Magersucht - verdünnt Sondennahrung den Urin?

Hallo liebe Urbia-Gemeinde,

Folgendes ist meine Situation:
meine Tochter ( in zwei Monaten 14 Jahre alt) hat Magersucht.
Sie wurde Anfang Januar mit 33,4 Kilo ( bei 1,63m Körpergröße) in die Klinik eingwiesen und ist seitdem dort.

Nach mühsamen erster kleinen Erfolgen hat sie dreimal ihr Wochenziel nicht erreicht, bzw aufgetrunken um es zu erreichen.
Dann bekam sie die Magensonde, welche sie jetzt seit gut 6 Wochen hat.
Erst war sie völlig gegen diese Sonde, mittlerweile akzeptiert sie diesen Schritt, hilft er ihr ja beim Zunehmen.

Allerdings hat sie in den letzten Wochen auch wieder die Ziele, welche vereinbart werden, nicht erreicht ( rein gewichtstechnisch schon, aber durch Auftrinken und damit wird es korrigiert.)

Sie schwört Stein und Bein, sie hat nicht zugetrunken, die Ärzte sagen, die Urinwerte sind eindeutig, es ist stark verdünnt.

Ich versuche, unvoreingenommen zu sein, aber da es eine Suchterkrankung ist und sie unter einem Druck, den sie sich selbst aufbaut, steht, kann ich mir vorstellen, dass sie aus Angst, ihr Ziel nicht zu schaffen, auftrinkt. Und natürlich erwischt wird.

Andererseits ist sie nun wirklich nicht dumm und weiß natürlich, dass diese Werte kontrolliert werden und sie damit erwischt wird.

Bis jetzt gibt es auch null Krankheitseinsicht bei ihr, nach drei Monaten Klinik. Ich bin nicht sicher, ob man das auch schon erwarten kann.

Ich mache mir natürlich permanent Sorgen um sie und weiß nicht mehr, was ich ihr noch glauben kann, denn zur Krankheit gesellt sich natürlich die Pubertät, welche ja bei niemandem einfach ist.

Kann mir irgendwer sagen, ob die Sondennahrung Einfluss auf den Urin hat? Ob diese Nahrung den Urin verdünnt oder die Werte des Urins so verändert, dass es wirkt, als wäre er verdünnt.

Ich bin mittlerweile echt verzweifelt und spreche natürlich den Ärzten niemals ihre Kompetenz ab. Mitnichten.
Nur will ich auch immer kritisch an alles herangehen.
Was kann noch die Ursache für den verdünnten Urin sein, außer vermehrtes Trinken ( nichts anderes ist ja Auftrinken).

Diese ganze Situation ist absolut neu und sehr schwierig für alle Beteiligten und natürlich wollen ihr alle helfen, und keiner zusehen, wie sie sich zu Tode hungert.

Vielen Dank.
VG

denwillich

1

Hallo, och Mensch das ist ja wirklich schlimm und tut mir schrecklich leid für euch, was ihr gerade durchstehen müsst... :-(
Schrecklich, sein Kind so ansehen zu müssen und sich so machtlos zu fühlen.

Das Problem ist, dass deine Tochter, wie du selbst schon Sagst, suchtkrank ist. Solange sie sich mit dieser Erkrankung in dieser akuten Phase befindet, wird oder kann es vorkommen, dass sie ihre Sucht zu verbergen versucht bzw. Das Umfeld zu täuschen versucht (wie ein Alkoholiker, der heimlich weiter trinkt). Das meint sie auch nicht böse - sie kann in der Lage nur nicht anders, da sie noch keine Bewältigungsstrategien erlernt hat, um mit ihrer Erkrankung umzugehen.

Klar, will man auch nicht glauben, dass das Kind "lügt" bzw. täuscht, aber in diesem Fall hört sich alles danach an.
Urin wird durch viel reine Flüssigkeit verdünnt. Das heisst, alle Bestandteile im Urin (Elektrolyte, Abfallstoffe) sind dann prozentual herabgesetzt. Die Urinmenge ist auch stark erhöht, sowie die Farbe klar und durchsichtig. Bekommt der Körper nicht genügend Kohlenhydrate, lassen sich ebenfalls Ketone im Urin nachweisen.

Die Sondennahrung ist in der Regel eine dicke hochkalorische und reichhaltige Masse, die ja dazu dienen soll, dem Körper schnell viel Energie zur verfügung zu stellen und in diesem Fall, eine Zunahme zu bewirken. D.h. der Urin würde sich dadurch eher konzentrieren statt verdünnen.

Es ist wirklich schwer damit umzugehen, wenn Angehörige oder gerade die Kinder so sehr leiden. Nimmst du denn auch psychologische Unterstützung in Anspruch? Oft leiden die Angehörigen genauso stark wie die Betroffenen...

Ich wünsche euch alles alles Gute und hoffe ihr kriegt das ganz bald hin!

4

Hallo,

danke für Deine ausführliche Antwort.
Ich habs mir schon fast gedacht und ja auch von den Ärzten schon angedeutet bekommen, dass meine "Große" sich da selbst ganz schön was vormacht und die Sondennahrung nix verdünnt.

Kann ich nur nochmal mit den Betreuern und den Therapeuten in KOntakt treten und schauen, was wir zusammen ändern können.

Nur ganz ohne meine Tochter und ihre MItarbeit wirds nicht gehen.

