zumindest nicht soweit dass etwas an der Entscheidung geändert wird.

LG

Hi,

schwieriges Thema und vor allem immer individuell.

Ich denke, man fühlt sich einem guten Freund gegenüber einfach verpflichtet, ihm aus diesem Tief, das ihn so denken lässt, wieder herauszuhelfen. Weil man einfach im Glauben ist, sobald es ihm wieder besser geht, wird er wieder Freude am Leben haben.

Ich habe es hautnah miterlebt:

- vor vielen Jahren eine Arbeitskollegin, von der dies wirklich niemand gedacht hätte - das hat mich damals momentan schockiert, konnte ich aber gut verarbeiten. Sie war gerade 20 oder 21 J. alt, alleinstehend, Eltern und Geschwister lebten aber noch alle.

vor einigen Jahren eine gute Freundin: sie hat das ganze "Programm" durchlaufen: misslungener Selbstmordversuch, geschlossene Anstalt, Therapie... usw. Ich erinnere mich bis heute noch sehr gut an unser letztes Gespräch - ich habe sie oft in der Klinik besucht. Man merkte: Sie war einfach von diesem GEdanken nicht abzubringen... lange Geschichte....

Eines Tages hat sie ihr Leben dann auch selbst beendet. Ihre Kinder waren zu diesem Zeitpunkt im Grundschulalter. Das hat mich lange, lange beschäftigt - eigentlich bis heute. Die Gefühle dafür reichen von Wut, HIlflosigkeit über Mitleid bis zum Gefühl, als Freundin ein Stück weit versagt zu haben - man empfindet es einerseits wahnsinnig feige, egoistisch, weiß aber: Sie konnte einfach nicht (mehr) anders. Die Kinder tun mir heute noch leid. Nach außen hin läuft ihr Leben weiter, muss ja auch. Aber wie oft in ihrem Leben werden sie sich fragen: Warum hat uns unsere Mama alleingelassen, warum hat sie das gemacht?

Bei schwerkranken, unheilbaren Menschen würde ich wohl Verständnis dafür haben - aber wo ist die Grenze? Und wann fühlt sich ein Mensch psychisch einfach schwerkrank, unheilbar?

LG

Leider machen sehr viele Menschen Selbstmord. Verstehen konnte ich es bei einer Bekannten die schwere Phychisch erkrankt war. Sie dachte alle wollen sie umbringen und fühlte sich von allen verfolgt.

Ansonsten kenne ich einge die beruflich erfolgreich waren , Famiele und Kinder hatten und sich dann ( für mich) vollkommen überraschend umgebracht haben. Eine Familie hat kurz davor noch 2 Pflegekinder aufgenommen. Was da passiert und warum sie ihre Angehörigen so qäulen kann ich schlecht verstehen.

Eine Depression (oder auch andere psychische Erkrankungen) fragt sich nicht, ob dieser Mensch doch eigentlich glücklich ist, so viele Pläne hatte und Kinder oder ob er ein sozial isolierter, armer Mensch ist.

Sie kommt. Ob der Erkrankte das will oder nicht, empfänglich dafür schien oder nicht.
Ohne Ankündigung, ohne Rücksicht auf Begleitumstände.
Einfach so. Von heute auf morgen (bzw. unbemerkt schleichend).
Es muss nicht zwangsläufig einen Auslöser geben.

Das Problem ist eben, dass man es niemandem ansieht. Man sich selbst es nicht ansieht und sich nur fragt, was man denn falsch macht.

Bei nem gebrochenen Bein gehst du zur Notaufnahme, es wird geflickt und du wirst gesund.
Bei psychischen Erkrankungen ist es a) ein langer Leidensweg bis zur Erkenntnis und dann b) ein langer, steiniger Weg zur Erlangung von Hilfe.

Grüße

ich weiß nur, dass ich definitiv zu feige wäre mich selber umzubringen.

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