Mein Zittern unter Anspannung unu die Folgen

Ich schreibe an euch mit der Hoffnung, dass meine Geschichte Gehör findet. Ich bin eine 22 jährige Frau die von Außen auf die meisten Personen keinen auffälligen Eindruck macht. Ich bin 163 cm groß, wohl ernährt, habe große braune Augen und dunkle Haare. Jetzt werden sie sich sicher fragen was an der Beschreibung so Außergewöhnlich sein mag. Im Grunde genommen gar nichts, wenn man sich meine emotionelle Seite wegdenkt. Doch zu einem Menschen gehört nun mal der Körper und seine Seele, sprich meine Charakterzüge und Eigenschaften.
Jeder Mensch hat seine Ängste, die sich verschieden äußern. Man muss lernen mit Ihnen umzugehen, da sie sich auf Dauer nicht verdrängen lassen. Manche Personen werden unruhig, fangen an Nägel zu beißen, spüren einen inneren Druck oder laufen im Gesicht rot an wenn sie Ihren Ängsten ausgesetzt sind.
Doch jeder definiert seine Ängste anders. Je stärker sich so ein Zustand manifestiert hat, umso schwieriger ist es aus eigener Kraft raus zu kommen.
Objektiv gesehen haben viele Menschen bei dem Gedanken an eine Prüfung (Vorstellungsgespräch, Eignungstest, Führerscheinprüfung, Fahrausweiskontrolle oder ganz einfach die Kontrolle am Flughafen durch den Metalldetektor) vielleicht ein mulmiges Gefühl. Manche nehmen es ganz locker hin und es wird auch bestimmt welche geben die sich darauf freuen ihr Können demonstrieren zu können. Natürlich gehe ich von der Annahme aus, dass alle Personen gut vorbereitet sind. Doch bei mir trifft eine weitere Variante zu: Panikattacke!
Ich werde Ihnen jetzt ein paar Geschichten erzählen damit sie sich einen Überblick verschaffen können und zwar chronologisch.

Die erste Begegnung mit erhöhter Anspannung hatte ich bei einer Schularbeit in der Schule. Doch das war nicht nur bei mir der Fall, sondern auch bei einigen anderen Klassenkameraden.

(Im Jahr 2002) Die nächste Erfahrung die ich hatte war nach der Matura am JFK Flughafen in New York. Da ich zum ersten Mal nach Amerika gereist bin und „das Einreisen“ etwas länger gedauert hat, haben durch die lange Reisestreck und die leichte Nervosität meine Hände angefangen zu zittern. Ich muss dazu sagen, dass ich zum ersten Mal ganz alleine gereist bin. Und da kam sie, die unvermeidliche Frage vom Zollbeamten: „Warum zittern sie?“ meine Rechtfertigung folgte sehr rasch. Von da an verstärkte sich die Symptomatik in kleinen Schritten bei mir. Da die Umgebung mein Zittern als „nicht normal“ dargestellt hat, folgte eine Periode voller Untersuchungen für mich. Ich erinnere mich nicht mehr an meine Gedanken damals aber ich wollte der Ursache auf dem Grund gehen und sie beheben.

Die Untersuchungen bestätigten, dass ich vom körperlichen her sehr fit bin. Meine Blutwerte stimmten, bei der „Magnet Resonanz Tomografie“ war mein Befund auch nicht auffällig. Man schlug mir vor mich stationär aufzunehmen um zu schauen wie und ob ich auf gewisse Medikamente reagiere. Das war mir zu viel des Guten und ich habe alle Untersuchungen unterbrochen und wollte nichts davon wissen. Es war auch sehr schwer den Menschen um mich herum zu erklären was los ist.

