Zwillinge: Eine besondere Schwangerschaft
Je älter eine werdende Mutter ist, umso größer ihre Chance, Zwillinge zu bekommen. Was unterscheidet diese Schwangerschaft von anderen? Und unter welchen Voraussetzungen können Zwillinge spontan entbunden werden?
Zwillinge sind gar nicht so selten
Auf 85 Geburten kommt eine Zwillingsschwangerschaft. Es gibt bekanntlich eineiige und zweieiige Zwillinge. Der Unterschied: Bei eineiigen Geschwistern wird eine einzige Eizelle durch ein Spermium befruchtet. Die befruchtete Zelle teilt sich im Verlaufe ihrer Entwicklung aber in zwei Embryonal-Anlagen. Manchmal müssen sich eineiige Zwillinge einen Mutterkuchen teilen, manchmal hat jeder einen eigenen. Gleiches gilt für die Fruchtblase. Die eineiigen Geschwister haben dieselben Erbanlagen, also auch dasselbe Geschlecht, und sehen einander sehr ähnlich. Nur ein Viertel aller Zwillinge sind jedoch eineiig.
Bei zweieiigen Zwillingen hatte die Mutter einen doppelten Eisprung und es werden beide Eizellen von zwei Spermien getrennt befruchtet. Die daraus entstehenden Kinder sind einander nicht ähnlicher als normale Geschwister und können daher auch unterschiedliche Geschlechter haben. Theoretisch ist es sogar möglich, dass zweieiige Zwillinge von unterschiedliche Vätern sind. Wenn der zweite Eisprung, was durchaus vorkommt, um einige Tage verzögert ist, kann das zweite Ei theoretisch von einem anderen Mann befruchtet werden.
Bei Drillings- und Mehrlingsschwangerschaften gibt es Kombinationen aus beiden Zwillings-Möglichkeiten. Sie sind von Natur aus sehr selten. Sie kommen jedoch deutlich häufiger vor, seit bei der Behandlung unfruchtbarer Paare Hormone eingesetzt werden, die den Eisprung anregen. Haben sich dabei zu viele Embryonen eingenistet, können sie während der Frühschwangerschaft reduziert werden.
Je älter die Mutter, desto häufiger gibt’s Zwillinge
Die Wahrscheinlichkeit einer von Natur aus auftretenden Schwangerschaft mit zweieiigen Zwillingen steigt mit dem Lebensalter der Mutter an (ab 35). Auch mit der Anzahl der vorhergegangenen Schwangerschaften steigt das "Zwillingsrisiko". Ebenso spielt die Vererbung eine Rolle: Wenn es bereits zweieiige Zwillingsschwangerschaften in den Familien der Mutter gab, ist die Wahrscheinlichkeit größer, dass auch sie Zwillinge bekommt. Eineiige Zwillinge scheinen nach dem derzeitigen Stand der Forschung eine tolle Laune der Natur zu sein.
Zwillinge entwickeln sich eigentlich wie Einlinge. Jedoch kommt es mit ihnen öfters zu Problemen in der Schwangerschaft (vorzeitige Wehen, häufigere Frühgeburten, kindliche Wachstumsstörungen), weshalb Zwillinge durchschnittlich etwa drei Wochen vor Termin geboren werden. Statistisch gesehen sind sie ein Kilo leichter, als einzeln geborene Kinder und brauchen etwa fünf Jahre, bis sie diesen Rückstand aufgeholt haben. Sie kommen außerdem öfter per Kaiserschnitt zur Welt. Sie können jedoch spontan entbunden werden, wenn der zuerst kommende Zwilling in Schädellage (also normal mit dem Kopf nach unten) liegt und die Schwangerschaft mindestens 34 Wochen alt ist. Auch sollten die Kinder nicht leichter als etwa zwei Kilo sein, und das zweite nicht wesentlich größer als das erste. Liegt das erste Kind in Beckenendlage, sind die Kinder noch sehr klein oder beginnt eines der Kinder zu "schwächeln", weil es unterversorgt ist, wird ein Kaiserschnitt gemacht. Drillinge und Mehrlinge holt man immer per Kaiserschnitt.
Worauf müssen Zwillingseltern achten?
Die üblichen Schwangerschaftsbeschwerden (Übelkeit), aber auch ernstere Schwangerschaftsprobleme (Gestose) treten bei Zwillingsschwangerschaften häufiger auf. Auch ist die Grenze der Belastbarkeit der Frau oft viel früher erreicht. Deshalb sollte sie sich nicht scheuen, sich notfalls krank schreiben zu lassen, solange sie noch nicht im ist. Auch eine Schwangere, die Zwillinge erwartet, sollte nicht mehr als 15 Kilo zunehmen und keinesfalls "für drei" essen.Sie muss die Vorsorgeuntersuchungen, die ihr der Frauenarzt empfiehlt, gewissenhaft einhalten. Auch wenn es – besonders im zweiten Teil der Schwangerschaft – deutlich mehr Termine sind, als bei Einlingsschwangerschaften. Auch sollte die Geburtsklinik danach ausgesucht werden, ob man dort besondere Erfahrung mit der Entbindung von Zwillingen hat.
Sind die Kinder da, gibt es keinen besseren Rat, als so früh wie möglich mit der Betonung der Unterschiede zu beginnen. So niedlich gleiche Frisur und Kleidung aussehen mögen – sie sind Gift für die Persönlichkeitsentwicklung der Kinder. Wird nicht genügend auf die Individuation (Erziehung zur eigenen Persönlichkeit) geachtet, reagieren Zwillinge Studien zur Folge noch mit über drei Jahren auf beide Namen, betrachten sich also als Einheit. Jeder Mensch hat aber das Recht darauf, unverwechselbar und einmalig zu sein, auch und gerade Zwillinge. Auch werden Zwillinge oft nicht so gefördert, wie allein geborene Kinder. Ihre Sprachentwicklung verläuft daher meist langsamer und sie werden weniger zum Spielen und zu Entdeckungen animiert. Der Grund: Sie beschäftigen sich viel miteinander, was für die Eltern nicht unbequem ist. Es ist für Eltern sowieso nicht leicht, alle Kinder gleich zu behandeln, bei Zwillingen aber verschärft sich dieses Problem noch. Leicht kommt es dazu, dass ein Geschwister bevorzugt, der andere vernachlässigt wird. Die Eltern sollten sich immer wieder (auch gegenseitig) überprüfen, ob dies der Fall ist und gegebenenfalls gegensteuern.
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