Mein Halbbruder

Hallo ihr!

Ich muss mir etwas von der Seele schreiben. Ende Dezember 2012 habe ich erfahren, dass ich einen Halbbruder habe (da war ich 31). Es trug sich folgendermassen zu: Meine Mum, ihre Schwester und ich haben meine schwerst alkoholabhängige Tante im akrankenhaus besucht, da diese nach einen Alkohol-indizierten Zusammenbruch eingeliefert wurde. Ich als ihre Lieblingsnichte habe ihr den Schlüssel zu ihrer Wohnung herausgelabert. Auf dem Weg zu ihrer Wohnung haben wir noch gewitzelt: Haha, wie werden doch hoffentlich keine Schaufel brauchen. Naja, nachdem sie über 5 Jahre niemanden reingelassen hat, standen wir dann vor der Katastrophe: 3000 Rum-Flaschen und knöcheltief Essensreste in der gatzen Wohnung. Erst konnten wir vor Schock nur lachen. Dann haben wir zum Alkohol gegriffen.

Egal, im Laufe des Abends eröffnete mir meine Mutter im Rausch dann, dass mein Vater einen Sohn aus einem One Night Stand hat, der 5 Jahre vor mir geboren wurde. Bis zu diesem Tag wusste ich nichts davon.

Nun zum jetzigen Zeitpunkt: 10 Monate später habe ich kontakt zur Frau meines Halbbruders. Sie ist wahnsinnig nett, wenn auch schockiert, da ihr Mann nie etwas über seinen Vater/Erzeuger wissen wollte. Ihre Schwiegermutter hat die Tatsachen bestätigt.

Mein Vater hat - als meine Schwestern und ich ihn darauf angesprochen haben - nur gesagt: Ja, den gibts, hättets eh bei einer Erbschaftsverhandlung erfahren.
Was mir jetzt so extrem zu schaffen macht ist folgendes: Mein Halbbruder hatte Leukämie (laut seiner Frau). Sie und seine Mutter haben alle Hebel in Bewegung gesetzt, Heilung zu finden. Sie wussten, dass es zumindest eine Halbschwester gibt (sind ja drei). Aber meine Grosseltern haben sie ignoriert. Zum Glück wurde ein anderer Knochenmarkspender gefunden. Wie soll ich das meinen Eltern verzeihen, die das über 31 Jahre vor ihren Kindern geheim hielten? Wie soll ich meinem Vater verzeihen, dass er sich nie um seinen Sohn gekümmert hat, obwohl er uns Töchtern immer spüren liess, dass er sich einen wünscht?

Ich bin gefangen in meinen Gedanken. Der gute Vater, der er immer war, gegen das Arschloch, dass sich nie um seinen Sohn gekümmert hat, ihn aber immer vermisst hat....

Danke fürs Lesen,
Anyanca

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Bitte verzeiht die Rechtschreibfehler, ich bin nicht ganz meiner selbst....

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Ich denke nicht, dass Du hier irgendetwas verzeihen musst. Es betrifft Dich nicht wirklich.

Gruß

Manavgat

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Hallo,

an deiner Geschichte kann man im Nachhinein nichts ändern. Ja, es gibt immer Leute, die ihre Kinder verleugnen. Ich habe da auch kein Verständnis dafür. Jeder Mensch kann froh sein, dass sich seine Eltern um ihn kümmern, wenn es denn so ist. Aber manche denken wahrscheinlich: aus den Augen, aus dem Sinn.

Deine Gefühle kann ich verstehen, es braucht viel Zeit, um alles verarbeiten zu können.

Aber dein Vater hätte ja nun die Chance, einiges wieder gut zu machen.

Bei mir war es so, dass ich auch ein Scheidungskind bin. Ich wußte zwar immer vom Halbbruder, hatte aber bis vor 10 Jahren keinen Kontakt zu ihm und seiner Familei. Nun bin ich so froh, dass er dann entstanden ist. Denn wir verstehen uns sehr gut und sind auf einer Wellenlänge.
Zwischen meinem Vater und mir war auch über 20 Jahre Funkstille, alles brach damals wegen Lapalien ab, seine Frau war gegen unseren Kontakt, sie ist sehr eifersüchtig.
Schade, dass er sich da nicht noch mehr durchgesetzt hat und zu mir stehen wollte.
Doch nach dem zigsten Anlauf meinerseits ist der Kontakt wieder hergestellt, darüber bin ich sehr froh.

Alles Gute für euch. Manche Sachen muss man vielleicht verzeihen können, Menschen machen manchmal so große Fehler. Merk es dir und mach es nie genauso.

LG Lotta

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