Nun zu der nächsten prägenden Geschichte die ich bis heute noch nicht abgeschlossen habe. Im Winter 2002 habe ich mich in einer Fahrschule eingeschrieben und wollte den B-Schein machen. Die Theorie verlief auch ganz gut, ich habe gleich den theoretischen Teil gemacht und bestand ihn auch. Doch bis ich den praktischen Teil angefangen habe verging über ein Jahr. Über den Sommer habe ich insgesamt 50 Fahrstunden gemacht. Ich habe in der Zeit gemerkt, dass ich sehr unruhig bin wenn ich mich „geprüft“ fühle. Mein Fahrlehrer, den ich bis auf die Stunde vor der Prüfung hatte meinte nur: „Könnte ich dir doch nur etwas Ruhe von mir abgeben dann würdest du die Prüfung problemlos bestehen“. Leider war dies nicht möglich und ich folgte meiner Königsdisziplin „Das endlos Denken“, Nur damit Sie sich ein Bild machen können, schreibe ich Ihnen die Gedanken von ca. einer Minute auf.
[Hoffentlich ist es am Tag meiner Prüfung schön. Aber was ist wenn es nicht schön sein wird? Ich bin doch immer besser gefahren wenn die Sonne am Himmel war! Ich darf mir nicht einreden, dass mein Fahrstil wetterabhängig ist. Was ist wenn ich so aufgeregt bin, dass ich meine Hände nicht ruhig halten kann und der Prüfer sieht das? Was ist wenn ich mich nicht beruhigen kann? ]
Da ich nur im entspannten Zustand abschalten kann, zerlege ich unter Stress jeden Gedanken in tausend Teile und steigere mich in einen für mich nicht erträglichen Panikzustand.
In der Stunde vor der Prüfung hatte ich auf einmal einen anderen Lehrer. Diese Dame hat mich zwei Stunden lang um einen einzigen Häuserblock fahren lassen und hat abschließend gemeint, dass ich zu Gott beten soll, denn nur durch ein Wunder könnte ich die Fahrprüfung bestehen. Das waren nicht unbedingt die Motivationssätze die ich hören wollte.
Am Tag der Prüfung habe ich mir alle positiven Gedanken durch den Kopf gehen lassen die ich kannte. Es hat ja auch funktioniert aber leider nur in der Zeit wo ich gewartet habe. Als ich dann Fahren sollte verließen mich alle guten Geister, meine Hände fingen an zu zittern und eigentlich wusste ich ab diesen Moment das ich verloren habe, denn die Angst vor der Aufregung war größer als je zuvor. Sie beherrschte nicht nur meine Gedanken sondern auch meinen völlig versteiften Körper. Mein Herz pulsierte in meinem Kopf. Ich hatte das Gefühl als ob ich jeden Moment explodieren könnte. Es dauerte nicht mehr all zu lange und der Prüfer meinte „rechts anhalten“ und dann folgte die gemeinste Unterstellung die man mir nur machen konnte „Haben`s was genommen?“ was ich mit einem klaren „NEIN!“ beantworten habe. Anstatt mir Drogenkonsum zu unterstellen, hätte er nur eine Pulsuhr anlegen sollen. Leider verteidigte mich meine Fahrlehrerin nicht einmal ansatzweise. Es ging mir nicht um den Schein, denn mit der Aufregung hätte nicht einmal Schuhmacher fahren können. Es ging mir um ein bisschen Verständnis. Mir ist schon klar, dass ich zu den seltenen Exemplaren gehöre die in so einer Situation einen Panikzustand herbeiführen können aber mir nicht zu glauben wenn ich sage „das ist die Aufregung“ macht mich sehr traurig. Als krönenden Abschluss fragte mich die Person die sich „Prüfer“ nennt ob ich nicht aussteigen und zu Fuß gehen will.
Ab da merkte ich schon ganz deutlich, dass mich sehr wenige verstehen und noch weniger Leute meine „Angst vor der Angst bzw. Aufregung“ nachvollziehen können. Viele Menschen versuchen Sachen die ein negatives Bild machen einfach nicht zu erwähnen oder zu verstecken. Doch meine „Angst vor der Angst“ hat sich so manifestiert, dass sie sehr viele und wichtige Teile meines Lebens beherrscht.

Wenn ich auf der Uni eine Prüfung schreiben musste, war das am Anfang mit einer erhöhten Aufregung verbunden. Viele werden sich jetzt denken „Mehr lernen, dann braucht man auch keine Angst haben zu versagen“ Wenn die Formel so einfach wäre, hätte ich keine Probleme, denn „Lernen“ ist ein Grundstein auf einer Hochschule und das ist auch mir bewusst. Aber was macht man im Fall wenn einem die Hände so zittern, dass man nicht im Stande ist seinen eigenen Namen zu schreiben? Es helfen weder irgendwelche Beruhigungstropfen noch sonst was bei mir. Wenn ich ein Pulver nehme, dann senkt es meine überhöhte Aufregung um etwa 30 Prozent, aber was soll ich nur mit den übrigen 70 Prozent? Aus meinem Gefühl hinaus könnte ich glatt behaupten, dass kein Medikament so gut oder so stark sein kann das es meine Nerven beruhigt und ich noch im Stande bin eine Leistung zu erbringen.

