Wie soll es denn nun heißen?
Die Frage nach dem Namen des neuen Erdenbürgers kostet nicht nur so manche werdende Eltern einige Nerven. Aber sie macht Müttern und Vätern in spe auch viel Spaß. Damit Kinder sich später nicht mit ihrem Namen bestraft fühlen, ist Fingerspitzengefühl gefragt.
Nicht alles, was gefällt, ist erlaubt
Donald Duck, Tarzan, Winnetou, Asterix – Wenn es um die Namenswünsche einiger Eltern für ihr Kind geht, schlackern Standesbeamte oft nur noch mit den Ohren. So mancher Name scheint von einem nicht mehr ganz nüchternen Witzbold am Stammtisch erdacht worden zu sein. Ein echter Lacher, nur nicht für das Kind.
So schiebt die Dienstanweisung für die Standesbeamten und ihre Aufsichtsbehörden denn solch schwachsinnigen Einfällen auch einen Riegel vor: Namen dürfen seinen Träger nicht der Lächerlichkeit preisgeben. Ebenfalls verboten sind Titel als Vornamen. Wer also glaubt, dem Sprössling mit dem Vornamen "Doktor" die Mühe einer akademischen Karriere ersparen zu können, täuscht sich ebenso wie derjenige, der gern ein "Graf" oder "Lady" vor den Namen des Kindes setzen möchte. Auch religiöse Gefühle dürfen durch einen Vornamen nicht verletzt werden: So sind in Deutschland die Namen Jesus, Christus, Judas oder Satan verboten, wohingegen die Namen Jesus und Christus in Spanien (Jesús) oder Griechenland (Christos) erlaubt und recht häufig sind.
Namen: Spiegel der elterlichen Eitelkeiten
Leider kann man sein Kind auch mit erlaubten Namen ein Leben lang lächerlich machen. So wird Apoll Schulze wohl ebenso wenig froh werden mit der Wahl seiner Eltern wie Marylin Hintermoser. Der Name sollte jedoch nicht nur so wenig abgehoben wie möglich sein, sondern natürlich auch zum Typ des Kindes passen. Eine mausblonde, dünne Carmen wirkt eben doch etwas armselig neben dem rassig-dunklen spanischen Vorbild.
Natürlich darf der Name auch nicht zu altmodisch sein. Die aus germanischer Zeit stammenden Namen Volkberta, Erdmute, Ingobert oder Ottheinrich werden wohl nur wenige Eltern in Betracht ziehen – obwohl sie einstmals sehr beliebt waren.
Doch auch bei den brandaktuellen englischen oder anderen ausländischen Namen geht der Schuss leicht nach hinten los: Nicht nur passen sie selten zu den deutschen Nachnamen. Auch werden sie allzu oft falsch ausgesprochen. So wird aus Norman meist "Noam", aus Patrick ein hartes "Pettrick" mit deutschem "r" und aus dem peppigen Manuél (auf der letzten Silbe betont) ein auf der ersten Silbe betontes gedehntes "Maahnuel". Auch muss man bei populären Namen wie Yannick oder Jennifer damit rechnen, dass sich immer gleich ein halbes Dutzend Kinder umdreht, wenn man das eigene Kind ruft.
Ein Pumuckel in Nadelstreifen?
Eltern haben es also wirklich nicht leicht bei der Suche nach dem ultimativen Namen fürs Baby. Denn es lauert noch eine Falle: Viele Namen klingen bei Kindern noch sehr niedlich, aber welcher Erwachsene möchte schon einen niedlichen Namen? Pumuckel (Koseform von Nepomuk) oder Benjamin (hebräisch: Glückskind) passen eben besser zu einem kleinen Jungen mit Kulleraugen, als zu einem grauen Mittfünfziger in Nadelstreifen.
Hören Sie auf Ihr Gefühl
Egal, wie Sie sich entscheiden, folgende Tipps werden Ihnen die Qual der Wahl erleichtern:
- Überlegen Sie nicht zu lange. Die Erfahrung zeigt, dass Favoriten, die monatelang hin- und her gewälzt und durchgekaut werden, einem bald zum Halse raushängen. Am Ende werden sie oft fast angeekelt verworfen, um dann einer Blitzentscheidung Platz zu machen.
- Besorgen Sie sich ein oder zwei Namensbücher oder werfen Sie einen Blick in die urbia-Namensvorschläge und arbeiten Sie diese getrennt von Ihrem Partner durch. Beide kreuzen alle Namen an, die ihnen gefallen. Aus den Übereinstimmungen, die beide angestrichen haben, stellen Sie eine Favoritenliste zusammen und wählen den Namen aus, der ihnen beiden am meisten zusagt.
- Lassen Sie liebe Anverwandte oder Freunde bei der Namenssuche außen vor. Genörgel anderer am einmal gefundenen Namen ist ärgerlich und überflüssig ("Kira? So heißt bei unserem Bauern eine der Kühe im Stall!"). Wenn Sie wissen, dass Ihre Verwandtschaft in dieser Hinsicht problematisch ist, behalten Sie Ihre Wahl so lange wie möglich für sich. Stellen Sie bei "Bekanntgabe" des Namens ruhig und entschieden klar, dass Ihre Entscheidung unumstößlich ist und lassen Sie sich nicht auf Diskussionen ein.
- Seien Sie offen für spontane Entschlüsse. Sie stoßen beim Lesen eines Buches auf einen ganz tollen Namen? Sie hören eine Mutter Ihr Kind bei einem Namen rufen, der Ihnen auf Anhieb gefällt? Bei der Namensgebung sind solche Gefühlsentscheidungen goldrichtig.
- Lassen Sie aber Ihre kleinen Eitelkeiten außen vor und verzichten Sie auf zu extravagante Namen. Seien Sie ehrlich: Es ist nun mal viel wahrscheinlicher, dass Ihr Sprössling ein ganz normaler Mensch wird, als dass er zum weltberühmten Schauspieler oder Popstar avanciert (in welchem Falle er/sie sich immer noch einen Künstlernamen zulegen kann).
Lesetipps
Cornelia Nitsch: Die schönsten Vornamen für mein Kind. Klangvolle Namen und schöne Doppelnamen. Mosaik Verlag, € 12,45
Brigitte Otto: Das neue Buch der Vornamen. Herkunft und Bedeutung. Econ und List Taschenbuch Verlag, 7,45 €