Extrem menschenunwürdige Behandlung KH

Hallo,
habe gerade einen sehr verzweifelten und traurigen Anruf von meiner Mutter bekommen,ihr Mann,69J, liegt seit drei Tagen im Krankenhaus Buchholz,er hat eine chronische Lungenkrankheit,glaube sie heißt COB?Er kommt ca 1mal im Jahr ins KH ,meist mit Fieber und Atemproblemen,soweit alles also wie gewohnt.Beim letzten Aufenthalt hat er sich noch zusätzlich den Krankenhauskeim geholt und liegt seitdem isoliert,diesmal mit einem weiteren Patienten.Als meine Mutter ihn ins KH gebracht hatte ging es ihm schon schlecht,aber nun nach drei Tagen geht es so schlecht(obwohl laut Arzt nur das Fieber behandelt werden muß)und er kann noch nichtmal mehr alleine aufs Klo,geschweige denn sich waschen o.ä.Als meine Mutter heute in sein Zimmer kam konnte sie nicht glauben was sie da sah,er lag splitterfaser nackt im Bett,heulend,eiskalt und konnte sich kaum bewegen!Die Gitter am Bett wurden an beiden Seiten hochgeklappt und fertig,niemand kam!Natürlich hat meine Mutter ihn erstmal angezogen und da sie leider so geschockt über seinen Zustand war,er konnte kaum reden und ihr nicht sagen was passiert war(wir nehmen an das er sich eingenässt hat),hat sie leider als sie niemand Zuständigen gefunden hat auch gar nichts mehr unternommen!Sie ist nur nachhause gefahren,geschockt,zitternd und voller Angst ihren Partner zu verlieren!Leider wohne ich sehr weit weg und kann ihr so nicht weiterhelfen,aber es muß doch eine Möglichkeit geben so ein wirklich menschenunwürdiges Verhalten irgendwo anzugeben?Gibt es die Möglichkeit ihn aus diesem KH in ein Lungen spezialisiertes KH zu verlegen?Vielleicht kennt sich ja hier jemand damit aus?
LG Nicole

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Hallo,
das ist eine Sitution die man natürlich nicht gerne sieht, allerdings würde ich zuerst einmal das Gespräch mit dem Pflegepersonal und den Stationsärzten suchen, bevor ich alle Hebel in Bewegung setze.

Bei einer COPD kann sich der Zustand innerhalb kurzer Zeit drastisch verschlechtern, die Patienten bekommen nun mal kaum Luft und sind so gut wie nicht belastbar. Das kann eine Zeit lange dauern, bis sich der Zustabd eines solchen Patienten nochmal normalisiert.

Er hat eingenässt, das klingt für mich, als wäre er nicht ganz orientiert gewesen zu diesem Zeitpunkt, das könnte für ein Durchgangssyndrom sprechen.
Worauf ich als Pflegekraft hinaus will: Manche Patienten schaffen es immer wieder sich innerhalb kürzester Zeit selbst zu entkleiden, da bräuchte es teilweise eine 1:1 Betreuung. Die Alternative wäre eine Fixation gewesen, dazu benötigt man allerdings einen richterlichen Beschluss.
Es gibt nicht nur schwarz oder weiß, ich hätte diese Situation vor Ort geklärt.

Liebe Grüße

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Hallo,.
ja das stimmt auf jeden Fall,meine Mutter hätte die Situation sofort klären müssen,das sehe ich auch so,sie ist gerade total hilflos und ich erkenne sie da gerade gar nicht wieder...
Ich habe meinen Post gestern hier im total geschockten Zustand geschrieben und sehe einiges heute ein wenig nüchterner,kenne mich mit dieser Krankheit leider auch nicht wirklich aus,es ist halt die Tatsache das man sich kaum vorstellen kann das ein Mensch so da liegt,Kleidungsstücke waren übrigens keine neben dem Bett und auch kann ich mir nicht vorstellen das das längere nackte Daliegen in dem Gesundheitszustand förderlich sein kann,es sind Situationen die ich einfach nicht kenne und die schockieren und natürlich auch erstmal dementsprechende Reaktionen auslösen..
Er soll nun heute in ein KH wo es eine Spezialabteilung für solche Fälle gibt,das geschieht in Eigenverantwortung und ich hoffe es klappt alles reibungslos,
Danke Dir für Deine Antwort!
LG

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Ähnliches hatten wir auch, allerdings war mein Mann mit im KH.