Abschießend möchte ich Ihnen erzählen wie die letzten fünfzehn Vorstellungsgespräche - größtenteils, dank meiner Aufregung - verlaufen sind, nämlich negativ. Wobei ich mich nur auf das Letzte beziehen möchte.

Da ich wegen meiner dauernden Anspannung und meinen Ängsten mein Studium nicht weiterführen konnte habe ich mich auf die Suche nach einem Job gemacht. Wobei ich keine besonderen Anforderungen hatte. Es sollte etwas sein was ich relativ gerne mache damit ich endlich ein Erfolgserlebnis verspüre. Da ich durch meine fehlende kaufmännische Ausbildung in Büro nicht reingepasst habe, dachte ich mir „ Ich werde wohl das machen was ich schon vorher gemacht habe und worin ich gut bin“. Das war das Gebier „Call Center“. Erfreulicher Weise wurde ich auch vom Herrn Oliver Szmodits zu einem Vorstellungsgespräch eingeladen, doch bis auf die Einladung war die Begegnung mit diesem Menschen alles andere als Erfreulich- Da meine Augen an diesem Tag eingetropft wurden war ich in Begleitung meines wundervollen Freundes, der mir immer Halt in solchen Situationen gibt. An dem besagten Tag bin ich vor lauter Unruhe schon um 4:00 aufgewacht und konnte nicht mehr einschlafen. Der einzige Gedanke den ich schon um diese Uhrzeit hatte war: „Was ist wenn ich Angst bekomme? Was ist wenn meine Hände zu zittern beginnen? Was ist wenn ich einen Schweißausbruch bekomme? Was ist…. Was ist wenn…. Was ist wenn…“
Als ich im Gebäude war und mich in meine größte Angst reingesteigert habe, nämlich „Die Angst vor der Aufregung bzw. die Angst vor der Angst“ ist genau das eingetreten was ich mir schon um 4:00 ausgemalt habe. Ich konnte keinen klaren Gedanken mehr fassen. Ich verspürt nur mehr panische Angst und wollte wieder gehen, was ich auch mit Sicherheit gemacht hätte wenn mein Freund mich nicht beruhigt hätte. Meine Hände zitterten ohne Ende und der Schweiß war auf jedem Fleckchen in meinem Gesicht zu sehen.
Doch wie gesagt meine gute Seele die Sasa heißt hat es geschafft meine Aufregung in Grenzen zu halten. Ich wurde von Herrn Szmodits abgeholt und musste in seinem Büro eben auf seine Fragen antworten und diverse Aufgabestellungen am Computer bewältigen. Da ich aber in meiner Vergangenheit viel mit PC`s zu tun hatte konnte war das der leichtere Teil der Aufgabe. Es gab nur ein Problem: „Meine zittrigen Hände“ Aber wenn jemand prüfend seinen Blick auf meine Hände fixier, dann fühle ich mich nun mal nicht wohl dabei. Doch ich konnte die Situation nicht dabei belassen, denn ich merkte schon seinen merkwürdigen Blick. Ich versuchte ihm zu erklären, dass es reine Nervosität und Anspannung bei mir sei. Er wies mich noch mit einer abwertenden Tonlage darauf hin, dass ich eine nicht normale Gangart habe und nach 45 Minuten war das Gespräch zu Ende. Es schien eigentlich ganz gut zu laufen denn seine Anforderungen konnte ich erfüllen,
Der Herr Szmodits meldete sich bei mir an nächsten Abend mit einer Standartabsage „Es tut mir leid aber….“ Ich muss dazu sagen, dass die Firma keine Begrenzung hatte was die Aufnahme von Bewerbern anging, denn im Call Center regiert das Prinzip „Je mehr Agents umso besser“. Auf meine Frage „Sagen sie mir ehrlich warum sie mich nicht einstellen wollen, denn ich entspreche genau ihrem Profil, habe schon über ein halbes Jahr im Call Center davor gearbeitet und konnte all ihre Aufgabestellungen bewältigen“ sagt er „ Sie haben zwar die Qualifikationen für’s Call Center aber haben mich angelogen, denn es ist nicht normal das man unter Anspannung zu zittert… und überhaupt es sei eine Frechheit, dass ich ihm meine Krankheit verschwiegen habe“. Ich antwortete nur mehr, dass ich die Wahrheit gesagt habe, er solle nicht Doktor spielen und er täte mir auf der menschlichen Ebene leid. Nachdem ich aufgelegt habe bin ich in die Hände meines liebevollen Herzchens gefallen und wir haben angefangen zu weinen.