VG

denwillich

2

Hat die ganze Behandlung auch eine psychotherapeutische Ebene? Und zwar auch bei euch Eltern und den Geschwistern (falls vorhanden)? Ich hoffe doch sehr.

Ich bin auf dem Gebiet kein Spezialist, aber die Krankheit ist psychisch. Ein äußerst erbittlicher Machtkampf zwischen Eltern und Tochter, wobei sie am längeren Hebel sitzt. Wenn ihr euch lediglich auf die physischen Faktoren beschränkt (Zwangsernährung, Sondenernährung), werdet ihr wohl kaum zum Ziel kommen.

3

Hallo,

natürlich hat sie zu den ganzen physischen Therapien auch psychische Hilfe.
Sie hat Einzelgespräche und auf Wunsch jederzeit Ansprechpartner vor Ort.
Es gibt Gruppentherapie und Gruppengespräche, Elterngespräche wo sie, teilweise und auf Wunsch, dabei sein kann.
Dazu gibt es noch solche Gruppen wie Körperwahrnehmung, Kunsttherapie usw.
Außerdem gibt es Elterngruppen, aber das ist eher für die Eltern denn für sie direkt.

Die Psyche wird da genauso ernstgenommen, wie die physische Verfassung.

VG

denwillich

6

Guten Morgen,
es ist wirklich sehr traurig, wenn ein junger Mensch so zerrissen ist, dass er aufhört zu essen! Wenn man als Familie dem Ganzen "machtlos" gegenüber steht und die Angst um das Kind einen um den Verstand bringt, dann darf nicht verpasst werden, an sich selbst zu arbeiten. Deine Tochter spiegelt eurer Familie etwas! Es ist sooooo wichtig, dass ihr nicht nur Eltern-/Gruppengespräche/-therapien führt, in denen es nur um das Kind geht und wie man ihm helfen kann, sondern dass auch wirklich die betroffenen Familienmitglieder ( als erstes sind hier natürlich die Eltern - expliziet die Mutter) ihr eigenes Seelenleben durchleuten und sich notfalls in eine Therapie begeben. Du schreibst sehr beherrscht und gibst auch an, dass du an alles immer kritisch heran gehst. Das soll kein Vorwurf sein, aber ich kenne einen Fall, da war das Mädchen in einem ähnlichen Zustand wie deine Tochter, ebenfalls seit Monaten stationär. Die Mutter tat wirklich alles, damit ihre Tochter endlich wieder zunimmt. Jedes Gramm war ein Erfolg. Ihr Leben drehte sich vollkommen um das Überleben ihrer Tochter. Ihr eigenes Seelenleben jedoch war extrem zerrissen, der Exmann und Vater des Kindes durfte in keinster Weise auch nur erwähnt werden. Es gab so einen Hass gegen den "Erzeuger", die Tochter musste ihren eigenen Vater ignorieren, weil die Mutter wie eine Wand dazwischen stand! Diese Frau war so selbstreflektierend wie eine Betonmauer! Ich kenne deine Lebenssituation natürlich nicht, aber falls es noch niemand getan hat, möchte ich dir mit auf den Weg geben, dass gerade die Mutter einer Tochter mit sich selbst und ihrer Umwelt im Reinen sein muss, damit die Tochter gesund werden kann!
Ich wünsche euch von Herzen alles Gute und dass deine Tochter diese Krankheit überwindet.
Liebe Grüße

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5

Hallo,

ich war damals selbst magersüchtig und mehrmals stationär in Behandlung. Sondennahrung verdünnt den Urin definitiv nicht, da es über den Darm abgebaut wird ich würde deiner Tochter daraus aber keinen Hehl machen. Sie akzeptiert den stationären Aufenthalt und die Sonde. Das ist schon eine Menge. Das sie ihr Wochenziel öfters mal nicht erreicht, ist ganz normal. Mehr Sorge würde mir die nicht vorhandene Krankheitseinsicht machen. Wie lange ist sie noch dort? Ich würde um eine eventuelle Verlängerung nachdenken. Denn wenn die Einsicht fehlt, wird sie zu Hause mit Sicherheit wieder rückfällig.
Gibt es in der Klinik eine Spiegeltherapie? Wie läuft das Konzept dort so?

Lg

7

Hallo,

danke für Deine Antwort.

Sie ist solange dort, wie es notwendig ist. Da gibt es keine Grenze.
Zielgewichtsbereich ist 45 bis 47 Kilo, dieses muss sie 2 Woche selbständig und auf gesunde Weise halten.
Dann wird sie entlassen und es geht mit Tagesklinik und dann mit ambulanter Therapie weiter.
Es wird also Schritt für Schritt "entlassen".

Ohne Krankheitseinsicht darf sie nicht nach Hause, das steht fest.

Es gibt einige Therapien, in der Körperwahrnehmung wird teils mit Spiegeln gearbeitet, in denen sie sich selbst bzw dass, was sie "sehen" beschreiben und die Gefühle dabei wiedergeben sollen.

Das Konzept startet mit grundsätzlichen Therapien und man kann sich als Wochenziel Extras dazu "verdienen".
Je nach Zustand und Gewicht halt individuell angepasst.
Da sie noch unterhalb der untersten Perzentile ist ( 41 Kg), darf sie natürlich nichts körperlich anstrengendes wie Reiten, Klettern oder so machen.
Mehr Kunst, Musik, Flachwasser-Therapie usw.

Bis vor einigen Wochen war sie noch eine Hochrisiko-Patientin, da sind alle noch vorsichtig.

VG
denwillich

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