Wir haben meinen Schwiegervater auf eigene Gefahr entlassen und mitgenommen (bzw per Krankentransport bringen lassen). Ruf dort an und mach denen die Hölle heiß, eine Verlegung sollte möglich sein. Ruf dazu in der aufnehmenden Klinik an und Frage nach.

Alles Gute!

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Habe das Ganze nun an die Tochter von meinem Stiefvater weitergegeben,sie hat schon Kontakt mit dem KH in HH Spezialgebiet Lunge aufgenommen,bin nun gespannt was passiert!
Vielen Dank!

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Ruf an im Krankenkaus und mach dennen umgehend die Hölle heiß. Verweise darauf, dass deine Mutter dich beauftragt hat.
Klare Ansage, du würdest dich umgehend wenden an:
- Ansprechpartner für Anfragen und Beschwerden von Patienten ist grundsätzlich Ihre Krankenkasse (SGB I § 14 u. § 15).
- Kassenärztlichen Vereinigung und der Ärztekammer
- Krankenhausleitung und die Beschwerdestelle des Krankenhauses

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Das mit der Krankenkasse hatte ich mir auch schon gedacht und meine Mutter wollte das erledigen,die Tochter von ihm kümmert sich jetzt um alles,sie ist auch total geschockt und hat schon Kontakt mit der Spezialklinik aufgenommen,bin nun sehr gespannt was nun passiert!
Vielen Dank für die Antwort!

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Hallo,

- der Name des Hauses hat hier im Beitrag nichts zu suchen

- man sucht zuerst das Gespräch mit den Pflegern, Ärzten und Leitung

- die wenigsten Keime "holt" man sich im KH sondern bringt sie mit!

- ohne zu Wissen was akut zu dieser Situation geführt hat, bringt um sich zu schlagen gar nichts

- ja, man kann sich beschweren, sollte jedoch eine gewisse Reihenfolge einhalten


LG Reina

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Hallo,
sicher hast Du da in einigen Sachen Recht,war gestern einfach zu geschockt und es tut mir sehr weh meine Mama so hilflos und so weit weg zu sehen und ihr nicht helfen zu können...Da reagiert man/oder ich schnell mal dementsprechend,bin nun heute etwas ernüchtert und hoffe das sich heute nachmittag einiges klärt,
LG Nicole

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Hallo!

Es kann sein, dass er in einen Zustand geraten ist, der Delir heißt. Das ist sowas wie eine kurzzeitige Demenz, geht aber wieder vorbei, wenn es ihm besser geht. Das hat viel mit dem Umgebungswechsel zu tun.

Menschen in diesem Zustand sind schwierig, und es kann sein, dass man im Moment im Krankenhaus dank Influenza wirklich keine Möglichkeit hat, ihn dauernd zurück ins Bett zu bringen - und erst recht schlimm wäre es, wenn er dann verwirrt wie er ist in ein Zimmer mit Influenza-Kranken rein läuft. Das auf die COPD oben drauf wäre nun echt großer Mist.

Ich würde erst mal versuchen, raus zu bekommen, was los war. Hat er sich vielleicht selbst ausgezogen? War die Schwester gerade dabei frische Kleider zu holen, als auf der Station ein wesentlich dringenderer Notfall war - sowas wie ein Herzstillstand?