Ich bin so wütend, dass ich es kaum in Worte fassen kann. Wieso wagt es ein Mensch über meine ganze Person zu urteilen der mich überhaupt nicht kennt? Wieso versucht ein Personalberater über meinen Gesundheitszustand zu diagnostizieren ohne nachzufragen ob das körperlich von einem Arzt untersucht wurde? Wieso spielt so ein Personalberater Gott und unterstellt mir zu lügen obwohl ich die Wahrheit gesagt habe? Wieso verstehen die Menschen nicht, dass nicht jeder gleich funktioniert? Wieso können mich die Menschen einfach nicht so hinnehmen wie ich bin und halten meine Anspannung für komisch oder krank?

1

Hallo!

Meiner Mutter geht es in geringerem Ausmaß genauso - ihre Hände zittern, wenn sie das Gefühl hat, dass ihr jemand auf die Finger schaut und sie prüft. Es beeinträchtigt sie zwar nicht so stark, aber bei der Arbeit (sie baut Kabelsätze für Autos, da hat sie sehr oft mit sehr kleinen Teilen zu tun, die präzise eingesetzt werden müssen) behindert es sie ab und zu schon.

Ich kenne die Angst vor der Angst; bei mir gab es eine Zeit, da wurde mir aus dem Grund regelmäßig schlecht (zeitlich sehr unpassend, wenn man Abi und Vorstellungsgespräche meistern muss...). Die Gesellschaft neigt dazu, einem körperliche Krankheiten zu unterstellen; damals war ich auch zum MRT, natürlich ergebnislos, ich war ja nicht krank, nur total überspannt. Das weiß ich jetzt. Hätte ich das Wissen mal damals gehabt, hätte ich meine Hausärztin einfach um ein pflanzliches Beruhigungsmittel oder ein Rezept für einen Kurs für Entspannungstechniken gebeten und alle Untersuchungen abgeblockt.

Denn das einzige, das wirklich hilft, ist sich Entspannungstechniken anzueignen. Zu wissen, dass es die Angst vor der Angst ist, ist der erste Schritt. Als nächstes muss man sich entweder davon ablenken lernen oder aber lernen, mit der Angst vor der Angst gelassener umzugehen. Bzw. zu begreifen, wie irrational es ist, sich davor zu fürchten, dass man Angst bekommen könnte. Wenn man das alleine nicht hinbekommt, sollte man sich professionelle Hilfe holen - zum Therapeuten zu gehen heißt nicht, dass man verrückt ist, sondern nur, dass man mit einem seelischen Problem allein nicht zurecht kommt. Dafür muss man natürlich auch erstmal über seinen Schatten springen und das nicht als Versagen einstufen #;-).

Yoga und Entspannungsübungen sind auch eine große Hilfe zur Angstbewältigung.

Viel Erfolg und gute Besserung,
Steffi

2

wenn du es nicht selbst in den griff bekommst such dir bitte einen psychologen. bevor es schlimmer wurde. ich hab zu lange gewartet und bei mir ist die angst so schlimm geworden, das ich mich kaum noch aus dem haus traue

3

Hallo asia!
Ich habe mit großem Interesse Deinen Beitrag gelesen.
Folgendes möchte ich gerne dazu anmerken:
Ich finde es nicht fair von Dir, andere Personen mit Vor- und Nachnamen hier zu erwähnen; egal, wie sehr Du Dich über diese auch ärgern magst.
Es gibt für uns ForumsteilnehmerInnen keine Möglichkeit, die Objektivität und den Wahrheitsgehalt Deines Beitrages zu beurteilen. Dementsprechend unfair finde ich es, jemanden öffentlich etwas vorzuwerfen und ihm nicht die Chance zu geben, dazu Stellung zu beziehen (oder hast Du Herrn Szmodits von Deinem Beitrag in Kenntnis gesetzt?).
Aus Deinem Beitrag geht deutlich hervor, wie sehr Du Dich über die fehlende Fairness anderer ärgerst. Aber wie fair wurde Dein Beitrag verfasst? Vielleicht denkst Du darüber einmal nach.

Alles Gute!

Top Diskussionen anzeigen