Du willst ihn aber nicht mitten in der Influenza-Welle in eine Lungenklinik verlegen, da hat er ja noch mehr Risiken sich anzustecken. Wenn die überhaupt Betten frei haben, hier in der Gegend liegen die Leute, die nicht ansteckend sind, auf dem Gang.

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Ja möglich wäre das alles,heute abend bin ich schlauer..
Seine Tochter hatte schon telefonischen Kontakt mit dem Chefarzt der Lungenabteilung und alles an Infos zum Krankenstand ihres Vaters rüber geschickt,sollte kein Zimmer mehr frei sein gäbe es auf jeden Fall noch die Möglichkeit des selber zahlens ,und das wäre dann auch kein Problem

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wenn kein Bett frei ist nützt auch das Selberzahlen nichts.

Gruß chantalele

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Ich nehme an er ist an COPD erkrankt. Man ist dan sehr anfällig und ein einfacher Infent kann zu schweren Problemen führen (Atemnot, Fieber, Lungentzündung). Oft wirkt sich das negativ auf die Sauerstoffsättigung aus - das könnte seinen schlechten Zustand erklären. Bitte unbedingt abklären lassen!

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Ja das stimmt,er wurde jetzt auf eigene Verantwortung am Mo entlassen und soll nun in eine Spezialklinik wo man genauer darauf eingehen kann.

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Hallo!

Das meiste, was ich dir zu sagen hätte, haben die anderen schon getan.

Wenn du in der letzten Zeit aufmerksam die Berichterstattung zum Pflegenotstand wahrgenommen hättest, wäre dir klar, dass man sich in Krankenhäusern nicht mehr besonders hingebungsvoll mit Patienten wie deinem Stiefvater kümmern kann. Da geht nur noch das Nötigste. Das ist so. Das merken alle immer erst, wenn sie in der Situation stecken, vorher ist es den meisten ziemlich egal.

Tatsache ist aber auch, das Menschen in Zustände geraten können, in denen sie vollkommen unruhig und verwirrt sind und Fluchttendenzen haben bzw. dazu neigen, permanent aus dem Bett zu fallen. Selbst bei uns im Hospiz kommt es vor, dass Patienten nackt auf der Matratze auf dem Boden schlafen. Nackt, weil sie sich ständig ausziehen, auf dem Boden, damit sie nicht fallen. Das sind bizarre Bilder, auch für mich, aber es geht dann darum, denjenigen bestmöglich zu schützen.

Außerdem denke ich immer, dass Familien und Angehörige ebenfalls in der Pflicht sind. In keiner Einrichtung dieser Welt wirst du Personal finden, das rund um die Uhr bei einem Patienten sitzen bleiben kann. (Intensivstationen und Neonatologie vielleicht ausgenommen). Was spricht dagegen, dass Angehörige sich kümmern und eben nicht zitternd und verängstigt weglaufen und allen erzählen, wie furchtbar die Situation ist? Dabei bleiben und aushalten - Wie wäre mal damit? Nein, nicht 24 Stunden am Tag, aber doch mal ein bisschen länger als auf eine Tasse Kaffee? Das Leben ist kein Ponyschlecken, wie ich immer sage. Wir kommen alle dahin und wir werden alle jemanden brauchen, der das Händchen hält. Vorher sind wir aber dran mit Händchen halten....

LG

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Hallo,
erstmal großen Respekt für Deine Arbeit die Du machst!sicher hast Du in vielen Dingen Recht,Dein Job ist auch ganz sicher einer der schwersten den man sich in der Pflege vorstellen kann und was man da sieht und erlebt ,ich kann es mir kaum vorstellen.Trotzdem sehe ich das hier noch ein wenig anders,mein Stiefvater wurde nackt auf dem Bett liegen gelassen,keine Möglichkeit sich evtl. mit einer Decke zu bedecken,es lagen keine Kleidungsstücke in der Nähe des Bettes,er hat sich nicht selbst ausgezogen und es kam auch in der nächsten Zeit niemand!er wurde seit Die weder unterstützt sich zu waschen noch war eine Waschschüssel in der Nähe,das ist für mich ein sehr trauriges Bild und nicht zu begreifen ...
Als meine Mutter zusammen mit seiner Tochter nachgefragt hat was da eigentlich passiert ist da hieß es nur es sei nie passiert!Das sagt für mich schon alles!!!
Es ist tatsächlich sehr traurig für unsere Gesellschaft wenn das normal sein soll,wenn es daran liegt das es einfach zu wenig Pflegepersonal gibt,da kann man wirklich nur hoffen das man niemals in so eine unwürdige Situation kommt....
Meiner Mutter wurde es übrigens untersagt ihren Mann im KH selber zu duschen,als sie gestern danach fragte kam dann doch eine ,zugegeben wohl sehr nette Krankenschwester und hat ihn dann geduscht und versorgt,meiner Mutter würde das ganz sicher nichts ausmachen.
Ich habe vollstes Verständnis wenn man selber in der Pflege arbeitet und solidarischer mit der geschilderten Situation umgeht,habe selber 2Freundinnen die einmal in der Altenpflege und einmal in der Psychiatrie arbeiten und die wünschten sich auch so manches Mal das man etwas mehr Zeit für die Patienten hat und um Arbeitsmangel können sie sich auch nicht beschweren,im Gegenteil..
Das meine Mutter an dem besagten Tag davon gelaufen ist und sich erstmal sortieren mußte,warum sie das genauso gemacht hat weiß sie heute selber nicht mehr genau,aber vielleicht reagiert eben jeder anders mit so einer Situation .Wer sieht schon einen geliebten Menschen gerne in so einer Lage und ich glaube auch nicht das die Mehrheit darauf gelassen reagieren würde...

LG

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Hallo!

Nein, mein Job ist einer der besten in dem Bereich. Ich darf noch so arbeiten wie ich es gelernt habe und wir haben in der Regel viel Zeit. Trotzdem gibt es Situationen, die für Außenstehende bizarr und auch unwürdig wirken.

Woher weißt du, dass er sich nicht selbst ausgezogen hat? Ich denke, er hat das mehrmals gemacht und dann hat jemand die Sachen aufgehoben und weggeräumt. Muss nicht so gewesen sein, wäre aber möglich.

Ich erwarte auch nicht, dass man, wenn man plötzlich mit so etwas konfrontiert wird, gelassen bleibt. Ich hätte aus dem Laden eine Pommesbude gemacht! Anschließend hätte ich mich um meinen Angehörigen gekümmert und das hätte ich mir nicht verbieten lassen. Aber okay, da kann ich wahrscheinlich sicherer auftreten als andere. Weglaufen ist aber nun mal die schlechteste Variante.

Deine Mutter (und auch du zu Beginn) wollte aber gleich die große Beschwerdewelle lostreten und Schuldige suchen und finden. Da kann ich dir wirklich nur raten, mal in Die Zeitung zu gucken. Und das wird noch schlimmer mit dem Pflegenotstand. Für evtl Beschwerden werdet ihr ein Achselzucken bekommen.

Ich bin sicher, dass die Kollegen dort würden auch gern anders arbeiten. Sie können es schlicht nicht. Selbst wir müssen ab und zu Angehörige mobilisieren und bitten mitzumachen, weil wir auch nicht alles können. Wir können Familie nicht ersetzen. Eigentlich ist das auch nicht unsere Aufgabe.

"Es ist tatsächlich sehr traurig für unsere Gesellschaft wenn das normal sein soll,wenn es daran liegt das es einfach zu wenig Pflegepersonal gibt,da kann man wirklich nur hoffen das man niemals in so eine unwürdige Situation kommt...."

Die meisten von uns werden aber in eine ähnliche Situation kommen irgendwann. Kaum einer fällt einfach tot vom Stuhl. In gesunden Tagen interessiert das aber niemanden.

LG

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